Dass Freiheit alles andere als selbstverständlich ist, wurde vielen erstmals während der Pandemie deutlich. Paradoxerweise war die Zeit der Maske zugleich die Zeit der Demaskierung: Vielen wurde die Maske der Zivilisation vom Gesicht gerissen. Wenn es (vermeintlich) um die eigene Gesundheit ging, wurden die elementarsten Regeln der Zivilisation gebrochen. Wer Sterbende allein lässt, wer Kinder nicht schützt, sondern sie in Angst und Schrecken versetzt und unter inhumanen Umständen lernen lässt, kann kaum für sich beanspruchen, Teil einer zivilisierten Hochkultur zu sein.
Die Maximen der Freiheitsbeschränkungen, Ausgrenzung und Zwang, welche die Pandemie dominierten, setzen sich nun fort in der Verfolgung von unliebsamen Meinungen, der Kriminalisierung zulässiger Gefühle wie Hass und steigern sich in der aus Pandemiezeiten eingeübten Ausgrenzung von Menschen. Aktuelles Beispiel: Thomas Kemmerich, für kurze Zeit FDP-Ministerpräsident von Thüringen und derzeit Vorsitzender der neuen politischen Bewegung “Team Freiheit”, wurde aus einem Traditionslokal in Weimar geworfen. “Wir bedienen Sie hier nicht”, hieß es. Auf Nachfrage wurde dies damit begründet, dass er Thomas Kemmerich sei.
Die Zeiten, in denen Freiheit als unveräußerliches Menschenrecht und unmittelbarer Ausfluss der Menschenwürde erkannt wurde, entwicklungsgeschichtlich basierend auf dem jüdisch-christlichen Grundverständnis der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, scheinen vorbei zu sein. Wie so oft trügt der Schein allerdings. Derzeit befasst sich der Vatikan mit einem offenbar auch für ihn rätselhaften Zulauf: Tauf- und Firmanfragen sind sprunghaft gestiegen, gerade junge Leute zeigen ein wachsendes Interesse am Glauben.
Beim katholischen Treffen “Congrès Mission” in Paris haben sich diesen November rund 12.000 Teilnehmer versammelt, was für das seit der Revolution religionsaverse Frankreich ein absolutes Novum ist. In London gab es dieses Jahr mehrere christliche Glaubeskonferenzen, im November steht das “Christians for Impact”-Event an. Auch in Deutschland findet 2026 das überkonfessionelle Glaubensfestival “MEHR – The Sound of Joy” statt. Das Christentum erwacht also, eine Religion, deren DNA ja speziell in der Wiederauferstehung und dem Leben liegt. Gerade bei jungen Leuten ist es wieder angesagt, die Rückbesinnung auf die Wurzeln beginnt und mit ihr die Rückbesinnung auf Freude und Zuversicht.
Zwei Jahre als politischer Gefangener in Haft
Der Beginn eines Mentalitätswandels zeichnet sich derzeit auch im politischen Raum ab. In Berlin gab es Anfang November die “Berlin Freedom Week” mit verschiedenen Veranstaltungen. Einer der Hauptredner war der Venezolaner Leopoldo Lopez, Mitbegründer des World Liberty Congress. Diese Organisation wurde 2022 mit dem Ziel gegründet, als Gegengewicht zur globalen autokratischen Allianz zu wirken. Lopez kennt den Wert der Freiheit, denn sie wurde ihm entzogen. Einst Bürgermeister einer Gemeinde von Groß-Caracas wurde er 2009 Vorsitzender der Oppositionspartei Voluntad Popular. Bei den regierungskritischen Protesten 2014 spielte er eine führende Rolle, wurde mehrfach inhaftiert und 2015 zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach seiner Befreiung durch nicht regierungstreue Soldaten konnte er ins Ausland fliehen. Er hat den Wandel Venezuelas von einem einst reichen Land freier Bürger zu einem bitter armen Land unterdrückter Bürger erlebt. Unterstützung von Deutschland erhielt die Opposition übrigens nicht. Die deutsche Außenpolitik kümmerte sich – anders als andere europäischen Staaten – um die Ereignisse in Venezuela nicht. Ähnlich wie in Argentinien ist der Zusammenhang von Freiheit und Wohlstand sowie umgekehrt von Unterdrückung und Armut evident.
