Christoph Lövenich, Gastautor / 15.04.2022 / 16:00 / Foto: Pixabay / 7 / Seite ausdrucken

Die Insel der genesenen Zombies

Infizierte, Geheilte, Tests und Diskriminierung: Der Horrorfilm „The Cured“ von 2017 blickt am Schauplatz Irland in eine dystopische Welt, an der uns heute manches merkwürdig bekannt vorkommt.

Ein Warnschild hängt auf einem Spielplatz: „Ich habe das Maze-Virus“, steht dort, illustriert mit einer Strichzeichnung. „Ich bin klein, aber ich kann dich anstecken.“ Kinder als Superspreader? Warum dann nicht gleich den Spielplatz mit rot-weißem Flatterband absperren? Weil die akute Bedrohung zunächst gebannt scheint. Zu sehen ist die Szene im Film „The Cured: Infiziert. Geheilt. Verstoßen“ aus dem Jahre 2017.

Das Maze-Virus verwandelt befallene Menschen in psychotische Killer und Menschenfresser, letztlich in das, was wir aus der Populärkultur als Zombies kennen. David Freynes Horrorfilm vermeidet diesen Begriff allerdings auffällig. Er spielt in Irland, wo das Virus stärker gewütet hat als anderswo.

Die Handlung setzt ein, nachdem man die Infizierten schon lange aufgespürt, vermutlich vielfach getötet, aber auch zu Zigtausenden eingefangen und in Quarantänelager gesteckt hatte. Dort war es gelungen, den Infizierten ein neu entwickeltes Präparat zu verabreichen, das bei den meisten die Symptome der Infektion dauerhaft unterdrückt. „Das Medikament“, so wird verkündet, „verhindert eine neue Infektion oder Übertragung“. Letztere erfolgt genretypisch über Bisse durch Infizierte. Von einem präventiven Einsatz bei Nichtinfizierten, einer Impfung, ist nie die Rede. Dafür aber von einer Nebenwirkung des Mittels: Die Geheilten können sich an ihre Taten im Wahn ihrer „Zombiezeit“ erinnern und werden daher oftmals von Albträumen geplagt sowie von Schuldgefühlen, zumal ihnen oft ihre eigenen Angehörigen zum Opfer gefallen waren.

Allerdings wirkt das Medikament nur bei ungefähr 75 Prozent der Infizierten, für die anderen 25 Prozent hat man noch kein Gegenmittel gefunden. Städte waren jahrelang evakuiert, UN-Truppen sind noch als Unterstützung fürs heimische Militär stationiert, die Normalität für die Nicht-Infizierten kehrt nur langsam zurück. Gleiches gilt für die Geheilten, die, nachdem sie mehrere Jahre eingesperrt und behandelt worden waren, „in die Gesellschaft reintegriert“ werden sollen.

„Unsere medizinischen Kapazitäten sind am Limit“

„Alles wird wieder normal, du wirst sehen“ meint ein Geheilter der dritten Welle kurz vor seiner Freilassung zu seinem Kollegen. Doch weit gefehlt: Dass Menschen entlassen werden, die nur wegen ihrer virusbedingten Unzurechnungsfähigkeit nicht für Schwerverbrechen zur Rechenschaft gezogen worden sind, nagt an der Gesellschaft. Keine alte Normalität mehr.

Geheilte stoßen auf Proteste, es kommt zu Gewalt. Ein militärisches Überwachungssystem unterwirft sie der strikten Kontrolle. „Sie machen einfach, was ich sage, dann wird Ihr Leben wieder … besser“, herrscht ein Uniformierter einen Geheilten an. Später wird er noch deutlicher: „Ich entscheide, ob Ihr Leben glücklich oder furchtbar ist. Sie werden gehorchen und das müssen Sie lernen.“ Der Machtmissbrauch des autoritären Staates in der Epidemie wird deutlich. Als Reaktion darauf bildet sich eine „Allianz der Geheilten“, die Terroranschläge verübt. „Wir werden wie Leprakranke behandelt und haben keine Rechte“, beschwert sich ein Anführer dieser Organisation.

