Der Achse-Beitrag vom 12.02.2026 „Energie aus der Wundertüte“ erregte viel Zustimmung, aber auch viel Widerspruch. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Beginn des Fusionszeitalters regelmäßig angekündigt. Die Kernfusion ist DAS ultimative Heilsversprechen der Ingenieure an die Gesellschaft: unbegrenzte Energie nach Bedarf für jeden – sozusagen der perfekte Energiekommunismus. Im Sinne von „Atomkerne schicken keine Rechnung“.
Trotz erheblicher Investitionen, technologischer Fortschritte und wiederkehrender „Durchbrüche“ bleibt der Zeitpunkt der kommerziellen Nutzung konstant in der Zukunft. Dieser seit 75 Jahren existierende Running Gag der Physik wird hier erstmals wissenschaftlich durch die Haferburgsche Fusionskonstante beschrieben.
- Axiomatik
- Mathematische Formulierung
Axiom 1 – Die Invarianz der Zukunft
Die Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Kernfusionskraftwerks erfolgt in genau 50 Jahren – unabhängig vom Zeitpunkt der Betrachtung.
Axiom 2 – Die jährliche Fortschrittskompensation
Jedes Jahr wissenschaftlichen Fortschritts wird exakt durch eine Verschiebung des prognostizierten Inbetriebnahme-Datums um ein weiteres Jahr kompensiert. Ursache dafür sind immer neue Probleme, die erst dann auftauchen, wenn eine der vorherigen Herausforderungen erfolgreich bewältigt wurde.
Axiom 3 – Die Unabhängigkeit von Technologiepfaden
Die Fusionskonstante gilt unabhängig von:
- Tokamak‑ und Stellarator-Konzepten
- Laserfusion und Kalter Fusion
- Start‑ups mit putzigen PowerPoint‑Reaktoren
- politischen Versprechen, geboren aus Unverständnis oder Größenwahn
Sei tn die prognostizierte Zeit bis zur Industriereife der Fusion im Jahr n. Dann gilt:
tn+1 = tn + 1
mit der Anfangsbedingung:
t0 = 50
Die Lösung ist trivial, aber tiefgründig:
tn = 50 + n
Damit bleibt die Fusion immer 50 Jahre entfernt, unabhängig vom Beobachtungsjahr.
Empirische Evidenz
Beobachtung 1 – Historische Konstanz
Seit den 1950er Jahren wird die Fusion in 50 Jahren erwartet. Diese Erwartung ist über 70 Jahre hinweg stabil geblieben.
Beobachtung 2 – Fortschrittsresistenz
Selbst große Meilensteine, genannt Durchbrüche (ITER‑Baubeginn, NIF‑Energiegewinne, W7‑X‑Plasmarekorde), haben die Konstante nicht beeinflusst.
Beobachtung 3 – Medienresonanz
Jeder „Durchbruch“ wird als „Schritt in Richtung Kraftwerk“ interpretiert, ohne jedoch die Konstante zu verletzen.
- Theoretische Konsequenzen
- Schlussfolgerung
Konsequenz 1 – Die Zukunft als Attraktor
Die Kernfusion ist ein zeitlicher Attraktor, der Prognosen anzieht, aber nie erreicht wird. (Vgl. das religionssoziologische oft verschobene Datum des Armageddon, das polit-mediensoziologische oft verschobene Datum des Eintretens der Klimakatastrophe…)
Konsequenz 2 – Die Selbststabilisierung
Je größer der Fortschritt, desto größer die Komplexität der verbleibenden Probleme. Dies stabilisiert die Konstante.
Konsequenz 3 – Die politische Nutzbarkeit
Die Fusion eignet sich ideal für:
• langfristige Förderprogramme mit relative moderatem Mitteleinsatz
• visionäre Reden von Leuten, die nichts davon verstehen
• technologieoptimistische Wahlprogramme, die ein Versagen bisheriger Energiepolitik kaschieren
Schlussfolgerung
Die Haferburgsche Fusionskonstante ist ein robustes, empirisch bestätigtes Modell zur wissenschaftlichen Beschreibung der Prognosedynamik der Kernfusionsforschung. Sie erklärt elegant, warum die Fusion stets „bald“ kommt – aber nie jetzt.

Lieber Herr Haferburg, ich würde das noch etwas komplizierter gestalten.Ein Anfangswertproblem ist gut, aber den Endwert mittels e-Funktion einzubringen, hätte auch was. Und die seit Corona jedem deutschen Politiker geläufige e-Funktion würde die Fördermittel nur so sprudeln lassen. Natürlich behalten wir im Hinterkopf, dass e^0=1 ist…
Der Artikel, na ja?
