Ich werde diese Welt ohne Bedauern verlassen, sagte Alain Delon, bevor er im August 2024 verstarb. Dieser Satz kam mir in den Sinn, als ich mich beim Versuch, per Internet ein Konto zu eröffnen, von künstlicher Intelligenz beleidigen lassen musste.
Die Verdrängung zwischenmenschlicher Kontakte im Alltag durch digitale Interaktionen hat das Leben vielleicht effizienter, aber mit Sicherheit auch reizloser gemacht. Dieser Trend mag für den einen Fortschritt bedeuten, für den anderen aber Schikane. Auf jeden Fall wird diese Entwicklung auf Dauer eine Welt schaffen, die man mit immer weniger Bedauern verlässt.
Im 20. Jahrhundert konnte man die Welt bereisen, ohne Internet und ohne Handy. Man kam am Flughafen an und fragte den Taxifahrer nach einem guten oder günstigen Hotel. Oder man stieg am Marktplatz im Dorf aus dem Bus und fragte sich von dort aus durch. Das klappte immer, und nie musste man unter einer Brücke schlafen. Man machte bei der Gelegenheit auch erste Kontakte mit der lokalen Bevölkerung, die sich amüsierte, welche Schwierigkeiten man mit ihrer Sprache hatte. Aber man kam uns hilfreich entgegen, und man war ab jetzt kein Fremder mehr.
Heute buchen Sie Ihr Urlaubsapartment per Airbnb und werden von einem Schild an der Hauswand empfangen, das Sie auffordert, auf dem Keypad die sechsstellige Zahl einzutippen, die Ihnen mit der Bestätigung der Buchung zugegangen ist. Die ist im Handy gespeichert, aber der Akku ist leer. Wie der Zufall es will, schickt nach zehn Minuten Ratlosigkeit Ihr Schutzengel einen Bewohner, der das Haus verlässt. Sie treten ein, finden im Treppenhaus eine Steckdose zur Wiederbelebung Ihres Handys, und das zeigt Ihnen nun die vierstellige Zahl für den Zugang zu Ihrem eleganten Apartment an. Es funktioniert, und Sie fühlen sich wie Wotan beim Einzug der Götter in Walhall. Am Tag der Abreise genießen Sie dann noch einen kleinen Lunch auf der Plaza, um dann bei der Rückkehr zu Ihrem Apartment festzustellen, dass der Code nur bis 12:00 gültig war. Mal sehen, was dem guten Engel jetzt einfällt, damit Sie noch rechtzeitig zu Ihrem Gepäck kommen, denn der Flieger wartet nicht.
Identification not possible
Die Entwürdigung durch Digitalisierung kann aber noch gesteigert werden. Da gibt es Verfahren, um eine Person per Internet zu identifizieren. Man hält dem digitalen Kontrolleur erst seinen Ausweis mit Lichtbild vor die Kamera, dann auch noch die Rückseite und schließlich sein Gesicht. Die eigene Rückseite braucht man der Kamera nicht zu zeigen, obwohl man Lust dazu hätte.
Na und, sagen Sie, was soll daran schwierig sein? Aber da ist das Bild vom Ausweis verschwommen, und Ihr Kopf, der genau in einen bestimmten Rahmen passen muss, ist nicht richtig ausgeleuchtet. Sie versuchen, das zu korrigieren, und werden jetzt aufgefordert, nach links oder rechts zu schauen. All das tun Sie ganz gehorsam, um nach einer Stunde und diversen Versuchen die Mitteilung zu erhalten: „Identification was not possible. Please try again later.“
Bei einem menschlichen Gegenüber könnten Sie nun weitere Informationen ins Feld führen, um ihm alle Zweifel zu nehmen; für den AI-Inspektor aber sind Sie nichts anderes als ein potenzieller Betrüger. Sie mussten sich existenziell auf das Niveau dieser Maschine begeben, um deren Urteil zu erbitten. Und das lautete: „inakzeptabel“. Wo bleibt da die Würde des Menschen, die doch angeblich unantastbar ist?
