„Der Niedergang begann mit den Frauen an den Universitäten“. Es war eine hochdekorierte amerikanische Jura-Professorin, die diese provokante These erst kürzlich bei einem Symposium in die Debatte über den intellektuellen Niedergang und den gleichzeitigen Aufstieg der vielzitierten „Wokeness“ unter Studenten einwarf. Die Feminisierung der Studentenschaft habe die vorherige Sachlichkeit und Professionalität der akademischen Betriebe unterminiert. Es wurde eine wunderbare Diskussion – vor allem unter den anwesenden Frauen.
Alles Übel geht vom Weibe aus? Der herkömmliche Islamist würde dazu nicken, er hat es schon immer gewusst. Der alte weiße Mann des Westens hat sich bereits müde abgewöhnt, so etwas noch auszusprechen, feiert aber angesichts solcher Sätze ebenfalls einen inneren Reichsparteitag.
Keine Frage, der gleichberechtigte Eintritt der Frauen in Politik und Arbeitswelt hat die vorher dominant von Männern organisierten Sphären radikal verändert. „Die Welt wird weiblich“ war entsprechend bereits im Jahr 2011 der Titel einer Hochglanzbroschüre der Werbeagentur Grey, wo man bereits früh erkannt hatte, dass das Einkaufsverhalten von Familien sich verändert hatte, weil „sie“ neuerdings die Entscheidungen über das Familienbudget traf, auch wenn er mehrheitlich immer noch bezahlte. Die Produktwelt hatte sich auf die neue Feminisierung längst eingestellt, die Werbespots zeigten den Mann nur noch als trotteligen Einkaufsbegleiter, während die neue Wonderwoman zwischen Spitzenkarriere und Kita die Finanzen der Familie bei der Bank regelte und ihren Mann derweil am Kindermaltisch parkte. Selbst das iPhone bekam damals weiblich schmeichelnde runde Ecken, und nur wegen den Frauen hatte Barack Obama damals das parteiinterne Rennen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur gegen die echte Frau Hillary Clinton gewonnen: Er kam einfach weiblich-empathischer rüber als sie. Die SPD hatte einst weitsichtig vorausschauend in ihrem Wahlprogramm 1989 gefordert: „Wer die menschliche Gesellschaft will, der muss die männliche überwinden.“ Na also. Bald ist man am Ziel. Aber die Universitäten fehlten noch.
Nahezu exemplarisch für die Feminisierung der Universitäten ist im Jahr 2005 der Präsident der Harvard University, Larry Summers, stellvertretend für das weltweite Patriarchat öffentlich hingerichtet worden, als er es gewagt hatte, bei einem Vortrag zum Thema „Diversifizierung der Belegschaft in Wissenschaft und Technik” die zahlenmäßige Unterrepräsentanz von Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern damit zu erklären, dass es zwischen den Geschlechtern eben „unterschiedliche Begabungen im oberen Leistungsbereich” gebe, Männer und Frauen zudem unterschiedliche Neigungen besäßen und die Ungleichheit nicht auf Diskriminierung oder Sozialisation zurückzuführen sei. Es gibt also mehr Männer als Frauen im oberen Exzellenzbereich, und Frauen neigen zu anderen Berufsfeldern als Männer. Er hatte damit sein berufliches Todesurteil ausgesprochen.
Der vertrauliche Vortrag landete innerhalb kürzester Zeit in der Presse gemeinsam mit der Rücktrittsforderung aufgeregter Professorinnen. Es half weder der Hinweis, dass er hier den unbestrittenen, aktuellen Stand der Wissenschaft selbst zitiert hatte, noch dass er sich in Folge entschuldigte. Summers wurde zum Rücktritt genötigt und avancierte zum ersten prominenten Opfer der inzwischen vielzitierten, woken Cancel Culture.
Ist Cancel Culture weiblich?