Schauen wir uns mal andere große Errungenschaften der Menschheit an.
Wählen wir als Beispiel das Fliegen.
Da Vinci hatte schon die Idee, dass Menschen fliegen können. Er wuste dass das Postulat, Menschen können nicht fliegen weil sie schwerer als Vögels sind oder ähnliche Annahmen falsch waren. Das war ca. 1480. Dann hat es noch 1783 gedauert bis eine Montgolfiere, also ein Heißluftballon, mit einem Menschen fliegt. Danach hat es nochmals schlappen 120 Jahre gedauert bis die Gegrüder Wright 1903 abhoben.
Zwischendurch gabe es immer mal wichtige Techniksprünge und natürlich etliche Versuche zu fliegen. Da hätte man auch sagen können, dass es eine Invarianz gibt.
Versuche von Ruthertford Anfang des 20ten Jahrhunderts zeigten erstmals, dass so etwas wie Kernfusion vielleicht möglich wäre. Erste Kernspaltung 1938 (Otto Hahn) erste Fusionsbombe 1952 erste Kernfusion (kontrolliert) 1991. Es sind also gerade mal 100 Jahre vergangen zwischen „Wir haben eine Idee von Kernfusion“ und „Wir können die Kerfusion für 22 Minuten aufrechterhalten“.
P.S.: Und bitte morgen den Versuch, mittels der Drake-Gleichung intelligentes Leben in der deutschen Politik zu finden. Dazu das Fermi-Paradox: If they exist, where is everybody?
Zur Inertial Confinement Fusion gab es ein schönes Projekt namens Whiffleball von Robert Bussard, das ich seit 2008 mit wachsendem Interesse verfolgte. Im Kleinen sah es gut aus, lieferte sozusagen ein schönes Potential-Tal, in dem man ein Plasma elektrostatisch einfangen konnte, und die US-Marine sponserte das Projekt. Pünktlich mit dem Upscaling kamen die Probleme, das Potential-Tal wurde undicht und zeigte vor allem Nukleonenverluste entlang den Feldlinien, so dass man Fusion betreiben, aber keine nennenswerte Energie gewinnen konnte. Bussard starb, es fand sich ein Nachfolger, aber das Programm verschwand weitgehend von der Bildfläche. General Electric baute eine Art Thermosflasche für Plasma, aber auch davon hat man nichts mehr Ernsthaftes gehört. Sabine Hossenfelder erkennt die sonstigen Fortschritte an und bleibt skeptisch, denn selbst bei Nettoenergiegewinn ist dieser viel zu klein, ein Kraftwerk zu betreiben, oder aber das Material würde das nicht aushalten. Wer Lust auf Tragisch-Skurriles und ein bisschen Nazi-Gossip hat, ergoogelt „Ronald Richter“ und „Huemul“ und stößt auf Ideen von 1936 und dann das gleiche Upscaling für Peron, und dann eine Insel voller Ruinen einer Versuchsanordnung. – Vielleicht sollte man mal die Außerirdischen fragen, aber nicht die bösen von Aldebaran, lieber die netten von Zeta Reticuli. Und vor allem Markus Söder und Friedrich Merz. Wo kämen die nochmal her?
Haferburg ist, wie Rächte sein sollten: intelligent, prinzipientreu, gesprächsfähig, witzig. Manchmal sitzt ihm der Schalk im Nacken, was ein weiteres Attribut rechtfertigt: im Grunde gutmütig. Keine(r) aus dem „Reichskommissariat für Rache und Vergeltung“ (hihi; Zitat Andreas Rebers). Grüße aus Greifswald. – Lieber Herr Haferburg, grüßen Sie „Livia“.
@ Karl-Heinz Böhnke – „Wind- und Solarstromlügen ablösen als Investionsgrab zur weiteren Vernichtung des Volksvermögens.“ – Incl. der „Zwischentechnologie“ Wasserstoff basierend, den es auch nicht in den benötigten Mengen gibt, schon gar nicht bezahlbar (staatl. Subventionen abgerechnet).
Wenn es bis zur Fusionsenergieerzeugung noch 50 Jahre dauert und dazu noch Unvorhergesehes kommen wird,
welcher Wert gilt dann für Vorhaben, für die es keinen Inbetriebnahmetermin gibt?
STUTTGART 21