Robert von Loewenstern / 17.09.2018 / 06:20 / Foto: Pixabay / 110 / Seite ausdrucken

Die Grünen im großen Achse-Test

Liebe Grüne, vor kurzem habt ihr den Entwurf zu eurem EU-Wahlprogramm vorgestellt. Hier der Knaller: Wir haben’s gelesen. Alle 102 Seiten, alle 34.392 Wörter. Ja, damit habt ihr nicht gerechnet. Aber, ihr wisst es, wir fühlen uns euch sehr verbunden, und deswegen dachten wir, komm, einfach mal machen. Ihr tut ja auch viel für uns. Wenn ihr was Lustiges sagt, können wir was Lustiges schreiben. 

Außerdem haben wir viel gemeinsam. Ihr Grünen habt eine Doppelspitze, die Achse hat eine Doppelspitze. Beide sind wir Sammlungsbewegungen, ihr für die Gutmenschen, wir für die guten Menschen. Euch laufen die Intellektuellen zu, uns die Intelligenten. Bei uns kommen viele Fans aus dem gehobenen, bei euch aus dem abgehobenen Bürgertum. Wir stehen für Moral, ihr fürs Moralisieren, uns schätzt der Zahnarzt, euch die Zahnarztgattin – ach, ich könnte ewig weitermachen. Auf jeden Fall ziemlich ähnlich, oder?

Erst mal Respekt!

Aber jetzt zu eurem Wahlprogramm. Erst mal Respekt! Ein grünes Feuchtträumchen habt ihr zu Papier gebracht, Menschenskinder. Da gibt’s mehr von allem: mehr Umverteilung, mehr Verbote, mehr Eingriffe, mehr Regulierung, mehr Regeln, mehr Kontrolle, mehr Steuerung. Und viel mehr Europa. Und noch viel, viel mehr Steuern und Abgaben: europäische Unternehmenssteuer, Digitalsteuer, höhere Steuer für Heizöl und Erdgas, Ende der Steuerprivilegien bei Kraftstoffen, Abgabe für Kreuzfahrtschiffe, Kerosinsteuer, Mehrwertsteuer bei Flügen, Plastiksteuer, eigene EU-Steuern, Finanztransaktionssteuer, CO2-Steuer, Quellensteuer auf Zinsen und Lizenzgebühren, Unternehmensmindeststeuer, Klimaabgaben auf schmutzige Importe … puh. Sagt Bescheid, falls wir was vergessen haben.

Im Prinzip sind wir mit euch einer Meinung. Außer vielleicht, dass wir „mehr“ tendenziell eher durch „weniger“ ersetzen würden. Aber das ist eine semantische Debatte, die braucht kein Mensch, sagt auch die Regierung. Außerdem müssen wir uns gottseidank kein Wahlprogramm ausdenken. Wir sind ja keine Partei, ergreifen höchstens mal Partei, das geht auch ganz gut ohne Programm.

An einer Stelle habt ihr sogar weniger statt mehr Verbote. Ihr wollt die „Drogenkriege beenden“, und zwar durch „Entkriminalisierung“. Wow! Das finden wir einfach nur geil, schon deswegen, weil wir selber nie drauf gekommen wären. Zwei Daumen hoch! Und irgendwie ist es ja auch ein Mehr, nämlich mehr Freiheit und mehr Eigenverantwortung für die Menschen. Super. Bei so was sind wir gerne dabei.

Ein bisschen blöd: das mit den Juden

Nach so viel Lob müssen wir auch was Kritisches sagen, bitte nicht böse sein. Ein bisschen blöd finden wir das mit den Juden. Okay, hammergut ist euer Satz: „Jede Art von Antisemitismus muss bekämpft werden.“ Toll, dass das endlich jemand ausspricht! Aber wir finden, ihr hättet schon erwähnen können, welche Art von Antisemitismus gerade besonders modern ist.

Apropos Moslems: Dass ihr direkt nach den antisemitischen Straftaten das Beispiel bringt, dass „Frauen mit Kopftuch im öffentlichen Raum angegriffen“ werden, das, na ja, das kommt irgendwie komisch rüber. Davon abgesehen werden die auch im privaten Raum ganz schön oft angegriffen, wie man hört.