Inmitten dieser angespannten Situation darf der Protagonist des Films, Senan (dargestellt von Sam Keeley), dank seines Geheilten-Status wieder als Pflegekraft in einer Gesundheitseinrichtung arbeiten, nämlich mit als unheilbar geltenden Infizierten. Davon sind rund 5.000 eingesperrt, sie sollen, wie offen mitgeteilt wird, einer „humanen Eliminierung“ zugeführt werden, obwohl eine kleine Chance besteht, sie doch noch zu kurieren. „Unsere medizinischen Kapazitäten sind am Limit“, heißt es zur Begründung. Irgendetwas an diesem Satz klingt seltsam vertraut.

Test als Zugangskontrolle

Gänzlich fremd erscheint uns heute ebenso wenig, dass sich in „The Cured“ auch Geheilte bisweilen einem Test als Zugangskontrolle unterziehen müssen. Ein Blick auf ein heruntergezogenes Augenlid verrät eine mögliche Gefahr. Ähnlich wie bei der Apparatur im Film „Rebellion der Magier“ verläuft das aber schneller und weniger invasiv als irgendwelche Stäbchen-Tests in Körperöffnungen. Eine in diesem Zombiefilm vorgenommene Trennung von Infizierten und Nicht-Infizierten bei einem Einlass entspricht inzwischen unserer Alltagserfahrung.

Mit ähnlichen Augen können wir auch eine Szene mit der weiblichen Hauptdarstellerin Ellen Page (seinerzeit noch offiziell eine Frau) betrachten, wo der Blick von einem Aussichtspunkt auf die Stadt fällt: „Es ist, als wär‘ nichts passiert.“ Diesen Eindruck können wir heute gleichfalls gewinnen, wenn wir von einer Anhöhe auf die Bebauung schauen. Von oben und außen, an den Fassaden und auf den Dachgipfeln wirkt es wie vor 2020 – vom Ahrtal mal abgesehen. Doch die Gesellschaft, die Menschen sind längst nicht mehr dieselben.

Der größte Unterscheid zwischen Realität und Fiktion besteht wohl darin, dass Drehbuchautoren von Epidemiefilmen noch bis 2019 wie selbstverständlich davon ausgingen, dass spektakuläre politische Veränderungen tief ins Alltagsleben der Menschen hinein nur dann denkbar sind, wenn die zu bekämpfende Erkrankung eine heftige ist. Wie in „Contagion“ mit einer Sterblichkeit im zweistelligen Prozentbereich oder in „Die Hamburger Krankheit“, wo plötzlich Verstorbene auf der Straße liegen. Oder eben in „The Cured“, wo infizierte Erwachsene und Kinder über Mitmenschen herfallen wie Putin über die Ukraine. Dass man die Gesellschaft unter Verweis auf ein grippeähnliches Atemwegsvirus mit einer Sterblichkeit im Promillebereich so in Atem halten und auf den Kopf stellen kann, hätten sich nicht einmal die professionell Fantasiebegabten träumen lassen.

Gibt uns „The Cured“ einen Ausblick, wie das Ganze in der Wirklichkeit ausgehen könnte? Zur Handlung sei nichts Näheres verraten, nur so viel: Man sollte nicht zu hoch auf ein Happy End wetten.

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Bernd Meyer / 15.04.2022

Ich bin kein Freund von Zombie-Filmen. Die Japaner und Süd-Koreaner zum Beispiel erreichen mit wesentlich weniger Aufwand einen wesentlich höheren Effekt. Wirklich ganz tolle Filme und nichts für schwache Nerven. Obwohl die Gebrüder Grimm Deutsche waren, herrscht hier sozialistische Auf- und Abbruchstimmung ala Notruf Hafenkante. Abgesehen davon, Tipp: The Game (1997). Anschließend blicken Sie voll durch, hahaha!

N.Lehmann / 15.04.2022

Gegen das Verblödungsvirus im Westen ist kein Kraut gewachsen! Kann der selbstinzidente Experte Lauterfurz mit dem Tierarzt Mabuse ein Talkshow-Pimpungs-Gen entwickeln, um den toten Gaul Merkelland doch noch ins Rennen zu schicken?! Wir drücken alle Booster, denn wir sind Spritze! Nur mit Satire erträgt man Volltrottel.

