Dushan Wegner, Gastautor / 02.12.2020 / 14:00 / Foto: Dushan Wegner / 11 / Seite ausdrucken

Die im Dunkeln twittern nicht

Wer von Berufs wegen sichtbar und laut ist, der ist auch dieser Tage, in der Krise, sichtbar und laut – etwa all die „Kulturschaffenden“ die das Jahr über linke Politik preisen, der Kanzlerin rote Rosen schenken und nun, in der Krise, natürlich ausgehalten werden wollen („Geld ist im Übermaß vorhanden“).

Auch wenn Konzerne und die wirklich Reichen, die in der „Pandemie“ noch reicher wurden (in den USA etwa um circa 1 Billion, so CBS News), ihre Meinung kundtun wollen, stehen ihnen weiterhin und gehorsamer denn je ausreichend Politiker und Journalisten sehr willig (und einigermaßen wirksam) zur Verfügung.

Und auch wir „digitalen Bürger“ haben noch die „sozialen Medien“ – wozu auch die Blogs zählen! Auf diesen „Klowänden des Internets“ (so Jean-Remy von Matt) können wir jene Fragen stellen, von denen „Die da oben“ nicht wollen, dass man sie stellt – solange die Fragen nicht allzu frech werden, denn dann kommen die anonymen Zensoren und löschen, was sie für „falsche Meinung“ halten. Jedoch, solange wir uns an den Zensoren vorbei zu schlängeln wissen – es schadet nicht, dabei die Kunst der Talking Points zu beherrschen – und solange wir sicher genug auf dem Hochseil des Sagbaren zu balancieren wissen und es vermeiden, in die Höllenflammen der politischen Korrektheit zu stürzen, solange können auch wir hier unten „laut werden“.

Haben wir in dieser Aufzählung alle Menschen erfasst?

Oft unsichtbar

Nach aktuellen Statistiken sind knapp vier Milliarden Menschen weltweit in den Sozialen Medien aktiv; das ist in etwa die Hälfte der lebenden Homo sapiens dieses Planeten.

Die Hälfte des lebenden Menschengeschlechts ist in den Sozialen Medien unterwegs! Das ist beeindruckend (und macht gewisse Akteure sehr reich), doch es könnte in aller Online-Euphorie untergehen, was im Gegenzug der Fall ist: Die Hälfte der Menschheit ist nicht in den Sozialen Medien aktiv. Für die digitalen Bürger – wie, so fürchte ich, auch mich – bleibt die Hälfte der Weltbevölkerung digital stumm und also weitgehend unsichtbar.

Ja, sie sind oft unsichtbar, selbst wenn sie technisch online und angemeldet sind! Die bloße Verfügbarkeit sozialer Medien bedeutet noch nicht, dass diese auch tatsächlich für die Meinungsäußerung genutzt werden – und wenn doch, bedeutet die Nutzung noch lange nicht, dass die Nachricht auch ein Publikum findet, dass sie Einfluss auf die große Debatte hat.

(K)ein mediales Outlet

Einige meiner Leser arbeiten selbst in jenen „höher gelegenen Fluren“, und ihr Abendprogramm ist eher eine „Fortsetzung des Business mit anderen Mitteln“. Wenn Sie zu dieser gewiss wohlverdient privilegierten Gruppe gehören, können Sie bei der folgenden Aufgabe vielleicht nicht (sinnvoll) teilnehmen – für alle anderen gilt: Wenn Sie Arbeiter kennen, wenn Sie vorwiegend daheim agierende Mütter in einfachen Verhältnissen („Hausfrauen“) kennen, einen der Millionen armen Renter oder einen Kleinunternehmer, der sich von Monat zu Monat hangelt, wie viele davon haben ein „mediales Outlet“, das die Perspektive auf die Welt ebendieser mitteilt, und zwar derart, dass es auch gehört wird? Wie viele wollen überhaupt ihr Innerstes nach außen kehren?

Wer abends erschöpft an Leib und Seele nach Hause kommt, wer alle Hoffnung längst aufgab, der schreibt nicht lange Elaborate in Blogs oder Protestaufrufe bei Facebook. Er oder sie teilt vielleicht ein schönes Bildchen oder einen motivierenden Spruch, um sich selbst irgendwie emotional über Wasser zu halten – doch wie sein Alltag wirklich aussieht, wie er wirklich leidet, das bleibt für uns stumm und verborgen.