Sagen wir mal so: Im Prinzip geben wir euch recht. Wegen der paar Juden, die wir hier noch übrig haben, muss man nicht immer so ein Aufhebens machen, aber bei uns ist nun mal der Henryk in der Doppelspitze. Ihr wisst, was ich meine. Der ist bekanntlich vom Judentum betroffen und manchmal auch ein bisschen empfindlich, und dann regt er sich auf, und dann ist die Stimmung im Keller, und dann kommt eins zum anderen – kurz: Vielleicht könnt ihr da auf Seite 55 noch mal drüberbügeln? Das wäre echt nett. Nur so als Tipp unter Freunden.

P-Wort statt L-Wort – das war clever

Wo wir gerade dabei sind, hier noch ein kleiner Hinweis: Ihr seid ja voll gegen Extremismus (genau wie wir – schon wieder eine Gemeinsamkeit!). Ihr habt nur was vergessen, zum Beispiel auf Seite 60, wo ihr schreibt: „Islamistisch und rechtsextrem motivierter Terror greifen unsere europäische freiheitliche Lebensweise und Demokratie an.“ Genau!

Nur, die Linksextremen und den linksextrem motivierten Terror erwähnt ihr nicht. Und zwar im ganzen Programm nicht, kein einziges Mal. Jetzt denkt ihr bestimmt, du liebe Güte, wie konnte das passieren? Ist ein Versehen, ist uns klar, deswegen reiten wir auch nicht drauf rum. Könnt ihr in die Endfassung vom Entwurf einfach reinschreiben, und gut ist’s.

Noch was anderes wegen „links“: Wir haben uns zuerst gewundert, dass das L-Wort überhaupt nicht vorkommt auf den 102 Seiten, auch nicht in irgendeiner Zusammensetzung (wir haben’s extra noch mal kontrolliert – mit der Suchfunktion, kennt ihr, oder?). Denn der Robert und die Annalena hatten doch im Januar gesagt, dass ihr ab jetzt eine „linke Volkspartei“ werden wollt. Also so eine Art CDU, richtig? Oder eher wie die SPD, nur mit Wählerstimmen?

Egal, später ist uns aufgefallen, dass der Robert das L-Wort eigentlich nie wieder in den Mund genommen hat, nur noch das P-Wort: progressiv. Klingt ja auch tausendmal besser, muss man zugeben. Persönlich und unter uns kann ich euch nur sagen, das war nicht dumm. Im Gegenteil. 

Die Freundinnen meiner Mutter

Es ist nämlich so: Eine Menge Freundinnen von meiner Mutter in Bad Godesberg wollen jetzt grün wählen. Kein Witz, ich schwöre! Und die sind alle gar nicht links. Die haben früher immer Merkel gewählt, weil sie alles so ruhig und angenehm erledigt hat. Aber als die Merkel dann die ganzen Araber reingelassen hat, fanden die Damen das nicht so gut, weil man abends nicht mehr durch den Godesberger Stadtpark gehen kann, und tagsüber macht es auch keinen Spaß mehr, weil alle Bänke von jungen Männern belegt sind, und in der Fußgängerzone sieht’s aus wie in Damaskus und und und … ihr wisst schon, sind halt etwas ältere Menschen.

Verstehen kann man das ja ein bisschen. Mit den vollverschleierten Medizintouristinnen in der Fußgängerzone und den vielen Salafisten, die wegen der König-Fahd-Akademie da sind und im Nachthemd beim „Hit“ einkaufen, war die Gesamtsituation vorher schon nicht so prall. Jedenfalls haben die Godesberger Damen deswegen letztes Jahr FDP gewählt, weil die den modernen Christian Lindner hatte.

Tja, und dann sind die Jamaika-Verhandlungen geplatzt. Und bei Plasberg haben sie gesagt, dass das die Schuld vom Christian Lindner war, weil der sich nicht getraut hat. Da waren die Damen extremst enttäuscht. Und weil inzwischen euer Robert Habeck so oft im Fernsehen saß, haben sich die Godesberger Damen neu orientiert. Den Robert fanden die ein bisschen wie die Merkel, so ruhig und ernsthaft, nur jünger und männlicher und hübscher. Viel hübscher, auch die Haare. Und er kann wunderschön sprechen, viel besser als die Merkel. Auf die sind die Damen halt immer noch sauer, weil’s im Stadtpark nicht besser wird, im Gegenteil.

