In einem Interview von 1973 formulierte die jüdische Extremismusforscherin Hannah Arendt (1906–1975) eine bemerkenswerte Erkenntnis: Sie führte aus, was geschehe, wenn eine Regierung ihre Bürger unentwegt mit variablen, sich mitunter widersprechenden „Wahrheiten“ konfrontiere. Diese Lügen würden interessanterweise gerade nicht mehrheitlich geglaubt, sondern es werde irgendwann „nichts“ mehr geglaubt. Das Ergebnis sei erstaunlicherweise nicht Aufruhr, sondern – modern gesprochen – die vollständige „Erschöpfung“ (der Begriff fehlt bei Arendt). Ein derartig erschöpftes Volk verliere nach und nach seine Urteilsfähigkeit und sei damit unfähig, selbstständig zu denken und zu handeln.
Falls Sie diesen Text selbst in einem Zustand eigener Erschöpfung lesen, wird diese These Sie vermutlich nicht besonders überraschen.
Doch wie genau kann eine Gesellschaft überhaupt einer kollektiven Erschöpfung anheimfallen, ohne dass sich die vielgerühmte „Zivilgesellschaft“ dieser erwehren könnte? Sind wir als der „freie Westen“ nicht gegen jede Form der politischen „Zersetzung“ immunisiert und durch die „Vierte Gewalt“ eines investigativen Journalismus geradezu maximal vor propagandistischen Lügen geschützt? Würden nicht die willigen Heere von öffentlich-rechtlichen „Faktencheckern“ die Flut an „alternativen Wahrheiten“ zuverlässig eindämmen?
Doch was, wenn diese – vermutlich wohlmeinenden – Agenten der Informationsbranche selbst dazu beitragen, uns zu erschöpfen? Morgens Drohnenangriff, mittags Rechtsextremismus, abends wahlweise Trump oder Putin, die stets – freilich immer auf noch ungeklärte Weise – hinter diesen finsteren Machenschaften stecken. Dazwischen Artensterben, Bildungskrise, Rentenlücke und Gasmangellage. Und über allem schwebt die ungewisse Frage, ob der Planet bald so unerträglich heiß und trocken werden könnte, dass das Death Valley in den USA im Vergleich wie eine bunte Blumenwiese wirken würde. Der moderne Mensch in den westlichen Gesellschaften darf, nein: „muss“ sich rund um die Uhr Sorgen machen.
„Und doch esse und trinke ich“
Noch nie in der menschlichen Geschichte dürfte es ein größeres Sortiment professionell kuratierter Beunruhigungsangebote gegeben haben. Haben Sie die letzte Eilmeldung etwa nicht gehört? Was dort geschehen ist, ist im Grunde egal. Entscheidend ist, dass es eilt.
Mit tief besorgtem Gesicht verkündet alsbald ein Bote öffentlich-rechtlicher Wahrheiten am Mikrofon, dass es fünf vor, besser noch: „fünf nach Zwölf“ sei. Wer anschließend seinen gesunden Appetit noch immer nicht verloren hat, wird per Push-Benachrichtigung in Kenntnis gesetzt, dass Unbekümmertheit jetzt das „völlig falsche Zeichen“ wäre. Oder wie es Bert Brecht in seinem Gedicht „An die Nachgeborenen“ einst ironisch verdichtete:
„Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.“
Brecht schrieb diese zunächst durchaus ernst gemeinten Zeilen im Exil der 1930er Jahre, als Deutschland tatsächlich im Chaos versank und durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu einer der grausamsten Diktaturen der Geschichte wurde. In einer solchen Krise wird selbst das Lachen verdächtig, weil es mangelndes Problembewusstsein vermuten lässt. Zugleich ist Brecht bewusst, dass er sein eigenes individuelles Leben und Wohlbefinden nicht permanent dem Weltenwohl unterordnen und in moralischer Empörung verharren kann, wenn er anschließend ausführt: „Und doch esse und trinke ich.“ Es folgt eine Aufzählung dessen, was „den alten Büchern“ als weise galt: ohne Furcht leben, Gewalt vermeiden, Böses mit Gutem vergelten.