Seinen Fall nannte die amerikanische Autorin J. Stone 2019 den Startpunkt der „Großen Feminisierung“ (The Great Feminization). Es sei nicht nur das erste Mal gewesen, dass Frauen einen Mann zu Fall brachten, sie hätten es aber auch auf eine weibliche Art getan. Eine Art, bei der Argumente durch Gefühle ersetzt werden, Stone nennt den Rücktritt Summers den „Tag, an dem die Logik starb“. Der Text gipfelte in der so steilen wie simplen These, dass die gesamte „Cancel Culture“ weiblich sei. Das, was unter dem Oberbegriff „Wokeness“ verstanden wird, ist laut Stone nichts anderes als die Methode Frau, weil Frauen immer so agierten, wenn sie irgendwo die Oberhand oder die Mehrheit erlangen: Sie löschen andere weg. Also Stutenbissigkeit als weibliches Konzept – und im Rudel erlegt man damit auch den Zuchthengst.
Gerade sorgt die Forderung der amerikanischen Autorin Helen Andrews, diese Feminisierung zu überwinden, im Internet für Furore, wobei sie die Argumentationslinie von J. Stone erneut aufgreift: Die Wurzeln der Wokeness lägen nicht im Marxismus oder in der Desillusionierung der Post-Obama-Ära, Wokeness sei schlicht die Verkörperung, die Ausdrucksform eines demographischen Vormarsches, der die Parität der Frauen in den vergangenen 10 bis 20 Jahren und vor allem in den jüngeren Jahrgängen hergestellt hat. Der Lauf der Frauen mag vor 100 Jahren begonnen haben mit dem Erkämpfen des Zugangs zur Arbeitswelt, zu den staatlichen Institutionen und dem Wahlrecht. Nun sind sie halt da, würde Angela Merkel sagen, Helen Andrews liefert dazu beispielhafte Zahlen aus den USA und beschreibt ein Schema.
Dame sticht Bube
Es brauchte demnach eine Generation der weiblichen Pioniere in den 60ern und 70ern, die die männlichen Schallmauern in allen gesellschaftlichen Bereichen brachen. Es folgte eine Aufholjagd der Frauen in den 80er und 90er Jahren, die in den 2010er und 2020er Jahren nun zu einem zahlenmäßigen Gleichstand der Geschlechter oder gar zu einer Mehrheit der Frauen geführt habe. Andrews nennt konkrete Zahlen. Seit 2016 ist etwa in den USA die Mehrheit der Jurastudenten weiblich, seit 2023 stellen sie auch die Mehrheit der Partner in Anwaltskanzleien. 1980 waren nur fünf Prozent der Richter weiblich, heute sind es 33 Prozent. Präsident Joe Biden ernannte zu 65 Prozent Frauen auf Richterposten. Die Rechtsprechung wird weiblich.
1974 war nur zehn Prozent der Belegschaft der New York Times weiblich, 2018 erreichten sie 50 Prozent und heute stellen die Frauen dort 55 Prozent. Der Journalismus wird weiblich. Die Aufholjagd ist aber auch im medizinischen Bereich vollendet, dort haben Frauen seit 2019 die Mehrheit, seit 2023 stellen sie die Mehrheit bei den College-Ausbildern, und im Bereich des Managements haben sie bereits einen 46-Prozent-Anteil erreicht, Tendenz steigend.
Muss also die Dominanz der Frau bekämpft werden, anstatt der Irrsinn des Wokeness? Eine These, für die man in einer weiblich dominierten Gesellschaft schnelle Beine braucht; Helen Andrews bleibt hart: Wokeness beinhalte all das, was man bekommt, wenn Dame den Buben sticht: Empathie sticht Rationalität, Sicherheit sticht Risiko, Zusammenhalt sticht Konkurrenz.
Der akademische Betrieb ist von diesen Prämissen geflutet. Entsprechend lassen sich die neuen Prioritäten bei politischen Fragen wie etwa der zunehmenden Begeisterung für Zensur leicht erklären. Wenn laut Studie 79 Prozent der Männer finden, dass freie Rede wichtiger sei als gesellschaftlicher Zusammenhalt, aber 59 Prozent der Frauen genau das Gegenteil für richtig halten, gewinnt derzeit die weibliche Sichtweise. Zumindest war es bis zur Trumpisierung der USA der Fall.
