Wohnt dem Liberalismus in Deutschland traditionell eine Affinität zu autoritären Systemen inne? Dies wird immer wieder behauptet, es wird durch ständige Wiederholung aber nicht richtiger.
Der Philosoph Daniel Pascal Zorn – bekannt u.a. für sein 2017 erschienenes, vergriffenes und bisher nicht neu aufgelegtes Buch „Mit Rechten reden“ – liefert im Online-Magazin „Politik & Ökonomie“ eine Analyse der Rolle des Liberalismus seit seiner Entstehung und wirft ihm – insbesondere in Deutschland – eine Janusköpfigkeit mit traditioneller Affinität zu autoritären Systemen vor:
„Als 1919, mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg, die Sozialdemokraten die politische Oberhand gewannen und die Weimarer Republik ausriefen, war der deutsche Nationalliberalismus bereit, sich mit reaktionären Kräften ebenso zu verbünden wie mit völkischen Extremisten. Gemeinsam beseitigte man die Sozialdemokraten, indem man die gemeinsame Regierungsarbeit sabotierte – und wurde dann von den völkischen Extremisten überholt, die eigene Ideen für Deutschland hatten. Erst 1949 setzte sich in Deutschland ein politischer Liberalismus durch, der nicht mehr mit der autoritären Macht liebäugelte – auch wenn Nationalismus und Nationalsozialismus nicht nur in der CDU, sondern auch in der FDP fruchtbaren Boden fanden.“
Gegen Liberale verdrehte Tatsachen
Ein schönes Beispiel, wie man in nur zwei Satzperioden gegen die Quellenlage – also offensichtlich mit Absicht – die Geschichte verfälschen kann. Ein kurzer Blick auf die Kabinette Weimars zeigt, dass liberale Parteien (DDP und DVP) zwischen 1919 und 1920, dann wieder 1921 bis 1922, kurz erneut 1923 und 1928 bis 1930 mit Sozialdemokraten gemeinsam regierten, also nie länger als zwei Jahre am Stück. Die typische Koalition von 1920 bis 1932 war vielmehr eine Minderheitsregierung von Zentrum, DDP und DVP unter parlamentarischer Unterstützung der SPD.
Und da sollen es die Liberalen gewesen sein, die die sozialliberale Regierungsarbeit „sabotierten“? Eine „Beseitigung der Sozialdemokratie“ kann man allenfalls in den liberalen Stimmen für das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten sehen, während die SPD im Sommer 1933 verboten wurde, zu einem Zeitpunkt, als der Liberalismus sich bereits als gescheitert und jedenfalls ohne jeglichen Einfluss auf das SPD-Verbot betrachten musste.
Das Ammenmärchen der Linken und Grünen
Nationalismus und Nationalsozialismus fielen nur in der CDU und der FDP auf fruchtbaren Boden? Interessant ist immerhin der Naumann-Kreis in der FDP, in dem frühere Nationalsozialisten, wohl unter Protektion von Ernst Achenbach versuchten, die NRW-FDP in eine Art Nachfolgeorganisation der NSDAP zu verwandeln.
Inwiefern der Nationalsozialismus auch in der CDU auf fruchtbaren Boden gefallen sein sollte, könnte man zwar an einer ganzen Anzahl von CDU-Prominenten mit NS-Vorbelastung festmachen. Diese Form der Vorbelastung fällt allerdings für SPD und Grüne nicht wesentlich anders aus. Es ist nichts als das Ammenmärchen der Linken und Grünen, nationalsozialistische Vorbelastungen hätten sich auf konservative und liberale Parteien der Bundesrepublik beschränkt.
Ist denn alles Regieren autoritär?
Dass jede Partei, im Zweifel auch eine liberale, immerhin irgendwie regieren muss und daher einen Staat betreiben helfen, anstatt ihn im Sinne der Liberalisierung zurückzudrängen, diese Tatsache erkennt der Autor durchaus an; nur scheint er sie – in der weniger interessanten folgenden Passage des Artikels – ausgerechnet mittels seiner eigenen historiographischen Fehlleistung den Liberalen als autoritäres Gebaren in die Schuhe schieben zu wollen, und er schlussfolgert:
„Die Heldenreise des politischen Liberalismus, in der er sich als mächtige historische Strömung vorstellt, wäre nichts weiter als ein kurzer Traum des älteren Liberalismus. Wie der Gesellschaftsvertrag, der angesichts des Naturzustands, an dem er zu messen ist, überflüssig wird.“
Alles klar, der Gesellschaftsvertrag wird also durch den Naturzustand überflüssig. Hobbes wird überflüssig durch Rousseau. Und so folgt die Quintessenz:
„Der Liberalismus hat eine autoritäre Seite. Eine wahrhaft freiheitliche Politik setzt voraus, sich mit ihr auseinandersetzen. Der Liberalismus der Gegenwart vermeidet jedoch diese Arbeit. Er erzählt stattdessen die eigene Geschichte als Heldenreise der Freiheit. Dieses mächtige Narrativ ist nur die halbe Wahrheit: Die reale historische Voraussetzung für den demokratischen Liberalismus mit seinem Freiheitsversprechen für alle war eine wirtschaftsliberale Regierungstechnik, durchgesetzt von autoritären Regierungen. Dieser Wirtschaftsliberalismus und der demokratische Liberalismus haben in den letzten zwei Jahrhunderten nebeneinander bestanden. Oft war der demokratische Liberalismus nur ein schönes Feigenblatt für ihren großen wirtschaftsliberalen Bruder. Die gegenwärtige Krise des Liberalismus ist als Auseinandersetzung dieser ungleichen liberalen Geschwister zu verstehen. Die autoritäre Wende in den USA und in Europa markiert die Wiederkehr eines älteren, autoritären Liberalismus, der rückgängig zu machen scheint, was er selbst ermöglicht hat, weil der politische, demokratische Liberalismus seine Zwecke nicht mehr erfüllt.“
Wo stehen die Autoritären heute?