„Höllentor“ zu einem „Mauseloch“ geschrumpft
Demgegenüber scheint „Unruhe“ die „vornehmste Bürgerpflicht“ der modernen Mediengesellschaft geworden zu sein. Spötter haben hierfür den Begriff des „Empörialismus“ (Michael Schmidt-Salomon) erfunden. Erinnern Sie sich noch an die apokalyptischen Reiter „Waldsterben“ und „Ozonloch“, die uns in den 1980er und 90er Jahren um den Schlaf brachten – oder gar bringen sollten? Oder den guten alten „Umweltschutz“, den man jetzt rückstandslos durch einen imaginären, im Grunde politisch uneinlösbaren „Kilmaschutz“ ersetzt hat, selbst wenn dieser der Umwelt gar nicht immer gut tut?
Vor noch nicht allzu langer Zeit gruselten wir uns auch noch vor einem bedrohlichen, alles vernichtenden atomaren Wettrüsten, das allergrößte Eile gebot, falls man „Europa noch in heilem Zustand bereisen wolle“. Inzwischen scheint dieses frühere „Höllentor“ zu einem „Mauseloch“ geschrumpft zu sein. Stattdessen müssten wir nun endlich wieder „kriegstüchtig“ werden, um nicht dem unstillbaren Machthunger Putins zum Fraß zu fallen.
„Experten warnen!“ Mehr braucht es nicht: Sonne oder Starkregen, Hitze oder Kälte, Fleisch, Zucker oder Alkohol, grassierende Arbeitslosigkeit oder grassierender Fachkräftemangel, unzureichende oder alles gefährdende Digitalisierung: Ohne eine handfeste Warnung kommt keine Sondersendung des Abendfernsehens mehr aus.
Blanke Orientierungslosigkeit als Regierungsprogramm
Hannah Arendt beschrieb, dass diese Hypertrophie beunruhigender, sich überdies oft auch noch gegenseitig ausschließender Informationsangebote besonders gehorsame Bürger erzeuge: nicht durch Überzeugung, sondern weil sie zu müde sind, um Informationen zu überprüfen. Ohne eine gesicherte Nachrichtenbasis fährt jede Gesellschaft „auf Sicht“, wie es einst eine ostdeutsche Bundeskanzlerin formulierte und damit erstmals in der deutschen Geschichte die blanke Orientierungslosigkeit zum Regierungsprogramm erhob.
Im dichten Nebel der ideologischen Verwirrung gediehen inzwischen allerlei teils halbgare, teils hanebüchene Ideologeme, die von „Gendersprache“ bis „Antifaschismus“ reichen und eines gemeinsam haben: Es handelt sich eigentlich fast nie um die existenziellen Sorgen einer Mehrheitsgesellschaft.
Nachdem selbst dem jahrzehntealten, einstigen Boom-Thema „Klima“ inzwischen die Luft auszugehen scheint, bleibt den permanent Atemlosen in Politik und Gesellschaft nur noch ein allerletztes gemeinsames „Projekt“: der „Kampf gegen Rechts“, der vor allem ein Kampf gegen jede Abkehr vom „Weiter so“ geworden ist. Eine konstruktive inhaltliche Auseinandersetzung mit den Anliegen der politischen Rechten und ihrer vielen Millionen Wähler, wie inzwischen immer häufiger gefordert, hat es nie gegeben. Wo sie vereinzelt doch stattfindet, wird schnell deutlich, dass man im Grunde gar nicht genau weiß, wofür die AfD eigentlich steht oder warum sie so erfolgreich ist.
Merz’ Augen inzwischen so traurig und leer
Auch der Kampf gegen die AfD endet unter unseren Augen im politischen Burnout: Für diesen trostlosen Befund steht wie kein anderer ein wie über Nacht ergrauter, müder CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze, der noch wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen Anhalt dynamisch und entschlossen zum Endkampf gegen die „Faschisten“ aufrief und sich auch nicht scheute, mit bekennenden, gewaltaffinen Linksextremisten ein „Fest der Demokratie“ zu feiern. (Und ich hatte immer gedacht, eine freie, ungehinderte politische Wahl sei eben dieses Fest der Demokratie, wie es uns der Wahlforscher Hermann Binkert von INSA am Wahlabend gegenüber Apollo News in Erinnerung rief.)
