Gerade als Katholik wünsche ich all meinen jüdischen Freundinnen und Freunden mit ganz besonderer Verbundenheit ein glückseliges, freies, selbstbestimmtes und leuchtendes Chanukka. Warum gerade als Katholik? Weil die Geschichte, an die an Chanukka erinnert wird, nicht in der jüdischen Bibel, dem Tanach, steht und auch nicht in der protestantischen Bibel, wohl aber in der katholischen Bibel. Für mich ist diese jüdische Geschichte deshalb eine zutiefst vertraute. Der Makkabäeraufstand wird in der katholischen Bibel ausführlich erzählt, und zwar im ersten und zweiten Buch der Makkabäer. Diese beiden Bücher fehlen sowohl im jüdischen Tanach als auch in der protestantischen Bibel.
Der Grund dafür liegt im jüdischen Kanonverständnis. Die Bücher des Tanach gelten traditionell als prophetisch geprägt. Sie stammen entweder von Propheten oder stehen zumindest in einem klaren prophetischen Zusammenhang. Nach jüdischem Verständnis endete die Zeit der klassischen Prophetie jedoch bereits mehrere Jahrhunderte vor dem Makkabäeraufstand. Die Makkabäerbücher gelten daher als nachprophetische Geschichtsschreibung. Sie berichten keine neue Offenbarung Gottes, sondern erzählen historische Ereignisse nach dem Ende der Prophetie. Genau deshalb gehören sie nicht zum Tanach, nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie einem anderen literarischen und theologischen Typus angehören.
Martin Luther hat diese Bücher später ebenfalls nicht mehr zum eigentlichen Kanon gezählt. Er hat sie als sogenannte Apokryphen separat abgedruckt und ihnen einen geringeren theologischen Rang zugewiesen. In der katholischen Kirche hingegen blieben die Makkabäerbücher Teil der Heiligen Schrift.
Dort steht zum Beispiel: „Am dreiundzwanzigsten Tag des zweiten Monats im Jahr 171 zogen die Israeliten mit Lobgesang und Palmzweigen, beim Spiel von Leiern, Zimbeln und Saiteninstrumenten unter Hymnen und Lobliedern dort ein. Denn ein gefährlicher Feind in Israel war vernichtet worden.“ (1 Makk 13,51)
Es gibt keine Christen und Muslime ohne Juden
Wer diese beiden Bücher liest, versteht sehr viel besser, worum es auch heute in Israel geht. Denn der Makkabäeraufstand ist kein abstrakter Mythos, sondern die konkrete Geschichte eines jüdischen Freiheitskampfes. Er erzählt, wie Juden sich im 2. Jahrhundert vor Christus gegen die seleukidische Fremdherrschaft erhoben, die den jüdischen Glauben unterdrücken, den Tempel entweihen und die jüdische Praxis verbieten wollte. Unter der Führung der Familie der Makkabäer, angeführt von Judas Makkabäus, wurde bewaffneter Widerstand geleistet, zunächst als Guerillakampf, später als organisierter militärischer Aufstand. Am Ende stand die Rückeroberung Jerusalems, die Reinigung und Wiedereinweihung des Tempels sowie die Wiederherstellung jüdischer religiöser und politischer Souveränität. An diese Tempelweihe erinnert Chanukka bis heute.
Der Makkabäeraufstand zeigt damit in aller Deutlichkeit: Jerusalem ist die Heimat des jüdischen Tempels. Und er macht ebenso deutlich: Wenn es ein Volk gibt, das den legitimen Anspruch hat, die Ureinwohner Jerusalems und insbesondere des Tempelbergs zu sein, dann sind es die Juden. Das wird heute gern vergessen, besonders dann, wenn von einer angeblichen „jüdischen Besatzung“ gesprochen wird. Dabei ist die historische Lage eindeutig: Wenn es ein Volk gibt, das in Israel keine Besatzungsmacht ist, dann sind es die Juden.