Die Rückwendung vom Individuum zum Kollektiv, eine Entwicklung, die im Zuge der Identitätspolitik rasant an Geschwindigkeit gewonnen hatte, begünstigte zudem gesellschaftliche Gruppendynamiken, die den Frauen eher zugutekamen. Frauen kompensieren fehlende körperliche Dominanz durch Kooperation und Überzeugungsarbeit. Die Idee der achtsamen oder gar gendersensiblen Sprache ist ein weibliches Konzept der Konfliktvermeidung. Die Politik suchte fortan nach „Win-Win-Situation“, statt Streit lieber runde Tische, an denen sich jeder gehört fühlt. „Das Ergebnis einer Diskussion ist weniger relevant als die Tatsache, dass sie überhaupt stattgefunden hat und alle teilnehmen durften“, so beschreibt Andrews die weibliche Art der Debatte. Was dadurch nicht zustande kommt, sind klare Entscheidungen oder gar Lösungen.
Andere Geschlechter, andere Ziele
Die Psychologieprofessorin Joyce Benenson benennt es noch treffender in ihrem Buch „Warriors and Worriers: The Survival of the Sexes“ (Krieger und Bedenkenträger: Das Überleben der Geschlechter). Männer hätten Gruppendynamiken entwickelt, um Kriege zu führen, Konflikte zu beenden und mit ihrem gestrigen Gegner morgen wieder friedlich nebeneinander zu leben – oder auch Geschäfte zu machen. Donald Trump erscheint nach dieser Definition wie ein Prototyp des Steinzeitmannes. Die von Frauen entwickelten Gruppendynamiken dienten hingegen menschheitsgeschichtlich der Absicherung des Überlebens ihrer eigenen Brut. Sie haben gelernt, die Gruppe zu befrieden, in der sie selbst leben, um sich dort ihren Platz zu sichern und Konflikte – auch und vor allem mit anderen Frauen – nicht offen, sondern subtil auszutragen.
Es erklärt die Unerbittlichkeit, mit der Frauen, die sich nicht anpassen, auch von anderen Frauen aus der Gruppe geworfen werden. Die berühmte Frauensolidarität ist ja schnell am Ende, wenn eine Frau die Einigkeit in der Gruppe gefährdet und nicht bedingungslos der Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossinnen folgt. Ein Phänomen, das sich in der heutigen Trans-Debatte nahezu exemplarisch zeigt. Gnadenlos werden dann auch Frauen durch Frauen zum Abschuss freigegeben, als TERFs beschimpft und der Kollaboration mit dem Patriarchat bezichtigt.
Man muss Helen Andrews in der Befürchtung zustimmen, dass alles noch schlimmer würde, sollte Wokeness tatsächlich im Kern das Ergebnis einer Feminisierung sein, denn dann hat das Problem gerade erst begonnen, die Vorherrschaft der Frauen ist schließlich keine 10 bis 20 Jahre alt. Nicht auszudenken, was die Damen bei bleibender Überrepräsentation noch alles anrichten könnten. Andrews selbst entwirft dazu bei ein paar Berufsfeldern recht düstere Szenarien an die Wand.
Weiblichkeit wirkt schon
Ein vorwiegend weiblicher Journalismus, der es vermeidet, unliebsame oder verletzende Fakten zu veröffentlichen, nur um niemandem wehzutun. Ist es nicht die Blaupause für die deutsche Medienberichterstattung zu Migration in den Mainstreammedien? Was ist mit einer Politik, die der Bevölkerung Wahrheiten bei Klimapolitik, Kriminalität und Terrorgefahr verschweigt, weil es die Bevölkerung verunsichern könnte? War Angela Merkel vielleicht die Bienenkönigin der Wokeness? Eine vorwiegend weibliche Rechtsprechung, bei der Rechtssicherheit und konsequente Durchsetzung bestehender Normen aus Mitleid und Verständnis für die Täter zunehmend weichen werden.
