Erneut schafft es die Linke, die nächste unwissende junge Generation einzufangen mit ihrem verführerischen Gesäusel vom „Kampf für die Menschenrechte“, von den gierigen Reichen, die man nur enteignen muss und den bösen „Faschisten“, die man nur beseitigen muss, um ein Paradies auf Erden zu errichten.
„Ist dein Dorf unter Wasser, steigen Reiche auf die Yacht“, liest man auf dem ersten Wahlplakat. „Ist deine Heizung zu teuer, macht jemand richtig Kohle“, heißt es auf dem nächsten. Weiter geht´s mit: „Ist deine Miete zu hoch, freut sich der Vermieter“ und „Ist dein Einkauf zu teuer, macht ein Konzern Kasse“. Und so weiter und so fort. Verbreitet da die Nazi-Partei wieder populistische Hetzparolen, schürt Hass und Neid, spaltet die Gesellschaft? Aber nein, das ist nicht die AfD, sondern die LINKE. Und das sind doch die Guten!
Wir schreiben das Jahr 1932. Die Demokratie befindet sich in einer schweren Krise: Rassismus, Diskriminierung, rechte Gewalt allerorten, es droht die Machtergreifung durch die Nazis. „AfD wählen – das ist so 1933“. Doch eine politische Kraft setzt sich mutig an die Spitze des Widerstandes, reißt die lauwarmen anderen Parteien der „demokratischen Mitte“ mit. So präsentiert sich die LINKE. Und hat mit dieser Erzählung Erfolg. (Böse Zungen behaupten ja, die KPD habe damals die Weimarer Republik keineswegs an vorderster Front verteidigt, sondern sie gemeinsam mit Hitler von beiden Seiten in die Zange genommen und destabilisiert. Aber es kann nicht sein, was nicht sein darf.)
In den letzten Wahlumfragen steigt die Partei unaufhörlich, belegt in der Präferenz der Jungwähler neuerdings Platz eins. Das dürfte sie vor allem ihren beiden Shooting-Stars zu verdanken haben, den Spitzenkandidaten Jan van Aken und Heidi Reichinnek. Tatsächlich machen die beiden keine schlechte Figur, rein äußerlich.
Der eine ist durchsetzungsstark, tut sich hervor durch einen ungewöhnlich ruppigen Ton. „Jetzt halten Sie mal Ihren rechten Rand!“, pöbelte er beim ZDF-„Schlagabtausch“ der Spitzenkandidaten den AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla an, unter dem Gejohle eines aus linken Studenten rekrutierten Studiopublikums. Und ein paar Tage später attackierte er in ähnlicher Manier seine ehemalige Parteifreundin Sahra Wagenknecht: „Jetzt halt doch mal den Mund!“
Eine moderne Jeanne d’Arc
Die andere verdankt ihre sprunghaft gewachsene Popularität einer „spontanen“ Rede in der denkwürdigen Bundestagsdebatte vom 31. Januar über das Zustrombegrenzungsgesetz, die im Netz viral ging und millionenfach angeklickt wurde. Heidi Reichinnek – mit rotem Problempony, den linken Arm großflächig tätowiert (natürlich mit einem Porträt von Rosa Luxemburg), stürmte an diesem Tag wie eine moderne Jeanne d’Arc ans Rednerpult und warf Friedrich Merz und der CDU vor, sie hätten „mit Rechtsextremen paktiert“, während Merz denen, „die Menschenrechte für alle wollen“, also der LINKEN, keine Zusammenarbeit angeboten habe. Das habe sie, Heidi, sich „allen politischen Differenzen zum Trotz […] niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht!“ Im weiteren Verlauf ihrer Rede steigerte sich der Sturm zum Orkan, hier schrie eine temperamentvolle und attraktive Nachwuchspolitikerin ihre authentische Empörung heraus: „Sie haben diese Mehrheiten gesucht […], das ist das verdammte Problem, und Sie verstehen es bis jetzt noch nicht!“
Diesen „rassistischen und rechtswidrigen Antrag“ habe die CDU gestellt, „nur zwei Tage, nachdem wir hier der Befreiung von Auschwitz gedacht haben, zwei Tage, nachdem wir den Ermordeten und Gequälten gedacht haben! […] Die Brandmauer in diesem Land, das sind immer noch wir!“, schloss Reichinnek und richtete einen flammenden Appell an die „Menschen da draußen“: „Gebt nicht auf, sondern wehrt euch! Leistet Widerstand gegen den Faschismus hier im Land! Auf die Barrikaden!“
So klingt das, was der LINKEN wahrscheinlich die entscheidenden Prozentpunkte einbringt, um doch wieder in den Bundestag einzuziehen. Alter vergorener Wein in neuen Schläuchen. Die Sprache der KPD aus dem Jahr 1932. Kommunistischer Agitprop in sattsam bekannten Spielarten:
- Die Vereinnahmung der anderen „demokratischen Parteien“ – hier der CDU – als kämpfe man in Wahrheit nicht gegen sie, sondern mit ihnen gemeinsam gegen den „Faschismus“.
