
Liebe(r)@Th.F.Brommelcamp: Was haben Sie für eine naïve Sicht der Aufklärung aber auch von »Wissensvermittlung«? Hängt die Aufklärung für Sie quasi geschichtslos in der Luft - und gibt es für Sie eine »Wissensvermittlung« ohne weltanschaulichen Bias ? Haben Sie sich nie gefragt, woher die Ideen der Aufklärung kommen und warum sie ausgerechnet (und NUR!) im christlichen Europa aufkamen - und hier ihren fruchtbarsten Nährboden fanden? Dort, wo zum Beispiel die ersten allgemeinbildenden Schulen der Weltgeschichte von Klöstern gegründet wurden und fast alle Universitäten christliche Gründungen waren… Die beste Antwort auf Ihre Gemeinplätze gibt Ihnen Rémi Brague [Professor für Philosophie an der Sorbonne und an der LMU München]: »Selbstgefällige Moderne, die sich einbildet, mit allem „gebrochen“ zu haben! Vor allem mit einer Vergangenheit, für die sie den Namen „Mittelalter“ erfand. Während sie in einer selbstzerstörerischen Dialektik wie ein Parasit davon lebt. Denn im Grunde: Was hat sie wirklich erfunden? Weder die technische Revolution, noch die Urbanisierung, noch die Zivilgesellschaft, nicht einmal die Person als Subjekt der Freiheit ... Die modernen Ideen sind nichts als vormoderne Ideen, die wie Diebesgut lediglich umgeschminkt wurden.« [Originaltext: «Complaisante modernité qui se clame en «rupture» avec tout! Et d’abord avec le passé pour lequel elle a inventé le nom «Moyen Age». Alors que la modernité en vit comme un parasite dans une dialectique autodestructrice. Car au fond, qu’a-t-elle inventé? Ni la révolution technique, ni l’urbanisation, ni la société civile, ni même la personne comme sujet de libertés… Les idées modernes ne sont que des idées prémodernes, maquillées comme une marchanise volée.» ]
@Christina Zimmer, zu Ihrem ZITAT 1 “...die Bewahrung der Natur… sollte doch ein gemeinsames Ziel sein, wie stümperhaft es auch angegangen wird.” Dies IST ein gemeinsames Ziel (hoffentlich fast) aller. Wenn aber Stümperei (Beispiele: max 1,5 Grad globale Temperaturerhöhung, alle Diesel abschaffen, nur Elektroautos, usw usw) zur (Ersatz-)Religion wird, wird sie sehr gefährlich. Zu Ihrem ZITAT 2 “...dass es mich wundert ... den menschengemachten Klimaverwandel als Gerücht ab(zu)tun.” Wenn als Hauptverursacher des ewigen Wandels des Klimas der Mensch (vor allem natürlich der deutsche Mensch) beschuldigt wird und diese Schuld durch nichts bewiesen ist, dann bleibt es ein gefährliches Gerücht. Wer Unbewiesenes als Wahrheit durchdrücken will, bereitet der Ketzerverfolgung den Weg und findet willige Helfer - wie wir es gegenwärtig erleben können. Wollen Sie das? Und zu Ihrem ZITAT 3 “...aber erfahrungsgemäß leben die Menschen, die an ihn (Gott) glauben, zufriedener.” Auch hierfür gibt es keine Beweise. Es gibt aber genügend Beispiel für Fanatiker, in deren Gesichtern man bei Ausübung ihres Tuns von Zufriedenheit nichts erkennen kann, während sie gleichzeitig ihren Ruf ausstoßen “Gott ist groß” (ich vermeide hier die Nennung des Namens, der mit A anfängt. So weit sind wir schon….).
@Benno Röhmer: “Ich bin ein Freund der Technik, aber ich lehne Kerntechnik ab.” @Michael Löhr: “Diese Energiewende ist Mist, wir brauchen wieder Kernkraftwerke.” Hier teile ich die Auffassung von Herrn Röhmer. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern rein physikalisch begründet! Eine Technik, welche Radionuklide mit Halbwertzeiten > 20.000 Jahre hinterlässt, können wir als Nutznießer dieser Technik unseren Nachkommen wirklich nicht aufbürden! Obwohl unsere Erde im tiefsten Innern selbst ein gigantischer Kernreaktor ist, können wir heutzutage den radioaktiven Müll leider nicht tief genug vergraben, sodass dieser über mind. 5 Halbwertszeiten unerreichbar für die menschliche Dummheit ist. Wie viele Kriege und Katastrophen gab es seit Bestehen der Pyramiden (ca. 4.500 Jahre)? Technisch gesehen scheitert die Kernenergie an ihrer Endlagerung. Leider!