Teil der “Berlin Freedom Week” war eine Veranstaltung der Denkfabrik R21, einem 2021 von Andreas Rödder, Kristina Schröder und weiteren Initiatoren gegründeten thinktank. Hier gab es ebenfalls einen Impulsvortrag eines Lateinamerikaners, nämlich des früheren nicaraguanischen Präsidentschaftskandidaten Felix Maradiaga, der zwei Jahre lang als politischer Gefangener in Haft saß. In seiner Rede wies er ausdrücklich darauf hin, dass Freiheit “familiar but fragile” (vertraut doch fragil) sei. Sie scheine das Opfer ihres eigenen Erfolges zu sein. Karl-Heinz Paqué, Vorsitzender der Friedrich-Naumann Stiftung für die Freiheit, hielt ebenfalls ein flammendes Plädoyer gegen den Paternalismus und für „Die Rückkehr des mündigen Bürgers”.
Die politische Umsetzung der Freiheit kann allerdings nur durch Parteien erfolgen. Bemerkenswerter Weise gibt es mittlerweile drei Parteien, die verschiedene Varianten der Freiheit oder des Liberalismus vertreten. Alle drei, nämlich Team Freiheit, Volt und die FDP kamen auf dieser Veranstaltung zu Wort. Dabei machte Frauke Petry – stellvertretende Vorsitzende von Team Freiheit – deutlich, dass dieses eher den klassischen Freiheitsbegriff vertritt, der den Staat als Diener des Bürgers sieht und dem Bürger möglichst viel Freiraum zur freien Entfaltung einräumt. Den eher links-liberalen Ansatz vertrat Damian Boeselager (MdEP) von Volt. Er äußerte unter anderem, die Ansicht, dass der klassische Ansatz unterkomplex sei, man den kosmopolitischen Weg weitergehen müsse und vor allem die AfD bekämpfen.
Susanne Gaschke (NZZ) hielt dem Vorsitzenden der FDP, Christian Dürr, vor, dass die FDP viele Wähler u. a. deshalb enttäuscht habe, weil ihr Widerstand gegen linke gesellschaftspolitische Entwicklungen in der Ampelregierung nicht erkennbar gewesen sei. Dürr hingegen äußerte seine Einschätzung, die FDP habe an Vertrauen verloren, weil sie hauptsächlich als Verhinderer wahrgenommen worden sei und keine eigene Agenda gehabt hätte.
Neue Chancen
Etwas anders zu machen, eine andere Partei zu wählen, hilft allein nichts. Anders zu sein heißt nicht zwingend, besser zu sein. Genau das, besser sein, ist aber die einzige Chance für die Zukunft. Die Hoffnung auf Veränderungen durch eine andere Partei oder andere Regierung wird enttäuscht werden, wie auch die derzeitige Regierung enttäuscht.
Tatsächlich ist bemerkenswert, dass viele (oder sogar alle?) westlichen Demokratien am Straucheln sind. In Großbritannien hat der ehemalige konservative Politiker, Schriftsteller und bekannte Podcaster (“The Rest is Politics”) Rory Stewart in seinem Buch “Politics on the Edge” sehr ernüchternd einige der strukturellen Probleme geschildert, welche jede Regierung daran hindern, die Lage wirklich zu verbessern. Er sagte völlig zutreffend das Desaster der Labour-Regierung voraus, weil diese an denselben Strukturen scheitern würde. Im Triggernometry-Podcast mit Konstantin Kisin und Francis Foster erläutert er (ab Minute 4:42), dass ähnliche strukturelle Probleme wie im UK auch in Frankreich und in Deutschland vorhanden seien.
Um wieder zu mehr Freiheit und Wohlstand zu gelangen, sind also nicht einfach nur andere Parteien oder andere Slogans nötig, sondern es bedarf einer grundlegenden Änderung der Strukturen, die zu dem derzeitigen Abstieg westlicher Demokratien führen. Eine kritische Überprüfung bisheriger und möglicherweise überholter Denkweisen ist mithin erforderlich. In lockerer Folge möchte ich daher den einen oder anderen “alten Zopf” einfach mal kritisch hinterfragen.
Ein Aspekt wurde in der Veranstaltung von R21 von Ralf Fücks (Direktor des Zentrums Liberale Moderne) angesprochen, nämlich jener, den ich als Überparlamentarismus bezeichnen möchte. Damit ist das Problem beschrieben, dass zu viele Parlamentarier zu viel Zeit damit verbringen, Regeln zu schaffen, welche die Bürger fesseln.