Doch das ganze Ausmaß der Erschöpfung wird endgültig deutlich, wenn wir uns den (noch?) amtierenden Bundeskanzler anschauen, dessen Augen inzwischen so traurig und leer sind und dem nur noch 17 Prozent der Bevölkerung in Umfragen ihr Vertrauen aussprechen. Diese etwa 17 Prozent waren es interessanterweise auch, die es sich in Sachsen-Anhalt vorstellen konnten, weitere vier Jahre mit dieser ermüdeten Union auszuharren. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, welch ein Hoffnungsträger jener Friedrich Merz als einstiger und zuweilen einziger innerparteilicher Gegenspieler der Zerstörungspolitik Angela Merkels noch vor wenigen Jahren war. Sein kämpferisch-entschlossener Bundestagswahlkampf von 2025 unter der Überschrift „Links ist vorbei“ wirkt dagegen heute schon wie eine flüchtige Erinnerung aus früheren Jahrzehnten.
Merz traute sich am Wahlabend nicht einmal mehr selbst vor die Kameras und ließ stattdessen eine bis dahin nahezu unbekannte, ebenfalls hochgradig erschöpfte, geradezu resignativ wirkende CDU-Generalsekretärin die Situation „einordnen“. Ihr Auftritt war so blass, dass ich darauf verzichte, für diesen Text ihren Namen zu recherchieren.
Es ist kaum möglich, die vielfältigen Ursachen dieser Erschöpfung seriös und umfassend zu ermitteln. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz sah jüngst die Auswirkungen von „Long-Tagesschau“, also des einseitigen Konsums des allzu regierungsnahen öffentlich-rechtlichen Fernsehens als immerhin mitverantwortlich für die gesellschaftliche Krise an. Historiker werden einst darüber zu befinden haben, ob dieser „Niedergang“ nur „verwaltet“ (Jens Spahn), oder zum Zwecke der bösartigen Machtsicherung tatsächlich absichtsvoll „herbeigeführt“ wurde. Ich neige mit dem Journalisten und Publizisten Michael Klonovsky eher dazu, keine Verschwörungstheorien anzunehmen, wenn Inkompetenz und Borniertheit als Erklärung für ein Desaster ausreichen.
In der moralischen Hypertrophie gefangen
Der Philosoph Sir Karl Popper erkannte einst anhand seiner umfangreichen Naturstudien, dass alles Leben Problemlösen sei. Vom kleinsten Einzeller bis hin zur komplexen menschlichen Massengesellschaft gehe es grundsätzlich im Kern immer um die Beseitigung von Missständen, kurz: von Problemen. Umgekehrt führten Popper zufolge ungelöste, unlösbare Probleme zum Tod des jeweiligen Organismus. Können demnach auch menschliche Gesellschaften „sterben“?
Ohne biologische Phänomene ungefiltert zur Analogie menschlicher Verhaltensweisen machen zu wollen, drängt sich mir eine Vermutung auf: Die westlichen Gesellschaften, und dabei ganz besonders Deutschland, sind in einer moralischen Hypertrophie gefangen, die die Probleme ihrer Zeit unlösbar werden lässt. Ein Land, das aufgrund seiner geringen Größe überhaupt nur zu zwei Prozent an einem – möglicherweise menschlich bedingten – Klimawandel beteiligt ist, geriert sich als „ökologische Supermacht“, die lieber ihrer Bevölkerung den wirtschaftlichen Tod beschert, als Ökonomie und Ökologie wieder in ein realistisches Gleichgewicht zu bringen.
