Henryk M. Broder / 07.03.2022 / 16:00 / Foto: S.F. Leonard / 31 / Seite ausdrucken

Die ganze Wahrheit über Adam und Eva und die Sintflut

Ein Politik- und Religionswissenschaftler aus dem Südwesten der Republik, der Heimat vieler Sekten und okkulter Bräuche wie z. B. der Kehrwoche, hat vor Kurzem einen Aufsatz veröffentlicht, in dem es um „vegetarische Alternativen zum Fleisch“ geht. Und natürlich um den Frieden.

Sagt Ihnen der Name Ekkehart Krippendorff noch etwas? Nein? Macht auch nichts. In den wilden 60er Jahren war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Otto-Suhr-Institut der Berliner FU, später ordentlicher Professor am JFK-Institut für Nordamerikastudien der FU. Der Begriff „Außerparlamentarische Opposition“ soll von ihm geprägt worden sein, als „Politikwissenschaftler“ hat er maßgeblich zu dem Missverständnis beigetragen, Politik könnte mit wissenschaftlichen Methoden erfasst und gesteuert werden. 

Zu Krippendorffs Hinterlassenschaft gehört auch ein in der taz erschienener Text über die Frage, warum die Juden im Dritten Reich keinen „massiven passiven Widerstand“ geleistet haben. Dazu fiel ihm Folgendes ein:

„Man stelle sich dieses Szenario vor: Kein deutscher Jude folgt den diskriminierenden Anordnungen der deutschen Behörden (Judenstern, getrennte Parkbänke, beschränkte Einkaufszeiten usw.) – wären sie gegenüber Hunderttausenden durchsetzbar gewesen? Man stelle sich vor, kein deutscher Jude wäre Befehlen gefolgt, sich zu Sammelplätzen einzufinden – einige Dutzend, einige hundert, vielleicht auch einige zehntausend hätte die deutsche Polizei einzeln (passiver Widerstand!) aus ihren Wohnungen gezerrt und auf Lastwagen verladen; aber Hunderttausende? . . . Oder man stelle sich vor, die Kolonnen der Hunderte und Tausende auf dem Weg zu den Güterbahnhöfen hätten sich schlicht hingesetzt, ,Sitzstreik‘' nennen wir das heute – hätten Polizei, SA, Wehrmacht und SS es gewagt, im Angesicht aller deutschen Zuschauer diese Menschen jeden Alters und Geschlechts zusammenzuschlagen und sie Körper für Körper, widerstandslos und doch mächtig, auf Lastwagen zu verfrachten? . . . Die Spekulation ist zumindest legitim, sich zu fragen, ob das Regime nicht an einem solchen massiven passiven Widerstand selbst zerbrochen wäre.”

Saugut, nicht wahr? Die Juden haben die Chance verpasst, das NS-Regime auszuhebeln. Wenn es nicht zu spät wäre, müsste man sie dafür zur Verantwortung ziehen und Wiedergutmachung fordern. 

Vegetarische Alternativen zum Fleisch

Krippendorffs Ruf als „Politikwissenschaftler“ und „Friedensforscher“ hat unter solchen Rohrkrepierern kaum gelitten. Spurenelemente seiner absurden Logik kann man auch heute finden. Zum Beispiel in der Debatte um den Klimawandel.

Ein Politik- und Religionswissenschaftler aus dem Südwesten der Republik, der Heimat vieler Sekten und okkulter Bräuche wie z.B. der Kehrwoche, hat vor kurzem einen Aufsatz veröffentlicht, in dem es um „vegetarische Alternativen zum Fleisch“ geht. Was nicht weiter bemerkenswert wäre, ginge es dem Verfasser nicht darum, zu beweisen, dass der Verzicht auf Fleisch nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Frieden bekömmlich ist.

Es ist eine abenteuerliche Zeitreise, von den Siebenten-Tags-Adventisten Mitte des 19. Jahrhunderts, die „den Fleischverzicht geübt und vegetarische Lebensmittelketten etabliert“ hatten, über Martin Buber, Richard Wagner und Adolf Hitler, der „feige, wie er war, seinen persönlichen Vegetarismus weitgehend vor der faschistischen Öffentlichkeit verborgen“ hielt, bis Joe Biden, der Invasion der Ukraine und der Klimakrise. Alles vor dem Hintergrund eines exzessiven Fleischkonsums, der dafür sorgt, dass „wir noch immer weit mehr fossile Energien (verschwenden), als wir Erneuerbare produzieren“. So könne es nicht weitergehen. „Eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums“ würde „nicht nur fossile Energien sparen, sondern auch Flächen zur Produktion von Erneuerbaren Energien direkt freisetzen!“ 

Weniger Kühe und Rinder, mehr Windräder! Bleibt nur die Frage: „Werden Kirchen und jüdische Gemeinden mutig bekennen, dass nach dem biblischen Paradies-Mythos auch Eva und Adam einst vegan und glücklich gelebt hätten, die Noah-Sintflut dagegen durch menschliche Gier ausgelöst worden sei?“

Blitzt da ein wenig Krippendorff zwischen den Zeilen auf? Kirchen und jüdische Gemeinden! So bekommen die Juden, die im Dritten Reich versagt haben, noch eine zweite Chance, wenn auch nur als Juniorpartner der Kirchen.

