Der Sahel – eine trockene Region, die sich über fast 5.800 Kilometer von Mauretanien bis Eritrea erstreckt – wird zunehmend zum Schauplatz eines Ringens zwischen Regionalmächten, islamistischen Gruppen sowie den Vereinigten Staaten und Russland. Instabilität und kriminelle Netzwerke, die entlang jahrhundertealter Schmuggelrouten operieren, transportieren Waren und Menschen nicht nur von Süden nach Norden, sondern auch quer durch den Sahel und westwärts bis an die Atlantikküste.
Seit mehreren Jahren arbeiten die Vereinigten Staaten, europäische Staaten und die Sahel-Länder selbst zusammen, um diese destabilisierende Migrationsroute einzudämmen. Washington betrachtet den Sahel häufig in erster Linie als ein Sicherheitsproblem im Inneren des afrikanischen Kontinents, mit einem Schwerpunkt auf Mali, Niger und Burkina Faso. Spaniens Sicherheitsbewertungen nehmen jedoch eine umfassendere Perspektive ein. Der strategische Korridor reicht vom zentralen Sahel durch Mauretanien, folgt den Migrationsrouten am Atlantik und erreicht schließlich die Kanarischen Inseln – spanisches Staatsgebiet, das nur rund 100 Kilometer vor der Küste Nordwestafrikas liegt.
Obwohl seit dem Höchststand im Jahr 2024 deutlich weniger irreguläre Migranten die Kanaren erreicht haben, bleibt die strategische Bedeutung dieser Verbindung bestehen. Bis zum 15. Juli 2026 registrierte Spanien 4.440 irreguläre Ankünfte auf den Kanarischen Inseln – ein Rückgang um 61 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Ein großer Teil dieses Rückgangs ist unmittelbar auf die maritime Zusammenarbeit zwischen den USA, Europa und afrikanischen Staaten zurückzuführen.
Im Februar 2026 betonte Spaniens Fachausschuss für Einwanderung, der den Nationalen Sicherheitsrat berät, dass die Bekämpfung der Netzwerke in Herkunfts- und Transitländern entscheidend dafür sei, irreguläre Migrationsströme zu verhindern. Ob dieser Erfolg von Dauer sein wird, erscheint allerdings zunehmend unsicher. Die diplomatische Entwicklung der vergangenen Jahre im Inneren des Sahel ist vor allem durch den Niedergang des französischen Einflusses und den gleichzeitigen Aufstieg des russischen und möglicherweise auch türkischen Einflusses geprägt.
Am 10. Juli 2026 berichtete Spaniens Nationales Sicherheitsdepartement, dass Russland und die Regierungen von Mali, Niger und Burkina Faso ein Memorandum unterzeichnet hätten, um die diplomatische und militärische Zusammenarbeit zu stärken. Sechs Tage später warnte das Departement, dass terroristische Gruppen in ganz Westafrika und im Sahel immer ausgefeilter vorgingen und sich in Richtung Golf von Guinea ausbreiteten. Diese Entwicklungen sind für Spanien von besonderer Bedeutung, da es das europäische Land ist, das Afrika am nächsten liegt.
Die jährliche Risikoanalyse der europäischen Grenz- und Küstenwache Frontex prognostiziert anhaltenden Migrationsdruck auf die Kanarischen Inseln. Als Ursachen nennt sie die Verschlechterung der politischen und sicherheitspolitischen Lage im Sahel, humanitäre Krisen, russischen Einfluss sowie die missbräuchliche Instrumentalisierung von Migration als diplomatisches Druckmittel.
Mauretanien ist aufgrund seiner geografischen Lage und des Drucks, dem das Land inzwischen ausgesetzt ist, ein wichtiger Sicherheitspartner – insbesondere wegen seiner noch jungen Erdgas- und Erdölindustrie. Es ist außerdem ein wichtiger Bestandteil der Trans-Sahara Counterterrorism Partnership. Da Mauretanien sowohl an Mali als auch an Algerien grenzt, ist das Land inzwischen an seiner Ostgrenze terroristischen Bedrohungen ausgesetzt. Eine Reisewarnung des US-Außenministeriums vom 18. August 2026 warnt Amerikaner davor, Gebiete nahe der Grenzen zu Mali und Algerien zu bereisen, weil dort terroristische Aktivitäten drohen.
