Die nun favorisierte Alternative, die SPD-Spitzenfrau in geheimer Wahl mit den Stimmen der Linkspartei küren zu lassen, gleicht einer Kamikaze-Aktion. Nicht nur muss Ypsilanti fürchten, wie einst die glücklose Heide Simonis von verärgerten Dissidenten aus den eigenen – mutmaßlich nordhessischen – Reihen gemeuchelt zu werden. Vor allem wird niemand den feinsinnigen Unterschied zwischen einer einmaligen Unterstützung und einer Duldung nachvollziehen können.
Die Folgen muss die SPD schon in Hamburg fürchten: Wer wird nach diesem Kalkül mit den Stimmen der Linkspartei die Attacken der SPD gegen die angebliche Chaotentruppe noch ernst nehmen? Weshalb sollte man den Genossen glauben, die nun heilige Schwüre leisten, dass es bei diesem politischen One-Night-Stand bleiben und man niemals eine Dauerbeziehung eingehen werde? Linken-Führer Lafontaine hat die Chance erkannt und rät, für einen Wechsel lieber gleich seine Partei zu wählen.
Nach der Hamburg-Wahl wird sich die SPD nicht länger vor einer harten internen Debatte drücken können. Noch fühlt sich die Partei im Aufwind. Doch eine ehrliche Analyse müsste zeigen, dass sie entgegen ihren Blütenträumen tatsächlich wahrscheinlich keine der drei Landtagswahlen in diesem Frühjahr gewonnen hat, dass sie nirgendwo über eine echte Machtoption verfügt und dass ihr schlimmster Konkurrent, die Linkspartei, in alle drei Parlamente eingezogen ist. Man muss schon ziemlich dialektisch denken, um in dieser dreifachen Schlappe eine Bestätigung der von Beck eingeleiteten Linksdrift der Partei zu erkennen.