Sehr gut gelöst: alles ohne links

Was ich sagen will: Den Robert müsst ihr euch unbedingt warm halten, der kann dem Papst ein Doppelbett verkaufen. Oder den Godesberger Damen eine Plastiksteuer. Wichtig ist nur, dass ihr bei zwei Sachen aufpasst: „links“ und „mehr Flüchtlinge“. Beides finden die Freundinnen von meiner Mutter nicht so gut. Die Damen sind ja absolut für Natur und gegen Ertrinken. Die haben nur ein Problem damit, wenn die Nichtertrinker später in der Stadtparknatur abhängen.

Daneben gibt’s natürlich noch ein, zwei andere sensible Themen. Zum Beispiel Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer. Da sind die Damen empfindlich, weil einige von denen ganz schön Kohle haben, unter uns gesagt. Die Witwenpension vom verstorbenen Ministerialrat, ein bisschen eigene Rente, das Erbe aus der elterlichen Metzgerei – da kann einiges zusammenkommen. Das wollen die natürlich den Enkeln überlassen und nicht dem Herrn Scholz von der SPD. Weiß man ja, wie der Staat damit umgeht, muss man nur ab und zu den „realen Irrsinn“ bei „Extra 3“ schauen. Die Sozis von der SPD können bekanntlich noch weniger haushalten als die Sozis von der CDU.

Deswegen – und jetzt noch mal: Respekt! – ist es wirklich schlau, dass ihr das aus eurem Wahlprogramm rausgelassen habt. Mehr Steuern ja, bei Unternehmen und anderen Verbrechern, aber nicht bei Vermögen und Erbe von potenziellen Wählern. Und alles ohne links. Sehr gut gelöst.

Passt auf mit euren Mädels

Jetzt zu den Migranten. Die konntet ihr natürlich nicht einfach weglassen, da hätte es Nachfragen gegeben. Also schreibt ihr: „Einwanderung gestalten, Flüchtlinge schützen“. Ehrlich, wir wurden feucht ums Auge, und nicht nur da. „Gestalten“! Das ist ja noch tausendmal besser als „steuern“, was sich die Merkel ausgedacht hat, weil sie das böse Wort nicht in den Mund nehmen will. Gut, „begrenzen“ wollt ihr auch nicht sagen, verstehen wir. Ihr müsst auf eure Kernzielgruppe achten, die Lehrer und Sozialarbeiter und Kulturschaffenden und so weiter. Da schreibt man dann halt Sachen wie „legale Fluchtwege schaffen“ und „großzügige und verlässliche Aufnahmekontingente“. Ist okay. Liest ja eh keiner außer uns.

Aber ihr müsst unbedingt ein bisschen besser aufpassen mit dem, was ihr sagt. Als eure Katrin vor kurzem erklärte, wir sollten auch noch Klimaflüchtlinge aufnehmen, da gab’s Unruhe in Godesberg, uiuiui, weil nämlich sogar dem Markus Lanz rausrutschte, „da wird mir Angst und Bange“. Gut, jetzt kann man denken, ist nicht so schlimm, die Katrin haut regelmäßig was raus, wo man sich fragt, ob die noch ganz gar ist. Nur, irgendwann wird’s einfach zuviel, und dann kippt die Chose.

Was hat die Katrin nicht alles gesagt: „Wir brauchen Menschen, die in unseren Sozialsystemen zu Hause sind.“ Oder: „Willkommenskultur ist der beste Schutz vor Terroristen.“ Da muss man erst mal drauf kommen. Von den Fachkräften, den Menschengeschenken und den Bienen will ich gar nicht anfangen. Ehrlich, so Zeugs kann man heutzutage höchstens noch dem härtesten Kern der Kernzielgruppe anbieten, wisst ihr selbst. Und spätestens mit Klimaflüchtlingen hört der Spaß auf. Da wird’s richtig eng, nicht nur im Stadtpark, sondern auch politisch.

Ich sag’s, wie es ist: Die Godesberger Damen finden euch wegen dem Robert gut. Und zwar nur wegen Robert. Die vertrauen dem halt, wie sie früher der Merkel vertraut haben. Aber man sieht ja, wo das enden kann. Das kann rubbeldikabitz umschlagen, und dann war’s das erst mal wieder mit den 15 Prozent plus X.