Foto: S.F. Leonard Flickr via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Rudi Knoth / 07.03.2022

Ja unser Herr Religionswissenschaftler. Putin will also nicht nur sein Erdöl und Erdgas verkaufen sondern auch den Weizen aus der Ukraine. Und seinen Gewinn mach er unter anderem deshalb, weil wir hier so gerne billiges Fleisch essen. So in etwa ist ja seine neueste Auslassung. Karl Popper kommt natürlich bei ihm auch vor.

R. Jörres / 07.03.2022

Es ist das im parareligiös-religiösen Milieu aller Spielarten typische Denken von der gewünschten Konsequenz her. Die Folgerung „vegetarisch“ steht aus Gründen des Distinktionsgewinns, Opportunismus usw. fest, die Gründe dafür werden ad hoc herangezogen und summiert, vorzugsweise zeitgeistige. Wenn einer entfällt, kommt halt ein anderer. Herr B. hat übrigens zwei Fächer studiert, in deren Bezeichnung das Wort „Wissenschaft“ vorkommt. Man wird dadurch aber nicht zum Wissenschaftler, sonst hätten wir Massen von Ernährungswissenschaftlern, Staatswissenschaftlern, Forstwissenschaftlern usf. Man wird es in der Regel auch nicht durch eine Doktorarbeit, dazu ist das geforderte Niveau zu hoch, der echte Wissenschaftler weiß das. Man wird es auch nicht durch Bekenntnisse auf scilogs. Wenn er sich, wie dokumentiert, als „Wissenschaftler“ bezeichnet oder als „Evolutionsforscher“, mag das beim popellus floreus verfangen, außerhalb nicht.

Arne Ausländer / 07.03.2022

Ich glaube, Überlegungen zu Aussichten gewaltfreien Widerstands auch in Extremsituationen sind kein Monopol Krippendorfs, und der zitierte ältere Text scheint mir sinnvoller als dessen neuere Auslassungen. Herrn Broder wird doch das Beispiel aus der Berliner Rosenstraße bekannt sein, 1942 war das, wenn ich mich nicht irre, als die Beharrlichkeit wehrloser Frauen zur Freilassung ihrer jüdischen Männer führte. Mag das ein Einzelfall gewesen sein, geschehen ist es. Und ganz abwegig ist, daß Überlegungen, welche Handlungsmöglichkeiten (potentielle) Opfer von Gewaltverbrechen haben könnten, irgendetwas an der Schuld der Täter vermindern würden. Ich halte es geradezu geboten, über solche Möglichkeiten nachzudenken, ganz besonders auf dem Hintergrund der letzten zwei Jahre. Aber auch unabhängig davon hatte ich oft z.B. über die ungarischen Juden 1944, so kurz vor Kriegsende, nachgedacht: Soll man nicht wenigstens im Nachhinein daraus lernen? Ehrt es die Toten, dies nicht zu tun? Die ungarischen Juden waren 1944 nicht auf die tödliche Verschärfung ihrer Lage vorbereitet - und kamen um. Sie waren eben ganz normale Menschen, die darauf vertrauten, daß gesellschaftliche Strukturen doch auch irgendwie normal sein müßten. Waren Sie nicht. Und 2020 traf “Corona” auf ganz überwiegend ganz normale, trotz aller Skandale ihrer Obrigkeit vertrauende Menschen. Die taten weitgehend, was von ihen verlangt wurde. Obwohl es Warnungen gibt, daß dies tödlich enden könnte. Ich wünschte mir, diesmal läßt sich das verhindern. Und wäre es nicht ein kleiner, und sei es ganz kleiner Trost für die damals Ermordeten, falls das Nachdenken über ihr Schicksal späteren Generationen helfen sollte zu überleben? Weil einfach nicht mitzumachen und nicht zu gehorchen eben die bessere Strategie ist (was sie damals ja nicht ahnen konnten)?