>> ” Denn bei Themen wie Umweltverschmutzung, globale Erwärmung, Energieversorgung und Überbevölkerung spürt jeder, dass die Zukunft von Techniken abhängt, die derzeit noch nicht zur Verfügung stehen.”” << “Spüren” ist halt nicht dasselbe wie “wissen”. Die Technik steht nämlich schon seit Jahrzehnten zur Verfügung. Wenn man will, kann man Kernkraftwerke, die “walkaway safe” sind, mit der Technik der 1960er Jahre bauen. Stichwort MSRE, “molten salt reactor experiment”. “Walkaway safe” heißt, wenn der Reaktor über’s Wochenende nicht gebraucht wurde, hat man einfach am Freitagnachmittag die Kühlung (!) ausgeschaltet und ist nach Hause gegangen. Wenn man statt der Technik der 1960er lieber die des 21. Jahrhundert bevorzugt, heißt das Suchstichwort übrigens “Dual Fluid Reactor”. @Benno Römer : >> “Die Überbleibsel der Kerntechnik müssen tausende Jahre gehegt werden.” << Da sind Sie uralten Fake News aufgesessen, die schon Fake waren, als sie noch als News gelten konnten. Alle seriösen Pläne zur Kernenergienutzung haben immer vorgesehen, daß gebrauchter Brennstoff chemisch recycelt wird, d.h., eventuell erbrütetes Plutonium kommt in den Reaktor zurück. Wenn nur die Spaltprodukte “endgelagert” werden müssen, reden wir von Halbwertzeiten bis 30 Jahre und “Zeiten bis die Strahlung nicht mehr vom natürlichen Untergrund unterscheidbar ist” von maximal 300 Jahren. Abfälle der Chemischen Industrie (z.B. Dioxine) bleiben dagegen giftig solange die Erde existiert, fallen in Millionenfach höheren Mengen an und werden wesentlich sorgloser endgelagert. Fazit: das “Endlagerproblem” ist im Allgemeinen frei erfunden, und im speziell deutschen Kontext nur durch das unsinnige Verbot der Wiederaufarbeitung künstlich erzeugt.
Ein kleiner Blick zum Vermögens-Portfolio der katholischen Kirche, ein Milliardenvermögen, teils in Steueroasen wie den Niederlanden gepackt. Allein das Vermögen des Bistum Köln wird auf mehr als 3 Milliarden Euro beziffert, Immobilien und Wertpapiere, mit dem Trend der letzten Jahre in die Wertpapier-Richtung. Dabei dürfte sich die Orientierung schon seit Jahren in Richtung erneuerbare Energien bewegen, wohl deutlich verstärkt durch die “Laudato si” des Papstes. Darum sitzt man ja auch im Beirat des Global Challenges Index. Es geht hier nicht nur um “Laudato si” im Kontext Klimaschutz, es geht auch um das “Laudato si”-Vermögen der katholischen Kirche; es geht um viel Geld der katholischen Kirche.
Die Technikgläubigkeit ist ein genauso großer Religionsersatz wie ihre Negierung und die Überhöhung eines “Naturzustandes”. In den 60- er Jahren wahr es gerade die Atomenergie der aus ideologischen Gründen zu unkritiscch vorangetrieben wurde, letztlich auch gegen jegliche wirtschaftlicher Vernunft. Denn das Märchen von dem billigen Atomstrom ist halt ein solches. Wenn die Folgekosten allerdings auf die Gesellschaft abwälzt werden und die Energiekonzerne die Gewinne einstreichen, dann ist das eine Milchmädchenrechnung. Deshalb ist das Bsp. Atom auch schlecht geeignet ihren Gegner einen (irrationalen) angstgetriebenen religiösen Eifer zu unterstellen. Auf dem Altar der Atomenergie wurden zuviele Menschenleben geopfert, als das diese noch vertretbar wäre. Aus diesem Grund stimme ich dem Autor nicht zu.
