Es geht mir darum, einmal aus der Froschperspektive zu schildern, wie sich die satten woken Aktivisten des so genannten Klimaschutzes gegenüber uns afrikanischen Habenichtsen aufführen.
Von Jan Rudolf Haß
Ich folge dem Podcast Indubio regelmäßig und mit Gewinn. Die Folge „Viel Nebel bei Atmosfair" zum CO2-Ablasshandel fand ich geradezu elektrisierend. Denn wir, meine Frau und ich, betreiben seit 2010 eine Fabrik für Holzkohlenbriketts in Uganda. Primärbrennstoffe sind dort Feuerholz und Holzkohle; nicht zum Heizen, zum Kochen. Das Thema Handel mit Emissionszerifikaten begegnet mir darum immer wieder.
Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums und der Abholzung der Wälder ist Uganda Importeur von Feuerholz. Folge der Abholzung sind Erdrutsche, Erosion, sinkender Grundwasserspiegel. Soweit es die so genannten Klimaschützer betrifft, verschwinden mit den Bäumen natürliche CO2-Speicher. Wir sammeln den Kohlenstaub ein, der an den Verkaufsständen für Holzkohle übrig bleibt, versetzen ihn mit einem Bindemittel und pressen ihn zu Briketts (im Fachjargon heißt das Vendors Waste Charcoal), ein weiterer Rohstoff sind Landwirtschaftsabfälle von Märkten.
Drei Jahre lang war unser Produktionsstandort in der Flüchtlingssiedlung Nakivale unweit der tansanischen Grenze. Dort leben zirka 70.000 Flüchtlinge aus allen Teilen Afrikas. Demnächst gibt es wohl Zuwachs aus Afghanistan (die USA laden in Uganda ab). Bis vor etwa 20 Jahren war die Gegend bewaldet. Jetzt gleicht sie einem Golfplatz. Nahezu der gesamte Baumbestand ist unter Kochtöpfen gelandet. Wie dringend das Problem ist, sah auch der UNHCR und wandte sich an uns. Nach drei Jahren war indes unsere Leidensfähigkeit erschöpft: Zahlungsverzögerungen von sechs Monaten und mehr kann sich niemand leisten. Obendrein handelten Dritte mit Billigung des UN-Flüchtlingswerks mit CO2-Zertifikaten für unsere Briketts. Als Privatunternehmer sollte man sich beser nicht mit den UN einlassen.
Das Gespräch war kurz und unfreundlich
Ende letzten Jahres verlagerten wir die Produktion in die Hauptstadt Kampala. Trotz eines Lockdowns, von dem Karl Lauterbach träumen würde, entwickeln sich die Dinge dort sehr gedeihlich. Der Energiehunger der Dreimillionenstadt ist unstillbar. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen wird dort nämlich in Privathaushalten, Schulen und Restaurants mit Holzkohle oder Feuerholz gekocht.
Unsere Briketts brennen bis zu drei Stunden und haben einen erheblich besseren Brennwert als Holzkohle und Feuerholz. Sie sind gut für die Gesundheit, weil rauchfrei und "gut für das Klima", denn sie verhindern Abholzung. Was lag also näher, als bei bei der gemeinnützigen (!) atmosfair gGmbH einmal nachzufragen, ob wir, die Uganda Green Fire Ltd., in ihr Projektportfolio passen?
Also rief ich am Tag Ihrer Sendung (26. August) dort an. Das Gespräch war kurz und unfreundlich. Als ich einem Herrn, dessen Name mir entfallen ist, sagte, dass wir Holzkohlenbriketts in Uganda herstellen, hörte ich: "Wissen Se, ick hab det nich so mit Grillen." Mit so bestürzendem Sachverstand hatte ich nicht gerechnet. Auch meine Erklärungen und der Verweis auf vorliegende international anerkannte Zertifizierungen halfen nicht weiter. "Wissen Se, Sie brauchen erstmal 'ne Zertifizierung mit 'ner Zehnjahresprognose vom TüV Süd. Für sone Projektentwicklung müssen Se erstmal 500.000 Euro in die Hand nehmen. Wenn Se det jemacht ham, dann könn Se sich wieda melden." Der Kürze halber erspare ich Ihnen die fachlichen Fehler meines Gesprächspartners mit dem herben Berliner Charme.
Obwohl ich behandelt wurde, als wollte ich ein Jahresabonnement für Jehovas Wachtturm verkaufen, war die Unterhaltung lehrreich. Entgegen der Außendarstellung liegt der atmosfair gGmbH offenbar nichts an konkreten Klimaschutzprojekten (vergleiche Wikipedia). Dieses Unternehmen verkauft staatlich gefördert und steuerbegünstigt Ablass. Den Zutritt haben aber nur Begüterte aus der ersten Welt. Dort, wo es wirklich etwas zu tun gibt, etwa in Afrika, sehen die Herrschaften nicht hin. "Klimagerechtigkeit" ist nur ein Schlagwort für Internet und Fernsehdiskussionen.
Die satten woken Aktivisten des so genannten Klimaschutzes
Uganda Green Fire Ltd. ist nicht auf das Wohlwollen der atmosfair gGmbH angewiesen. Wir verdienen unsere ugandischen Schillinge mit unserem Produkt. Einem Dutzend Mitarbeitern und unseren Verkaufsagenten verhelfen wir mit klassischen kapitalistischen Methoden zu einem Auskommen. Das ist in Uganda anspruchsvoller als in Deutschland. Deswegen empfinde ich für die parasitären Existenzen des so genannten Klimaschutzes eher Verachtung.