Wir hören täglich das Jammern der Profi-Jammerer, die sich mit dem Jammern über angebliche Diskriminierung eine sozial äußerst privilegierte Stellung „erarbeitet“ haben, die in teuren Limousinen umherfahren, die mehr glitzernde Euro auf jedem Handgelenk tragen als mancher Jahresverdienst jener, welche morgens früh zur Arbeit fahren, um den ganzen Wahnsinn zu finanzieren. Wir hören die wohlfeilen Worte der Heuchler und Händeringer, die harte Einschränkungen verlangen, die sie selbstredend nicht selbst betreffen. Wir hören überlaut und deutlich die Verlautbarungen der reichen Bonzen im Staatsfunk und den von der Regierung co-finanzierten Zeitungen. Die Stimmen derer aber, die nicht mehr glauben, dass ihre Stimme etwas bewirkt, die vielleicht gar nicht die publizistischen Fähigkeiten besitzen, laut zu werden, diese Stimmen hören wir eben nicht.

„Und man sieht nur die im Lichte“, sinniert Brecht in der Dreigroschenoper, „die im Dunkeln sieht man nicht.“ – Man könnte im Zeitalter von Twitter und all den anderen digitalen Schlangengruben formulieren: „Und man sieht nur die mit den Retweets, doch die im Dunkeln twittern nicht!“

Frei nach einer neuzeitlichen Weisheit: Das Wesentliche ist für die Sozialen Medien unsichtbar.

Wir sollten mal wieder nach dem Wesentlichen schauen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Dushan Wegner.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

Foto: Dushan Wegner

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Hans-Peter Dollhopf / 02.12.2020

Wann immer wir uns auflehnten und unser Leben gaben für uns selbst, kamen die Lumpensammler unserer Seelen. Birds will beat at heaven’s wall What comes to one must come to us all

Archi W Bechlenberg / 02.12.2020

Ach, man kann auch im Hellen nichttwittern. Wenn ich ein Häuflein loswerden möchte, mache ich natürlich das Licht in der Toilette an.

Rafael Rasenberger / 02.12.2020

“Das Dunkle” ist ein unendlich großer Raum, in dem man alles hineinwerfen kann, was man will. Unterhaltungen darüber sind stets interessant und spannend, aber leider irrelevant weil rein hypothetisch, da man schlicht nicht weiß, was im Dunklen ist. Im Praktischen wird “die Dunkelziffer”, “das Dunkelfeld” mitsamt seinen Derivaten “Darknet”, “Dunkler Energie” und beliebigen sonstigen Düsternissen gewöhnlich gebraucht, um eine Ausrede dafür zu haben, daß die tolle Formel, die man grad´ benutzt, leider falsch ist, weil die Ergebnisse sich nicht mit der beobachtbaren Realität decken. Was die Gedanken des Autors betrifft: Eigentlich finde ich es gut, daß wir noch nicht in einer Zeit leben, in der jeder permanent sichtbar ist. Wie Deutschland inklusive Dunkelfeld tickt, sehen wir ja im nächsten Jahr wieder.

Wolfgang Kaufmann / 02.12.2020

Wir müssen doch verstehen, dass Tausende von hysterischen Lehrern unter dem Hasstag #BildungAberSicher für die Schule ohne Schüler twittern. Wer möchte sich schließlich seine wohlverdiente Vormittagsruhe von „Pestratten“ vermiesen lassen, wie die SZ am 5.6.2020 einen älteren Lehrer zitiert. Da kann man gerade froh sein, dass Millionen durch Maskenfolter misshandelte Kinder noch nicht twittern können. – Nichts Geringeres steht auf dem Spiel als die schöne neue Welt, in der sich die Alten gegen den Tod impfen lassen können. Für einen imaginären Highscore sind unsere mathematischen Modellierer bereit, die ganze heimische Wirtschaft zu keulen. Das sollte uns die Gefolgschaft der gewerkschaftstreuen Pauker bei der Bundestagswahl doch wert sein. Jeder nur ein Kreuz! – Oder gibt’s da auch was von Dominion und Symantec? Ich frage für einen Kraken.

