Heinz Horeis, Gastautor / 11.05.2019 / 06:18 / Foto: Sheilalau / 45 / Seite ausdrucken

Die Halluzination vom Klima-Verbündeten China

China ist der weltweit größte Produzent sogenannter Treibhausgase. Dennoch sehen westliche Politiker das Land als Verbündeten im Kampf gegen die Erderwärmung. Reines Wunschdenken! Auf der To-do-Liste der chinesischen Führung steht die "Klimarettung" ganz unten.

Nur zwölf Jahre bleiben angeblich noch für die "Klimarettung". Handele die Welt bis dahin nicht, geht sie unter. Deshalb soll Schluss sein mit der Freisetzung von Kohlendioxid, mit der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas. So lautet der aktuelle Marschbefehl für die globale Klimapolitik. Die deutsche Regierung ist natürlich bei der Rettung dabei und will bis 2038 alle Kohlekraftwerke abschalten. Noch ärger treibt es Alexandria Ocasio-Cortez, neugewählte erzlinke Senatorin der amerikanischen Demokraten. Sie will mit dem „Green New Deal" bis 2030 eine "Null-Emissionswelt" erreichen, in der fossile Brennstoffe verschwunden sind und die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen soll.

Es sind aberwitzige Pläne. Und letztlich sinnlos. Selbst wenn tatsächlich menschengemachtes Kohlendioxid die weltweite Temperatur in die Höhe triebe, wäre die Abschaltung von Kohlekraftwerken, die Errichtung zahlloser Windräder und Solaranlagen hierzulande für die Katz. Denn nicht von Deutschland, nicht von der EU, sondern von China hängen die zukünftigen Emissionen ab. Seine wachsende Wirtschaft liefert die weltweit größten Mengen an Treibhausgasen. Schon vor fünfzehn Jahren hat das Land die USA überholt und baut seinen Vorsprung stetig aus. Sitzt China nicht im Boot der Klimaretter, ist alle Retterei vergebens. 

Nun, westliche Klimapolitiker, NGOs und UN-Bürokraten sehen China unverdrossen an ihrer Seite und nehmen für bare Münze, wenn Präsident Xi Jinping auf dem Kongress der Kommunistischen Partei im Oktober 2017 versichert, dass sein Land "in der internationalen Zusammenarbeit zum Klimawandel einen Fahrersitz" einnehmen werde. Gewertet wurde diese Aussage als Reaktion auf Donald Trumps Ankündigung drei Monate zuvor, dass die Vereinigten Staaten aus der Pariser Vereinbarung aussteigen würden. Barbara Hendricks, ehemals deutsche Umweltministerin, sah da die fernöstliche Großmacht schon als Vorreiter: "Wir können China beim Klimaschutz ja nicht alleine vorangehen lassen."

Das ist Wunschdenken. Xi Jinping wacht sicher nicht mitten in der Nacht auf und sorgt sich um das Klima. Für Chinas Führung zählen Wirtschaftswachstum und sichere Energieversorgung, nicht aber die globale Temperatur. Bleiben wir in Xis Bild vom Fahrersitz, dann ist sein Land eher der Zuschauer an der Straße, der zufrieden zusieht, wie der westliche Klimazug ins Ungewisse fährt. 30 Jahre chinesischer Klimapolitik machen diese Haltung deutlich – wenn man sie denn sehen will.

Asymetrische Ziele in Kyoto 

In Rio de Janeiro einigten sich 1992 154 Staaten auf die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC). Gemäß dieser Vereinbarung sollte "die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau stabilisiert werden, das gefährliche Eingriffe des Menschen in das Klimasystem verhindert." Über das "Wie" stritt man sich ab 1995 auf den alljährlichen Welt-Klimagipfeln, die sich schnell zu Massenveranstaltungen auswuchsen. 1997 in Kyoto trafen sich schon 20.000 Teilnehmer – mit hohen Erwartungen. Erstmals sollten sich die Vertragsstaaten auf "verbindliche Emissionsziele" einigen. 

Formuliert wurden asymmetrische Ziele: Die Industrieländer sollten bis 2012 ihren Ausstoß an Treibhausgasen deutlich senken. Die Entwicklungs- und Schwellenländer, angeführt von China, mussten sich zu nichts verpflichten. Vorteil China et al. – sehr zum Missfallen der amerikanischen Unterhändler, die auf einem Beitrag der Nicht-Industrieländer bestanden. Diese blieben allerdings bei einem strikten Nein. "Unsere Emissionen bedeuten Überleben, ihre Luxus. Dort haben zwei Leute ein Auto; uns wollen sie sogar verwehren, in Bussen zu fahren", konterte der Chef der chinesischen Delegation.

