Fundstück / 09.07.2013 / 08:04 / 14 / Seite ausdrucken

Die Folgen von Snowdens “Heldentat”

Ein sehr guter Kommentar von Julian Reichelt auf Bild.de.

Auszug:
“…Terroristen, die SIM-Karten bisher drei-, viermal benutzt haben, benutzen sie jetzt vielleicht nur noch einmal. Das Gleiche gilt für E-Mail-Konten. Als Reporter im Irak und in Afghanistan war ich einige Male dabei, wenn Terrorzellen, Bombenbauer, Drahtzieher verhaftet wurden. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass diese Leute jeden erdenklichen Schnipsel aus internationalen Zeitungen über Geheimdienst-Methoden, Abhörprogramme, Drohnenüberwachung in ihren Verstecken sammelten. Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die ihr Leben dem Töten von Zivilisten verschrieben haben – und die bereit sind, dafür ihr eigenes Leben zu geben. Wir sollten nicht so naiv sein zu glauben, dass sie nicht sehr aufmerksam lesen, was Edward Snowden der Welt mitzuteilen hat…”

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Leserpost

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Axel Krüger / 10.07.2013

Der Kommentar der BILD strotzt vor Dummheit und ist nur dafür gedacht, die hohle Nuss eines Bild-Lesers um ein weiteres einfältiges Weltbild zu bereichern: Der Al-Qaida Terrorist, der jetzt alle eine SIM-Karten wegschmeisst und für immer vom Radar der Geheimdienste verschwindet…wie armselig. Der Krieg gegen Terror ist in Gefahr, weil Snowden selbst den letzten Realitätsverweigerern und DAU`s aufs Brot geschmiert hat, wie es um ihre persönlichen Daten wirklich steht. Alle Kleinganoven die ich kenne, entsorgen schon seit über 10 Jahren regelmäßig ihre SIM-Karten. “Das ist normal auf dem Schlachtfeld”, würde Al Pacino sagen.

Stefan Gierke / 09.07.2013

Snowden arbeitete für einen Geheimdienst, d.h. er wusste, auf was er sich einlässt. Loyalität gilt in der Position, die er bekleidete, als unerlässlich. Folglich war ihm bekannt, dass das Ausplaudern von Betriebsgeheimnissen als das gewertet wird, was es ist: nämlich Hochverrat. Anstatt sich für seine Tat also vor einem amerikanischen Gericht zu verantworten, lässt er sich mit autoritären Staaten ein, die ihrerseits - im Gegensatz zu den Amis - einen Verräter aus den eigenen Reihen sofort einen Kopf kürzer machen würden. Und es wäre ihnen egal, ob sich dieser im Ausland aufhielte. Um ehrlich zu sein: Mich interessiert es nicht die Bohne, ob der BND oder die NSA meine Internet- oder Handyaktivitäten protokolliert, weil ich weiß, dass für einen Geheimdienst weder meine privaten Mails an meine Freundin noch eine eventuelle politische Tätigkeit interessant wären. Die NSA kümmert es nicht, ob ich Honig im Supermarkt kaufe oder in einer Woche vorhabe, zu einer revolutionären antikapitalistischen Demonstration zu gehen. Sie kümmert es aber sehr wohl (und das zu Recht), wenn ich einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft oder die US-Air-Base in Ramstein plane. Und die deutschen Behörden sollte es interessieren, ob eine zweite Sauerland-Gruppe vielleicht eine Bombe am Berliner Hauptbahnhof hochgehen lassen möchte. Das Digitalzeitalter hat unser aller Leben erleichtert, nur die Praxis der Geheimdienste darf keine Optimierung und Vereinfachung erfahren? Eine Fußfessel schränkt mich in meiner persönlichen Bewegungsfreiheit ein, weil die Überwachung allgegenwärtig ist. Sie wird mir immer wieder vor Augen gehalten. Eine umfassende, laut- und vor allem schmerzlose Aufzeichnung aller Bürger kriegt jedoch keiner von uns mit. Sie geschieht heimlich, still und leise. Und niemand landet wegen PRISM im Knast, falls er sich darüber auslässt, wie beschränkt und inkompetent doch unsere Regierung sei. Alle bürgerlichen Freiheiten bleiben gewahrt.

Hannelore Thomas / 09.07.2013

Wow, Snowden hätte in Amerika bleiben können. Wenn er so überzeugt ist von seinen “guten Taten”, dann hätte er auch so mutig sein sollen, dazu zu stehen und nicht das Land zu verlassen. Ich denke, er ist irgendwo ziemlich naiv und er ist sich wohl gar nicht bewußt, welchen Schaden er anrichtet. Es werden immer Länder danach streben, “die Weltmacht” zu sein. Mir ist dann eine USA Weltmacht lieber als eine Weltmacht China oder Rußland oder Nordkorea oder Sudan z.B. Er schwächt mit seinen Enthüllungen die mehr oder weniger demokratischen Länder und stärkt die agressiven Diktaturen. Ich hoffe, dass die USA ihn bald schnappt