Keineswegs will ich einen Kaufmannsroman schreiben. Es ging mir darum, einmal aus der Froschperspektive zu schildern, wie sich die satten woken Aktivisten des so genannten Klimaschutzes gegenüber uns afrikanischen Habenichtsen aufführen.
Kleiner Nachtrag zum Verständnis: Unser ugandisches Unternehmen verdanken wir dem Zufall. Gemeinsam mit lokalen Partnern habe ich es 2010 gegründet, weil das deutsche Außenministerium kurzfristig die Visa unserer ugandischen Adoptivkinder widerrief. Irgendwie musste ich seinerzeit in Uganda Geld verdienen. Die Kinder, damals 2 Jahre alt, konnten wir schließlich nicht zurücklassen. Seither sind wir Uganda, dieser liebenswerten aufgeklärten Kleptokratie, eng verbunden.
Kontakt zum Autor: hass@ugf.one
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Beitragsbild: Hennie Stander unsplash
@H. Schuster: Danke für den erhellenden Beitrag. Den Eindruck fehlender Ausschreibungen und einem Höchstmaß an Nepotismus und Korruption habe ich auch, Und, wohlwissend, dass jeder es weiß, macht man weiter ohne rot zu werden, wie z.B. in den ÖR wo ich beim Anblick der Programmzeitschrift alleine schon den Eindruck lauter kleiner „Familenunternehmen“ bekomme. Betr. Klimaschutz so handelt es sich hier um eine reine AGITPROP Nummer, Schutzschild roterAgenda. Wer einen Dieselskandal zeitigt noch während er fürs Pariser Abkommen wirbt ist nicht sonderlich glaubwürdig. Man hofft halt nach d. Devise Goebbel’s dass wenn man es oft und laut genug wiederholt, ergänzt mit der Diffamierungskeule, irgendwann zur„Wahrheit“ wird. Unglaubwürdig auch jene klimaneutralen Gemeindefunktionnäre die sich um Ihre Infrastrukturarbeit drücken indem sie die Aufgabe um derentwillen sie eigentlich im Amte sind zurückdelegieren an den Bürger auf dass dieser sich d. Stadtfläche vor seiner Wohnung annehme. Kein Problem was CO2 anlangt wenn jeder Anwohner für je 20 Quadratmeter aus 30 km Entfernung den Dienst bestellt, weil die Stadtverwaltung es nicht mal schafft ihr eigenes Gelände zu verwalten oder eine Säuberung für alle günstig vorzunehmen um die Kosten dann gerecht umzulegen.. Ich beobachte bei mir dass für Abflammarbeiten der Straßenmitte für einen Streifen von etwa 2 m wo ich keine Straßenschäden erkenne ein Abflammdienst der Stadt auftaucht und „leer“ arbeitete, für die angrenzende Fläche des Straßenrands sind die Anwohner gehalten einen Dienst zu bestellen. Um es bildlich zu veranschaulichen, stellen sie sich vor für die Reinigung eines Zebrastreifens reisen 3 Putzfirmen an, eine für die Mitte und eine für rechts und links der Mitte bis Gehsteig. Kein Problem fürs grüne Gewissen, Hauptsache, der Schreibtisch ist frei für die Hochglanzbroschüre fürs Klima und man hat nichts zu tun, wie es ja ein Stadtangestelter einst ganz offen zu gab, (12.5.2021 Bild)
Tolles Stück! Weiter viel Erfolg und Grueße an das Rwenzori-Gebirge.
@Andy Malinski: In der Schweiz funktioniert das, da kommen gestandene Millionäre und lassen ein Geärt für 200 CHF reparieren, was einen Restwert von 190 CHF hat. Wirtschaftlich wird das wenn man die Wiederbeschaffung betrachtet und diese 999 CHF ausmachen täte. Gehe ich vom Restwert aus, dann ist das Reparieren nutzlos, wenn ich aber überlege, was ich an Ersatzzahlung leisten müsste, so sind 200 CHF billig. Also wird repariert und in der Bilanz ist das dann 799 CHF billiger. Bitte, geht doch, nur rechnen muß man eben können, keine besondere deutsche Stärke.
Deswegen ist „achgut“ so wertvoll. Die Autoren verstehen etwas von den Dingen worüber sie schreiben.
Da kann ich auch etwas Hinzufügen:
Eine namibische Ärztin (Herero/Nama), die gern in D studieren wollte und da man sie ablehnte, dann aber in China ausgebildet wurde, bat mich, etwas hinsichtlich eines Ausbildungswunsches ihres Partners zu unternehmen. Ich recherchierte und gab entsprechende Hinweise, wie sie vorgehen sollte, was, da sie fehlerfrei Deutsch spricht, für sie leichter werden würde, als für mich.
Ich wandte mich vor einigen Monaten auch an die Konrad Adenauer Stiftung in Windhuk, mit der Bitte um Unterstützung für diese beiden engagierten jungen Leute. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten.
Atmosfair: Wasser predigen und Schampus saufen. Das ist das Prinzip der links-grünen Guttmenschenschickeria.
2010 Kabinett Merkel II (2009-2013), Außenminister Guido Westerwelle, fdp. Das die fdp wirtschaftsfreundlich ist war mir bekannt. Diese Methode der Wirtschaftsförderung kannte ich bisher aber nicht. PS Kann man sich an Ihrem Unternehmen beteiligen?