Ein Sexualstrafrecht, bei dem nicht mehr die Faktenlage und der Tatbestand entscheidend sind, sondern die Gefühle der Frau die objektiven Messgrößen ersetzen. Sind wir nicht bereits auf dem Weg mit der gerade diskutierten „Nur ja heißt ja“-Gesetzgebung, die vor jeder Berührung erst eine Einverständniserklärung der Frau dokumentieren muss, um sich nicht anschließend dem Verdacht der Vergewaltigung auszusetzen?
Nein, Universitäten, Redaktionshäuser, Parlamente, Gerichtssäle und Unternehmen werden nicht zusammenbrechen, wenn Frauen jetzt dort den Ton angeben. Die Frau ist nicht zum Systemsturz angetreten, sondern zur Teilhabe. All diese Institutionen werden aber anders arbeiten und andere Ergebnisse produzieren als vorher, weil Frauen andere Ziele priorisieren. Die Frage bleibt, wie Gesellschaft und Wirtschaft darauf reagieren werden. Stagnation, Unproduktivität – dafür ganz viel Emotion? Wie wird Wissenschaft aussehen, wenn es wichtiger ist, dass die Forschung auch einen gendersensiblen Ansatz hat, als die Frage, ob sie für irgendetwas nützlich ist? Werden Unternehmen noch Gewinne erzielen, wenn Wettbewerb und Elitenförderung zugunsten von Quotendenken getauscht werden? In diesem Denkschema ist die antikapitalistische, queervegane, klimarettende No-Border-Feministin tatsächlich der Vorbote des gesellschaftlichen Untergangs. Andrews warnt davor, zu glauben, mit dem aktuell spürbaren Stimmungswandel sei auch die Wokeness vorbei. Denn wenn Wokeness das Ergebnis einer demographischen Feminisierung sei, werde sie nie vorbei sein, wenn man diese Entwicklung nicht in ihre Schranken zurückverweist.
Der verweiblichte Mann
Ist es also die Lösung, die Frauen einfach wieder von den Schaltstellen der Gesellschaft zu entfernen, sie aus den Universitäten rauszuwerfen und zurück an Heim und Herd zu verbannen, weil vorher ja alles besser war, solange die Herren sich solide und rational nur untereinander mit Wissenschaft, Forschung und Politik beschäftigten, bevor die Weiber alles kaputt gemacht haben?
Lassen wir einen Moment beiseite, dass dies rein juristisch nur unter Aberkennung elementarer Menschenrechte für Frauen und nur durch Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaat in der heutigen Form umsetzbar wäre, sondern bleiben wir im fiktiven Denkmodell. Würde das Zeitalter der Wokeness beendet, indem Männer wieder allein entscheiden? Kommen dann Rationalität, Wettbewerb und Risikofreudigkeit zurück, gibt es den wirtschaftlichen Aufschwung, den wir jedenfalls in Deutschland dringend brauchen?
Bevor sich der eine oder andere Mann, der in der Vergangenheit einer Quotenfrau zum Opfer fiel, bereits den neuen Schreibtischstuhl bestellt, sollte die Misere des verweichlichten Wohlstandsmannes nicht außer Acht gelassen werden. Er hat die Feminisierung und seine eigene Entmachtung kampflos hingenommen und ergo selbst verschuldet, und so mancher sägt gar freudig erregt selbst am Ast seiner Männlichkeit. Ich hege große Zweifel, dass die Welt besser würde, wenn der Mann von heute wieder das Ruder übernähme, denn wir müssen ja mit dem Material arbeiten, das wir vorfinden und nicht mit der Illusion des tatkräftigen Anführers.
Was ist also mit der Schuld der männlichen Waschlappen, die mitmachen, möchte man zur Verteidigung der Frau jetzt endlich einwerfen. Wir wollen doch die Roberts und Malte-Torbens dieser Welt nicht einfach entlasten, wo sie sich doch so fleißig an der Abschaffung des Diskurses, der Einstellung des Wettbewerbs, der Rettung des Klimas oder etwa der Verbreitung von Wokeness und Queerness beteiligt haben und ihre Männlichkeit selbst als ein zu überwindendes Problem definieren.