Werner Scholz / 09.07.2013

Hier geht es um verschiedene komplexe Themenbereiche, bei denen sich die Frage aufdrängt, ob sie überhaupt miteinander zu tun haben. Wenn “Menschen ... ihr Leben dem Töten von Zivilisten verschrieben haben ... und die bereit sind, dafür ihr eigenes Leben zu geben”, dann sind das Leute, die ein gewisses Buch gelesen haben und es ernst nehmen. Wir alle wissen wohl, welches. Kleiner Tipp: Thilo Saranzin hat’s nicht geschrieben ... Dass andererseits ein Geheimdienst-Mitarbeiter, dem der Geheimdienst Geheimnisse anvertraut hat, dieses Vertrauen genutzt hat, um als “Whistle-Blower” für Furore zu sorgen, ist ein gänzlich anderer Handlungsstrang. Offensichtlich hat man in den USA bei der Auswahl relevanter Mitarbeiter noch gewissen Optimierungsbedarf - ein Mangel sozusagen, den es etwa beim russischen oder chinesischen Geheimdienst offensichtlich nicht gibt.  Dass der “Held” auf Asyl bei den Russen verzichtet, weil er dort die Klappe halten soll, spricht Bände. Es wäre naiv zu glauben, die US-Amerikaner sannen alles und jeden, während der Rest der Welt artig auf solche Boshaftigkeiten verzichtet. Und genau das ist der Punkt: Irgendwelche Jihad-Fanatiker, die im Irak sitzen, müssen sich beim Gebrauch von Handy & Co mindestens ebenso Gedanken darüber machen, nicht nur von den USA - die ja weit weg sind -, sondern vom landeseigenen Geheimdienst abgehört zu werden. Vergleichbares dürfte auch für Afghanistan gelten. Anders gesagt: Man sollte die Wirkung dieses entlaufenen Whistle-Mannes nicht überschätzen. Und auch hierzulande hören schließlich nicht nur die USA mit. Wäre ich Terrorist, würde ich den Stecker aus der Wand ziehen, mich eher auf das Briefgeheimnis verlassen und konspirative Gespräche nur in der Sauna führen, wo Männlein und Weiblein nackt rumlaufen und das Abhören recht schwierig sein dürfte - all das auch ohne Snowden.

Jemeljan Pugatshow / 09.07.2013

Der “Big Brother” - Effekt in Reinkultur. Wir alle “fürchten” uns plötzlich wieder vor der Allmacht staatlicher Überwachung, während wir frisch, fromm und natürlich “frei” jedes noch so private Detail aus unserem Leben ins frei (OHNE SPIONAGE !) zugängliche Internet stellen. Das soll mal einer verstehen. Wir werden schon seit Jahren davor gewarnt, allzuviele Dinge preiszugeben, weil potentielle Arbeitgeber schon bei einer oberflächlichen Recherche abstoßende Bilder o. ä. finden könnten. Auch die Tatsache, dass zumindest die NSA Daten von diversen sozialen Netzwerken, speziell Facebook, abzapft, ist seit Jahren bekannt. Wer sich nicht informiert, ist in der Informationsgesellschaft eben selbst Schuld und kann nicht nachträglich mit dem Finger auf die “bösen Amis” zeigen. Das ist Kindergarten-Niveau im Stile von Bauklötzchen-Werfen. Was Herrn Snowden nun tatsächlich motiviert, ist wirklich rätselhaft. Den “Idealisten” nimmt ihm jedenfalls kein intelligenter Mensch ab. Sein Schulterschluss mit in Sachen Informationsfreiheit rigiden Staaten ist Anlass zu berechtigten Zweifeln. Wenn er solche Skrupel über seine Tätigkeit hat, stellt sich die Frage, warum er sie denn einstmals antrat. Wusste er nicht, für wen er da arbeitete ? Nein, Snowden ist ein Verräter, eine zwielichtige Figur. Auch und gerade in einer Informationsgesellschaft.

Andreas Mertens / 09.07.2013

…Terroristen, die SIM-Karten bisher drei-, viermal benutzt haben, benutzen sie jetzt vielleicht nur noch einmal… Ok .. dann suchen wir eben nach SIM-Karten, die nur ein einziges mal benutzt werden. Mustererkennung nennt sich sowas. Gar kein Muster ist auch ein Muster.

Frank Martin / 09.07.2013

Kann man das wirklich als Folgen der Veröffentlichungen Snowdens ansehen? Soll man überhaupt so tun, als handelten Geheimdienste im Interesse anderer, gar im Interesse derer, die sie ausspionieren? Die Welt ist voller Verrückter, die einen spionieren und besteuern regelmäßig, die anderen machen kurzen Prozess.

Werner Pfetzing / 09.07.2013

Das ist doch eine alte Ermittlerweisheit.  Der Übeltäter, nachdem gefahndet wird, darf nicht wissen,  was die Kripo weiß. So läßt sich das bekannte dürre Statement interpretieren, wenn Reporter von der Polizei auf ihre diesbezüglichen Fragen die Antwort erhalten: “Aus ermittlungstechnischen Gründen dürfen wir keine weitere Auskunft geben.” Snowden kann oder will dies einfach nicht kapieren. Mit freundlichen Grüßen Werner Pfetzing

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