- Das von jedem Selbstzweifel ungetrübte Erich-Mielke-Gutmenschen-Syndrom („Ich liebe doch alle!“) in der Reichinnek-Variante: Wir sind doch die, „die Menschenrechte für alle wollen“ – wie kann man nur mit uns nicht zusammenarbeiten wollen?
- Die inflationär gebrauchte Nazikeule gegen jeden, der es wagt, die Politik der unkontrollierten Masseneinwanderung in die Sozialsysteme zu kritisieren („rassistischer Antrag“, „Faschismus hier im Land“), verbunden mit einer schamlosen Instrumentalisierung des Holocaust („zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz“).
- Abgestandenes revolutionäres Pathos („Auf die Barrikaden!“), als lebten wir wirklich 1932, als hätte es nie einen Stalinismus mit seinen ebenfalls „Millionen Ermordeten und Gequälten“ gegeben, keinen Hitler-Stalin-Pakt zur Aufteilung Polens, keinen „Eisernen Vorhang“, hinter dem die Länder Mittel- und Osteuropas vierzig Jahre lang politisch geknechtet und wirtschaftlich ausgebeutet wurden, keine Mauer und Stacheldraht quer durch Deutschland – ganz zu schweigen von den außereuropäischen Exzessen der sozialistisch-kommunistischen „Liebe zur Menschheit“ (Pol Pot, Rotchina, Venezuela etc.).
Dass eine 1988 gerade noch in der DDR geborene Frau sich so „revolutionär“ gebärdet, lässt Rückschlüsse zu auf das Milieu, dem sie wahrscheinlich entstammt. Niemand, dessen Familie im Osten im weitesten Sinne widerspenstig war – durch eigenständiges Denken, Zivilcourage, Verzicht auf Privilegien oder auch nur durch die geballte Faust in der Tasche –, wäre wohl heute imstande, die hohlen Phrasen eines zu Recht untergegangenen Systems derart ungebrochen wiederzukäuen.
Kollektive Amnesie als Schlüssel zum Erfolg
Die LINKE hat es in den Merkeljahren verstanden, die Sprachregelungen des verlogenen DDR-„Antifaschismus“ bis weit in die bürgerliche Mitte hinein zu verbreiten und gesellschaftsfähig zu machen. Aus der „staatsfeindlichen Hetze“ von damals sind „Hass und Hetze“ von heute geworden, die selbstverständlich nur „Rechten“ vorgeworfen werden, niemals Linksextremisten oder Islamisten. Die einstmals grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit bleibt gleichen Meinungen vorbehalten, abweichenden darf „keine Bühne geboten“ werden. Selbst hohe CDU-Vertreter bezeichnen heute die Partei, die großenteils die eigenen Positionen von vor 20 Jahren vertritt, als „Nazi-Partei“ und schwadronieren von ihrer „antifaschistischen“ DNA.
Die Tatsache, dass diese „linke“ Tour immer noch beziehungsweise schon wieder funktioniert, lässt zwei Schlüsse zu. Erstens, dass die Protagonisten selbst – von denen man annehmen muss, dass sie glauben, was sie sagen – wirklich nichts aus der Geschichte gelernt haben. Was ihnen leider zum Vorteil gereicht. Während das bürgerlich-konservative Spektrum gezwungen ist, sich wegen der NS-Vergangenheit permanent gegen „rechts“ abzugrenzen, spielen die linken Parteien SPD, Grüne und LINKE auf einer gigantischen Freibühne, dürfen wieder und wieder ihre historisch diskreditierten Vorstellungen aus der sozialistischen Mottenkiste aufwärmen (Schulden machen, subventionieren, verstaatlichen, bürgerliche Freiheiten beschneiden, Zensur verstärken etc.), ohne dass ihnen jemand in die Parade fährt, sie darauf hinweist, dass dies alles spätestens mit der DDR gründlich gescheitert war und wieder nicht gut enden wird, weil es in wirtschaftliche Not und politische Unterdrückung führt.