Also, unser Tipp: Passt auf mit euren Mädels. Wir sind voll für Frauen, genau wie ihr (Gemeinsamkeit!) – aber doch nicht für solche. Es ist ja nicht nur die Katrin, sondern zum Beispiel auch euer neuer kleiner Sprechautomat, der einem so unfassbar auf die Nüsse geht. Nicht falsch verstehen, die Annalena und die anderen sind privat bestimmt alle supernett, aber wenn die was sagen, ist das irgendwie nicht hilfreich. Deswegen: Einfach mal den Robert machen lassen, dann läuft’s. Auch mit den Godesberger Damen.

Wir müssen ernster werden

Wo wir gerade bei Frauen sind: Wir müssen jetzt ein bisschen ernster werden. Wir sind nämlich beim Lesen eures Wahlprogramms schwer ins Grübeln gekommen. Damit es keine Missverständnisse gibt: Wir sind – kann man nicht oft genug sagen – voll für Frauen und finden die gut. Einige sind wirklich schwer in Ordnung, unsere eigenen zum Beispiel.

Deswegen ist es uns, genau wie euch (Gemeinsamkeit!), ganz besonders wichtig, dass Frauen nicht benachteiligt werden. Dazu sagt man jetzt Gendergerechtigkeit, richtig? Ihr wisst, was wir meinen, *innen und Transen und diese ganze Geschichte. Ausgerechnet bei diesem wichtigen Thema sind uns leider einige Unstimmigkeiten aufgefallen.

Fangen wir positiv an. Ihr traut Frauen viel zu. Schön. Hier eine Liste von allem, was Frauen nach eurem Programm so machen beziehungsweise sind (bitte beachtet auch die alphabetische Sortierung, war nicht so wenig Arbeit):

Akademiker*innen; Akteur*innen; Aktivist*innen; Anleger*innen; Antragsteller*innen; Arbeitgeber*innen; Arbeitnehmer*innen; Arbeitnehmer*innenrechte; Assistent*innen; Aussteiger*innen; Bäcker*in; Bankkund*innen; Bäuer*innen; Beamt*innen; Berater*innen; Besitzer*innen; Besucher*innen; Betreiber*innen; Bewohner*innen; Bürger*innen; Bürger*innen-Energiewende; Demokratie- und Menschenrechtsverteidiger*innen; Demokratie- und Menschenrechtsaktivist*innen; Drittstaatler*innen; Drogenkonsument*innen; Energiebürger*innen; EU-Bürger*innen; Europäer*innen; Expert*innen; Freund*innen; Gastwissenschaftler*innen; Gründerinnen und Gründer; Ingenieur*innen; Inländer*innen; Interessenvertreter*innen; Journalist*innen; Jüdinnen und Juden; Käufer*innen; Kleinbäuerinnen und -bauern; Kolleginnen und Kollegen; Kommissionspräsident*in; Konsument*innen; Kund*innen; Künstler*innen; Landwirt*innen; LKW-Fahrer*innen; Menschen- und Arbeiter*innenrechte; Migrant*innen; Ministerinnen und Minister; Mitarbeiterinnen; Muslim*innen; Nutzer*innen; Polizist*innen; Proeuropäer*innen; Richter*innen; Schüler*innen; Spitzenkandidat*innen; Staats- und Regierungschef*innen; Staatsanwält*innen; Staatsbürger*innen; Student*innen; Teilnehmer*innen; Tourist*innen; Unionsbürger*innen; Verbraucher*innen; Verfassungsexpert*innen; Wählerinnen und Wähler; Wettbewerbshüter*innen; Wissenschaftler*innen; Vertreter*innen.

Unsere erste Theorie: Frauen gut, Männer böse

Wunderbärchen. Andererseits haben wir auch eine Menge Berufe und Hobbys entdeckt, die nach eurer Ansicht zu hundert Prozent nur von Männern ausgeübt werden:

Anbieter; Antieuropäer; Autokraten; Automobilhersteller; Diktatoren; Eigentümer; Energieträger; Europafeinde; Faschisten; Feind; falsche Führer; Garanten; Gefährder; Gegner; Gläubiger; Hacker; Hersteller; Internet-Giganten; Investoren; Kapitalanleger; Marktbeherrscher; Marktführer; Mobilitätsdienstleister; Monopolisten; Nachfrager; Nationalisten; Nutznießer; Onlinehändler; Plattformanbieter; Rebellen; Rechtsextremisten; Reeder; Schlepper; Schmuggler; Sozialdemokraten; Spekulanten; globale Spieler; Steuerbetrüger; Steuertrickser; Verkehrsträger; Wettbewerber.