M.-A. Schneider / 02.12.2020

@Ilona Grimm Ihrer Ergänzung dessen, was Herr Wegner hier so treffend ausführt, möchte ich in jeder Hinsicht zustimmen. Dazu passt ein Wort von Vera Lengsfeld, die wahrlich weiß, wovon sie spricht: Wer schweigt, macht sich mitschuldig.

Ilona Grimm / 02.12.2020

„Einfache Leute“ äußern sich nicht in Blogs oder Netzwerken, weil sie nicht formulieren können (oder denken, es nicht zu können), was sie eventuell gern zum Ausdruck bringen würden. Aber ich kenne eine Reihe gar nicht so einfacher Menschen (Physiker, Ingenieure, Juristen, Wirtschaftswissenschaftler ...) die geschliffen formulieren können, aber niemals auf die Idee kämen, sich öffentlich zu brisanten oder auch unbrisanten Themen zu äußern. Diejenigen, die von mir wissen, dass ich auf achgut.com oder Reitschuster etc. Kommentare schreibe, haben noch nie einen gelesen. Das wäre unter ihrer Würde. Sie haben recht, Herr Wegner, die leben im Dunkeln und wollen dort auch bleiben, damit sie nirgendwo anecken. Ich denke, dass es genau solche Menschen sind, die hauptsächlich dazu beitragen, dass Politik und Medien in unserem einstmals schönen Lande tun und unterlassen können, was ausschließlich ihren persönlichen Interessen und denen von WEF/BigBusiness/BigData/BigPharma et alii dient. Es sind gebildete Menschen, die aus Feigheit oder Faulheit Blogs wie den Ihren oder die Achse ignorieren und ihren Mund nicht aufmachen; die sich unmöglich gemein machen können mit Nazis, Klimaleugnern, Coronaleugnern und ähnlichem Pack / „toxischem Gebräu“. Ich nenne ihr Schweigen (allerdings nur im Selbstgespräch; ein paar soziale Kontakte brauche auch ich) Beihilfe zur Vernichtung alles dessen, was mir lieb und teuer ist und unsere abendländische Kultur ausmacht.

Oliver Hoch / 02.12.2020

Die sozial(istisch)en Medien im Großformat von YouTube abwärts nutze ich lediglich passiv, wenn ich also in unabhängigen Medien (von der Achse aufwärts) einen entsprechenden Link interessant finde. Als armer alter (weißer) Kapitalist bin ich durchaus Anhänger erfolgreicher Geschäftsideen, aber der überwiegende verbreitete Unrat hält mich von längeren Aufenthalten ab, wie ich auch möglichst wenig Zeit in Mülldeponien oder öffentlichen Bedürfnisanstalten Berlins verbringe. Klein ist fein, und ich nutze meine Zeit lieber für Besuche bei der Achse, bei zeller, danisch, klonovsky, wendt, wegner oder sciencefiles. Twittern etwa war vor zehn Jahren durchaus hübsch und sinnvoll, mittlerweile links abgeschmiert. Sollen die Blasenbewohner doch unter sich einen oder mehr Blasen, ohne mich. Bei der Achse sind die meisten zu schlau für mich, daher lese ich nur und schreibe selten. Mache ich dafür als (bezahlender) Kommentator bei einer der (zwei bzw. drei, je nachdem ob man Bild dazurechnen mag) verbliebenen noch halbwegs anständigen großen Online-Zeitungen in Deutschland. Klar wird man als Konservativer dort schon mal geblockt, aber es sind dies verbliebene Kommunikationswege zwischen Demokraten im Sinne des Grundgesetzes und Demokraten im Sinne von Biden/Harris. Twittern lohnt sich nicht mehr. Lieber das Online-Abo einer (oder mehr) der 2-3 anständigen Online-Zeitungen für Kommentare nutzen. Und täglich wenigstens drei oder vier freiheitliche Blogs lesen.