Man erkennt das auch ganz konkret an den Bauwerken: Der islamische Felsendom wurde auf dem Tempelplateau errichtet, das zuvor Teil des jüdischen Tempelkomplexes war. Die Klagemauer war Teil der gewaltigen Stützmauer, die das Tempelareal trug. Sie gehört damit unzweifelhaft zum jüdischen Tempelbezirk. Bereits in christlicher Zeit befanden sich auf dem Tempelberg byzantinische Sakralbauten und Heiligtümer, die jedoch ihrerseits auf den Ruinen des jüdischen Tempelareals errichtet wurden. Auch Christen bauten dort also auf jüdischem Fundament. Wenn etwas auf etwas anderem errichtet wird, dann ist das, was darunter liegt, älter.
Diese Abfolge ist nicht nur architektonisch von Bedeutung, sondern auch theologisch. Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen. Es gäbe keine Christen ohne Juden. Jesus war Jude, seine Bibel war die jüdische Bibel, und ohne das jüdische Volk gäbe es keine Kirche auf dieser Welt. Auch der Islam bezieht sich in zentralen Punkten auf jüdische Überlieferungen, biblische Gestalten und jüdische Geschichte. Ohne das Judentum gäbe es weder Christentum noch Islam.
Bleibende Dankbarkeit für das jüdische Volk
Juden aber existierten bereits, bevor es Christen und Muslime gab. Christen und Muslime brauchen das Judentum für ihr eigenes Selbstverständnis. Juden brauchen Christen und Muslime dafür nicht. Das zeigt nicht nur, wer historisch zuerst in Jerusalem war. Es zeigt auch, wem Dankbarkeit gebührt. Als Christ weiß ich: Auf der Welt stünde nirgendwo eine Kirche, wenn es das jüdische Volk nicht gäbe, denn Teil unserer Eltern ist das Judentum. Das ist der Grund, warum ich eine tiefe und bleibende Dankbarkeit für dieses Volk empfinde.
Jerusalem war in der gesamten bekannten Geschichte der Menschheit nur für ein einziges Volk Hauptstadt, nämlich für das jüdische Volk. Zwar war die Stadt unter römischer, byzantinischer und später islamischer Herrschaft zeitweise Verwaltungs- oder Provinzsitz, doch sie war niemals nationale Hauptstadt eines anderen Volkes. Juden leben in Jerusalem am längsten, und sie leben dort ununterbrochen bis heute.
Deshalb wünsche ich von Herzen all meinen jüdischen Freundinnen und Freunden und allen, die Israel lieben, ein frohes Chanukka, ein Fest des Lichts, der Freiheit und der jüdischen Selbstbehauptung. Und weil Chanukka ein Fest der Freude ist, zum Schluss ein kleiner Witz: Ein Jude, ein Moslem und ein Christ sitzen in einem Café. Sagt der Christ: „Die Juden haben Jesus umgebracht.“ Sagt der Jude: „Nein, das waren die Muslime.“ Darauf erwidert der Moslem empört: „So ein Quatsch. Damals gab es noch keinen Islam.“ Darauf der Jude: „Sehr gut. Dann können wir ja jetzt über Jerusalem sprechen.“ Chanukka sameach.
Beitragsbild: Goris CC BY 4.0 via Wikimedia Commons

Oha, Herr Buurmann, das ist wirklich mies recherchiert. Es waren im wesentlichen die Katholischen Schulen in den ersten Jahrhunderten, welche den Juden ihre Schrift wegnahmen. Die jüdische Strömung der Nazarener (um Jesus von Nazareth) verschwand, kurz nachdem schon die Pharisäer (wegen der Zerstörung des II. Tempels) aus der Geschichte im Nirwana verschwanden. Es waren die Katholiken, die eine Art Kunst-Jesus erschufen, die mit einem Jesus der Schrift nur noch herzlich wenig zu tun hatte. Damit Sie mich verstehen, nehmen Sie das Katholische (reine) Marienbild, real dargestellt in Michelangelos Römischer Pieta, im Grunde eine Katholische Pharce. Die Kirche unterschlug einfach die vielen Geschwister des Jesus von Nazareth, die alle nicht unbefleckt empfangen wurden. Und die Hebräer waren genauso Besatzer in der Levante, wie alle Besatzer nach ihnen. Jerusalem ist eine Jebusiter- & keine Hebräer-Gründung. Israel ist heute das exakte Gegenteil eines Katholischen Globalismus. Wir feiern ja auch den Osterhasen, über den es keine schriftlichen Zeugnisse gibt. Warum auch? Wer heute Israel respektiert, hütet sich vor Ihrem Pro-Semitismus, sondern glaubt im gesunden Maß an den Darwinismus & nimmt das Israelische Prinzip für sich selbst in Anspruch, was eine Abkehr vom globalen Katholizismus konsequent nach sich zieht.