Gerade erst endete in Berlin ein „Profeministischer Männerkongress“, wo sich sogenannte „cis-Männer“ über Care-Arbeit und Männlichkeitskritik unter Gleichgesinnten austauschten. Stichwort „toxische Männlichkeit“. „Links-Sein und nicht solidarisch mit FLINTA ist nicht vereinbar“, lässt sich der Teilnehmer Robert (sic!) in den Medien zitieren, wobei sich in den vergangenen zehn Jahren nicht wenige prominente Männer ein Feminismus-T-Shirt über das Bäuchlein streiften, um die Schande ihrer alten, weißen, männlichen Existenz zu mildern. Für Anfänger des feministischen Diskurses sei an dieser Stelle angefügt, bei FLINTAs handelt es sich nicht etwa nur um Flintenweiber, sondern um „Frauen, Lesben, Interpersonen, nicht-binäre Personen, Transpersonen und agender Personen“. Es gibt also Schnittmengen zwischen den Radikalfeministinnen und dem wehruntüchtigen Malte-Torben, der gerade seine neuen Pronomen ausprobiert.
Es ist zudem längst ein Schema, dass sich kluge Universitätsprofessoren immer erst nach ihrer Emeritierung öffentlich zu Wort melden, auch um die Probleme an den Universitäten zu kritisieren. Solange sie Teil des Systems waren, hielten sie den Mund. Ich könnte persönlich Namen nennen von hochdekorierten Naturwissenschaftlern, Politikern und auch Managern in der Wirtschaft, die mir seit 15 Jahren bestätigten, dass diese gesamte Gleichstellungs-Politik, Gender-Forschung und die Diversity-Schulungen kompletter Nonsens seien, Unsummen an Geld kosten und damit Ressourcen in dringend gebrauchten Forschungsfeldern abziehen. Keiner wagte, dies öffentlich auszusprechen aus der immer selben Begründung: Es sei beruflicher Selbstmord. Das Beispiel Larry Summers ist der Beweis.
Versagen der Männer
Das taktische Verhalten der schweigenden Männer zeigt zusätzlich: Konfliktvermeidungsstrategien sind nicht mehr weiblich. Männer haben sie längst adaptiert. Die einen aus Resignation, die anderen aus taktischen Erwägungen, die dritten aus Feigheit und die vierten als Ergebnis einer gesellschaftlichen Sozialisation, die seit Jahrzehnten jeden Anflug von Testosteron zum Therapiefall erklärt. Wo war denn der Widerstand der Männer gegen diesen Tsunami der Weiblichkeit?
Ist es also wirklich die Schuld der Frauen, eine Feminisierung, oder nicht doch das Ergebnis dessen, was der Autor Alexander Kissler so treffend als eine „Infantilisierung“ der Gesellschaft und ihrer Protagonisten bezeichnet? Und daran leiden alle Geschlechter. Immerhin hörte die Welt in Sachen Klimapolitik für viele Jahre gerne auf schulschwänzende Kinder, übte sich die Regierung bis in die Gesetzgebung hinein in einfacher Sprache (Gutes Kita-Gesetz / Doppel-Wumms), brillierten Bundestagsabgeordnete und Ministerinnen durch alberne Tanzvideos aus dem Bundestag und behandeln ihre Wähler bis heute wie Minderjährige. Gewählt werden sie trotzdem.
Die maskuline Bürokultur
Andrews sieht nun die Lösung in einer Rückkehr zum echten Wettbewerb – auch und gerade zwischen den Geschlechtern – und fordert eine „Rückkehr zur maskulinen Bürokultur“. Sie prangert die inzwischen standardisierten Antidiskriminierungsgesetzgebungen an, die es Unternehmen und Institutionen vorschreiben, wen sie einstellen müssten und die nicht nur zu einer Parität, sondern zu einer gesetzlich eingeforderten Feminisierung der Arbeitswelt führten. Man könnte anfügen, die Institutionalisierung der Frauenbewegung durch Beauftragte, Quotengesetze und Diversityvorgaben zementiert schlicht den Status quo auch dann noch, wenn das Ende der Wokeness proklamiert ist.
