Die falsche Entscheidung von Uvalde

Je unbe­greif­li­cher ein Ver­bre­chen, des­to wahr­schein­li­cher wird es poli­tisch instru­men­ta­li­siert. Die Reak­tio­nen auf den Mord an Kin­dern in einer Grund­schu­le in Uval­de (Texas) weicht aber in vie­len Details vom einge­üb­ten Schuld­zu­wei­sungs­-Bin­go ab.

Anders als noch kurz zuvor bei einem ver­gleich­ba­ren Fall in Buf­fa­lo, wo als Motiv sehr schnell der offen­sicht­li­che Rassis­mus des Täters als ursäch­lich bezeich­net wur­de, waren Medi­en und Poli­tik anscheinend rat­los, was die Moti­va­ti­on des aktu­el­len Schüt­zen angeht. Schließ­lich pass­te der Täter nicht in die übli­chen Scha­blo­nen des Ras­sis­mus. Sei­ne Opfer waren zwar Lati­nos, er selbst jedoch auch. Es gab auch kei­ne wir­ren Mani­fes­te, die der patho­lo­gi­schen Einordnung hel­fen könn­ten. Die Rat­lo­sig­keit in Poli­tik und Medi­en währ­te nur kurz, denn mit Wucht stürz­te man sich fast sofort auf die „Waf­fen­lob­by“, die, ein­fluss­reich und mäch­tig und natürlich von den Repu­bli­ka­nern gedeckt, die Opfer zu ver­ant­wor­ten habe.

„Wenn die USA jetzt end­lich ver­nünf­ti­ge Beschrän­kun­gen für Schuss­waf­fen ein­füh­ren, könnten wir in Deutsch­land doch end­lich ein ver­nünf­ti­ges all­ge­mei­nes Tem­po­li­mit bekommen, oder?“ spe­ku­lier­te etwa der Kli­ma­pro­fes­sor Ste­fan Rahm­s­torf. Im Unge­fäh­ren blei­bend, wie es sei­ne Art ist, blieb Rahm­s­torf auch hier die Erklä­rung schul­dig, wie eine „ver­nünf­ti­ge Beschrän­kung“ aus­se­hen mag. Ver­mut­lich hat es aber irgend etwas mit CO2 zu tun, sonst wür­de er Waf­fen­recht ja nicht mit Tem­po­li­mit zusammenrühren.

Dun­ja Haya­li zeigt gleich mit dem Fin­ger auf Greg Abbott, den Gou­ver­neur von Texas und klagt an: „Das ist der Mann, der das Recht auf Waf­fen­be­sitz mit Freiheit/Selbstbestimmung begrün­det, wäh­rend er die­se Argu­men­te Frau­en, die abtrei­ben wol­len, ver­wehrt.“ Die Gerichts­hö­fe der Moral ken­nen bekannt­lich kei­ne Geschäfts­ord­nung und neh­men es auch mit der Wahr­heit nicht so genau. Denn die Begrün­dung für das Recht auf Waf­fen­be­sitz fin­det Abbott im zwei­ten Ver­fas­sungs­zu­satz, den die Gründerväter 1791 nicht zuletzt zum Schutz der US-Bürger vor einer Diktatur wie es sie in Deutschland oder der Sowjetunion gegeben hat, beschlossen hatten – er muss ihn nicht begrün­den. Außer­dem „ver­wehrt“ Texas Abtrei­bun­gen nicht, son­dern hat eine Fris­ten­re­ge­lung ein­ge­führt, die der in Deutschland nicht unähn­lich ist.

Gute Lobby, böse Lobby

Den Vogel der Unwis­sen­heit schießt aber unse­re Fae­ser-Nan­cy ab, wenn sie behaup­tet: „Die furcht­ba­re Blut­tat an einer Grund­schu­le in #Texas erschüt­tert mich sehr. Es ist entsetzlich, dass so vie­le Kin­der und eine Leh­re­rin getö­tet wur­den. Und es ist schlimm, wie mäch­tig die Waf­fen­lob­by in den USA noch immer ist – trotz so vie­ler schreck­li­cher Verbrechen.“ Ich tei­le Fae­sers Erschüt­te­rung – wel­cher den­ken­de und füh­len­de Mensch tut das nicht? Die Mäch­tig­keit der Waf­fen­lob­by ist jedoch nur eine erahn­te, gera­de, wenn man sie mit der Reali­tät und dem Ein­fluss ande­rer Ein­fluss­grup­pen vergleicht.

