Dem Frauenfußball aber – oder genauer: der Kultur, die ihn umgibt – fehlt die dionysische Aura von Rausch, Macht und Gewalt, die das Gekicke in seiner männlichen Version bis zum Siedepunkt aufheizt – und zwar nicht nur bei saufenden Rowdys und offen gewalttätigen Holligans, sondern untergründig bei allen Fans (ein Wort, das nicht zufällig von Fanatismus abgeleitet ist.) Diese Aura erwächst nicht zuletzt aus der archaischen Form der Erinnerung, die der Männerfußball aufgrund seiner langen Tradition immer wieder wachruft. So werden in Spielen wie Deutschland gegen England (oder Italien), Inter gegen Real, Bayern gegen ManU, Schalke gegen Dortmund stets uralte Schlachten neu aufgelegt, die schon die Ahnen ausfochten, mit welchen sich der Fan nun, vermittelt durch ihre Re-Inkarnation auf dem Spielfeld von heute, auf magische Weise verbunden fühlen kann. http://freie.welt.de/2011/07/08/die-frau-am-ball/