Russland ist zu einem schwer kalkulierbaren Faktor geworden.
Russlands wachsende Beziehungen zu den Regierungen des Sahel kündigen eine konkurrierende militärische Zusammenarbeit an. Diese Partnerschaft bedeutet nicht, dass Russland die Migration nach Europa kontrolliert. Allerdings nutzt der Kreml häufig sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Instrumente, da er den Kampf um regionalen Einfluss als Nullsummenspiel betrachtet. Zumindest aber besteht inzwischen die Gefahr, dass eine Region, die unmittelbar Auswirkungen auf Spaniens Atlantikgrenze hat, unter russischen operativen Einfluss gerät, während westliche Präsenz und westlicher Einfluss zurückgehen.
Im weiteren Sinne zeigt die Schmuggelroute zu den Kanarischen Inseln, wie sich Sicherheitsprobleme weit über ihren unmittelbaren Entstehungsort hinaus ausbreiten können. Instabilität in Mali kann den Druck auf Mauretanien erhöhen, was wiederum Auswirkungen auf die Zahl der Abfahrten in Richtung Atlantik hat. Spanien steht anschließend vor der Aufgabe, diese Folgen an der südwestlichen Außengrenze Europas zu bewältigen. Migration ist dabei nur ein Indikator; auch terroristische Netzwerke und die organisierte Kriminalität können sich entlang miteinander verbundener Routen und Netzwerke ausbreiten.
Ein weiteres politisches Problem entsteht durch die bürokratische Aufteilung der Zuständigkeiten: US-amerikanische Institutionen behandeln Gebiete und Themen wie Nordafrika, den Sahel, Europa, Migration, Terrorismusbekämpfung und die Sicherheit im Atlantik als getrennte Ressorts. Bedrohungsnetzwerke halten sich jedoch nicht an solche Grenzen. Terroristische Gruppen überschreiten Staatsgrenzen, Schmuggelrouten verbinden Wege im Landesinneren mit Ausgangspunkten an der Küste, und politische Instabilität in Mali kann Druck erzeugen, dessen Folgen weiter westlich von Mauretanien und Spanien bewältigt werden müssen.
Über die maritime Zusammenarbeit hinaus sollte Washington deshalb die Kanarischen Inseln in eine umfassendere Betrachtung des Sahel einbeziehen. Das US-Außenministerium und das U.S. Africa Command sollten den Korridor Mauretanien–Atlantik–Kanarische Inseln in ihre Bewertungen des Sahel aufnehmen – nicht weil gegenwärtig eine unmittelbare terroristische Bedrohung besteht, sondern weil dieser Korridor eine europäische Verwundbarkeit darstellt, auf die Druck aus Gebieten weit außerhalb Spaniens einwirkt. Zugleich bietet er Washington einen Grund, Madrid als Partner für die Sicherheit Afrikas und des Atlantiks zu betrachten – insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem die bilateralen Beziehungen erheblichen Belastungen ausgesetzt sind.
Javier A. Hernández ist Experte für internationale Beziehungen und Sicherheitsfragen und ehemaliger Special Agent des Diplomatic Security Service des US-Außenministeriums. Das Autorenprofil von Javier A. Hernández finden Sie beim Middle East Forum, wo dieser Text zuerst erschien.