Zweitens kann man so etwas nur in einer Gesellschaft machen, die in Amnesie lebt. Deutschland hat im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Systeme durchlaufen, eines kam von rechts, eines von links. Letzteres endete 1989 in einem wirtschaftlichen und moralischen Bankrott. Doch im kollektven Gedächtnis von 2025 ist die Erinnerung an 40 Jahre realen Sozialismus auf deutschem Boden völlig ausradiert. Dass die LINKE als SED-Nachfolgerin ein lebhaftes Eigeninteresse an der Aufrechterhaltung und Vertiefung dieser Amnesie hat, ist nachvollziehbar. Warum so viele ihr darin folgen, bleibt ein Rätsel.
Freundlich mit dem Wirt reden
Jedenfalls scheint es die alte Schlange doch wieder zu schaffen. Wieder einmal hat sie sich gehäutet, verjüngt und aufgehübscht. Wieder einmal schafft sie es, die nächste unwissende junge Generation einzufangen mit ihrem verführerischen Gesäusel vom „Kampf für die Menschenrechte“, von den gierigen Reichen, die man nur enteignen muss und den bösen „Faschisten“, die man nur beseitigen muss, um ein Paradies auf Erden zu errichten. Und weil die vereinigte Linke das wieder einmal schafft, müssen wir alle gemeinsam mit ihr in ihrer Parallelwelt des Jahres 1932 gegen imaginäre Nazis kämpfen, während unser Land in der wirklichen Welt des Jahres 2025 gerade in allen erdenklichen Wirtschafts- und Lebensbereichen den Anschluss verliert.
Wie dieser Kampf im Kleinen funktioniert, berichtete auf dem letzten Parteitag der LINKEN der baden-württembergische Landeslisten-Kandidat Reinhard Neudorfer: „Wir haben da ne junge Antifa-Gruppe. […] Die haben nichts dagegen, dass auch Ältere wie ich dabei sind. Das läuft dann so: Wenn die AfD versucht, in der Kneipe was zu machen, dann sind wir rechtzeitig da, reden freundlich mit dem Wirt, damit er die wieder auslädt. Wenn er die nicht auslädt, reden wir nochmal nicht ganz so freundlich, und wenn das noch nicht gereicht hat, gibt es weitere Möglichkeiten die ich hier nicht öffentlich darlegen möchte.“
Sprach’s und lachte in den aufbrandenden Jubel des Parteitags hinein. So sieht sie aus, die sozialistische Demokratie: ausgrenzen, schreien, bedrängen, bedrohen, Scheiben einwerfen, physische Gewalt anwenden. Wenn die AfD verstummt ist, geht es mit CDU und FDP weiter. Und danach mit allen anderen, die nicht spuren.
Eine neue Hymne fürs Land
Allen Umfragen zufolge wird es die LINKE also in den nächsten Bundestag schaffen. Möglicherweise kann sie ja mit SPD, Grünen und BSW eine neue all-linke Regierung stellen. Vielleicht sogar mit Heidi Reichinnek die nächste Kanzlerin. Die jünger wäre als Angela Merkel, aber aus dem gleichen Holz.
Dann wäre aber auch endlich eine neue Hymne fürs Land fällig. Da bietet sich als ein echter Ohrwurm das Lied an, das Louis Fürnberg 1949 komponiert hat. Fürnberg schrieb und komponierte es aus Enttäuschung darüber, dass er als Sudetendeutscher nicht zum Nachkriegsparteitag seiner geliebten kommunistischen Partei (der Tschechoslowakei) eingeladen wurde. Es ist ein Dokument der Selbstkasteiung und der freiwilligen Unterwerfung des Individuums. Ich bin nichts, das Kollektiv ist alles. Oder wie Heidi Reichinnek es kürzlich ausgedrückt hat: „Bist du solidarisch, oder bist du ein Arschloch?“
„Die Partei, die Partei,
die hat immer recht,
und Genossen, es bleibet dabei,
denn wer kämpft für das Recht,
der hat immer recht
gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschheit verteidigt,
hat immer recht.
So, aus Lenin'schem Geist,
wächst, von Stalin geschweißt,
die Partei, die Partei, die Partei.“
Oliver Zimski ist Übersetzer und Autor. 2024 erschien sein neuer Roman „Jans Attentat“.