„Derzeit haben wir ein scheinbar leistungsorientiertes System, in dem es für Frauen illegal ist, zu verlieren“, so Andrews. Ziel sei nicht, den Frauen die Türe vor der Nase zuzuschlagen, sondern zu einem fairen System für beide Geschlechter zurückzukehren. Warum sie das eine „männliche Bürokultur“ nennt, wenn sie die „Fairness“ meint, ist in sich dann nicht konsistent. Dass Männlichkeit nicht gleich Fairness ist, hatten Männer über Jahrhunderte im Umgang mit Frauen ausführlich bewiesen. Der Zugang zu gleichen Chancen und gleichen Rechten für Frauen musste den Männern hart abgerungen werden. Es ist aberwitzig zu glauben, eine männliche Dominanz würde diesmal weltgeschichtlich eine automatische Geschlechtergerechtigkeit herstellen und nicht etwa einen Rückfall in Gesellschaften, die man weltweit immer noch als Anschauungsmaterial zur Frauenunterdrückung begutachten kann.
Noch ein Kulturwandel
Richtig ist aber sicher die Forderung nach einer Wiederkehr der Männlichkeit in die Bürokultur, aber auch nicht nur dorthin. Es ist sicher kein Zufall, dass Helen Andrews nicht nur aus der Perspektive als Frau analysiert, sondern auch aus jener als Mutter zweier Söhne. Es macht eben einen Unterschied, ob Frau den Mann als toxischen Hüter des ewigen Patriarchats betrachtet oder als Familienmitglied, als Bruder, als Gefährten oder als Sohn, dem man dieselben Zukunftsoptionen bieten will wie seinen Schwestern.
In einem Punkt greift Andrews aber zu kurz: Die Abschaffung der Antidiskriminierungs- beziehungsweise Quotengesetzgebungen und Diversityprogramme in der Arbeitswelt sind nur eine Komponente der Lösung. Diese Gesetze waren ja einst nicht Auslöser, sondern das Ergebnis eines kulturellen Wandels und gesellschaftlichen Drucks. So wird auch der Weg zurück nur über einen erneuten Kulturwandel funktionieren. Es hat nicht nur in den Frauen, sondern vor allem in den Männern Spuren hinterlassen, dass die Theorie der „toxischen Männlichkeit“ als Wurzel allen Übels sich über die Pädagogik bis in die letzte Kitagruppe und Universität verbreitet und auch in den Köpfen der Männer verankert hat.
Im Ergebnis ist der Mann kampfloser, bequemer, verweichlichter, risikoärmer und wettbewerbsscheuer geworden – und ja, das kann und muss man ihm auch vorwerfen. Doch wer hat diese Männer in diesem Geist großgezogen? In der Regel ihre Mütter, aber auch Väter, die sich aus ihrer Verantwortung stahlen, aus den Jungs ganze Kerle zu machen und in einer neuen Zeit der Gleichberechtigung der Geschlechter eine Balance zwischen gesunder Männlichkeit und präsenter Weiblichkeit zu finden. Es gibt kulturell kein Zurück. Es gibt nur eine gesellschaftliche Fortentwicklung, die jetzt eine Balance finden muss zwischen verlorenem Patriarchat und großer Feminisierung, nachdem beide Pendel zu weit ausgeschlagen waren.