Bill Clinton war damals amerikanischer Präsident, Al Gore sein Vize. Beide waren gewillt, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen. Doch der US-Senat spielte nicht mit. Einstimmig lehnten Republikaner und Demokraten eine Unterzeichnung aus zwei Gründen ab: die Ausnahmen für "Großverschmutzer" wie China, Indien oder Südkorea und der zu erwartende erhebliche Schaden für die US-Wirtschaft. 

2005 hatten alle Staaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert – mit Ausnahme der USA. George Bush, der Clinton 2001 als Präsident ablöste, hatte mit Kyoto nichts im Sinn. Er hielt die Vereinbarung für "in vieler Weise unrealistisch". Der chinesischen Regierung war es recht. Solange Washington dem Kyoto-Protokoll fernblieb, musste Peking keinen politischen Druck fürchten.

Angela Merkel als umtriebige Klimakanzlerin

Im Jahrzehnt nach Kyoto, Mitte der Nullerjahre, wandelte sich die Erderwärmung zur gefährlichen Erderwärmung. China verdrängte die Vereinigten Staaten, bis dahin größter Erzeuger von Treibhausgasen, von der Spitze. 2006 sahen Millionen von Menschen Al Gores apokalyptisches Propagandawerk "An Inconvenient Truth", und im Jahr darauf erhielten der Weltklimarat und Al Gore den Friedensnobelpreis. In Deutschland präsentierte sich Angela Merkel als umtriebige Klimakanzlerin; manche Medien maßen ihr gar eine Schlüsselrolle in der internationalen Klimapolitik zu.

Die Welt schien bereit für den großen Schritt vorwärts. Die Zeit drängte, denn 2012 würde das Kyoto-Protokoll auslaufen. Ein neuer Vertrag sollte im Dezember 2009 auf dem Klimagipfel in Kopenhagen (COP 15) beschlossen werden. Da passte es, dass im Januar 2009 mit Barack Obama ein neuer Präsident ins Weiße Haus einzog. Presse und Politik im Westen begrüßten ihn enthusiastisch als Hoffnungsträger. In Rekordzeit erhielt er im Oktober den Friedensnobelpreis. Zur Klimapolitik hatte er auch eine Meinung: "Zwei Jahrzehnte Reden und kein Handeln". Offensichtlich wollte der neue Präsident in Kopenhagen eine Wende in der globalen Klimapolitik erreichen. Allerdings machte die chinesische Führung ihm einen Strich durch die Rechnung.

Obama hätte es besser wissen können. Anfang 2009 schrieb der China Brief, herausgegeben von der Washingtoner Jamestown Foundation, Erhellendes über die Aufgabe der chinesischen Unterhändler bei den Klimaverhandlungen. Sie sollten "sicherstellen, dass China keine Verpflichtungen übernimmt, welche die wirtschaftlichen Entwicklung hemmen oder die Energiesicherheit beeinträchtigen." Für die vorhersagbare Zukunft, so der Autor, werde die Quintessenz chinesischer Klimapolitik darin bestehen, verpflichtende Obergrenzen abzulehnen.

Chinas einflussreiche Klimaskeptiker

Es gab noch mehr: Wenige Wochen vor dem Kopenhagener Treffen veröffentliche Ding Zhongli, Chinas Top-Klimaforscher, in der Pekinger Zeitschrift Science Times einen langen Artikel zum bevorstehenden Klimagipfel (Ding Zhongli. Der Gebrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verteidigung des Rechts des Landes auf wirtschaftliche Entwicklung. Science Times, 7.9.2009.) Ding ist Vizepräsident der chinesischen Akademie der Wissenschaften. Man kann davon ausgehen, dass er in der Klimafrage die offizielle Meinung der Pekinger Führung vertritt. 

Verlässliche wissenschaftliche Belege dafür, dass Temperaturanstieg und CO2-Konzentration gesichert voneinander abhingen, so schreibt Ding, gebe es nicht. Die globale Temperatur könne auch von der Sonne bestimmt werden. Die menschliche Aktivität könne deshalb nicht der einzige Faktor für den Temperaturanstieg der letzten hundert Jahre sein. Warum, so fragt der Autor, legten die Industriestaaten dann ein solch "fragwürdiges wissenschaftliches Konstrukt" auf den Verhandlungstisch? Weil ihre wahre Absicht nicht die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs sei, sondern die Beschränkung der wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellen- und Entwicklungsländer.