Beitragsbild: Bengt Nyman from Vaxholm, Sweden - D81_5983, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Leider habe ich in dem Text nichts gefunden, das das Wegbomben „Ghadafis“ im Rahmen der von den USA und im Gefolge der NATO Aktion „Arabischer Frühling“ entsprechend würdigt, denn a) wurde mit dem nunmehr „failes state“ Libyen das mit vielen Milliarden der EU finanzierte Migrations-Bollwerk „Ghadafi“ gegen den Migrationsstrom gen Europa aufgelöst, b) mit den nunmehr arbeitslosen Söldnern Libyens und den dort geplünderten Waffenlagern IS-Magreb samt diverser anderer Gruppen von „Freiiheitskämpfern“ installiert. Und die vormals in dem Bereich eingesetzten US- und franz. Truppen haben offenbar gegen die dort aktiven Terroristen genau so viel unternommen, daß sie den Regierungen das Erfordernis der Stationierung begründen konnten, aber genau so wenig, um sich dort nicht für die Zukunft überflüssig zu machen. Jetzt den nachgerückten „Russen“ die Schuld an den diversen Fehlentwicklungen anzulasten, paßt in den aktuellen Zeitgeist, hat aber sicher nichts mit dem Lauf der Dinge zu tun. Und wenn die Hinweise stimmen, daß zB auf Seiten der Tuareg-Rebellen gegen Mali nach dem Rauswurf des westlichen Militärs ukranische „Drohnen-Unterweiser“ aktiv sind, erübrigt sich die Grundlinie des vorstehenden Textes.
Das liegt vor der europäischen Haustür. Das sollten wir machen.
Ist doch ganz einfach mit klar zu kommen: der neue „König David“ Selenskij wird doch noch ein paar Einheiten für Afrika entbehren können. Mit dem Iran hat er sich ganz brav und US-hörig doch auch schon angelegt.
Russland setzt auch über Weissrussland die Migrationswaffe ein. Besser, versucht es. Den Polen lässt sie einfach nicht rein. Auch nicht durch Tunnels. Was hindert Spanien, es den Polen gleich zu tun? Ganz einfach: der politische Wille fehlt. Und die Bevölkerung erteilt diesen Auftrag auch nicht. Ergo, kann einer kann nur so viel machen wie viel man zulässt. Spanien lässt es zu, Polen nicht. @ Hennig Velten---Sie können gerne dort weiterlesen wo russische „Experten“ und Geheimdienstleute ihre Sicht darlegen.
Betroffen von Massenmigration sind alle EU-Staaten am Mittelmehr und in der EU soll es keine Kontrollen an den Binnengrenzen geben, deshalb es handelt sich um ein EU-Problem, das größtenteils vom hyperfreigebigen Deutschland ausgeht, das sich weigert, diesen Magnetismus abzustellen. Andere Frage: Was hindert die ach so große und mächtige EU eigentlich, die angelandeten Illegalen postwendend mit geeigneten militärischen Mitteln, z.B. mit Kanonenbooten, zurück zu expedieren? Das wäre nichts anderes als Notwehr, genau so, wie jeder Hausbewohner das natürliche Recht hat, unerwünschte Eindringlinge vor die Tür zu setzen, ohne langwierig prozessieren zu müssen und die Eindringlinge bis zur Entscheidung beherbergen und beköstigen zu müssen und sich in kafkaesker Weise mit Messerattacken und mit Übergriffen gegen die Töchter herumschlagen zu müssen. Das Asylrecht, wie es bei uns noch praktiziert wird, stammt aus einer untergegangen Welt , es führt zum alsbaldigen Untergang Europas und es muss deshab dringend geändert werden., denn niemand kann gezwungen werden, Regeln zu befolgen, die zur eigenen Abschaffung führen müssen. Das Schutzversprechen (für die eigenen Bürger!), ist es, das Staaten legitimiert. Dass Russland der böse, böse Verursacher ist, weist der Artikel nicht nach.
Wenn Sie sieben Brüder haben und keine Arbeit fragen Sie nicht Putin ob sie nach Europa kommen.
Die Auswanderung der Europäer vor 1900 studieren. Oder war da der Zar schuld?
Gehen der Achse die Autoren aus, dass sie solche Waschzettel veröffentlichen muss? „Javier A. Hernández ist Experte für internationale Beziehungen und Sicherheitsfragen und ehemaliger Special Agent des Diplomatic Security Service des US-Außenministeriums.“ Mehr muss man nicht sagen.