Carlo Mayer / 07.03.2022

In meiner Jugend bestanden die Grünen aus Sonnenblumen-affinen Hippies mit Bärten und Latzhose beziehungsweise aus zotteligen Trullas mit Strickzeug und selbstgebatikten Kitteln. Sie glaubten fest an den Kitsch, dass man ruhig einen Krieg erklären könne „aber keiner geht hin“, hehehe, da glotzt der Putin aber doof, wenn seine Soldaten ihm eine Nase drehen und statt dessen mit den Ukrainern einen Vodka Gorbatschow nach dem anderen bechern, anstatt Dörfer zu erobern. So stellten sich die Krippendorfs und die Grünen die Welt vor, später wurden sie Redakteure und erzählten in den „Qualitätsmedien“ ihren Lesern weiterhin diesen seichten Friedensmist. Und die Merkel richtete sich komplett danach, und alle waren glücklich, die Bundeswehr war unten durch und voll Nazi,  und alle hatten sich lieb in Wolkenkuckucksheim. Und jetzt ist der böse Wolf vor der Tür - und die Hippies sind noch glücklicher als zuvor, wer hätte das gedacht? Warum? Sie sind berauscht davon, seit den napoleonischen Kriegen endlich mal wieder auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Jetzt geht’s gegen den Faschisten Putin. Damit bietet sich plötzlich die ungeahnte Möglichkeit der Reinigung vom Faschisten Adolf.

Emil.Meins / 07.03.2022

Ich frage mich: Muss der Mann nicht posthum von Rechts wegen sofort wegen “Verharmlosung des Holocaust” belangt werden? Letztlich lässt er doch durchblicken: “Selbst schuld”, hättet ihr euch alle mit Sekundenkleber an der Straße festgeklebt, wären die Nazischergen so dumm dagestanden, wie heute die weichgespülte Polizei angesichts der furchtlosen Kämpfer für Klima und Weltrettung (damals hätte man allerdings nur Schusterleim zur Verfügung gehabt). Normalerweise genügt dazu doch bereits das politisch motivierteTragen eines “gelben Sterns” durch Nichtjuden, wie zB durch Impfgegner? Interessant auch die Idee von der “fleischfressenden” faschistischen Öffentlichkeit, aufgepasst liebe Grillfans und Schnitzel-Liebhaber, ihr seid ab sofort automatisch “Faschisten” und dürft ohne Vorwarnung von der “Antifa” angegriffen werden!

Walter Weimar / 07.03.2022

Ich glaube unser Jahrhundert wird in die Geschichte eingehen, als große Desillusion und Verwirrtheit der Menschen im Abendland. Zwar hat es einen technischen Fortschritt gegeben, die Elektrizität, aber der Menschheit ging doch kein Licht auf. Es muß folgen, Das Gute Nacht, die Dämmerung, in einer Form der gefühlten Auswegslosigkeit. Woher kommt auch sonst die vorgetäuschte unendliche Solidarität mit jedem und allem auf der Welt Alles soll gerettet werden, Klima, Luft, Flüchtling, Glaube etc etc pp, aus reiner Verzweiflung. Nur der Mensch nicht hier vor Ort.

Hans Reinhardt / 07.03.2022

Man lasse nur das Wort “Jude” aus dem Text der Krippenfigur weg, schreibe “Deutscher” groß und ersetze die Begriffe “Judenstern”, “getrennte Parkbänke” und “eingeschränkte Einkaufszeiten” durch Maske, Lock-Down und Impfpflicht und wir hätten eine perfekte Analyse der Corona-Pandemie. Aber das nur am Rande. Der Mann hat natürlich Recht, hätten die steinzeitlichen Jäger auf Doggerland mehr Tofu statt Rentierfleisch gegessen, dann könnten wir heute noch zu Fuß von Dänemark nach England spazieren. Das ganze Getreide und die Hülsenfrüchte, die die römischen Legionäre mitschleppten, waren natürlich nur als Viehfutter bestimmt, währen sie selbst sich von rohem Fleisch und Säuglingen ernährten. Es ist ja eine Tatsache in der Militärgeschichte, dass gerade Fleisch, Wurst und Fisch aufgrund ihrer hohen Haltbarkeit ideal zur Truppenernährung taugen, während Getreide, Reis, Bohnen, Erbsen, Linsen, etc. aufgrund ihres geringen Nährwertes und Haltbarkeit von vorneherein ausscheiden. Da können wir wirklich froh sein, dass diese Krippenfigur (Ochs, Esel, Schaf?) sich nicht nur so gut in Geschichte auskennt, sondern sogar noch eine ausgesprochene Konifere in der Ernährungswissenschaft ist. Mit solchen Spitzenkräften muss es einem um den Wissenschaftsstandort Deutschland nicht bange sein.

Bernd Ackermann / 07.03.2022

Der Ackerbauer Kain hat den Hirten Abel erschlagen, also besonders friedlich scheinen die Veganer nicht zu sein. Nach meinen Beobachtungen sind die ähnlich aggressiv und von sich selbst überzeugt wie Moslems und Apple-User.

Lutz Herrmann / 07.03.2022

Womit will der Depp düngen? Mineraldünger mag er bestimmt auch nicht. Also zurück zur Dreifelderwirtschaft der Gerrrrmanen, oder was?

Frank Holdergrün / 07.03.2022

Kindergottesdienst in der Tagesstätte Blume, immer wieder ein Genuss.

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