Peter Holschke / 02.12.2020

Klar. Und diese Leute werden irgendwann wieder auf die Barrikaden gehen, wenn es “die da oben” es wieder zu (sic!) “bunt” treiben. Und so mancher von den Lackaffen befürchtet schon jetzt, dass auch an seine Tür geklopft wird. Daher die Angst und Panik.

Harald Unger / 02.12.2020

Das GAFAT Kartell unterdrückt jetzt in aller Offenheit jede Form der unabhängigen Berichterstattung und Meinungsäußerung. In dem unbotmäßige Medien vom Advertising Revenue System, das global von Google beherrscht wird, ausgelistet und auf FB und Twitter abgeschaltet werden. Das geht sogar soweit, daß unbotmäßige Medien, wie z.B. der klassisch bürgerliche “The Federalist”, auf Anordnung von Google seinen Kommentarbereich schließen muss. Der andernfalls angedrohte Ausschluss von den Werbeeinnahmen hätte das Aus bedeutet. - - - Wohin die Reise geht, konnte ich gestern bei Saturn erleben, wo weite Teile des Markts mit riesigen Hochglanzbauten von Huawei zugestellt sind. Mit dem CCP/Huawei G5 Netz und dem GAFAT Kartell, werden wir zum 24/7 beherrschten und kontrollierten Inventar des “Internet der Dinge”. - - - Selber hatte ich mich in den vergangenen Jahren gefragt, weshalb die CCP in ganz großem Still die Genom-Datenbanken in den USA und Europa hackt, mit Schwerpunkt auf Militärangehörige. Jetzt weiß ich es.

s.andersson / 02.12.2020

A Soziale Medien sollte es eher heisen. Guter Name .... leider nix gutes drin. Die Medien/ Menschen in den oberen Etagen sollten sich Ihrer Verantwortung bewusst werden. Aber ich sehe und höre was anderes. TRAURIG !!

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Dushan Wegner, Gastautor / 06.04.2021 / 12:30 / 30

De Maizière, der Ausnahmezustand und die Dummheit

Okay, durchatmen. Wir haben das erste Quartal 2021 hinter uns, und was uns in den ersten Tagen des Aprils um die Ohren gehauen wird, das…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 05.04.2021 / 14:00 / 8

Die Schatten sind fake

Was unterscheidet einen Witz, zumindest einen guten, von den Nachrichten? In jedem Witz steckt ein wahrer Kern! – Im Ernst aber: Was, wenn die Nachrichten…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 06.03.2021 / 12:00 / 29

Zensoren waren noch niemals die Guten

Es gibt sie ja doch, diese Sätze und Worte, die wir zwar so ähnlich bereits gehört haben, die wahr und wichtig waren und bleiben –…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 02.03.2021 / 14:00 / 33

Der Impfpass und andere „Lebens-berechtigungs-Papiere“

Ein „Corona-Impfpass“ soll eingeführt werden, der – so man denn geimpft ist – das freie Reisen zwischen den EU-Staaten ermöglichen soll. Es ist nicht komisch,…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 26.02.2021 / 10:00 / 34

Coca-Cola: „Versuche, weniger weiß zu sein!“

Stellen wir uns für einen Augenblick vor, ein Konzern würde im Rahmen einer Schulung spezielle Erziehungsvideos verfügbar machen, worin es heißt, sie sollten „versuchen“, „weniger…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 15.02.2021 / 15:00 / 7

Der Countdown läuft und Deutschland flattert im Wind

Eine Plastiktüte tanzt im Wind. Es ist der Gerätehof eines Supermarktes, da, wo die Verkäufer in der Pause hingehen, um eine nervöse Zigarette abzubrennen. Niemand…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 05.02.2021 / 16:00 / 41

Wie ein Bär im Kreis laufen

Zwei Jahrzehnte lang lebte sie in Gefangenschaft. Wenn man Braunbär ist mit einer Lebenserwartung von etwa 25 Jahren, dann sind zwei Jahrzehnte der größte Teil…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 18.01.2021 / 15:00 / 7

Wir treiben mit dem Strom

Ich kannte das Wort „Holztrift“ bis vor kurzem nicht, doch die Bilder des Phänomens, für das es steht, die kannte ich sehr wohl. Ich fand…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com