Henryk M. Broder / 13.12.2014 / 14:48 / 10 / Seite ausdrucken

Die hohe Kunst der Moderation - Von Giordano zu Generali

Wahrscheinlich ist es Ihnen auch aufgefallen: In fast allen Nachrufen auf Ralph Giordano war davon die Rede, er sei “trotzdem” in Deutschland geblieben. Ferner wurde ihm zugute gehalten, er habe sich gegen rechtsradikale Ewiggestrige, alte und neue Nazis engagiert, mit ihm habe Deutschland einen Mahner verloren. Ja, so müssen Juden sein, moralische Subunternehmer, die den indigenen Deutschen die Drecksarbeit abnehmen.

Dass sich Giordano in den letzten Jahren vor allem über die schleichende Islamisierung der Bundesrepublik aufgeregt hat, wurde in den Nachrufen verschwiegen, denn die findet erstens nicht statt und zweitens wäre eine solche Information mit dem Bild des guten und gütigen Juden mit Holocaustbonus nicht vereinbar gewesen. Dankenswerterweise hat Vera Lengsfeld an dieser Stelle an den Offenen Brief erinnert, den Giordano an Christian Wulff geschrieben hat, dessen politisches Vermächtnis auf einen Bierdeckel passt.

Den mit Abstand schäbigsten Nachruf auf Giordano gab es in der “kulturzeit” auf 3sat, Ein paar Clips aus der Filmfassung der Bertinis, durchmoderiert von unserer Lieblingsmoderatorin Tina Mendelsohn, geb. Bausmann, mit weichem B. Knallhart dagegen war der Übergang von Giordano zu Generali, an dem Frau M. stundenlang gefeilt haben muss. Schauen Sie selbst.

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Nikolaus Gatter / 15.12.2014

Brandstifter? Das klingt doch noch fast höflich, Herr Wedell. Für die Autorin Dr. Eva Weissweiler, die in Giordanos Verlag bei Kiepenheuer & Witsch u. a. Biographien wie “Die Freuds”, “Otto Klemperer” sowie eine Schmonzette des Historischen Romans namens “Die Juden von Cöllln” erscheinen ließ, war der Kollege Ralph Giordano schlicht und ergreifend ein “Hassprediger”.

peter luetgendorf / 15.12.2014

Sehr geehrter Herr Giardano, wenn Sie das lesen, hören und sehen würden, was in Deutschland so verlautet wird. Sie würden ihr eigenes Leben nicht mehr wiedererkennen. Ich werde Sie nicht vergessen. Gruß peter luetgendorf

Ruediger Boeger / 14.12.2014

Qualitätsmediale Überleitung aus der Hölle. Und das nennt sich Kulturzeit. Mir fallen spontan ein Fass, Krone, Gesicht.

Max Wedell / 14.12.2014

Die begleitende Bildunterschrift bei 3sat finde ich persönlich ein ziemlich starkes Stück: “Ralph Giordano, einer, der deutsche Debatten angefacht hat, der gegen Ende seines Lebens manchmal ein Brandstifter war, ist mit 91 Jahren gestorben.” Giordano ein Brandstifter? Achsoooo, na ja, nur manchmal halt. Früher gab es im TV mal “Spiel ohne Grenzen”... heute hingegen oft nur “Unverschämtheiten ohne Grenzen”. Echte Brandstifter, d.h. die Araber oder Nazis, die gegen Juden gerne Brände stiften, werden es jedenfalls mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen, daß auch ein Jude mal offiziell, vom deutschen TV abgesegnet, ein Brandstifter ist. @ Caroline Neufert, Sie bräuchten nur den Brief Giordanos an Wulff zu lesen, den Broder ja verlinkt hat, und schon würden Sie bemerken, daß nicht nur sein Freund, sondern Giordano selbst sich “auf Islamkritik hin instrumentalisiert” hatte.

Martin Schulz / 14.12.2014

Leider hat Ralph Giordano durch seine Diskreditierung aller die Masseneinwanderung aus der islamischen Welt ablehnenden Menschen als Neonazis oder Rechtsextremisten das Problem der Islamisierung selbst befördert. So forderte er z.B. in den 90ern, man müsse Franz Schönhuber den Garaus machen, was dieser mit einer Strafanzeige beantwortete. Das er es in seinen letzten Lebensjahren realistischer bewertete und vor allem auf die Gefahr für die Juden und die gesamte Gesellschaft durch die Islamisierung hinwies, spricht für ihn.

Thomas Schmied / 14.12.2014

Unkulturzeit bei 3sat, nur wenige Tage nach Ralph Giordanos Tod: “Ralph Giordano “Diese Großmoscheen sind ein falsches Signal.”: Ralph Giordano, einer, der deutsche Debatten angefacht hat, der gegen Ende seines Lebens manchmal ein Brandstifter war, ist mit 91 Jahren gestorben.” http://www.3sat.de/mediathek/?obj=48252 Der alte “Brandstifter hat also was “angefacht”, schreiben sie - sowas macht mich wütend, nicht diese grottige Moderation.

Willi Andresen / 13.12.2014

Unglaublich. Die Redaktion der “kulturzeit” gehört sofort entlassen, die Moderatorin dieser merkwürdigen Sendung, die sich so etwas leistet, direkt in die Wüste geschickt und die Programmverantwortlichen noch bestenfalls versetzt in die Versandabteilung.

Nikolaus Gatter / 13.12.2014

Eine kleine Korrektur: Ich kann bezeugen, dass Giordanis Kritik auf den WDR-Radiowellen 3 und 5 nicht verschwiegen wurde; man beklagte vielmehr wortreich den mit zunehmendem Alter gewachsenen “Dogmatismus”, der den unbelehrbaren Greis immer ‘“verhärteter” oder “verbitterter” hat werden lassen, und keine der diversen Erwähnungen, Anmoderationen für Interview mit KiWi-Chef etc. ließ es sich nehmen, auf die Ablehnung des Moscheebaus in Köln hinzuwiesen. Wovon allerdings nie die Rede war: dass Ralph Giordano schon 1992 erklärt hat, als Jude könne man sich hierzulande nicht mehr sicher fühlen - als hätte er geahnt, dass im Sommer 2014 judenfeindliche Parolen bei Anti-Israel-Demonstrationen nicht nur von der Polizei geduldet, sondern überaus zuvorkommend “begleitet” und sogar mit Leih-Megaphonen unterstützt würden.

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