Der übergriffige Staat mit wuchernder Bürokratie, welche die Bürger und Unternehmer fesselnd erstickt, wird überall beklagt. Nie wird dabei die Rolle des Parlaments beleuchtet. Wer dafür bezahlt wird, Regeln zu erlassen, wird dies tun. Das ist seine Aufgabe, die engagiert und mit Fleiß erledigt wird. Nach einem Jahr ist das ein Haufen an Regeln. Nach zehn Jahren ist es ein hoher Berg und nach Jahrzehnten ein kaum noch zu übersteigendes Gebirge.
Wie bei einem Wasserrohrbruch muss man das Wasser abstellen
Geschieht dies auch noch auf verschiedenen Ebenen, also Kommune, Land, Bund und zusätzlich EU, ist das Ergebnis absehbar. Wer also Entbürokratisierung will, muss unter anderem an diesem Punkt ansetzen und den bisherigen Überparlamentarismus abschaffen. Es ist wie bei einem Wasserrohrbruch, man muss das Wasser abstellen. Sonst nützt es nichts, Wasser weg zu schöpfen, weil es unaufhaltsam nachfließt. Selbst wenn man ein Verfallsdatum für Gesetze einführte, würde dies an deren Flut nichts ändern.
Bedenkt man, dass über die Hälfte der Regeln von der EU kommt oder von ihr vorgegeben wird, stellt sich ohnehin die Frage, warum wir nicht bereits jetzt Teilzeitabgeordnete haben. Definiert und begrenzt man die Aufgaben des Staates eng, braucht man weder so viele noch dauerbeschäftigte Abgeordnete. Dies gilt umso mehr, als die moderne Technik vieles ermöglicht, Anwesenheit also nicht immer und zwingend erforderlich ist. Warum nicht eine Gesetzessperre ähnlich einer Haushaltssperre, die greift, wenn eine bestimmte Anzahl von Gesetze im Jahr bereits beschlossen wurde? Warum sollte irgendein Staat so viele neue Gesetze brauchen? Die Politik müsste dann sorgfältiger überlegen, mit welchen Regeln sie die Bürger gängelt.
Dies würde zugleich Bürgern ermöglichen, im normalen Leben zu bleiben und nebenbei politisch tätig zu sein, nicht als Vollzeitjob, sondern mehr oder weniger im Ehrenamt. Damit würde man der sich zur eigenen Kaste entwickelten und von der Realität erschreckend entkoppelten Politik die Grundlage entziehen; der Verbleib im normalen Leben könnte dazu führen, dass manche Entscheidungen pragmatischer ausfielen. Und nur, weil wir den Parlamentarismus schon immer so gehandhabt haben (jedenfalls wenn es überhaupt Parlamente gab, die Gesetze erlassen mussten) heißt dies ja nicht, dass wir es so weiter machen müssen, oder?
Beitragsbild: Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

@L.Luhmann: Auch im Kommentarbereich der Achse wird Stimmung gegen Christen und das Christentum gemacht, und zwar, ohne dass sich jemand die Frage stellt, wem diese Feindseligkeit nützt! Meiner Meinung nach ist aller Kampf gegen rächz, gegen „Kolonialismus“, gegen Weiße schlechthin, solange sie nicht linksextrem/SA_Antifanten sind, gegen den Konservatismus, gegen Bildung und echte Wissenschaft, gegen Anständigkeit, gegen Biologie (etc. pp) im Kern (m.E. ausschließlich!) ein wütender Kampf gegen das Christentum und die Bibel. Es ist ein geistlicher Krieg, der tobt und von den wenigsten Menschen überhaupt wahrgenommen wird. Nach menschlichen / irdischen Begriffen sind WEF, WHO & Co. die beherrschenden Kräfte. Doch hinter denen steht eine geistliche Macht als Wegbereiter, die ich Satan oder Teufel nenne. Die Invasion der „Friedensreligiösen“ kommt den Kämpfern gegen alles Westliche gelegen, weil der Mohammedanismus dieselben Faktoren bekämpft wie die Linken aller Farben. Wie Queere und sonstige Allahleugner vom Kalifen und den Scharia-Gerichten am Ende beurteilt werden, ist eine andere Frage.