Feminisierung ist Selbstgefährdung des Westens
Nichts hat pubertierende Jungs früher schneller zu verantwortungsbewussten Männern gemacht als das Austragen von Kriegen. Das war nie schön, aber effizient. Der Aufstieg von Konfliktherden zwischen westlichen und nichtwestlichen Staaten und Kulturen kann auch damit erklärt werden, dass die Männer und Anführer aus jenen Gesellschaften, die den Feminisierungstrend nicht mitmachten, diese Schwäche des Westens sahen und jetzt ausnutzen. Sie treffen jedenfalls in Deutschland auf eine Gesellschaft, in der die Mehrheit der jungen Männer laut Umfragen nicht mehr vorhat, das eigene Land – und damit auch die eigenen Frauen und Kinder – zu verteidigen. Die große Feminisierung des Westens entpuppt sich als geopolitische Selbstgefährdung der Frau. Selbst kann sie sich und ihre Kinder nicht schützen, und den Männern hat sie jetzt ein paar Jahrzehnte lang erklärt, dass selbst eine Schulhofschlägerei von Erstklässlern bereits ein Problem sei. Die Hybris von Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte“, der Wohlstand und Frieden seit Ende des 2. Weltkrieges haben Raum gelassen für die Illusion, man könne auf Männlichkeit verzichten. Das große Problem ist also noch viel größer, denn wir erleben eine Feminisierung der Männer. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass es erst wieder einen Krieg braucht, um dem ein Ende zu setzen.
Beitragsbild: Nicola Scott and Romulo Fajardo, Jr. / DC Comics - [1], Fair use, via Wikimedia Commons

Vielen Dank! Ich bin ein großer Verehrer Ihrer Texte, Frau Kelle! Insbesondere derer zur sogenannten „Leihmutterschaft“. Hier aber möchte ich eine ketzerische Frage stellen. Wie wäre es, wenn es die Damen sind, die Männer in den Krieg treiben? Und man auch diesen „Umstand“ den Damen in die Schuhe schieben kann, den Krieg mithin. Aber: wahrscheinlich haben Sie recht. Man müsste es mal genauer betrachten.
Jetzt möchte ich den Nikola Tesla aus Wikipedia zitieren und ich denke, der drückt genau das aus, was Sie hier auch ansprechen: „… Tesla heiratete nie und erklärte, dass seine Keuschheit für seine wissenschaftlichen Fähigkeiten sehr hilfreich sei. So sagte er als junger Erwachsener, dass er das Gefühl habe, er könne für eine Frau niemals würdig genug sein und dass er Frauen in jeder Hinsicht für überlegen hielte. Seine Meinung zu Frauen begann in späteren Jahren zu schwanken, als er zunehmend den Eindruck gewann, dass Frauen versuchten, Männer zu übertreffen und dominant zu sein. Diese “neue Frau„ stieß bei Tesla laut Eigenaussage auf Ablehnung, da er empfand, dass Frauen ihre Weiblichkeit verlieren, wenn sie versuchen, bestimmend zu sein. In einem Interview vom 10. August 1924 erklärte er: “Die Tendenz der Frauen, den Mann beiseite zu schieben und den alten Geist der Zusammenarbeit mit ihm in allen Angelegenheiten des Lebens zu verdrängen, ist für mich sehr enttäuschend.„…“ Mit welcher Arroganz oder aggressiver Selbstgefälligkeit Frauen oft pure Dummheit als großes Ding verkaufen, ist mir oft abstoßend. Vor allem die penetranten Fernsehgouvernanten. Die penetrante Ausstellung des Geschlechts. Auch in der Sprache. Das ist obszön. Sehr unangenehm sind mir auch Pfarrerinnen. Es fehlt das Würdevolle und es tritt das Vulgäre anstelle.
Wünsche mir „Ladys und Gentlemen“ zurück. Eine echte Lady ist nicht dumm und ein echter Gentleman ist kein Weichei. Leider wird man heute schon angeschisssen oder gar der sexuellen Belästigung bezichtigt, wenn man einer Frau nur die Türe aufhält. Welchen Reiz sollen solche Kampfschachteln haben? Habe es aufgegeben, die Nadel im vergifteten Heuhaufen zu suchen. Zum Glück habe ich mich schon fortgepflanzt. Der eigene Nachwuchs ist mein größtes Glück.