Chinas Haltung bezüglich der Verhandlungen in Kopenhagen hatte Ding damit unmissverständlich klar gemacht: das Land werde weiterhin auf „sehr viel Kohle“ für wirtschaftliches Wachstum setzen. Und wegen seines großen Nachholbedarfs habe es ein Recht dazu. Damit bleibt Peking auf dem schon in Kyoto eingeschlagenen Kurs "China first" – Wirtschaft und Energiesicherheit gehen vor.

Demütigung in Kopenhagen

Im Dezember 2009 schneite es in der dänischen Hauptstadt; es war grau und kalt, ein Wetter, das so gar nicht zur Erderwärmung passen wollte. Die Vertreter der führenden Industrienationen kamen mit großen Erwartungen; im Juni zuvor hatte man sich auf dem G8-Gipfel das plakative 2°C-Limit zum Ziel gesetzt und eine "drastische Verringerung" der Emissionen bis 2050 gefordert, und zwar von allen großen Emittern in Industrie- und Entwicklungsländern.

Doch die westlichen Unterhändler bissen auf Granit. China hatte sich schon vor dem Klimagipfel mit Indien auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt: Keine internationalen Emissionskontrollen ihrer Volkswirtschaften, weder jetzt noch in Zukunft. "Was immer das Ergebnis von Kopenhagen – es sollte nicht auf Kosten des Rechts auf Entwicklung der Entwicklungsländer erreicht werden", erklärte Chinas Vertreter He Yafei schon zu Beginn.

Es gab Krach und Streit, aber keine Einigung. Die chinesische Delegation, unterstützt von Indien, Brasilien und Südafrika, weigerte sich hartnäckig, irgendwelchen verpflichtenden Zielen zur Begrenzung von Emissionen zuzustimmen. Auch der frischgebackene Friedensnobelpreisträger Obama, der am letzten Tag der Konferenz einschwebte, blieb erfolglos. Zunächst erschien der chinesische Premier Wen Jiabao nicht zu einem angesetzten Treffen; Obama und weitere Staatsführer mussten mit einem rangniedrigen chinesischen Vertreter verhandeln. Ein gezielter Affront. Später traf Wen sich mit den Präsidenten von Indien, Brasilien und Südafrika – ohne den amerikanischen Präsidenten. Als sich ein entnervter Obama schließlich (fast mit Gewalt) Zutritt verschaffte, musste erst einmal ein Stuhl für ihn besorgt werden. 

Die Staatsführer brachten noch ein dürres, knapp dreiseitiges Abschlussdokument zustande; Obama sah es als Erfolg, doch das Plenum nahm die Vereinbarung bloß "zur Kenntnis". Als Minimalkonsens enthielt es zwar das 2°-Celsius-Ziel als „nice to have“. Maßnahmen, um das Ziel zu erreichen, fehlten. Bei den meisten Teilnehmern, insbesondere den NGOs, herrschten Wut und Enttäuschung. Klimakanzlerin Merkel kommentierte schmallippig, man habe "ein selbstbewusstes China erlebt". Zurück in Deutschland schwor sie, sie würde sich nie wieder so demütigen lassen.

Mark Lynas, ein britischer, in Vollzeit mit dem Klima befasster Journalist, war in Kopenhagen dabei und zog im britischen Guardian folgendes Resümee: "China richtete die Verhandlungen zugrunde, demütigte mit Absicht Barack Obama und beharrte auf einem fürchterlich schlechten 'Deal', für den man den westlichen Staatsführern die Schuld geben würde."

China verfolgte in Kopenhagen eine klare Strategie und setzte sie entschlossen um – mit Erfolg: den Hauptgegner, Obama, "zusammengefaltet", verpflichtende Ziele zur Emissionsminderung verhindert und damit möglichen Schaden vom Land ferngehalten. Bis zum nächsten großen Gipfel 2015 – COP 21 in Paris – herrschte erst einmal Ruhe.