Und aus Scham über das Versagen ihrer Großeltern und Urgroßeltern vor rund einhundert Jahren glaubt man im Lager der „Brandmaurer“ offenbar wirklich, heute den vermeintlich erfolglosen Kampf Sophie Scholls und Dietrich Bonhoeffers zu Ende führen zu müssen – und zu können! Dabei war dieser Kampf gar nicht so erfolglos: Sophie Scholl und Dietrich Bonhoeffer gehören heute zu den unangefochtenen Vorbildern des Landes. „Echte“ Nazis, wo sie überhaupt noch kandidieren, bringen es heute nicht einmal mehr auf 0,1 Prozent der Wahlbeteiligung, wenn wir etwa die NPD-Nachfolgepartei „Die Heimat“ betrachten. Aber das sei hier nur am Rande bemerkt.
„Nüchternheit“ bei gleichzeitiger „Wachsamkeit“
Anstatt die tatsächlichen Probleme des Landes – Energieverteuerung, Innere Sicherheit, Arbeitslosigkeit, Rentensicherheit, Strukturprobleme von Schulen, Krankenhäusern, Straßen, Schienen, Brücken und Informationstechnologien – anzupacken, verliert man sich in unlösbaren, selbstzerstörerischen Moraldebatten. Henryk M. Broder nannte dies schon vor Jahren sorgenvoll die „Wiedergutwerdung Deutschlands“.
Erschöpfte Gesellschaften scheinen wirklich „sterben“ zu können, wenn auch oft sehr langsam. Anstatt jetzt aber die nächste „Wendenwende“ auszurufen, braucht Deutschland eigentlich etwas ganz anderes: die Bibel nennt es „Nüchternheit“ bei gleichzeitiger „Wachsamkeit“ (1. Petr 5,8). Der erschöpfte Bürger kann wieder Kraft zum eigenen Denken nachtanken, wenn er sich nicht mehr auf Kommando „fürchten muss“ und stattdessen seine Gedanken frei äußern, diskutieren und ihre Umsetzung in den politischen Parteien anstreben darf. Warum macht das immer noch so vielen Menschen bloß solche Angst?
Der Autor ist Lehrer an einem niedersächsischen Gymnasium und schreibt hier unter einem Pseudonym.
JA !!
Wer ein „erschöpftes Land“ benötigt, wird zur Zeit in der Ukraine am ehesten fündig. Sie hat sich unter Selenskij darauf eingelassen, statt einem Verständigungsfrieden auf Grundlage der Minsker Abkommen oder später im Krieg des Istanbul-Protokolls (Föderalisierung des Donbaß, Verzicht auf NATO-Beitritt) für die Interessen der USA zu verbluten.
Im täglich massiv beschossenen Kiew tritt inzwischen eine Agonie ein, der sich den Zuständen im Reich nach Weihnachten 1944 annähert: „Freut Euch am Krieg, der Frieden wird fürchterlich.“ Gerade lieferten sich Angehörige des militärischen und zivilen Geheimdienstes aus banalem Anlaß eine Schießerei mit Toten und Verletzten. Ein Polizei-SUV überfuhr ungeniert und absichtlich einen Bürger, der sich aus einer protestierenden Menge hinter dem Fahrzeug niedergelassen hatte. Eine Gruppe ukrainischer Soldaten, die von ihren Kameraden in einem verminten Unterstand ein Jahr lang sich selber überlassen blieb und sich dann einer Gruppe russischer Mot-Schützen ergeben wollte, wurde mit ukr. Kampfdrohnen fast vollständig liquidiert; nur einer, total abgemagert, konnte von den Russen gerettet werden. Usw. usf.
Sprach übrigens gerade mit einem Asow-Frontsoldaten, der mir sagte, daß man in seiner Einheit (in welcher übrigens Swastiken hoch im Kurs stehen) Herrn Selenskij von Kriegsbeginn an für ein A…….h hielt.
Gerade wird die aktuelle Panik der immer dümmer seienden Schulkinder durch den ÖRR gepeitscht. Zum Beweis, daß sich die Lehrer gegen diese Tatsache stemmen, zeigte der SWR heute eine Realschule Plus im hintersten Gaberschlaberheim in Rheinland Pfalz. Da saßen ausnahmslos hellhäutige, blonde brave Kinderlein in einem blitzsauberen Klassenraum. Dazu der passende joviale Schulleiter, der jedoch seltsamer Weise keine echte Lösung der Misere vorweisen konnte. War aber egal, der SWR hakte auch nicht nach. Die hübschen Bilder genügten. Vielleicht hätten sie mal die Realschule Plus mitten in der Mainzer Innenstadt filmen sollen um zu erfahren, was einer der Hauptgründe für die Verblödung „deutscher“ Schulkinder ist. Die Zustände dort erinnern eher an ein Großgehege verhaltensgestörter, hochaggressiver Affenbanden als einer Anstalt, die Wissen vermitteln soll. Liegt am hohen Anteil einer bestimmten fremden Kultur.