Da die meisten Frauen nicht über den Verstand von Frau Kelle verfügen, bleibt es dabei: die westliche Zivilisation ist dem Untergang geweiht.
„Reden wir auch mal über die Schuld der männlichen Waschlappen.“ – Nein, Frau Kelle. Wir müssen nicht darüber palavern. Einfach ändern. Darüber diskutieren ist typisch weiblich (*grins*). Allein hier bei der Achse tummeln sich hunderte von männlichen Lesern, die nichts verteidigen und dem Gegner überlassen wollen – um des lieben Friedens wegen.
Ein im Ansatz sehr guter Artikel. Was allerdings in den Redaktionen, in Politik, in Bildung und Verwaltung abgeht, ist reinste linke Ideologie. Die Frauen dienen dabei höchstens als nützliche Idioten. Was sie ja auch gerne tun.
„ Nichts hat pubertierende Jungs schneller zu verantwortungsbewußten Männern gemacht als das Austragen von Kriegen….“So ein Schwachsinn!!! Leider auf auch der Achse: Aufruf zum „ Volkssturm“, Kinder— Soldaten, ja 18—jährige sind noch halbe Kinder. Die Soldaten kommen nach Hause, seelisch, körperlich verkrüppelt,drogenabhängig,verlassen von Frau und dem Staat. Die Veteranen vonWK1/ WK2, Vietnam,Afghanistan …kämpften um jede Reha Maßnahme, um Rente. Verloren sind Jugendjahre,Ausbildungsjahre,Gesundheit, das Leben. Malte, Thorsten…wehrt euch mal gegen die Kriegstreiber! Sie wollen euer Bestes: das Leben— es soll nicht auf dem Schlachtfeld enden.
Ich stimme der Analyse zu, meine eigene Erfahrung bestätigt, daß Institutionen oberhalb eines gewissen Anteils an weiblichem Verhalten die ausgeprägte Tendenz haben, dysfunktionale Haufen zu werden. Ich will nicht sagen „Frauenanteil“, ich will das Gegenbeispiel Margaret Thatcher aber auch nicht überstrapazieren. Ich glaube, es war Thomas Hoof, der das so formuliert hat, daß Frauen zur „permanenten Betüddelung von Petitessen“ neigen. Gerhard Schröders Ausdruck war schlichter: Gedöns. Es rücken halt Themen in den Vordergrund, die nicht eben dazu führen, daß z.B. Unternehmen besser (d.h. kundenorientierter) werden, Projekte pünktlicher, eine Armee kampfkräftiger (wer erinnert sich noch an die Diskussion um den Schützenpanzer Puma, bei der es um Schwangerentauglichkeit ging?), die Energieversorgung sicherer oder auch nur eine Diskussion sachlich-unaufgeregter oder eine wissenschaftliche Analyse ergebnisoffener. Stattdessen Wertediskussionen, Emotionen, Gruppendruck, erwünschte Ergebnisse und soziale Ächtung als Mittel der Auseinandersetzung – der klassische Kategorienfehler. Übrigens ist das grüne Parteiprogramm der Inbegriff des Kategorienfehlers – alles wird auf gut/böse reduziert, damit kann jeder Depp mitreden ohne sich mit mühsam anzueignender Fachkenntnis zu belasten und tut es auch, z.B. in der Energiepolitik. Wenn´s dann erwartungsgemäß oder überraschend (je nach Fachkenntnis) in die Binsen geht, sind die anderen schuld – die Rechten, die Weißen, die Männer, ganz besonders rechte, alte, weiße Männer. Bringt uns als Gesellschaft, weder als Industrie- noch als Wissensgesellschaft, überhaupt nicht weiter; und die aktuell beobachtbaren Mißstände sind nur der Anfang, das geht erst richtig los. Die eigentliche Tragik liegt darin, daß unsere Gesellschaft sich dadurch wehrlos ggü. Kulturen macht, die mit Frauenrechten mindestens ebensowenig anfangen können wie „das“ westliche Patriarchat. Frei nach Kästner: nur die allerdümmsten Kälber, schaufeln ihr Grab selber.