Versprechen was ohnehin passiert

Chinas Klimadiplomaten griffen nunmehr zum leichten Florett. Der neue Präsident Xi Jinping hatte Obama wohl schon eingenordet: ein "Softie", mehr Schein als Sein. Jemand, der zum Ende seiner Amtszeit als Klimapräsident reüssieren wollte, der unbedingt einen Deal brauchte. Den Deal, genauer den Anschein eines Deals, gewährte ihm Xi ein Jahr vor dem Pariser Gipfel. Ende 2014 trafen beide Präsidenten eine, so Obama, "historische Vereinbarung". Obama verpflichtete sein Land darauf, die Emissionen bis 2025 um bis zu 28 Prozent zu senken. Xi versprach, dass bis 2030 Chinas Ausstoß an Kohlendioxid weiter zunehmen werde. Ab da könnten die Emissionen sinken. 

Ein ungleicher Deal. Xi versprach etwas, was ohnehin absehbar war: weniger Emissionen durch technologischen Fortschritt. China würde zwar stetig mehr Kohlestrom erzeugen, dafür aber dank neuer moderner Kraftwerke immer weniger Kohle benötigen. Das bedeutet, durch die Klimabrille betrachtet, Senkung der CO2-Intensität der chinesischen Wirtschaft, allerdings bei absolut steigenden Emissionen. 

Diese vagen Versprechen für die Zukunft stellten die Klimaziele dar, die China der UNO kurz vor dem Pariser Gipfel übermittelte. Damit wurde das Land zu einem anerkannten Klimamusterknaben. Ein diplomatisches Meisterstück: Bis auf weiteres konnte und kann sich der weltgrößte Emitter allen Forderungen nach Senkung der Emissionen entziehen. Vor 2030 tut sich nichts. Und was dann ist, steht in den Sternen. 

Derart unbeschwert sorgten die Chinesen in Paris – zusammen mit den USA – dafür, dass am Ende eine Vereinbarung heraus kam. Diese war allerdings genauso vage wie Xis Zusage, irgendwann die CO2-Emissionen zu verringern. Verbindliche Verpflichtungen gingen die 195 Teilnehmernationen nicht ein. Jedes Land kann selbst seine Klimaziele angeben. Diese nationalen Ziele sind nicht bindend, sollen aber alle fünf Jahre evaluiert werden. 

Trotz dieser mageren Ausbeute hagelte es Lob von allen Seiten. Ban Ki Moon, damals Generalsekretär der Vereinten Nationen, sah in dem Abkommen einen "monumentalen Erfolg für die Völker des Planeten". Es seien vor allem die USA und China gewesen, die diese Vereinbarung ermöglicht hätten. China war gerne dabei, denn das Recht auf Entwicklung, das die sich entwickelnden Länder auf dem Kopenhagener Gipfel durchgesetzt hatten, gilt weiterhin. So heißt es in der Vereinbarung:

Der Umfang, in dem die sich entwickelnden Länder tatsächlich ihre Zusagen erfüllen, ... wird voll berücksichtigen, dass die wirtschaftlich-gesellschaftliche Entwicklung und die Beseitigung von Armut erste und vorrangige Priorität der sich entwickelnden Länder sind. 

Die Pariser Vereinbarung liefert einen Freifahrschein für China

Letztlich liefert die Pariser Vereinbarung einen Freifahrschein für China und Indien, in Zukunft mehr Kohlendioxid freizusetzen. Wirtschaftliche Entwicklung bedeutet dort mehr Kohle und damit mehr Kohlendioxid. Die entwickelten Länder hingegen, sollen "sich auf Ziele zur gesamtwirtschaftlichen, absoluten Senkung der Emissionen verpflichten".

Im Klartext: die westlichen Industrienationen müssten ihren Kohlendioxidausstoß tatsächlich senken, und zwar in großem Umfang. Realistisch gesehen, geht das nur mit Kernenergie und modernen Kohlekraftwerken. Beides aber ist in vielen westlichen Ländern unerwünscht. Stattdessen setzt man auf ineffiziente "erneuerbare Energie" und schwächt damit die eigene industrielle Leistungsfähigkeit. Die chinesische Führung freut es. Was dem Westen schadet, macht das Reich der Mitte stärker.

Chinas Pro-Kopf-Einkommen liegt derzeit unter dem globalen Mittelwert und bei etwa 15% des deutschen Werts. "Objektiv gesehen, sind wir immer noch ein sich entwickelndes Land, allerdings ein sehr großes", erklärte Xie Zhenhua, Chinas Sonderbeauftragter in Sachen Klima, gegenüber der Presse auf dem jüngsten Klimagipfel in Kattowitz. 

