... und der Lebenssaft der Aufklaerung. Schoene Formulierung, lieber Dirk, lieber Michael, in Eurer schoenen Filmkritik. Ich will mir den Film auch gern anschauen—nur nicht am Schabbes, versteht sich.
Trotzdem muss ich jetzt mal ganz grundsaetzlich und aristotelisch zurueckfragen: Ist Aufklaerung ein Eigenname oder ein Begriff?
Das ist keine sophistische Unterscheidung.
1. Wenn Aufklaerung ein Eigenname ist, dann handelt es sich um ein historisch eingrenzbares, ein einmaliges und beschraenktes Phaenomen: Aufklaerer waren ca. ein halbes Dutzend Philosophen im Frankreich des 18. Jahrhunderts, die sich scharf gegen die Religion wandten und dadurch eine Helligkeit in den Koepfen schufen, die vorher nicht da war.
2. Wenn Aufklaerung aber ein Begriff ist, dann hat es sie zu verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte gegeben,—und immer wieder anders. Aufklaerer waren die Autoren der Bibel, als sie schrieben, dass Gott die allmaechtigen Goetter der Bronzezeit—die Gestirne, denen Menschenopfer dargebracht wurden—zu Lampen und Uhren degradierte (1. Mose 1, 14-15). Aufklaerer die juedischen Propheten, als sie sich ueber die Goetzendiener lustig machten, die vor dem Werk ihrer Haende auf die Knie fallen. Anaximander—der griechische “Sturmvogel der Aufklaerung”. Und so weiter bis in unsere Tage. Aufklaerung ware demnach keine Sache, die einmal passiert, sondern immer wieder—und jedes Mal da, wo Menschen anfangen, “sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen”.
Wenn Aufklaerung ein Begriff ist, kein Eigenname, dann wuerde ich den Franzosen des 18. Jahrhunderts die Schotten vorziehen: Frances Hutcheson, Adam Smith, David Hume, Robert Burns… Warum? Kurz und viel zu pauschal gesagt: Weil die schottische Aufklaerung—im Unterschied zur franzoesischen—keinen totalitaeren Fluegel hatte (ich denke hier natuerlich vor allem an Rousseau, diesen Schlawiner). Weil sie nicht rassistisch und antisemitisch war. (Einer der laengsten Eintraege in der “Encyclopedie” lautet “Juif” und sprudelt vor Ressentiment geradezu ueber. Voltaire glaubte, dass der “Neger” das Bindeglied zwischen Affe und Mensch sei.) Und ich denke (Ihr koennt mir gern widersprechen, Alan wird es ganz gewiss tun), der groessere Pragmatismus und die groessere Menschenfreundlichkeit der schottischen Aufklaerung haemgt damit zusammen, dass sie nicht antireligioes war.