Der Mörtel der Kulturen
Aber das ist nur ein Aspekt. Die tausend kleinen Trivialitäten des täglichen Lebens, die in der Vergangenheit durch Interaktionen zwischen Menschen erledigt wurden, hatten ja auch einen psychologischen Wert. Das kokette Lächeln des Fräuleins am Bankschalter oder die witzige, leicht anzügliche Bemerkung des Postboten – all das waren doch Pralinés für die Seele. Und jede Kultur hatte da ihre eigene Tradition, so wie die kulinarischen Eigenheiten von Land zu Land verschieden sind. Da sagt der Italiener „Buongiorno, bellissima“ und der Brite „Beautiful day, lady, isn’t it?“
Der Umgang der Menschen miteinander, die kleinen, harmlosen Wortwechsel des Alltags, sind ein wichtiges Element jeder Gesellschaft. Zwar lösen sie kein technisches Problem und steigern kein Bruttoinlandsprodukt, aber sie schaffen eine Verbindung zwischen Menschen, sie machen aus Fremden eine Gemeinschaft. Sie sind der Mörtel, der die einzelnen Ziegel zu einem Bauwerk, zu einer Kultur zusammenhält.
Wenn all das immer mehr verloren geht, und das wird wohl so kommen, dann enden wir in einer Welt, zu der man ähnliche Gefühle entwickelt, wie sie Alain Delon schon jetzt hatte.
Der Bestseller des Autors „Grün und Dumm“, und andere seiner Bücher, sind bei Amazon erhältlich. Weitere Artikel und Kontakt zum Autor bei www.think-again.org

Ja buchen Sie mal ein Hotel! Geht online. So weit so gut aber wenn sie fragen wollen, ob das Zimmer Teppichboden hat, telefonisch niemand erreichbar nur die KI die man nach eigener Auskunft alles fragen kann: Antwort, das kann ich ihnen nicht beantworten. Aber wir haben einen WhatsApp Chat der auf die eingetippte Frage mit: So können sie buchen, antwortet.
Hotel storniert-es reicht.
Die Hölle ist digital … denn digital ist asozial.
Ein absoluter Volltreffer. In der digitalen Welt wird die analoge Unschärfe bzw. die vollständige analoge Welt zerhackt und in Zahlen gespeichert. Je nach Genauigkeit der Speicherung/Berechnung ist der Verlust an Information enorm. Das fällt dem Durchschnittsbürger zunächst nicht mehr auf, weil die Genauigkeit der digitalen Berechnung heutzutage einen Grad erreicht hat, der in vielen Fällen bereits die „Auflösung“ der menschlichen Sinne übersteigt. Das ändert sich erst dann, wenn man „die Lupe“ auspackt und ins Detail schaut. Da wird der Verlust dann sofort wieder sichtbar. Wo es auch ohne Lupe sichtbar wird, ist beim Verlust der menschlichen Interaktion. Man redet kaum noch Auge in Auge miteinander, sondern tippt sich gegenseitig kleine Texte zu. Nur: Da fehlt 90% dessen, was eine menschliche Interaktion ausmacht. Nämlich Gestik, Mimik, Körpersprache, Geruch, etc.. Smileys kompensieren das nur sehr unzureichend, weswegen die Menschen nicht nur immer mehr das soziale Miteinander verlernen, sondern sogar ihren natürlichen Lügendetektor und damit ihren 7. Sinn. Und das ist in voller Ausprägung absolut lebensgefährlich. Hinzu kommt der Matrix Effekt, dass man Menschen im Internet heute umso einfacher mit KI Bots an der Nase herumführen kann. Wer schon mal was von „Dead Internet Theory“ gehört hat, der ahnt worauf ich hinaus will…
Und weil diese Interaktionen so bedeutsam sind, müssen sie weg!
Sie behindern die totale Unterwerfung unter das Kollektiv.