Und diesen Status wird China noch viele Jahre behalten, ebenso wie Indien, Bangladesch und andere. Für alle gilt quasi "Emissionsfreiheit"; gemäß der Pariser Vereinbarung können sie fossile Brennstoffe nutzen, um ihre Entwicklung zu fördern. Vor allem Kohle. Chinas Emissionen sind seit dem Paris Gipfel kontinuierlich gestiegen. Ende letzten Jahres beschwor Endcoal.org sogar einen "Kohle-Tsunami" in China. 259 Gigawatt an neuen Kohlekraftwerken seien dort derzeit in Planung und Bau. Diese und weitere werden alle noch laufen, wenn Deutschlands Kohlekraftwerke zumachen.

Im chinesischen Politbüro scheint sich also niemand wirklich vor den klimatischen Auswirkungen der Erderwärmung zu ängstigen. Klimahysterie herrscht in China weder in der Politik noch in der Öffentlichkeit. Die chinesischen Führer sind Klimarealisten, keine "Klimaleugner". Sie wissen, dass Klimawandel natürlich ist, es ihn schon immer gegeben hat und die Welt davon nicht untergegangen ist. Chinesische Klimawissenschaftler fördern diese Sicht. An skeptischen Stimmen bezüglich westlicher Mainstream-Klimawissenschaft mangelt es dort nicht. 

Die Wissenschaft

Kurz vor dem Kopenhagener Gipfel führte die britische Guardian ein Interview mit Xiao Ziniu, dem Leiter des Pekinger Klimazentrums. Der Top-Wissenschaftler steht der Erderwärmung bemerkenswert cool gegenüber: Ein Anstieg der Temperatur um zwei Grad werde nicht notwendigerweise die Katastrophe bringen, die das IPCC vorhersage. "Ob das Klima nun wärmer oder kälter wird – es bringt sowohl positive als auch negative Folgen". In der chinesischen Geschichte, sagt er, habe es viele Zeiten gegeben, die wärmer waren als heute. Das meint auch der schon erwähnte Ding Zhongli. Die derzeitigen Temperaturen sähen normal aus, so schrieb er im Earth Science Magazine, wenn man die globalen Klimaänderungen der vergangenen 10.000 Jahre betrachte.

Historische Warmzeiten gehören im westlichen Klimadogma in den Giftschrank, belegen sie doch, dass die aktuelle Erwärmung nicht so außergewöhnlich ist. Die Existenz von kleiner Eiszeit oder der Warmzeit des Mittelalters, der häufige Wechsel von kälteren und wärmeren Zeiten seit der letzten Eiszeit, gehören zum Standardwissen chinesischer Klimawissenschaftler, ebenso wie die Erkenntnis, dass warme Zeiten gute waren und kalte Zeiten schlechte. 

Fang et al., fünf renommierte Erd- und Klimaforscher von der Pekinger Universität, schreiben 2011, dass der "IPCC-Bericht nicht mehr das maßgebende Dokument zum Klimawandel" sei. Er sei politisch tendenziös und enthalte etliche Fehler und Mängel. Die Erderwärmung sei zwar eine "objektive Tatsache", aber es herrsche eine "große Unsicherheit über die Höhe des Temperaturanstiegs". Zudem trügen Aktivitäten des Menschen und natürliche Faktoren zur Erwärmung bei; allerdings sei es schwierig, den jeweiligen Beitrag zu quantifizieren. 

Kritisch sind Fang et al. auch, wenn es um den Einfluss der "Treibhausgase" geht. So habe sich im vergangenen Jahrhundert gezeigt, dass die Änderung der Temperatur nicht immer mit der Änderung des CO2-Gehalts übereinstimmte. Ebenso wenig gebe es eine "signifikante Korrelation zwischen der jährlichen Zunahme der CO2-Konzentration und der jährliche Anomalie der mittleren Temperatur". Außerdem gebe es "große Unsicherheit über die Quellen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre". Deshalb könne man die anthropogenen Emissionen nicht alleine für den gestiegenen CO2-Gehalt der Atmosphäre verantwortlich machen.