„Doch sprach dereinst schon Höderlin: “Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch„.“ --- Und was ist, wenn das Rettende nicht wächst? Was ist, wenn das Rettende rigoros zersetzt wird? Man sollte realistisch sein und vom Allerschlimmsten ausgehen. Freuen kann man sich vielleicht später noch …. ( England wird seit Jahrzehnten massiv ISLAMISIERT! Auch die Iren werden untergehen! Es herrscht ein u.a. ein weltweiter Krieg gegen Weiße und gegen Christen! Und das alles ist Teil des „Great Resrt“ des WEF!)
„Dass Freiheit alles andere als selbstverständlich ist, wurde vielen erstmals während der Pandemie deutlich.“ – Der Artikel sollte wirklich mit einem Witz beginnen?
„Doch sprach dereinst schon Höderlin: “Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch„.“ --- Und was ist, wenn das Rettende nicht wächst? Was ist, wenn das Rettende rigoros zersetzt wird? Man sollte realistisch sein und vom Allerschlimmsten ausgehen. Freuen kann man sich vielleicht später noch …. ( England wird seit Jahrzehnten massiv ISLAMISIERT! Auch die Iren werden untergehen! Es herrscht ein u.a. ein weltweiter Krieg gegen Weiße und gegen Christen! Und das alles ist Teil des „Great Resrt“ des WEF!)
Ihr Sprachbild mit dem Wasserrohrbruch finde ich sehr passend. Oftmals muß auch der Boden aufgegraben und die Austrittsstelle gesucht werden. Milei verfolgt ein Thema, was die FDP permanent vernachlässigt hat: Die Aufklärung durch ökonomische Bildung. Die Linke besetzt Stellen, hat aber widersprüchliche Ideen, der Volkswirt Milei wirbt mit Slogans um die Neubesetzung der Begriffe, er bewirbt Bücher, die darüber aufklären, wer Etikettenschwindel betreibt und er nutzt alle Kanäle, um freiheitliche Ideen zu transportieren. Das Loch in der langen Leitung hatte Milei selbst, da er berichtet, wie stark ideologisch er selbst eingenommen war, bedingt durch den universitären Elfenbeinturm. Mit stumpfen Begriffen hat man nirgends vernünftiges Werkzeug, gräbt weder nach den Schadensstellen, außer Flickwerk beherrscht man auch keine elegante Verbindung wie etwa eine gelöteter Muffe oder eine elegant geschweißte Fuge.
Wie man Christentum und insbesondere Katholizismus mit Freiheit assoziieren kann, bleibt das Geheimnis der Autorin. Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß das Christentum stets die Freiheit bekämpfte und die katholischen Institutionen waren dabei die schlimmsten. Ich empfehle die Lektüre von: Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums // Daß der Islam und auch der Sozialismus schlimmer als das Christentum sind, steht selbstverständlich außer Frage. Aber wer angesichts EU-Sozialismus und Islamisierung Zuflucht beim Christentum sucht, ist verloren. Man konnte den Teufel noch nie mit dem Beelzebuben austreiben.
Eher wird unsere Politkaste sämtliche Wahlen überhaupt abschaffen, als dass sie einer Verkleinerung ihres Einflusses zustimmt. Da wird eher mein Dackel einen Wurstvorrat anlegen.
Die Frage ist also vielmehr wie man ein so tief in die Gesellschaft hineingefressenes Geschwür los werden kann. Die Geschichte zeigt, dass Bewegungen bei derart großräumig etablierten Strukturen – ähnlich wie bei der Plattentektonik – mit erheblichen Verwerfungen und Erdbeben einhergehen. Mich dünkt, als wenn so ziemlich jeder und jede dass auch dumpf ahnt. Es wird heftig knallen. Müssen. Und die Politik begeht den großen Fehler durch Prolongieren und Kalmieren( Methode Merkel) Lügen, Ignorieren und Happy happy- Getue die Illusion einer ewigen Gegenwart, ein immerwährendes „Davor“ aufrecht zu erhalten. Bei einem „Danach“ würde ich persönlich keinen Pfifferling auf die finanzielle, juristische oder sogar körperliche Unversehrtheit der Verantwortlichen geben. Das mag u.a. die stupende aktuelle Rührigkeit einer Frau Merkel erklären. Auch die Absetzbewegungen von „Top- Grünen“ sprechen für sich. Sie wissen was sie tun.