Von Gabriel Berger.
Die UN fordert seit 20 Jahrendie Entwaffnung der libanesischen Hisbollah. Geschehen ist nichts, außer permanenten Raketenangriffen auf Israel.
Seit einigen Wochen wird in den Medien täglich von Angriffen der israelischen Armee auf Posten der UN-Beobachter UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) in Libanon berichtet. Dabei wird in der Regel offengelassen, ob es sich dabei um beabsichtigte oder unbeabsichtigte Angriffe handelt, letztere als Kollateralschäden der Bekämpfung der paramilitärischen Einheiten der Hisbollah. Israel dementiert regelmäßig die ihm unterstellte Absicht, fordert aber zugleich, dass sich die UNIFIL aus der Kampfzone zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah zurückzieht, um nicht von der Hisbollah als Schutzschild missbraucht zu werden. Soweit die wie es scheint sachliche Darstellung der Lage, wie sie üblicherweise in den Medien zu lesen oder zu sehen ist.
Diese Darstellung, welche die Gegner in dem Libanon-Krieg, IDF und Hisbollah, gewissermaßen als gleichwertig oder sogar zuungunsten der israelischen Armee als des vermeintlichen Aggressors präsentiert, ist alles andere als objektiv. Denn sie verschweigt die nicht provozierten fast permanenten Raketenangriffe der Hisbollah auf Israel als den wesentlichen Hintergrund des israelischen Engagements im krisengeschüttelten Nachbarland Libanon, wie auch die von der UN seit 20 Jahren geforderte Entwaffnung der libanesischen Hisbollah. Die Angriffe der Hisbollah auf Israel sind Teil der pathologisch israelfeindlichen Politik des Iran, mit dem im Iran wie von der Hisbollah im Libanon täglich artikulierten Ziel, Israel zu vernichten. Die Raketenangriffe der Hisbollah haben sich seit dem Hamas-Anschlag auf Israel am 7. Oktober 2023 so sehr intensiviert, dass der Norden Israels unbewohnbar geworden ist. Etwa 60.000 Israelis haben die Region verlassen und sind seit einem Jahr von der Weltöffentlichkeit weitgehend vergessene israelische Binnenflüchtlinge.
Aber die islamistische Hisbollah ist nicht nur ein erklärter tödlicher Feind Israels. Sie ist ein Feind der fragilen interkonfessionellen Ordnung Libanons und hat, obwohl sie, wenn überhaupt, lediglich die schiitische Minderheit repräsentiert, das Land immer stärker im Würgegriff. Die konfessionelle Verteilung in Libanon sieht so aus: 41 Prozent sind Christen. Davon sind 21 Prozent Maroniten, Griechisch-Orthodoxe 8 Prozent, Griechisch-Katholische 5 Prozent, Sonstige Christen 7 Prozent. 54 Prozent sind Muslime, davon sind 27 Prozent Schiiten, 27 Prozent Sunniten und 5 Prozent Drusen.
Leidtragende des rücksichtslosen Machtstrebens der Hisbollah (deutsch: „Partei Gottes“) sind vorwiegend die Christen, aber auch Drusen und sunnitische Muslime des Landes. Das wichtigste Werkzeug der Hisbollah zur permanenten Unterwanderung und Erpressung des libanesischen Staates ist ihre paramilitärische Kampftruppe, die mit iranischer Hilfe auf das Niveau einer regulären Armee aufgestiegen ist, welche personell und in der Qualität der Bewaffnung der legitimen libanesischen Armee haushoch überlegen ist. Ein naheliegender Schluss daraus ist: Die Vernichtung oder zumindest Dezimierung der Kampftruppe der Hisbollah wäre nicht nur für Israel ein Segen, sondern auch für die leidgeprüfte libanesische Gesellschaft, die seit den achtziger Jahren von Bürgerkriegen, Kriegen der Hisbollah mit Israel, internen Konflikten und Katastrophen geschüttelt wird.