Über­prü­fen wir also mal Fae­sers Unter­stel­lung und schau­en in die nack­ten Zah­len. Man findet schnell die Sta­tis­ti­ken für die Beträ­ge, wel­che Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen unter dem Label „Gun Rights“ für die poli­ti­sche Land­schafts­pfle­ge in den USA locker machen. 2021 war ein Rekord­jahr! Ins­ge­samt 15,7 Mil­lio­nen Dol­lar ver­tei­lte die Waf­fen­lob­by. Die viel geschol­te­ne NRA ist unter den Geld­ge­bern übri­gens nur auf Platz zwei. Stol­ze Sum­men, gewiss. Jedoch nicht mal unter den Top-20 der poli­ti­schen Ein­fluss­nah­men. Auf Platz 20 steht übri­gens die Film­in­dus­trie mit mehr als 58 Mil­lio­nen Dol­lar „Sup­port“ allein im Jahr 2021. Unan­ge­foch­ten und mit atem­be­rau­ben­den 356 Mil­lio­nen Dol­lar auf Platz eins steht jedoch – Trom­mel­wir­bel – die Phar­ma­in­dus­trie. Und wer hät­te je gehört, dass die ihren Ein­fluss für irgend­was Schlimmes miss­braucht! Die­se Infor­ma­ti­on wird ihnen prä­sen­tiert von: Pfizer!

Ein Abwehrrecht des Bürgers gegen einen potentiell tyrannischen Staat

Es ist also nicht eine ein­fluss­rei­che Lob­by mit viel Geld, die den Waf­fen­be­sitz ver­tei­digt, sondern in ers­ter Linie die Ver­fas­sung selbst, auch wenn das eini­gen Poli­ti­kern ein Dorn im Auge ist. Und der zwei­te Ver­fas­sungs­zu­satz defi­niert nun mal die Abwehr­rech­te des Bür­gers gegen den Staat und nicht, was der Staat dem Bür­ger gestattet.

Ich kann die Ohn­macht und die Wut ver­ste­hen, die sich ange­sichts schreck­li­cher Taten wie der in Uval­de ein Ven­til sucht. Spä­tes­tens nach eini­gen Tagen muss sich aber wie­der Rationa­li­tät ein­stel­len, um die Vor­gän­ge so sach­lich zu unter­su­chen, dass man sinn­vol­le Schluss­fol­ge­run­gen für die Zukunft zie­hen kann. Deut­sches Poli­ti­ker­ge­heul dringt glücklicher­wei­se nicht bis nach Texas und wäh­rend Fae­ser und Rahm­s­torf längst weitergezo­gen sind mit ihrem Auf­merk­sam­keits­zir­kus, viel­leicht zu Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne oder CO2-neu­tra­ler Kriegs­füh­rung, däm­mert den Ame­ri­ka­nern gera­de, dass der erste Reflex, alle Schuld der „Waf­fen­lob­by“ zuzu­schie­ben, ver­früht war.

Der gehänselte Außenseiter entgeht dem FBI

Der Täter erfüll­te alle psy­cho­lo­gi­schen Merk­ma­le eines amok­lau­fen­den Außen­sei­ters. Eltern getrennt, Mut­ter mit Dro­gen­pro­ble­men, er selbst leb­te bei der Groß­mutter. In der Klas­se wegen eines Sprach­feh­lers und der Armut der Fami­lie gehän­selt, ohne Freun­de und letzt­lich auch ohne Schul­ab­schluss arbei­te­te er bei einer Bur­ger-Ket­te. Die Waf­fen hat­te er völ­lig legal gekauft und für 2.000 Dol­lar gleich gera­de­zu ein Luxus­mo­dell eines halb­au­to­ma­ti­schen Kara­bi­ners erwor­ben. Als „emo“ bezeich­ne­ten ihn sei­ne Mit­schü­ler, also emo­tio­nal gestört, was viel­leicht in einer Grup­pe schwarz geklei­de­ter Jugend­li­cher mit Kajal um die Augen iden­ti­täts­stif­tend sein mag, ihn aber ver­ein­zel­te und dem Spott aus­setz­te. Genüg­te das, um im Back­ground­check des FBI, der jedem Waf­fen­kauf in den USA vor­aus­geht, irgend­wie aufzu­fal­len? Offen­bar nicht.