Nein. Die autoritäre Versuchung zumindest des deutschen Liberalismus war zuletzt eine völlig andere. Das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag hat mit ihrem fruchtlosen Werkeln in der Ampel-Koalition zu tun, mit ihrer in die Tat – falls man das so nennen kann – umgesetzten Illusion, als Teil ein links-grünen Illusionstheaters und als liberale Partei etwas bewirken zu können, auch mit autoritären Mitteln, die vor staatsfinanzierter NGO-Propaganda und Meinungsdruck nebst Meinungskontrolle nicht zurückschrecken.
Wenn es also überhaupt eine politische Botschaft für jenen deutschen Liberalismus gibt, den ich als politische Kraft im Parlament vermisse: Es sollte ein echter Liberalismus sein, kein autoritärer, den die FDP vertritt, will sie wieder erfolgreich sein. Ein autoritärer Liberalismus ist ein Oxymoron; und nur da gebe ich Daniel Pascal Zorn recht. Auf Leute, die implizit oder explizit damit liebäugeln, zurück zum „Naturzustand“ zu wollen, sollte die FDP allerdings nicht hören. Das ist eine linksautoritäre Illusion. Was vorläufig bei ihr herausgekommen ist, genau das badet die FDP derzeit aus. Aber nicht, weil sie die FDP ist, sondern weil sie dabei mitgemacht hat.
Dr. med. Jesko Matthes, Alumnus der Studienstiftung des Deutschen Volkes, immunologische Promotion über Tumornekrosefaktor- und Lymphotoxin-Messung, auch in virustransfizierten Zelllinien maligner Lymphome. Notarzt mit LNA-Qualifikation. Er ist Arzt und lebt in Deutsch-Evern.

@W.Smith : Korrekt. Dieses verdächtige (Nach) rufen Bezügen auf die Illusion des Liberalismus duerfte der Diskrepanz zwischen Realitaet und Sehnsucht und der Verzweiflung ueber das nicht zufaellige permanente Scheitern geschuldet sein. Man kann im finsteren Tann pfeifen, so laut es geht, es nuetzt nichts. Auch wenn es immer wieder betont wird, meistens auf eine Zeit vor ueber 150 Jahren rekurrierend, der Liberalismus ist kein Meister aus Sch’land. Da gibt es einige ismen der Anfälligkeit, der L. gehoert naturgemaess nicht dazu. Er „ passt“ nicht zu den klassischen Eigenschaften des Michels oder Biedermanns. Der schafft es nicht einmal, „ sein“ Regime grundsaetzlich mit dem allergrößten Misstrauen zu beobachten, Verantwortung schaetzt er nicht sonderlich und Freiheit verbindet er, mitunter „ stickum“ oder „ haeling“ mit den kleinen Luestchen am Morgen oder Abend. Alles weitere, insbesondere die ihm sehr wichtige Versorgung, eigentlich haben wir 90 % Beamte, ueberlaesst er gerne seiner Fuehrung. Er ist und bleibt der historische Gegenentwurf zum „Ami“, egal wie man es findet. Das Kollektiv und die gleichfoermige Masse sind ihm sehr wichtig. Eigenständige, kritische Geister sind ihm grundsaetzlich verdächtig. Ein kollektiver Weg in den Untergang ist ihm angenehmer als ein individueller Sonderweg zum Erfolg. Der ist anruechig. Sein „( Pseudo) Individualismus“ ist nur aufgesetzt und haelt nicht allzuviel aus. Der ‚Trost „fuer die FDP ist, daß es sich nicht nur bei ihr um eine leere Huelle handelt. Fuer die CDU und SPD gilt das Naemliche. Wobei die CDU nie konservativ war. Sie hat es vorgetäuscht, bis sie, entweder von den“ Befreiern „oder von links eingenordet wurde. Es sieht so aus, dass die Altparteien, die Gruenen sind keine (politische) Partei, ihr “Programm„ ist nicht politisch, von einer Erzählung und Zuschreibungen leben. Neben dem dysfunktionalen System, das dazu beitrug, ein Grund mehr zum reset und Neuanfang. Utopisch, denn es fehlt am homo politicus.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß man von zweierlei Liberalismus sprechen kann. Persönliche Freiheit, wirtschaftliche Freiheit und ein schlanker Staat können nur gemeinsam existieren.