Der historische Bezug des Islam zum Judentum speist sich primär aus einer besonders rabiaten Form christlich-gnostischer Substitutionstheologie, welche zu Lebzeiten Mohammeds auf der arabischen Halbinsel kursierte. Das ist schon reichlich abgelegen, zumal selbst die damals bereits mehrheitlich heidenchristliche Kirche solche Dogmen als Häresie scharf ablehnte. Das zentrale Problem antisemitischer gnostischer Theologen, das nicht zu leugnende Judentum des Jesus von Nazareth, wurde von Team Mohammed durch einen denkbar simplen Taschenspielertrick umgangen: Mohammeds Anhänger wurden kategorisch zu den einzig legitimen leiblichen wie spirituellen Nachkommen Abrahams und der weiteren Erzeltern erklärt, während die Juden als deren reale Nachkommen fortan zwangsläufig als falsche Prätendenten, verlorene Söhne oder Verwahrloser des Erbes zu ächten waren. Der Islam ist aus diesem und vielen anderen Gründen, insbesondere aber wegen seiner Lehren von Allah als unerreichbarer gnostischer Demiurgin, das Antijudentum schlechthin und wenig ist absurder als die Erzählung vom Islam als Teil einer abrahamitischen Religionsfamilie. Er ist ein kompletter Fake, die endlosen Zitate aus dem Tanakh und die groteske Verballhornung der Jesusgeschichte in Koran und Hadithen sind genau so gekapert und sinnentfremdet wie die Flugzeuge, die islamische Terroristen 9/11 in die Twin Towers gerammt haben.
Danke für den informativen Text. Ich habe da eine These zu dieser Aussage: „Ohne das Judentum gäbe es weder Christentum noch Islam.“ Ich behaupte, gäbe es damals dort anstatt Juden und Christen Budhisten und Shamanen, würde sich der Islam auf sie beziehen. Ich betrachte den Islam als Fake-Religion. Sie nimmt nur Bezug auf ihre Umgebung um der Selbstlegitimation Willen. Ausserdem ist Bezugnehmen keine Verbindung. Im Islam gibt es z.B. die wichtigsten Säulen des Juden- und Christentums nicht: die Zehn Gebote. Auch sonst hat der Islam mit ihnen nichts gemein. Nichts aufbauendes steht im Koran, nur Drohung und Gewaltanwendung und die Belohnung dafür, immer und immer wieder. Frohes Chanukka und Frohe Weihnachten.
Ich danke herzlich für diesen Beitrag.
Der Witz ist gut. Unbedingt merken.
Witz: Joseph betet und klagt Gott sein Leid mit seinem Sohn: „Stell Dir vor, er behauptet der Messias zu sein, ist arbeitslos und zieht herum mit seinen Jüngern, panscht auf Hochzeiten den Wein, und das Schlimmste, er verleugnet seine Mutter! Schickt sie weg, nennt sie Weib! Soll ich ihn enterben?“ Gott tröstet ihn: „Das kenne ich—auch ich habe nur Ärger mit meinem Sohn….machˋ es wie ich, schreibe ein Neues Testament.“
Und die Verleihung des Paul-Spiegel-Preis des Zentralrats der Juden an die „Omas gegen rechts“ ist auch Teil des jüdischen Freiheitskampfes?