Allen For­de­run­gen nach Ver­schär­fung des Waf­fen­rechts liegt folg­lich ent­we­der die Unwissen­heit zugrun­de, wie scharf das Gesetz in die­ser Hin­sicht bereits ist – oder aber dem Fehl­schluss, je schär­fer das Gesetz sei, des­to siche­rer sei man vor sol­chen Schulmassakern. Eine seit 1950 geführ­te Sta­tis­tik zeigt jedoch auf, dass 94 Prozent aller die­ser Vor­fäl­le in soge­nann­ten Gun-Free-Zones statt­fin­den, und schaut man in die von Staat zu Staat unter­schied­lich aus­ge­stal­te­ten loka­len Regeln zum Waf­fen­be­sitz, müss­ten Kalifornien, Illi­nois, New Jer­sey und New York dank schärfs­ter Geset­ze auch die sichers­ten Gegen­den sein. Offen­sicht­lich ist das Gegen­teil der Fall.

Was macht eigentlich die Polizei?

Womit wir bei der Rol­le derer sind, deren Beruf es ist, Waf­fen zu tra­gen: der Poli­zei. Der Täter von Uval­de konn­te die Schu­le betre­ten, weil ein Leh­rer die Tür nicht geschlos­sen hatte. Nur zwei Minu­ten nach dem Schüt­zen war auch die Poli­zei vor Ort und bin­nen weniger Minu­ten wuchs die Stär­ke der Poli­zei in der Schu­le an. Um 12:03 Uhr waren 19 bewaff­ne­te Poli­zis­ten im Gebäu­de und war­te­ten. Und war­te­ten. Und war­te­ten noch bis 12:50 Uhr, bis sie end­lich die Tür auf­bra­chen und den Schüt­zen töte­ten. In der Zwi­schen­zeit gingen bei der Poli­zei min­des­tens fünf Anru­fe aus dem Klas­sen­raum ein. 12:16 Uhr sag­te der Anru­fer, es leb­ten wohl noch acht oder neun Schü­ler. Das Minu­ten­pro­to­koll ist schockierend. 47 Minu­ten ver­stri­chen unge­nutzt. Sie­ben­und­vier­zig Minu­ten, in denen der Täter etwa 100 Schuss abfeu­er­te. Die Poli­zei konn­te leicht mit­zäh­len, denn sie stand ja vor der Tür. Man stel­le die­se Zahl und die ver­stri­che­ne Zeit in Rela­ti­on zu Bidens Aktio­nis­mus, etwa „High Capa­ci­ty Maga­zi­nes“ (was auch immer er dar­un­ter ver­steht) zu ver­bie­ten, wenn der Wech­sel eines Maga­zins kaum eine Sekun­de dau­ert. In 47 Minu­ten kann man eine Menge Maga­zi­ne wechseln!

Die Ver­ant­wort­li­chen räu­men ein, die Poli­zei habe „die fal­schen Ent­schei­dun­gen getrof­fen“. Wel­cher Lob­by könn­te man das wohl in die Schu­he schie­ben? Oder sind nach zwei Jah­ren „defund the poli­ce“ viel­leicht nicht mehr die bes­ten Cops übrig? Ver­san­den drin­gen­de Polizei­re­for­men viel­leicht in poli­ti­schen Spie­gel­fech­te­rei­en? Wir kön­nen nur Mut­ma­ßun­gen anstel­len. Gewis­sen poli­ti­schen Krei­sen ist es jeden­falls ein Ärger­nis, dass die Bevöl­ke­rung mitt­ler­wei­le bis an die Zäh­ne bewaff­net ist. Die Sor­ge ist nicht unbe­grün­det, fußt aber auf einem Kate­go­ri­en­feh­ler. Die Men­schen bewaff­nen sich nicht aus nie­de­ren Beweg­grün­den, son­dern weil sie ihren Regie­run­gen und mitt­ler­wei­le auch der Poli­zei nicht mehr über den Weg trau­en. Nach dem Mas­sa­ker von Uval­de sicher noch weniger.