Unrealisierte Pläne
Wegen der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah befand sich Libanon oftmals auf der Agenda des UN-Sicherheitsrates. Und die UN entwarf für die Stabilisierung Libanons kluge Pläne, die nur einen Fehler hatten: Sie wurden nie realisiert, etwa die Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates vom 2. September 2004: Es wurde darin der Rückzug der Truppen Israels aus Libanon gefordert. Zugleich sollten eine Entwaffnung und Auflösung aller in Libanon aktiven Milizen erfolgen, einschließlich der Miliz der Hisbollah. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass die legitime libanesische Regierung die Kontrolle über das gesamte Territorium des Staates wiedererlangt. Der Süden Libanons bis zur Grenze mit Israel ist von den Truppen der Hisbollah besetzt gehalten worden. Dieser Zustand sollte gemäß Resolution 1559 beendet werden.
Doch die fortbestehende Besatzung des Südens Libanons durch die Hisbollah und die fortgesetzten Angriffe der Hisbollah auf Israel führten 2006 zur militärischen Operation Israels im Libanon.
In der Resolution 1680 des UN-Sicherheitsrates vom 17. Mai 2006: Darin wurde die Forderung der Resolution 1559 wiederholt, alle nichtstaatlichen militärischen Einheiten in Libanon zu entwaffnen und insbesondere den Süden Libanons bis zur Grenze mit Israel von der Hisbollah frei zu machen. Zudem wurde gefordert, den Waffenschmuggel nach Libanon für die Hisbollah einzustellen.
Weniger als zwei Monate später kam es jedoch zur Gefangennahme zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet zwischen Libanon und Israel durch die Hisbollah, die nachfolgend zum Zweiten Libanonkrieg führte. (Erster Libanon-Krieg: 1982)
Die UN-Soldaten und die schwache libanesische Armee haben ihre Aufgabe nicht erfüllt.
Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates vom 11. August 2006, mit nachfolgender Korrektur: Darin wurde die sofortige Einstellung der Kämpfe in Libanon gefordert. Israelische Truppen sollten sich Richtung Süden aus Libanon zurückziehen. Der Rückzug israelischer Truppen sollte vom Einmarsch von 15.000 UN-Soldaten und der libanesischen Armee begleitet werden, welche garantieren sollten, dass der Süden Libanons nicht durch Hisbollah-Truppen besetzt bleibt.
Wie wir heute wissen, haben die UN-Soldaten und die schwache libanesische Armee ihre Aufgabe nicht erfüllt. Die Hisbollah verblieb im Süden Libanons bis zur Grenze mit Israel und setzte, zunächst auf niedrigem Niveau, ihre Angriffe auf Israel fort. Um nicht in Kämpfe mit den Hisbollah-Kämpfern verwickelt zu werden, haben die UN-Soldaten diese unbehelligt gelassen. Nach dem Hamas-Anschlag vom 7.Oktober 2023 steigerten sich die Angriffe der Hisbollah zum offenen Krieg. Die UNIFIL-Soldaten übernahmen lediglich eine Beobachterfunktion, die den derzeitigen kriegerischen Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel nur dadurch beeinflusst, dass sich Hisbollah-Kämpfer hinter UNIFIL-Posten verstecken können. Somit geraten die an den Kämpfen unbeteiligten UN-Soldaten in die Schusslinie der israelischen Armee, was zu weltweiten Protesten führt.
Liest man die Texte der drei oben genannten Resolutionen des Sicherheitsrates zu Libanon, muss man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass die israelische Armee derzeit in Libanon nur das durchzusetzen versucht, was der UN-Sicherheitsrat schon vor 20 Jahren beschlossen, aber nicht durchgesetzt hat. Das sollte auch dem UN-Generalsekretär António Guterres (Im Foto oben) bekannt sein. Doch er ist nicht gewillt, das zur Kenntnis zu nehmen und öffentlich zuzugeben, aus welchen Gründen, darüber kann man nur spekulieren.