Nachdem wir eine Weile überlegt hatten, dachten wir, wir hätten euer System verstanden: Alles, was gut oder neutral ist, gehört zur *innen-Welt. Alles, was böse ist, ist männlich. Und umgekehrt: Alles, was männlich ist, ist böse.

Deswegen müssen zum Beispiel auch Wirtschaft und Industrie ins böse Töpfchen, weil Männer so ziemlich alles erfunden haben, was Krach macht oder eine Steckdose braucht. Das kann zwar Spaß bringen und nützlich sein, wie Autos, iPhones und Lockenstäbe. Die sind aber trotzdem böse, weil sie ja irgendwie produziert und betrieben werden müssen. Das schadet der Umwelt. Und so was würden Frauen nie machen.

Vorreiter, Pioniere? Nicht in der *innen-Welt

Okay, so weit d’accord. Außer, dass wir es ein bisschen ungerecht finden, dass ihr Sozialdemokraten wie Schlepper, Schmuggler und Spekulanten behandelt. Kann man so oder so sehen, darüber wollen wir aber jetzt nicht streiten.

Wie gesagt, wir dachten, wir hätten euer System verstanden, jedenfalls im Prinzip. Dann haben wir aber diese reinen Männerdomänen in eurem Programm gefunden: Gesprächspartner; Hinweisgeber; Informations-Empfänger; Inkubatoren; Mediatoren; Multiplikator; Pioniere; Sonderberichterstatter; Treiber; Vorreiter; Whistleblower; Zeugen.

Die sind alle auch in eurer grünen Welt gut. Oder zumindest nicht schlecht, sind wir uns ziemlich sicher. Nach dem Gut-Böse-System müssten die also eindeutig ins *innen-Verhältnis überführt werden. Habt ihr aber nicht gemacht. Tja, und an der Stelle haben wir gemerkt, dass wir unsere erste Theorie in die Tonne kloppen können. Zurück auf Null.

Plötzlich hat’s bei uns dann doch noch Klick gemacht, justament, als wir in eurem Programm auf Menschen gestoßen sind, die Steuern zahlen. Die gibt’s nämlich bei euch in männlich und in weiblich. Der Unterschied: Im Normalfall sind Steuerpflichtige bei euch Steuerzahler, Steuertrickser oder Steuerbetrüger, also sehr maskulin. Anders verhält es sich, wenn sie rein gar nichts am Finanzamt vorbeischmuggeln. Dann gibt’s die bei euch auch mit Mumu, und zwar exklusiv in der Wortkombination ehrliche Steuerzahler*innen.

Da seid ihr ganz präzise, selbst innerhalb eines Satzes, wie hier auf Seite 36: „Die EU-Kommission schätzt, dass Europas ehrliche Steuerzahler*innen jedes Jahr um mindestens 50 Milliarden Euro durch Steuerbetrüger bei der Mehrwertsteuer geprellt werden.“

Nun ist ja bekannt, dass Steuerzahlende, die nicht mal ein klitzekleines bisschen schummeln, entweder doof oder feige oder beides sind. Und hier sind wir beim Problem. Kann es etwa sein, dass ihr Grünen die Frauen und Transen und überhaupt den ganzen LSBTIQ*-Sums (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queer*Menschen – wir haben’s extra kopiert, damit wir nichts falsch machen) für doof oder feige oder beides haltet?

Ja, das ist ein ungeheuerlicher Verdacht, der sich da aufdrängt. Deswegen konnten wir es zunächst auch nicht glauben.

Haltet ihr Frauen für dümmer als Männer?

Bis wir Beweise fanden. Und zwar auf den Seiten 49, 55 und 61 in eurem Wahlprogramm. Da ist – wir sind fast vom Stuhl gefallen – im Zusammenhang mit EU-Grenzkontrollen davon die Rede, dass „mögliche Terrorist*innen oder Straftäter*innen untertauchen“ könnten. Beim „antimuslimischen Rassismus“ kommt ihr auf „Rechtspopulist*innen“ zu sprechen, und im Kapitel „Terror bekämpfen, Freiheit sichern“ erwähnt ihr „gewaltbereite Extremist*innen“.

