Rainer Bonhorst / 15.02.2019 / 12:00 / Foto: Pixabay / 12 / Seite ausdrucken

Die Feinstaub-Unterwerfung

Was haben Feinstaub und Stickstoffdioxid mit dem Islam zu tun? Ganz einfach: Bei beiden geht es um Unterwerfung. 

Wer sich als Ungläubiger den Regeln des herrschenden Islam unterwarf, konnte gegen ein kleines Bußgeld, eine Art Ablass, die Toleranz der Gläubigen genießen und ein vergleichsweise ungetrübtes Leben führen. So war das damals im maurischen Spanien, und im Prinzip gilt diese Haltung, fürchte ich, bei den strenggläubigen Anhängern Mohammeds auch heute noch.

So weit, so mittelprächtig. Und die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Religion? Auch ihre Anhänger zeigen sich von ihrer toleranten Seite, wenn man sich ihrem Glauben unterwirft. Als Beispiel soll hier die Stadt Wiesbaden gelten. Sie hat sich den Religionshütern der Deutschen „Umwelthilfe“ ausreichend unterworfen, so dass diese nochmal Gnade walten lassen. Die „Umwelthilfe“ (ein wunderbarer Name, fast so schlau wie „Rettet die Bienen“) hat halb Deutschland mit einem Klagen-Teppich überzogen. In Wiesbaden aber hat sie erstmals ihre Klage zurückgezogen, weil die Wiesbadener Führung alles tut, um ihre Bürger umwelthilfegerecht in den Bus und die Bahn zu locken oder widrigenfalls aufs Fahrrad zu zwingen. 

Eine halbe Stunde im Regen

Ich fahre gerne mit dem Bus. Noch lieber täte ich es, wenn ich nicht eine halbe Stunde im Regen stehen müsste und wenn ich eine Schlepphilfe für meinen Einkauf bekäme. Und bin ich wirklich der einzige, dem vom Fahrradfahren der Hintern weh tut und der einen bequemen, möglichst beheizten Autositz angenehmer findet? 

Von den wohl begründeten Zweifeln an den ex cathedra verkündeten Grenzwerten, deren Unwissenschaftlichkeit auf der „Achse“ mehrfach bestens beschrieben wurde, will ich hier gar nicht reden. Aber die Unterwerfung bringt's, unabhängig davon, wie sinnvoll sie ist. Darum wird es in Deutschland noch viele Wiesbaden geben, die sich den (zehn?) Geboten der „Umwelthilfe“ und ihren Brüsseler Arbeitsbeschaffern, die sich die Grenzwerte ausgedacht haben, fromm unterwerfen. Nur so können sie die Schande vermeiden, von den (jüngsten?) Gerichten zu Fahrverboten verdonnert zu werden.

Michel Houellebecq hat in seinem Roman die allmähliche Unterwerfung unter die Gebote des Islam wunderbar beschrieben. Die Unterwerfung unter die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Religion und die darin eingeschlossene, gehorsame Verteufelung des Autos sind noch nicht romanwürdig. Aber darauf muss man ja nicht warten. 

Ich werde versuchen, auf mein E-Bike einen Autositz zu montieren und auf diese Weise meine Unterwerfung möglichst bequem zu gestalten. Gegen den Regen hilft vielleicht ein großer Golfschirm. Oder ich schaffe mir, weil's nicht so kompliziert ist, doch lieber ein Pferd an. Ein einziges PS – das müsste die „Umwelthilfe“ verkraften können. Allerdings müsste ich aufpassen, dass der Gaul seinen Darm nicht gerade an einer Mess-Stelle entleert. Meinem Hund habe ich das schon abgewöhnt. An die Messgeräte pinkelt er nur noch. Ob ihm dafür ewige Verdammnis droht? 

Foto: Pixabay

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Jürgen Behm / 15.02.2019

So wie Hamburg als Fahrradstadt, jedenfalls wenn es nach den Grünen geht. Wenn es als Ablass hilft gegenüber der DUH, warum nicht. Über zwei Jahrzehnte bin ich aus sportlichen Gründen 15 km in HH mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Für mich als Priviligierter mit Waschbecken in eigener großen Arbeitszimmer kein Problem, denn die Morgenwäsche fand deshalb im Büro und nicht zu Haus statt. Und im Winter habe ich selbstredend davon abgesehen und bin mit U-Bahn und Bus zur Arbeit gefahren, war also ein absoluter Exzot in der Millionenstadt. Aber die soll gemäß der Grünen Fahrradstadt werden. Die neue Philosophie der Fahrradstreifen auf der Fahrbahn und die Lösungen, die sich der Senat dazu einfallen lässt, finden dagegen meine volle Zustimmung

Marc Blenk / 15.02.2019

Lieber Herr Bonhorst,  ich plädiere ja schon lange zur Rückkehr zum Pferd in deutschen Innenstädten. Die städtischen Reiniger können sich um die Äpfel kümmern, die danach in Energie umgewandelt werden und natürlich das Heu in die Stadt bringen. Vor den Saloons bindet man den Gaul an, deren Besitz mit den Jahren immer mehr zum Statussymbol würde. Entschleunigung! Droschken gebe es dann auch wieder (LWS). Auf die Fahrradfahrer guckte man herab. Auf einem Pferd sitzt man höher als in einem SUV.

Helge-Rainer Decke / 15.02.2019

Da bin Ich bei Ihnen, Herr Bonhorst. Wenn also die hundert „bedeutendsten Lungenärzte des 21sten Jahrhunderts“ festgestellt haben, Feinstaub schont die Lunge, da kommt es doch nicht darauf an, dass der bedeutendste unter den hundert bedeutendsten Lungenärzten, Dr. Köhler, Defizite im Kopfrechnen offenbart.

Luca Strauss / 15.02.2019

@Ludeloff Klaus da haben Sie natürlich Recht. Dann haben wir ja nochmal Glück gehabt, dass sich jemand die Mühe gemacht hat und nachgerechnet hat was da verzapft wurde. Das nächste Mal sollten wir, bevor eine solche Hysterie ausbricht, auf die bewährten Methoden des Peer-Review von Spezialisten vertrauen. Und nicht wild (siehe Andreas Scheuer) und irre (siehe Achse/Welt) auf den Wissenschaftlern und den gesetzen Grenzwerten eindreschen (Das gleiche gilt übrigens auch für die Gegenseite mit den unwissenschaftlichen Methoden der Grünen zu Glyphosat).

Eckhard Fischer / 15.02.2019

Geschätzter Herr Bonhorst, allein die Formulierung des Begriffs “Feinstaub” verursacht bei mir Reizhusten. In Kombination mit Ennohzwei kulminiert das Ganze zu Keuchhusten. Beste Grüße E. Fischer

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