Gabriel Berger wurde 1944 in Frankreich, noch unter deutscher Besatzung, in einer jüdischen Familie geboren. Sie zogen nach dem Krieg zunächst nach Belgien, dann nach Polen. 1957 übersiedelten sie zwangsweise in die DDR. Gabriel Berger studierte in Dresden Physik und arbeitete danach in der Kernforschung. Nach Verbüßung einer einjährigen Haftstrafe wegen „Staatsverleumdung“ lebte er seit 1977 in der Bundesrepublik. Er arbeitete zunächst im Kerntechnik-, dann im IT-Bereich und schrieb politische Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften, auch Bücher und Essays.
Beitragsbild: Tasnim News Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Anmerkung: ich würde die Hisbollah als „Partei Allahs“ bezeichnen. Ist nicht unbedingt der gleiche Gott. Im Türkischen gibt es dafür zwei Wörter: Tanri für Gott und Allah.
hi, statt der UN-Figuren könnten da auch Gartenzwerge stehen. Freilich solche, die die ganze braune Vielfalt zeigen. Denen tut es auch nicht weh, wenn man sie abknallt.
1944, Kollege, Du bist 80 Jahre alt. Du hast den Krieg nicht bewußt erlebt, aber die besten Zeiten der Welt danach. Mein Vater war übrigens deutscher Soldat, 1944 mit 17 Jahren eingezogen und als einer der wenigen seines Jahrgangs überlebt. Der war übrigens auch bis zum Ende seines Lebens traumatisiert. Aber der hat mich zum Pazifisten erzogen. Als ich zum militärischen Zwangsdienst eingezogen wurde, stand der am Zaun und hat geheult. Begriffen habe ich das erst später.
Glaubt eigentlich irgend jemand, daß man durch die Ausschaltung irgendeines Anführers irgendeinen Erfolg errungen hat? Die Nachfolger stehen in Legion bereit. Wenn man Hitler im Dritten Reich ausgeschaltet hätte, dann wäre das Dritte Reich höchstens effektiver geworden. Ich kann mich noch an die Aufnahmen erinnern, als Hillary Clinton und Obama den Einsatz zur Ermordung (anders kann man es nicht bezeichnen) von Osama bin Laden im „War-room“ angeschaut haben. Der Junge ist ja intelligent und hat sich mit irgendwelchen Äußerungen zurück gehalten. Hillary wie immer, auf dem Niveau eines Collegegirls während Spring Break. Dort muß sie auch Billy-Boy eingesammelt haben. Die toppt geistig übrigens intellektuell Kamela Harris, das wiehernde Pferd, um Längen. Ich hätte Osama bin Laden auch den Tod gewünscht, aber nach einer Gerichtsverhandlung und einem Urteil. Und dann in zeremonieller Weise an einem Strick. Ach ja zum Eröffnungssatz. Es gibt eine Anekdote, daß Buddha, noch in seiner menschlichen Gestalt an einem fliegenbedeckten Leprakranken vorüber kam und mit einem Wedel die Fliegen verscheuchte. Der Leprakranke fragte, „Warum quälst Du mich? Die Fliegen, die auf mir saßen waren bereits von meinem Blut gesättigt, Jetzt kommen neue und hungrige.
Kann mir mal jemand erklären, wie es der angeblich beste Geheimdienst der Welt nicht mitbekommen hat, was sich da vor dem 7.10. zusammenbraute? Übrigens die Herstellung von Tunneln festzustellen, die auf israelisches Gebiet reichen, ist geophysikalisch, sofern man es denn will, eine technisch relativ simple Übung. Das haben die Wiener schon im 16. Jahrhundert gekonnt. Oder war das gewollt?
Da hätte ich eine Idee für alle rechten, konservativen, wirklich liberalen, patriotischen Parteien. „Wir von der AfD stellen uns auf die Seite Israels und positionieren uns gegen die LINKEN Nazis.“
@gerhard giesemann : „Die moderne Drohnentechnik eröffnet die Möglichkeit, die Köpfe von kriminellen Vereinigungen wie Daesh/ISIS etc. zur Strecke zu bringen, ohne dass man tausende Unschuldige gefährdet, gar tötet.Offenbar haben die IDF das erkannt und praktizieren es, bravo“. Man sieht es Gaza an , und Sie haben es richtig erkannt , bravo bravissimo nach Monaco !