Beitragsbild: Imago, Bundesarchiv, Bild 183-1990-0311-013 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Kleine Zeitreise: Hast du auch gehört: Die Kandidaten der nationalen Front haben wieder 98% bekommen?
Pst, erst morgen.
Liebe Nadine! ich hqbe 1992 bis 1994 Hemfurth 1 entkernt und anschließend neu aufgebaut. Auf den Bestandsplänen steht meine verwaschene Unterschrift. Hat mich mein Leben gekostet. Ihr Furien wißt nicht, was Arbeit ist.
@ Chris Groll: Sie haben absolut recht. Und deswegen schmerzt es so, gerade hier auf der Achse solch einen Schmarrn zu lesen. Stände es im SPON, der SZ oder der ZEIT würde ich sagen, „Mei, die sind da halb’n bissi dumm. Die wissen’s nicht besser.“ Aber hier ? Da muss der Anspruch höher sein.
Kleine Korrektur: Deutschland hat im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Systeme durchlaufen, eines kam von links, das andere auch von links. Totalitäre Politik ist systemimmanent IMMER links. Linke Politik heißt: nur Gruppen oder Klassen oder Rassen als Subjekte zu akzeptieren. unanfechtbar auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, alles zu dürfen, weil man auf der richtigen Seite steht. Rechts sein dagegen heißt: Menschen als Individuen zu sehen, persönlichen Wettbewerb, Subsistenz, persönliche, individuelle Unterschiede zu akzeptieren und zu fördern. Freiheit oder Sozialismus (letzterer von Pol Pot und Nachfolgern kambodschanisch als ‚unseredemokratie‘ übersetzt), das ist der Unterschied zwischen rechts oder links.
Attraktive Nachwuchspolitiker? Attraktivität liegt wohl immer im Auge des Betrachters … nun ja, wenn Kompetenz-Robert Wählerinnenstimmen ergattert, mögen da die gleichen Kriterien angelegen haben – und wahrscheinlich auch wieder anliegen.
@ T. Schneegaß: Ja … es ist wirklich mühsam, aber ich hoffe auf den „stetigen Tropfen, der den Stein höhlt“. Und am Rande: Kein Dackel, eine Katze. :-)
Irgendwann werden wir leider wieder eine gewalttätige rechtsextreme Gegenbewegung haben wie in der Weimarer Republik, weil aus der Geschichte nur das gelernt werden soll, was den linken „Antifaschisten“ ins Geschichtsbild passt. Die Methoden der Linken, mit Ausnahme der Wählerverhöhnung durch „Falten“ nebst Inszenierung einer Pseudodemokratie à la DDR, waren und sind die gleichen wie bei den Nationalsozialisten, die antibolschewistische Linke waren. Für diese Spezialdemokraten heiligt der Zweck die Mittel, solange es „solidarisch“ und kollektivistisch „nur“ gegen „Rechts“ und „die Reichen“ geht. Das Dilemma, in dem sich Sozialdemokratie, das Zentrum und auch die DVP in der Weimarer Republik befanden, kommt in einer Rede des letzten Ministerpräsidenten des Freistaats Preußen, Otto Braun, zum Ausdruck, als er in Richtung KPD sagte: „Merken Sie denn nicht, dass Sie die Geschäfte der da drüben besorgen? Sie wollen beide die demokratische Republik zertrümmern, um dann auf den Trümmern ihre Diktatur zu errichten, und zwar jeder die seine! Sie wollen dann “Die„ hängen und die “Sie„. Ich fürchte, sie werden die Gehängten sein.“ – „Dich hängen wir zuerst!“ „gröhlten die Verblendeten!“ (zit. G. Mann) Führte damals die Weltwirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit, Armut und Hunger zum Erstarken extremistischer Parteien, so ist es heute eine völlig desaströse Migrations-, Energie-, „Klimaschutz“- und Außenpolitik, die zu wirtschaftlichem Niedergang, Zerrüttung der Sozialsysteme, zunehmender Verarmung und zur Abwendung von den Altparteien führt , die als inkompetent wahrgenommen werden. Das linke Meinungskartell, der ÖRR und die Geheimdienste betreiben mit der Diffamierung der AfD als „rechtsextrem“ den Aufbau eines Popanzes, um eine konservativ-bürgerliche Mehrheit von der Macht fernzuhalten. Die vermerkelte CDU macht bei dem üblen Spiel mit, weil jede neue konservative Partei vorrangig mit ihr um Wählerstimmen und damit um Einfluss und lukrative Posten konkurriert.