Die zitierten Aussagen sind beileibe keine Einzelstimmen. "The Science is settled", gilt offenbar nicht für chinesische Wissenschaftler. Sie bezweifeln – mit guten Gründen – den politisierten Klimakanon von IPCC und PIK-Potsdam. Damit kann China in der globalen Klimapolitik sehr gelassen handeln. Unterhändler, die wissen, dass Aussagen über Ursache, Ausmaß und Folgen der Erderwärmung ungewiss sind, sind bei Klimaverhandlungen immer im Vorteil gegenüber gläubigen Apokalyptikern. Drohungen mit dem baldigen Untergang verfangen bei ihnen nicht. 

Die chinesische Führung wird keinesfalls die eigene Wirtschaft für eine törichte "Klimarettung" opfern. Das Land wird fossile Brennstoffe auch über das Jahr 2030 hinaus nutzen, und zwar in großem Umfang. Strom aus Sonne und Wind bleibt randständig. Eine "Energiewende" wird es dort nicht geben, auch keine Greta, keinen Schulstreik und andere grüne Torheiten. Dafür aber viele Kernkraftwerke. Westliche Politiker wären gut beraten, sich – wie China – auf eine Welt einzustellen, in der es um Wichtigeres als das Klima geht. 

Siehe zu diesem Thema auch: John J. Tkacik, China's imprints all over Copenhagen talks fiascoWashington Times, 14. January 2010. 

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Angela Seegers / 11.05.2019

Und sie reden und reden…. das liegt in der menschlichen Natur. Reden und nichts umsetzen. Tricksen, Macht verteilen, um der eigenen Interessen wegen. Natur redet nicht, sie macht. Wann, entscheidet sie selbst. Kommende Generationen können es ändern, wenn Verzicht ihr Credo ist.  Die Kinder und Jugendlichen, die tapfer demonstrieren, habe meine Unterstützung, denn es ist ihre Zukunft. Und die wird nicht lustig.

HaJo Wolf / 11.05.2019

Die Chinesen (wie auch die meisten anderen Staaten der Erde) schütteln über die völlig durchgeknallten deutschen Politiker nur den Kopf. Sie sind allerdings zu clever und zu höflich, das bei Geschäftskontakten offen zu zeigen. Sie lächeln und bereiten im Hintergrund schon alles vor, um aus dem wirtschaftlichen und technologischen Absturz Deutschlands in die Drittklassigkeit ihren Profit zu ziehen. Die hohen Beteiligungen an deutscher Schlüsselindustrie und Firmenübernahmen ist dafür starkes Indiz.

H. Schmidt / 11.05.2019

Um Weltweit etwas zu ändern (nicht nur im kleinen Deutschland) bräuchte es eine Weltregierung die ein bisschen was durchsetzen könnte. Aber wir sehen ja, es klappt nicht einmal in der Eurokratur alle unter einen Hut zu bringen. Das Ende von dem inzwischen Klima-Dauergejammer wird sein: Der Michel zahlt nach Tsunami in Japan, Griechenlandrettung, Flüchtlingskrise und die vielen anderen “Kleinigkeiten” dann auch noch CO2 Steuern während der Rest der Welt schaut wie er sein Land Wettbewerbsfähig macht. Mit Steuern und Abgaben sind wir dann locker bei über 60% unseres Einkommens was abgeführt wird. Die Deutschen leben dann in Hütten wie die Hobbits und fahren wieder Pferde-/Esel/Ochsen-karren. Den Strom für Elektroautos kann sich dann auch keiner mehr leisten. Die Abfälle der Vierbeiner kann man ja wenigstens als Dünger oder zum Feuer machen nutzen. Auf, auf Ochs und Esel halten euch nicht auf. Hauptsache ich bekomme noch den letzten Flieger der von FRA abfliegen wird.

Johannes Schuster / 11.05.2019

Deutschland Gotteskomplex: Sie wollen immer mit allen Größen, großen Reichen und sonstigen Glanzwerken des Übermenschlichen im Bunde sein. Man sollte Deutschland empfehlen um die Gunst ferner Zivilisationen im All zu buhlen. So mögen denn alle Germanen in ein Raumschiff steigen um endlich nach ein paar Lichtjahren erfroren stumm einer Zukunft zueilen, die es nur noch ohne diese Größenwahnpatienten geben möge.