Und wäh­rend die Poli­tik – zumin­dest unter­halb der Prä­si­dial­ebe­ne ­– im Jahr 2020 die gewalt­sa­men Aus­schrei­tun­gen von Black Lives Mat­ter fei­er­te, bewaff­ne­ten sich in bis­her unge­kann­tem Maße selbst Bür­ger in vor­geb­lich fort­schritt­lich-demo­kra­tisch tra­dier­ten Gegen­den wie New Jer­sey und New York. Man stimmt gewis­ser­ma­ßen mit den Kre­dit­kar­ten ab. Auch die Bun­des­staa­ten schaf­fen in unge­kann­ter Geschwin­dig­keit Fak­ten und vereinfachen ihr Waf­fen­recht auf „con­sti­tu­tio­nal car­ry“, also das unbe­schränk­te Recht, Waffen auch bei sich zu füh­ren, 31 Staa­ten sind es bis­her, das ist die Majorität.

Den Rest der gera­de wie­der auf­ko­chen­den Dis­kus­si­on hat längst der 3D-Druck abge­räumt. Und wenn es auch kei­ne lega­len Waf­fen sind, die sich per Dru­cker her­stel­len las­sen, so herrscht doch nie ein Man­gel an kri­mi­nel­ler Ener­gie und fak­ti­scher Gele­gen­heit, ille­gal in den Besitz einer Waf­fe zu kom­men. Dar­an wer­den auch schreck­li­che Ver­bre­chen wie das in Texas nichts ändern kön­nen. Der Unbe­waff­ne­te ist immer der Dum­me, egal ob gegen­über dem Ver­bre­chen oder einem Staat, der sei­ne Auf­ga­ben ent­we­der schlecht erfüllt oder sei­ne Kom­pe­ten­zen überschreitet.

Epilog

In der Nähe einer Schul-Abschluss­fei­er mit 30–40 Teil­neh­mern in West Vir­gi­nia geriet vor weni­gen Tagen (ich glau­be, es war der 26. Mai 2022) ein Mann in eine Ver­kehrs­kon­trol­le. Er war zu schnell gefah­ren und hat­te offen­sicht­lich auch sonst ein lan­ges Straf­re­gis­ter. Eine hal­be Stun­de spä­ter park­te er sein Auto in der Nähe der Schü­ler­par­ty, hol­te ein Gewehr von der Rück­bank und begann, in die Men­schen­men­ge zu schie­ßen. Eine Frau, die zufäl­lig in der Nähe stand, bemerk­te das Tun des Schüt­zen, zog ihre Pis­to­le und ging auf die Gefahr zu, statt davonzuren­nen. Sie gab meh­re­re Schüs­se auf den Atten­tä­ter ab und stopp­te ihn so. Sie hat­te ihre Waf­fe übri­gens genau­so legal erwor­ben wie der Täter in Uvalde.

Stellt sich also die Fra­ge, wie oft in den USA Waf­fen in Ver­tei­di­gungs­si­tua­tio­nen ein­ge­setzt wur­den und Leben ret­ten hal­fen. Es sind laut Sta­tis­tik allein für 2021 etwa 1,67 Mil­lio­nen Fälle. Sicher­lich ist nicht jeder Ein­satz so spek­ta­ku­lär wie der in West Vir­gi­nia, aber die Zahl der posi­ti­ven Epi­so­den, die es in lan­des­wei­te Nach­rich­ten oder gar in die Twit­ter­pro­fi­le deutscher Poli­ti­ker und Medi­en­ver­tre­ter schaf­fen, liegt bei ziem­lich genau Null. War­um? Wenn Bür­ger ihre Sicher­heit in die eige­nen Hän­de neh­men, brau­chen sie doch die Poli­ti­ker nicht mehr, die ihnen Sicher­heit ver­spre­chen. Oder die Medi­en­ver­tre­ter, die ihnen versichern, wie gut ihre Sicher­heit bei der Poli­tik auf­ge­ho­ben ist. Und das kann ja nun niemand wol­len in Deutsch­land, dem Land der Mes­ser­ste­che­rei­en. Frei­heit oder Sicher­heit, so lau­tet der Deal, den die Poli­tik anbie­tet. Die Ame­ri­ka­ner wol­len bei­des und bewaff­nen sich. Ich kann es ihnen nicht verübeln.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unbesorgt.de.