Deutschland war noch nie ein liberaler, aufgeklärter Rechtsstaat. Deutschland war schon immer ein absolutistischer Beamtenstaat. Von 1871 bis 1918 als eine halbparlamentarische Monarchie mit starker, konservativer preußischer Vorherrschaft ausgelegt, [Wikipedia: Bismarcksche Reichsverfassung]. Extrem starke Stellung des Kaisers, der u.a. den Reichskanzler einsetzt. ++ Nach der 1-ten Katastrophe hat sich auch in der Weimarer Republik am Beamtenstaat nichts geändert. Die Weimarer Verfassung blieb bis 1945 in Kraft, modifiziert durch das Ermächtigungsgesetz. Während der Nazi-Herrschaft wurde die Anzahl der Beamten verdoppelt. Das Beamtentum war eine ganz wichtige Stütze Hitlers und seiner Clique. ++ Nach der 2-ten Katastrophe wurde im Westen 1949 die Weimarer Verfassung in wesentlichen Punkten wieder restauriert: Faktisches Verhältniswahlrecht, staatsrechtlich institutionalisiertes Beamtentum, schwache Gewaltenteilung (eine Folge des Beamtenstaates), alle wichtigen staatlichen Funktionen in der Hand der Beamtenkaste (z.B. die Justiz). ++ Aktuell ist Deutschland zu einem parasitären, unfähigen Beamtenfeudalismus erstarrt – absolut reformunfähig. Wobei die faktisch verbeamteten Politiker Teil der Beamtenkaste sind. ++ In Deutschland hat es noch nie einen Liberalismus gegeben, der diesen Namen verdient hätte. Der aktuelle deutsche Liberalismus ist ein feiger und serviler Etatismus. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern. Nur eine Minderheit der erwerbsfähigen Bevölkerung ist noch produktiv tätig, meistens im Privatsektor. Die Mehrheit sitzt im aufgeblähten Staatsapparat oder im genauso aufgeblähten Asozialsektor. Die Mehrheit wird also durch den „Staat“ korrumpiert, auf Kosten der produktiven Minderheit. Deutschland ist daher bis in die Knochen sozialistisch, der deutsche Staat ist ein „totaler Staat“. Folgerichtig entwickelt sich Deutschland zur DDR-2. Die weitere Folge ist der Ruin des Landes. Danach wird der Islam irgenwie die Macht übernehmen.
Die Bundes-FDP hat sich nach der Bundestagswahl am 21. September 2021 mit den unsäglichen GRÜNEN ins Bett gelegt. DAS war der größte Fehler, den die FDP hätte machen können. Sagte nicht Christian Lindner einmal „Lieber gar nicht regieren als schlecht zu regieren“? Dadurch ist noch größeres Übel als unter Merkel über das Land gekommen. Es ist nur folgerichtig, dass die FDP am 23. Februar 2025 nicht mehr in den Dt. Bundestag gewählt wurde. Man legt sich nicht mit den Hauptgegnern, den Hauptfeinden des Liberalismus und letztlich der Demokratie selbst ins Bett …
Was bitteschön hat die heutige FDP mit dem Liberalismus zu tun?
Freiheit bedeute:
– Denkfreiheit, Meinungsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit (tatsächliche)
– Bewegungsfreiheit
– Freie Marktwirtschaft = Keine Subventionen für „Erneuerbare“, „E-Autos“, „NGOs“…..
– Freie Wahl der Technik = Kein Verbot von Verbrenner PKW, Gasheizung, KKW Strom, Plastikstrohhalmen….
– Freie Wahl der Informationsquellen = Keine Zwangsabgaben für Staatsfunk!
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Freiheit bedeutet NICHT, sich so zu nennen reicht!
Die FDP (die so genannten „Scheißliberalen“) war immer das Feindbild von Linken und GRÜNEN – je linker und je grüner, um so größer der Hass. Das hat ja auch das Ampelbündnis so widernatürlich gemacht: Feuer und Wasser, Hund und Katze, These und Gegenthese gehören halt nicht zusammen in eine Regierung.
Echten Nazis waren/sind die Liberalen zu lasch, zu intellektuell, viel zu wirtschaftsfreundlich, zu globalistisch und zu systemnah. Die Ur-AfD war eigentlich eine zweite FDP und zwei Drittel der jetzigen Oberfunktionäre würde ich als Wirtschaftsliberale bezeichnen. Da ist wenig bis nichts faschistisch.
Die Liberalen sind ( endlich ) weg. Und jetzt gehen Wir den anderem „ Mittätern “ an die Wäsche …..