Sabine Schönfelder / 11.05.2019

China baut über 40 neue Kernkraftwerke, auch schwimmende auf Schiffen. Alternative Energieerzeuger wie Solarpaneele oder Windkraftanlagen baut China in altbewährter epigonaler Art, um das Produkt weit unter dem westlichen marktwirtschaftlichem Preis verticken zu können, damit die eigenen kapitalistischen Konten durch kommunistische Ausbeutung der Arbeiterschaft dick und fett anschwellen. ( deutsche Solarpaneelenhersteller sind deshalb insolvent) Das Geld wird zur Unterdrückung der Bevölkerung benuzt, zur Einschränkung ihrer Freiheit zugunsten einer kleinen herrschenden Elitetruppe. Nichts anderes als dieses Modell wird vom Grün-Linken bewundert und nachgeahmt. Wenn der Verkauf stockt und überraschend noch ein paar Windräder im Lande verbleiben, werden diese von der chinesischen Propagandaabteilung aufgestellt, fotografiert und als Werbung für ihr Produkt in die Welt versandt. Wir können dann sofort auf die Blödheit und Verschlagenheit unserer Regierung bauen, die das Narrativ vom ‘Klimaverbündeten China’ agitativ verbreitet. Das Klima geht China, mit Verlaub, am Arsch vorbei.( bitte alle Grünlinge nach Shanghai in Urlaub!)  Es zählt nur eine Prämisse, Gewinn, Gewinn und Gewinn. Es gilt auch bei China folgender Auspruch von Otto von Bismarck: “Wenn man sagt, daß man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, daß man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen.”

Frances Johnson / 11.05.2019

@ J.P. Neumann: Ja, Zement scheint der Hauptemittent zu sein. Wenn eine CO2-Steuer hinzukommt, wird Wohnungsbau noch teurer, die Mieten höher. Ich bin sicher, dass China Grüne für Toren hält. China hat einen Riesenstausee im Jangtse gebaut, der wohl Drei-Schluchten-Damm heißt. Das hatte Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Jangtse. Mit solchen Themen würde China sich schon eher befassen, da man konkret solche Dämme auch anders bauen kann und Auswirkungen der falschen Bauweise etwas sichtbarer sind als eine brüchige Beweiskette zwischen Temperatur und CO2, das nur Greta sehen kann. Heiliges Kohlendioxid! wäre ein guter Ausruf. Der Artikel über den Riesendamm bzw. Stausee auf Welt Kultur. man stelle sich Habeck, anscheinend der Lieblingsschattenkanzler der Welt, in China vor. Und China weiß natürlich genau, wie Al Gore in Afrika mit der Energiewende sein Geld verdient. Alles verlogen.

Wolfgang Kaufmann / 11.05.2019

Ein paar Europäer werden die zweieinhalb Milliarden Inder und Chinesen nicht daran hindern, ihre Position auf dem Weltmarkt zu verbessern. Die Denkfigur der „Bewahrung der Schöpfung“ ist begrenzt auf die jüdisch-christlich-humanistische Kultur. – Für die meisten anderen Kulturen ist die gesamte nichtmenschliche Natur lediglich Objekt der Ausbeutung; vgl. die Ausrottung der Tiger oder Nashörner für vermeintliche Wundermittel. Für einige wenige Kulturen sind sogar die Menschen anderen Glaubens reine Objekte, schlimmer als die Tiere. – Soll etwa am germanischen Wesen wieder mal die Welt genesen? Der Vorwurf des militärischen Imperialismus an unsere transatlantischen Freunde scheint mir die typische Projektion des eigenen moralischen Imperialismus.

P.Steigert / 11.05.2019

Ein wirklich guter Artikel. Mit der Beurteilung von Fang ist das Wesentliche auf den Punkt gebracht: Die Klimawissenschaft kennt den konkreten Anteil des Menschen am Klimawandel nicht, die Höhe der Erwärmung und deren Folgen sind rein spekulativ. Die deutschen Klima-Jehovas wird diese Erkenntnis nicht kümmern. Deswegen kümmern mich die Klima-Jehovas nicht.

Rita Strobel / 11.05.2019

Also , wenn bis 31 .12.2030 nicht alle Kohlekraftwerke abgeschaltet sind ,  hilft nichts mehr .  Am 31.12.2030   23:59h   ist Ende !

A.Kaltenhauser / 11.05.2019

Wir vermögen es nicht das regionalen Wettergeschehen für die nächsten drei Tage zuverlässig vorherzusagen, aber sind offenbar in der Lage treffsichere Prognosen für weltweite Entwicklungen in Jahrzehnten zu projizieren. Und derartiges erzählen uns dann auch Schüler, mit umfassender wissenschaftlichen Ausbildung, langjähriger Lebenserfahrung und enormer Lebensleistung ....

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com