Foto: John Trumbull - US Capitol CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Albert Schultheis / 31.05.2022

Ich kann es ihnen auch nicht verübeln, dass sie sich bewaffnen. Ein guter Freund der mit seiner Frau im Wald in Maine wohnt, war sein Leben lang ein beliebter Pfarrer. Als ich seinen schweren Colt neben seinem Bett liegen sah, fragte ich ihn, ob er den wegen der Schwarzbären hätte, die regelmäßig seine Veranda besuchen. Nein, sagte er, den hätte er sich zugelegt, weil er und seine Frau auf keinen Fall Opfer einer dieser jugendlichen Kiffergängs werden wollten, die immer wieder einsame Häuser heimsuchen, die Bewohner zu Tode quälen und anschließend ihre vandalistischen Kiff-Parties feiern. “Der Unbe­waff­ne­te ist immer der Dum­me, egal ob gegen­über dem Ver­bre­chen oder einem Staat, der sei­ne Auf­ga­ben ent­we­der schlecht erfüllt oder sei­ne Kom­pe­ten­zen überschreitet.” Dass westliche, ehemals demokratische Rechtsstaaten mittlerweile ihre Aufgaben, besonders den Schutz der Bürger vor Gewaltverbrechen, äußerst nachlässig erfüllen und gleichzeitig gegenüber kritischen Bürgern übergriffig werden und mit staatlicher Willkür agieren, dürfte sich bereits herumgesprochen haben. Daher kann ich die Bürger der USA nur beneiden ob ihrer Waffengesetze. In Deutschland erlauben sich Politiker alles, weil sie es können und den Bürger nicht fürchten müssen.

Wolfgang Richter / 30.05.2022

Vielleicht sollten sich Frau Faeser und andere mal Gedanken um den Inhalt der Köpfe machen, die dem Finger am Abzug befehlen. Solange legaler Waffenbesitz kontrollierbar ist, soll es so sein, wobei ich mich schon frage, warum Sturmgewehre in Privathand kommen sollen, ggf. auch noch mit der Möglichkeit des Dauerfeuers. Meine Erfahrung ist, daß legale Waffenbesitzer idR sich ihrer Verantwortung bewußt sind. Aber Illegale abseits jeglicher Kontrollen fast immer Möglichkeiten finden, sich zu armieren. Schon vergessen - der 16jährige Syrer, der vor ein paar Tagen bei einer Kirmes in NRW a) um sich schoß, b) einen der Besucher dabei erschoß? Und wer tatsächlich nicht an ein Schießgerät gelangt, der messert halt. Und trifft hier auf eine Gesellschaft, die ihm wehrlos ausgeliefert ist. Statt mit der üblichen Empörungsrhetorik zu lamentieren, erwarte ich eine Beurteilung der Gründe, die hinter solchen Taten und Tätern stehen. Das könnte tiefgreigende Defizite im politisch organisierten Bildungssystem und den der Auflösung preis begebenen Familien offenbaren.Und das nicht nur zu den USA, zu denen entsprechende Taten immer gerne medial aufgenommen werden, sondern z.B. auch zu China, wo immer mal wieder ein “Durchgeknallter” in Schulen oder Kindergärten gemessert hat.

Franz Michael / 30.05.2022

Was gänzlich übersehen wird, ist die Tatsache das “Sicherheitsdienste” seit weit über 10 Jahren ihr Wegwerfpersonal, also so etwas wie Zeit-/Wanderarbeiter in Europa bewaffnen will. Ein scharfer Blick auf z.B. Securitas, Schweiz, klerikaler Gangsterbetrieb wegen Spionage “Spion Tom, Nestlegate”, ist notwendig. Und die SPD ist schon so nahe…. Wallraff hat schon vor Jahrzehnten einen Undercoverartikel darüber geschrieben. Werkspersonal mit einer MG bewaffnen! Und nun mal nach Polen, Ukraine schauen…. Was ich da gehört habe..gruselig.

Hans-Peter Dollhopf / 30.05.2022

Wolfgang Nirada, der Botschafter Russlands bei der UNO ist vor wenigen Tagen gerade zurückgetreten, weil er die eigene russische Propaganda, wie Sie sie hier auch verbreiten helfen, nicht mehr ertragen konnte! Wenn ich Ihre Beiträge zur allgemeinen Erbauung hier lese ... soviel kann ich gar nicht ...

Dr Stefan Lehnhoff / 30.05.2022

Lieber Herr Frehling, Man kann mir ja vieles vorwerfen, aber Populismus?!? Und Einordnung? Hier gibt es ein Wörter-Limit, Sie Schlauberger. Aber nehmen Sie die ruhig selbst vor. Ich möchte grundsätzlich zum Selbstdenkem anregen.