“im Normalfall erlebt der einzelne Schicksalsteilnehmer die Wertungen, die um ihn herum gelten, als seine eigenen. Wenn eine Gesellschaft politisch und in ihren Traditionen aus dem Leim gegangen ist, dann werden verschiedene Gruppen entgegengesetzte Formen des Ethos vertreten, die heutzutage sofort notorisch werden, weil die Verstärkerwirkung der Massenmedien sowie ihr Legitimationseffekt dramatisierend wirken, d.h. Krisenäquivalente hervorzaubern. In der Krise wächst die Neigung den Meinungsgegner zum Dissidenten zu machen, zum Abgesonderten, und das geschieht wirksam durch moralische Ächtung. Der so zum Schweigen gebrachte kann wie der Tote weder anklagen, noch sich verteidigen, noch Zeugnis ablegen.” —-Arnold Gehlen über den Hang gestörter Gesellschaften zum moralischen Radikalismus und zur neurotischen Fixierung auf Krise und Katastrophe. (in Moral und Hypermoral).—-und weiter: ” ...Die selben Zeitumstände, die zu einer Polarisierung ethischer Impulse in scharfen Gegensätzen führen, bewirken zugleich eine Steigerung der Aggressivität auf den beteiligten Seiten, ein zuletzt wohl einfacher physiologischer Sachverhalt.” Dass die Amtskirchen die moralisch -religiöse Überhöhung der Umwelt als “Naturzustand” samt den hineinphantasierten “edlen Wilden” als “eigentlichen”, durch Zivilisation nicht verdorbenen Menschen, mittragen ist auch deshalb bedenklich: 1. Sie delegitimieren positives Recht mit dem Verweis auf Krise und Weltrettung und fördern so das irdische Paradies grünen Ideologie, den “Naturzustand”, der sich aber als Faustrecht, als “Behemot” erweisen wird, wie hier an anderer Stelle bereits ausgeführt wurde. 2. Sie helfen mit, das Klima der Spaltung und der Aggression zu befördern und all jene mit (nicht nur sozialer, wie der Fall Magnitz zeigt) Vernichtung zu bedrohen, die dem moralischen Druck des Katastrophischen nicht nachgeben wollen.
Sehr geehrter Hr.Bolz, herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen auf die neue “grüne” Religion. Während ich in den letzten Jahren mit zunehmendem Unverständnis das unlogische Wirken unserer politischen “Eliten” bezgl. Migration, Integration, Klima, Energiewende, Dieselgate, Gender, Islam, EU, Euro- und Bankenrettung beobachte und für mich als mögliche Erklärung bisher nur: a.) ich selbst unterliege einer langsamen schleichenden Demenz mit entsprechenden Fehlinterpretationen oder b.) diese grünen Mainstream-Apostel und ihre wissenschaftsignorierenden Jünger sind alle auf “dope”, in Frage kam, so haben Sie mir jetzt eine in sich schlüssige Arbeitshypothese zur Verfügung gestellt, die mich von meinen Selbstzweifeln erlöst…. Gott sei Dank, ich werde noch nicht geistig inkontinent. Besonders bedanke ich mich als mehr oder weniger aktiver Katholik und ehemaliger Jesuitenschüler bei Ihnen, dass ich nicht als Heretiker das ewige Feuer der Verdammnis zu spüren bekomme, hatte ich auch hier tiefste Zweifel an dem Wirken der christlichen Staats-Kirchen in Deutschland entwickelt. So schliesst sich also der Kreis. Ich finde meinen Seelenfrieden wieder, wenn auch meine Ängste im Diesseits zunehmen ob eines sich anbahnenden Zeitalters der “Abklärung” und Wissenschaftsfeindlichkeit. Als Naturwissenschaftler folge ich dem Postulat der Logik, der Reliabilität, der Objektivierbarkeit und einem permanenten ” sich selbst und seine Ergebnisse in Frage stellen”. Diese elementaren Werkzeuge wünschte ich unseren Politikern, Kirchenführern und manchen NGO`s. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss. MfG PS Ich freue mich auf weitere so erfrischende wie erhellende Ausführungen von Ihnen. Bleiben Sie der Achse der alten weissen Männer und junggebliebenen Frauen treu.
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