Wow! Terrorist*innen, Straftäter*innen, Rechtspopulist*innen, Extremist*innen – das kannten wir bisher nicht von euch. Damit ist Theorie eins, die Gut-Böse-Einteilung, endgültig vom Tisch. Gleichzeitig ist unsere Theorie zwei erhärtet, dass ihr den *innen tendenziell und grundsätzlich weniger zutraut als den Männern.

Lasst es uns offen aussprechen: Liebe Grüne, ihr könnt euch also vorstellen, dass Frauen doof und bösartig genug sind, um sich für postmortale Glückseligkeit in die Luft zu sprengen oder einer Glatze mit HKNKRZ-Tattoo hinterherzulaufen? Aber für die anspruchsvolleren Dinger reicht’s nach eurer Ansicht nicht? Mädels können weder Diktator*innen noch Monopolist*innen sein? Nicht einmal Spekulant*innen, Steuerhinterzieher*innen oder Sozialdemokrat*innen?

Bewiesen: Frauenverachtung bei den Grünen

So sieht’s wohl aus. Die endgültige Bestätigung für tiefsitzende grüne Vorurteile fanden wir auf Seite 92, wo ihr von „ausländischen Mitarbeiterinnen“ sprecht. Ernsthaft? Ausgerechnet Mitarbeiterinnen kennt ihr nur in weiblich und ohne Sternchen? Und dann auch noch speziell „ausländische“? Das ist ja wie ganz früher, als man ungestraft „DEUTSCHE SEKRETÄRIN GESUCHT“ über eine Stellenanzeige schrieb. Kann doch wohl nicht wahr sein! Da geht Diskriminierung fließend in Rassismus über. Merkt ihr selbst, oder?

Apropos Rassismus: Hatten wir ja oben schon erwähnt, dass ihr auf Seite 55 über „antimuslimischen Rassismus“ schreibt, der nämlich „keine gesellschaftliche Randerscheinung“ ist. Jetzt sind wir ein bisschen verwirrt, weil wir bisher nicht wussten, dass die Muselmanischen eine Rasse sind. Wollen wir aber nicht diskutieren. Bei Fragen zur Rassentheorie seid ihr die Spezialisten. Wir halten uns da lieber raus und verlassen uns auf das Urteil der Fachleute.

Unsere konkrete Frage wäre nur: Sind Frauen dann eigentlich auch eine Rasse? Ist eure Frauenverachtung bzw. -diskriminierung entsprechend auch Rassismus? Sorry, ist keine Fangfrage, ehrlich, reines Interesse, wir wollen halt nichts falsch machen.

Oder handelt es sich bei eurem Problem mit den Frauen eher um „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“? „Im Kampf“ gegen dieses Übel fordert ihr auf Seite 55 „eine Aufstockung der Mittel“. Klar, Kohle für die Antifa kann nie schaden, die sollen ja auch nicht leben wie die Hunde. Aber so eine Forderung wirkt halt ein bisschen merkwürdig, wenn man selbst nicht mit gutem Beispiel vorangeht, ihr versteht?

Vorschlag: Wir sagen’s erst mal nicht weiter

Langer Rede Sinn: Leute, bei aller Liebe, so geht’s nicht. Wir sind einigermaßen erschüttert über die Missstände, die wir da bei euch entdeckt haben. Wir sagen es hier und jetzt noch einmal mit allem Nachdruck: Es muss Schluss sein mit diskriminierender, rassistischer, menschenfeindlicher Haltung bei den Grünen. Das ist mit uns einfach nicht zu machen. Auch Frauen, Transen und der Rest der Sternchen-Buchstabensuppe haben ein Recht auf umfassende gesellschaftliche Teilhabe! Sorry, da verstehen wir keinen Spaß.

Stellt euch mal vor, was passiert, wenn das rauskommt. Wenn vielleicht sogar die Godesberger Damen merken, dass ihr sie gar nicht ernst nehmt und ihnen nichts zutraut – keine Ahnung, ob der Robert das dann noch geradebiegen kann.

Aber, liebe Freunde, ihr müsst euch deswegen jetzt nicht verrückt machen. Noch ist nichts verloren. Die gute Nachricht: Bisher sind wir die Einzigen, die gemerkt haben, was da bei euch los ist. Und wir hängen das eben nicht gleich an die große Glocke und machen aus der Sache ein billiges Klickwunder (obwohl wir’s könnten!). Nee, ist nicht unsere Art von Journalismus. Außerdem wissen wir aus eigener Erfahrung, wie schnell man ungerechtfertigt in irgendeine komische Ecke gestellt wird. Wollen wir euch wirklich nicht zumuten, so auf der menschlichen Ebene.