Nachzulesen in „1984“.
Man wollte Herrn Hofmann-Reineke erstmal zustimmen. Nach intensivem Nachdenken komme ich aber zu dem Schluß, daß seine Beispiele nur Nörgeln auf hohem Niveau sind. Natürlich war ohne Smartphone allen anders, aber eben auch umständlicher. Heute kann ich bequem eine Reise durch Südamerika selbst organisieren, buchen und durchführen, wo ich früher umständlich ein Reisebüro aufsuchen, Kataloge wälzen oder Fremdenbüros anschreiben musste. Ich buche meine Flüge, Unterkünfte, Züge selbst, und kann unter vielen Alternativen aussuchen. Ich brauche keine Stadtpläne, kann Restaurants inkl. Speisekarte buchen. Und das alles ohne tiefgreifende Sprachkenntnisse.
Und kleiner Tipp: man kann wichtige Informationen wie Adressen, Telefonnummern, Zugang-PIN ausgedruckt mitnehmen.
Nein, das meiste wurde im Laufe meines Menschenlebens besser. Und selbst der Franzose spricht öfter mal Englisch.
Der enorme Wasser- und Stromverbrauch der Rechenzentren könnten das Instrument sein, um gegen die Rechenzentren ins Feld zu ziehen. Das Problem ist jedoch, daß die, die es begreifen, zu bequem sind und als revolutionäre Masse unbrauchbar.
Beim KKW war es die Strahlung. Strahlung ist unsichtbar, man hätte also bei den Rechenzentren den Vorteil physischer Präsenz. Vor allem steht der geradezu winzige KKW-Block zu den Windradparks in einem auffälligen Mißverhältnis. Was da an Rohstoffen und Trinkwasser reingepumt wird, ist exorbitant. Wer das als Umweltschutz deklariert, hat nicht nur Tomaten auf den Augen.
Die Windräder sind das Menetekel dieses idiotischen Internets. Wir könnten die alle abreissen, wenn das Netz abgeschafft würde. Das wäre richtiger Natur- und Tierschutz!
Der Wind, den die Medien machen, ist Kunstwind mit einem Gebläse aus Windstrom. Die Natur wird umbaut zur Industriewüste, das ist gar nicht zu übersehen.
Der Stromverbrauch des Netzes, und das war schon sehr früh von technischen Hochschulen gemessen worden, steigt mit exponentieller Geschwindigkeit. Auch das „Internet der Dinge“, das wohl ein Begriff der Geheimdienste war, ist ja seit 20 Jahren bekannt.
Wer brauchen ohne „zu“ gebraucht, wofür brauchen wir die Digitalisierung?
Man kann sich über den Stromverbrauch des Netzes informieren. Man kann die Zahlen abrufen.
Der Trick der Verführer ist, daß wir geradezu besessen von dem sind, was uns den Kopf kostet und die Natur verwüstet.
Wahrscheinlich hängt das Gehirn im Internet fest, wenn man das nicht versteht.
„Die tausend kleinen Trivialitäten des täglichen Lebens, die in der Vergangenheit durch Interaktionen zwischen Menschen erledigt wurden, hatten ja auch einen psychologischen Wert.“
Die immer weiter fortschreitende digitale Welt ist jetzt schon eine Welt, die immer mehr entmenschlicht und die Schattenseiten werden immer offensichtlicher. Ob in Bahn, Arztpraxis oder beim Kinderwagenschieben auf der Straße, bald jeder hält so ein Ding in der Hand, ohne geht wohl nimmer, schlimmer als jeder Süchtige, die Folgen kennt man schon bei Kindern.
Auch wenn manches heute bequemer erscheint, war die analoge Welt freiheitlicher, reicher an realen Erlebnissen und gleichzeitig einfacher und entschleunigt. Was die heutige Welt angeht kann man Alain Delon nur zustimmen: Ich werde diese Welt ohne Bedauern verlassen….