Chris Kuhn / 30.05.2022

Bei den Waffentoten muß differenziert werden, ob von legalen oder iIlegalen Waffen. Bei den Vorfällen selber ist wichtig, ob es sich um Tötung Unbewaffneter handelte (und ob es sich bei denen um Fremde, Bekannte, Nachbarn oder Angehörige handelte) oder ob es Schießereien zwischen Bewaffneten, Unfälle oder Suizide waren. Hinzu kommen das generelle Armuts- und Kriminalitätsrisiko. Erst dann machen Ländervergleiche Sinn. Zwischen der BRD und der Schweiz etwa klaffen die Waffentotenzahlen pro 1 Mio. Einwohner trotz des verbreiteteren Waffenbesitzes bei den Eidgenossen gar nicht so weit auseinander. Bei Suiziden wiederum verhalten sich die Zahlen für die USA (gut 40 Tsd. im Jahr) und BRD (knapp 10 Tsd.) in etwa wie die Bevölkerungszahlen. In der BRD gibt es darunter aber weit über 1000 Schienenselbstmorde, etwas was in den USA mangels Zügen banalerweise nicht so häufig auftreten kann, während es sich bei Waffensuiziden sicher umgekehrt verhält. So tragisch und plakativ die tödlichen Amokläufe sind, so selten sind sie vergleichsweise dennoch. Hier spricht in der Tat viel für eine Bewaffnung von Lehrern oder Sicherheitsleuten. In Ländern wie Mexiko sind viele Schulen und Universitäten deshalb mit hohen Zäunen und Sicherheitskontrollen abgeschottet.

Burkahrt Berthold / 30.05.2022

Danke für den sachlichen Artikel! Natürlich wäre der Idealzustand ein Land, in dem die Sicherheit durch einen Bobby gewährleistet wird, der einen merkwürigen Hut trägt und mit einer Trillerpfeife bewaffnet ist. Ältere Semester kennen ihn noch aus ihrem Englisch-Schulbuch. Ob er außerhalb des Englisch-Buchs und jenseits der 50er Jahre noch wirklich Realität war, wer weiß. Inzwischen sind diese Zeiten aber vorbei. Wenn es etwas heftiger wird, kommt die Polizei in einem Aufzug daher wie eine Kompanie Fallschirmjäger - und offenbar macht sie das nicht zum Spaß. Trotz dieses Aufzuges und trotz der Anstrengungen gut bezahlter Statistiker, die uns versichern, es wäre noch nie so sicher wie heute gewesen, bleibt ein gewisses Unbehagen, wenn man abends allein in der Stadt unterwegs ist. Bleibt also die Frage: Wer schützt mich? Wenn die Polizei es nicht macht und ich selbst es nicht darf - was dann?

W. Renner / 30.05.2022

Wie war das nochmal in Oslo und Utoya? Waren sicher die „laxen Waffengesetze“ der schiesswütigen Norweger schuld? Gab ja auch nur 77 Tote dort, die meisten davon Kinder. Strikte Waffengesetzte schützen ja so ungemein. Naja, zumindest die Täter, die bekommen die schliesslich auch illegal, wenn der böse Wille vorhanden ist. Nur derjenige, der sich im Zweifelsfall schützen muss, bekommt keine.

Hans L. Jacoby / 30.05.2022

Ich sehe diesen Amoklauf völlig anders, und zwar als ein Fall von sogenanntem “erweiternden Selbstmord”, auch wenn der Schütze eine schusssichere Weste trug, d.h. dieser Mensch wollte sich eigentlich selbst umbringen und dabei noch möglichst viele andere mitnehmen, hatte aber nicht den Mut, sich selbst zu töten, sondern erzeugte eine Situation, aus der er eigentlich nicht mehr entkommen konnte. Überleben und danach verurteilt werden oder zu entkommen war nie eine Option für den Täter. Daß dabei 7-10-jährige die Opfer sein mussten, ist dabei ein trauriger Nebeneffekt. Eine solche Motivation wird sich durch kein Waffengesetz in der Welt verhindern lassen. Es ist ein soziologisch/pschologisches Problem, an das sich eigentlich niemand so richtig rantraut, da es so schwierig zu erkennen und zu vermitteln ist.

Thorsten Gutmann / 30.05.2022

Was ich vergaß, lieber Herr Letsch, war, Ihnen für Ihren erhellenden Artikel danke zu sagen.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com