Also, Vorschlag: Wir sagen’s erst mal nicht weiter. Und ihr macht ganz schnell ein neues PDF von eurem EU-Wahlprogramm, das endlich auch Chancen und Perspektiven für Frauen und andere *innen umfassend abbildet: Antieuropäer*innen, Ausbeuter*innen, Islamist*innen, Kraftwerksbetreiber*innen, Mörder*innen, Nationalsozialist*innen, Schlepper*innen, Steuerhinterzieher*innen, Tyrann*innen, Umweltverschmutzer*innen, Unterdrücker*innen, Verbrecher*innen. Nicht zu vergessen Sozialdemokrat*innen. Und so weiter.

Deal?

LG und eine schöne Woche
Eure Guten von der Achse

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Leserpost (110)
Leo Hohensee / 17.09.2018

Hallo Herr Löwenstern, ein Program von Experten gemacht. Bundesvorsitzende der Grünen, Analena Bärbock, hatte ja dem Deutschlandfunk im Interview zum Klimawandel und zur Netzstabilität gesagt, das Netz selbst diene als Speicher für Strom und das alles sei schon ausgerechnet. Klar, das Stromnetz ist vermutlich Millionen Kilometer lang, und wenn der Strom an einem Ende sofort herauskommt wenn er am ganz anderen Ende gerade erst eingespeist wird, dann ist der Beweis erbracht, das Netz ist randvoll von Strom. Bestimmt haben die Experten dieser Grünen Truppe auch schon überlegt, wie sie verhindern, dass durch Leitungsdefekte dieses Netz leer laufen kann. Bestimmt haben sie schon geklärt ob, im Fall dass es zu Leckagen kommt - aus dem defekten Netz - der Strom eher im Boden versickert weil das spezifische Gewicht höher ist als das von Luft und er somit im Boden verseucht? Oder ob das spezifische Gewicht von Strom niedriger ist als das von Luft - dann würde er im Fall von Leckagen im Netz aufsteigen und unser Atmosphäre verseuchen. Haben die vereinigten Experten dieser Partei auf den 102 Seiten ihres Parteiprograms dazu eine Äußerung gemacht?

Otto-Karl Darmstadt / 17.09.2018

Also meine Frau hat sich von mir getrennt, weil ich es nur zum Schrankenwärter Anwärter geschafft habe. Sie hat einen promovierten Arzt der Zahnheilkunde geheiratet. Ob der die Grünen wählt, weiß ich nicht. Meine jetzige Frau und ich, wir wählen die Freiheit, wie Adenauer einmal im Bonner Bundestag rief. Vielleicht bin ich deshalb nur Schrankenwärter Anwärter geblieben Zum Zahnarzt muss ich aber nicht mehr gehen. Ich kaue seit Jahren auf der Felge.

Kurt O. Wörl / 17.09.2018

So, wer reinigt jetzt meinen Monitor vom Tee, den ich gerade darüber geprustet habe? Will heißen, ich konnte den dauerhaften Lachkrampf kaum mehr in den Griff bekommen.  Genial geschrieben, überaus witzig und satirisch und von sehr guter Beobachtungsgabe getragen. Wäre ich Grüner, ich würde glatt eine komplette Überarbeitung des Wahlprogramms beantragen.

klaus Blankenhagel / 17.09.2018

Beim Durchlesen der Leserbeitraege ist festzustellen, dass einige doch noch voll auf CDU-Parteilinie sind. Naja, Irrlaeufer gibt es zuhauf..

Klaus Reichert / 17.09.2018

Die Grünen haben tatsächlich am meisten mit Angela Merkel gemein. Eine bürgerlich - freundliche Fassade, das Zerstörungswerk findet im Stillen statt. Die SPD ist da ebenso auf verlorenem Posten, wie die CSU. Laut, gerade heraus und streitend wirken sie wie die Schulhofrüpel. Die anderen Beiden haben längst entschieden, während sie sich noch balgen. Stören tut was Blaues, das sich in keine Rolle fügen will. Aber dessen Vernichtung haben die Wissenden, die Planenden schon längst beschlossen.

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