Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben recht! So sieht doch kein Ferrari aus! Zwar wissen wir nicht, ob Tom Selleck alias „Magnum“, dessen Markenzeichen dieser Spruch war, ähnliche Probleme hätte, sich in den neuen Ferrari „Luce“ (Licht) zu zwängen, wie in den 1984er 308GTS, aber vermutlich hätte er etwas verwundert auf das neue Requisit der italienischen Edelmarke geschaut, über dem im Netz gerade so kreativ wie boshaft ausgekübelt wird.
Da steht kein Denkmal brachialer Verbrennergewalt und Ausweis von Unvernunft und Lebensfreude, sondern ein teures, glatt gelutschtes, nutzwertoptimiertes Stück Mobilität für fünf plus Kofferraum mit Lego-Heck und dem Gesicht eines Habsburger Thronfolgers. Es ist das Gefährt, welches der legendäre Designer Jony Ive bei Apple nicht zu Ende bauen durfte, und schaut man nur auf die Details der Schnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug, erkennt man mühelos das Genie des Mannes, der gemeinsam mit Steve Jobs bei Apple Geschichte geschrieben hat. Man wollte diese Apple-Gadgets anfassen, mit ihnen spielen. Und ist es nicht bezeichnend, dass es Details über Knöpfe und Display des „Luce“ waren, die Ferrari zuerst an die Öffentlichkeit brachte? Sicher möchte man drinsitzen und auf die Anzeigen schauen, aber wenn das Gefährt statt bewundernder Blicke nur mitleidiges Lächeln erzeugt, passt offenbar an anderen Schnittstellen etwas nicht.
Der hämische Vergleich mit Jaguar muss hier allerdings zurückgewiesen werden. Dort hatte man die Ära der Verbrenner lautstark beendet, den Kunden die Tür vor der Nase zugeschlagen und ihnen gesagt, sie sollen in einem Jahr wiederkommen. So dumm ist man bei Ferrari nicht, die E-Mobilität soll dort künftig für nicht mehr als 20 Prozent der Umsätze sorgen. Dass man aber offensichtlich auf dem Holzweg ist, kann man daran erkennen, dass die Produktvorstellung so zuverlässig wie vorhersagbar zu Kursstürzen an der Börse führte wie die Veröffentlichung eines neuen Star Wars-Films bei Disney. Die Kurzfassung im Meme-Zeitalter lautet: Go woke, go broke. So weit ist es für Ferrari zum Glück noch nicht, doch der Gigant wackelt. Dass die Edelschmiede aus Modena heute überhaupt ein Gigant ist – also der Autobauer mit der größten Marktkapitalisierung in Europa – verdanken die Italiener ausgerechnet strauchelnden deutschen Branchenriesen wie VW und Daimler-Benz, die für ihre elektrischen Experimente von den Kunden abgestraft wurden.
Ein Verwalter von Knappheiten
Ferrari ist – früher aufgrund zeitaufwändiger Produktion, heute vor allem aus Prinzip – ein Verwalter von Knappheiten. Niemand gibt schließlich Unsummen für ein Produkt aus, das massenhaft zu haben ist. Die Autos mit dem „Cavallo Rampante“ im Logo werden nicht wirklich verkauft, sondern eher verteilt, was man nicht nur am Preis, sondern am Werterhalt erkennen kann. Ein gut erhaltenes Modell wie aus der TV-Serie Magnum kostet heute – kaufkraftbereinigt – noch genauso viel wie 1980. H-Kennzeichen dran, volltanken, losfahren. Jedoch einen „Luce“ 46 Jahre in die Zukunft zu schieben, ist ausgeschlossen. Keine heute verfügbare Batteriechemie hat solche Haltbarkeiten. Egal ob und wie sie benutzt wird. Sollten die stolzen Erben eines E-Ferrari mit Apple-DNA im Jahr 2072 das teure Schmuckstück aus der Konserve holen, taugte es nicht mehr für die Straße, sondern allenfalls als Ausstellungsstück in einem Museum für defekte Glühbirnen. Chemie verhandelt ebenso wenig wie die Physik.
Zehn Jahre, vielleicht fünfzehn. Ein iPhone-Leben, ein VW-Golf-Leben, ein Moden unterworfener, austauschbarer Gebrauchsgegenstand – das sind die heutigen E-Autos. An einen Ferrari stellt die Zeit andere Anforderungen. An der Schnittstelle „Zeit“ hat Ive noch nie gearbeitet und Ferrari sich auf den Schlangenölverkäufer Zeitgeist eingelassen, der das „EV“ zur Ablösung des Verbrennungsmotors erklärt hat. So ein Electric Vehicle ist aber etwas ganz anderes. Nicht besser, nicht schlechter – einfach anders. Doch weil das Zusammenrühren von Methylcellulose, Hefeextrakt und Erbsenprotein im Kopf eines Gourmets kein Schnitzel entstehen lässt, muss man es „Veganes Schnitzel“ nennen. Ein EV „schmeckt“ aber eben nur nach Auto und ahmt einige seiner Eigenschaften nach, während Eigenschaften wie Wertbeständigkeit sich nicht imitieren lassen werden. Im Luxus-Segment ein unverzeihlicher Fehler. Ein Schnitzel wird man bei Ferrari mit dem „Luce“ jedenfalls nicht vom Teller ziehen.

Das Lutschbonbon mit Habsburger Unterlippe ist ja auch für den chinesischen Markt gedacht.
Hässlich
Hot! Hot! Hot! – Luce nicht mit Batteriebrand verwechseln!
Es wollen sich halt alle Hersteller eine blutige Nase holen. Es genügend einfach nicht bei anderen Herstellern zu sehen , dass E-Gurken Müll sind und sich auf einem freien Markt nicht verkaufen lassen, man muss es am eigenen Leib erfahren. Das ist bei Kindern genauso. Und da wir in einem infantilen Zeitalter leben passt das ja.
Ich dachte zuerst, die Kids in der Entwicklung heutzutage können halt nix. Da es sich aber um einen namhaften Designer handelt, ist meine Erklärung, dass es im freudlosen Sozialismus (und der herrscht in Europa fast überall) keine Kreativität und Schönheit mehr gibt. Wurde aberzogen. Es dürfte aber genug Reiche geben, die Sozialismus geil finden (weil sie nichts mit ihm zu tun haben), und mal schnell eine halbe Million für luxuriösen Klimaschutz hinblättern.
Habt Mitleid mit den Entscheidern. Es gibt Vorgaben, an die sie gebunden sind. Was sollen sie denn machen? Ferrari ist eine AG, die nicht einfach erklären kann, nach 2035 die Pforten zu schließen. So präsentiert man eben das, was nur als Abschreckung verstanden werden kann. So sehr Designer sich auch bemühen mögen, das Objekt muß zur Aussage passen. Auto, das ist mehr als lediglich Fortbewegungsvehikel, Die Emotionalität des Menschen gehört, wie dieser insgesamt, inzwischen der Politik. So schaut dann eben ein Ferrari aus, und so wird er in die Geschichte eingehen: als Ikone eines langweiligen Todes.
Ferrari heißt der immer noch, doch er verkörpert den Sound des Schweigens. Wenn ich lautlos elektrisch vorwärts kommen will, nehme ich doch lieber die Straßenbahn, die hat wenigstens Charakter.