Wenn ich da hin und wieder vorbei komme und dazu das Stadtbild sehe, bin ich auch schlagartig erschöpft und müde. Und zwar über jene, welche diese Zustände über Jahre herbei gewählt haben und noch immer wählen.
@Theodor Breit – Dieser Krieg hat nur mittelbar mit Putin und der Ukraine zu tun. Er soll nicht enden, solange die Rüstungsindustrie und Black Rock verdienen.
Das ist gar kein Kampf gegen Rechts, das war schon immer ein Kampf für den Machterhalt mit den Methoden der Guerilla-Kriegsführung und psychologischen Gehirnwäsche-Operationen über Plakatwände, Beflaggung und Hassreden. Die Atmosphäre ist geschwängert von sozialdemokratischen Hetzreden, um die Restdeutschen mit Angst unter Kontrolle zu halten.
Das Soziopathenkartell zieht seine gesamte Daseinsberechtigung aus der Verächtlichmachung der Konkurrenz. Hätte es ein mitreissendes Programm, wären die Milliarden für Plakatwände, NGOs, Guerillas und Gehirnwäsche-Operationen – unnötig? ! Wir sind am Ziel der sozialdemokratischen Träume angekommen, und das ist eine Bruchlandschaft, das ist die Krux!
Was ist denn das für eine Demokratie, wo der Zwerg Wutz aus der Splitterpartei CDU das Verbot des Wahlsiegers in Betracht ziehen kann?
Was ist denn das für ein kriechendes Gewürm, das sich für solchen juristischen Schabernack hergibt?
Fragt einer der Jubeljournalisten „Warum“? Die treiben im flachen Brackwasser wie toter Fisch, es geht nur ums „Wie?“. Sonst steht der Stuhl vor der Tür. Wie verhindern wir das Aufwachen? Das ist das Programm!
Im übrigen fehlt wie bei jeder Reueübung über den Holocaust die unbequeme Frage nach dem Einfluß der I.G. Farben und im besonderen der Industriellen hier wie transatlantisch. Das heißt man hält auch hier die Tore verschlossen, weil dahinter die Angst lauert, man kommt an der falschen Seite raus. Gerade das führt zur Erschöpfung.
Claudia hat sich die Haare gewaschen und gefönt, die Shorts angezogen….. Sie ist jetzt drüben auf dem Sofa. Ich fühle mich überhaupt nicht erschöpft. Könnte ich mir auch gar nicht leisten, denn das würde mir nicht gut bekommen. Es stimmt schon: alte Scheunen brennen am besten, sie ist 53.
„Der erschöpfte Bürger kann wieder Kraft zum eigenen Denken nachtanken, wenn er sich nicht mehr auf Kommando ‚fürchten muss‘ und stattdessen seine Gedanken frei äußern, diskutieren und ihre Umsetzung in den politischen Parteien anstreben darf. Warum macht das immer noch so vielen Menschen bloß solche Angst?“ – ich denke an dieser Stelle nicht an die von Ihnen zitierte Bibelstelle, sondern an Immanuel Kant und seinen Aufsatz über die Aufklärung. „Auf-klärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Kants Ausführungen münden in der Aufforderung: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ich denke, wir haben uns wieder vor das Zeitalter der Aufklärung katapultiert und lassen uns von den Medien und NGOs mit der „richtigen Haltung“ übertölpeln. Sei es Wokness, Klima, Kampf gegen Rechts – selber Denken fällt uns einfach wieder schwer. Was, wenn Kant sich irrte, und es doch am Mangel des eigenen Verstandes liegt?