A. Iehsenhain / 15.04.2022

Das zeigt einem doch wieder einmal, dass man Geostrategen oder sonstige Politikberater eigentlich gar nicht braucht - das besorgen bereits die Unterhaltungsliteratur oder die Filmindustrie. Hollywood ist keine Traumfabrik, sondern ein Menetekel. Abschließend ein Vorschlag für einen Verschwörungs-Film: Die Ukraine und Russland inszenieren einen Krieg, damit massenweise Waffen in die Ukraine wandern. Wenn dann genügend angekommen sind und der Plan aufgeht, verbünden sich beide inklusive den üblichen Verdächtigen und greifen die NATO an. Titel vielleicht: ‘Dumm gelaufen, OTAN’. Aber es gäbe sicher noch bessere Titel…

A. Ostrovsky / 15.04.2022

Sorry, nein! Dieser faschistische Blödsinnsfilm entspricht NICHT unserer Alltagserfahrung. In unserem Alltag, werden nicht die Geheilten diskriminiert, sondern die Gesunden, die überhaupt keine Krankheit haben. Schauen Sie sich diesen Schwachsinn nicht an, der nur dazu gedreht wurde, um so einen Faschismus ins Unterbewusste zu impfen. Und denken Sie mal darüber nach, wieso dieser Scinken im Youtube nicht zensiert wird, während man dort die einfache Beschreibung der Wahrheit immer wieder zensiert. GOOGLE IST EIN TEIL DES PROBLEMS! AMAZON DER ANDERE? Dort wird Wahn und Wirklichkeit vermischt. Lauterbach hat vermutlich den Film angesehen und glaubt jetzt. Dass ihn Außerirdische aus der Querdenker-Szene entführen wollen, vielleicht sogar impfen. Das ist ein Fall für den Schutz und das Mindeste, was man jedem DENKER, OB LÄNGS ODER QUER androhen muss ist Schutzhaft. Es ist zu deren eigenem Schutz!!!

Walter Weimar / 15.04.2022

In Deutschland würde es nichts nützen, ein Schild “Zugang nur mit Abitur”, denn es spiegelt keinen Intelligenzquotienten wider. Vollversagen durch alle Schichten. Einzig das Chaos, das kommt bestimmten Kreisen recht.

Peter Robinson / 15.04.2022

Ich melde mich gerade aus dem Jenseits, schöne Grüße an Karl Lauterbach. Wenn ich nur auf ihn gehört hätte, hätte ich die experimentelle Gentherapie samt 0,7% Wirksamkeit nur sechs oder neun Mal spritzen lassen, hätte ich lediglich eine lebensverändernde Myokarditis, Perikarditis, Idiopathische Fazialisparese (Bell’s Palsy), Zerebrale Sinus- und Venenthrombosen oder eine/mehrere von weiteren bekannten teils tödlichen 1.170 Nebenwirkungen riskiert, für eine Krankheit mit einer Letalitätsrate (IFR) von ca. 0,15%. Früher «Erkältung» genannt. Dumm gelaufen. (Diese Information ist heute weitestgehend aus dem Internet getilgt worden. Big-Tech ist nicht Ihr Freund.)

Frank Box / 15.04.2022

“Dass man die Gesellschaft unter Verweis auf ein grippeähnliches Atemwegsvirus mit einer Sterblichkeit im Promillebereich so in Atem halten und auf den Kopf stellen kann, hätten sich nicht einmal die professionell Fantasiebegabten träumen lassen.” - So ein Drehbuch hätte man sofort als “völlig abwegig und langweilig” verworfen und den Autor ausgelacht! - Und wenn dann noch jemand gekommen wäre, mit der Idee, dass sich am Ende die ganzen teuren Maßnahmen zur Eindämmung als völlig wirkungslos herausstellen, weil es gar keine Pandemie gab; das ganze also nur eine riesige Verarschung war, den hätten sie sofort gepackt und in die nächste Klapse einliefern lassen…

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