Am 1. Januar 2021 trat die innerafrikanische Freihandelszone (African Continental Free Trade Area/AfCFTA) in Kraft. (Vgl. Achgut „Freihandelszone – eine neue Chance für Afrika“ vom 05.01.2021) Gemessen an der Zahl der Länder ist – theoretisch – mit der AfCFTA die größte Freihandelszone der Welt entstanden.
Bis 2063 sollen bis zu 90 Prozent der Zölle entfallen. Der wirtschaftliche Austausch soll Arbeitsplätze schaffen, die Armut bekämpfen und die finanzielle Abhängigkeit von externen Gebern beenden. Es soll damit stärkere Eigenverantwortung demonstriert werden. Afrika ist reich an Bodenschätzen, reich an fruchtbaren Böden und reich an Talenten seiner Bewohner. Trotzdem kommt dieser Kontinent, vor allem wegen der rasanten Bevölkerungszunahme, nicht auf die Beine. Stabilität wird es in Afrika nicht geben, solange das Bevölkerungswachstum jede Entwicklung verhindert und die Jugendlichen keine Arbeit finden. Es geht vor allem um die eigene Verantwortung der Staaten selbst. Der Anstoß für wirkliche Reformen muss aus dem Inneren des Kontinents kommen.
Seither sind fünf Jahre vergangen. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was haben die afrikanischen Staaten aus dieser neuen Chance gemacht?
Der unkomplizierte Austausch von Gütern und Dienstleistungen bleibt in Afrika weiterhin weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Auch 2026 gilt: In keiner anderen Weltregion wird so wenig untereinander gehandelt wie in Afrika. Der innerafrikanische Handel macht weiterhin lediglich 15 Prozent des gesamten afrikanischen Handels aus (wirtschaftlich stärkere Staaten handeln vor allem mit Europa und Asien), verglichen mit ca. 72 Prozent in der Europäischen Union.
Größte Hindernisse bleiben politische Interessen in den einzelnen Staaten, die nichttarifäre Handelshemmnisse begünstigen, und die unzureichende Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Bis heute erfüllen nur die Hälfte der 54 Mitgliedstaaten (Eritrea nimmt nicht teil) die Voraussetzungen für den Handel im Rahmen des Abkommens. Es sind nicht die Zölle, sondern nicht koordinierte bürokratische Verfahren, hinderliche Ausfuhrbestimmungen, hohe Transportkosten, zeitraubende Grenzabfertigungen und informelle Praktiken, die die Handelskosten in die Höhe treiben.
Chancen für den deutschen Mittelstand?
Deutsche Politiker werden dennoch nicht müde, immer wieder über den „Chancen-Kontinent Afrika“ und über die vielen Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft auf einem wirtschaftlich prosperierenden Kontinent zu sprechen (zuletzt Außenminister Wadephul im Januar 2026 in Kenia). Derzeit beträgt der Anteil afrikanischer Staaten am Welthandel 2,3 Prozent, obwohl auf dem Kontinent 17 Prozent der Weltbevölkerung leben. Davon konzentriert sich der Großteil des Exports auf Rohstoffe.
Viele afrikanische Ökonomien bleiben einerseits auf den Export von Rohstoffen fokussiert und andererseits auf die wenig produktive Landwirtschaft und informelle Dienstleistungen. Die Hoffnung, dass Handelsliberalisierung zu Industrialisierung und dem Aufbau von Wertschöpfungsketten auf dem Kontinent führt, scheint von Wunschdenken geprägt. Auch wird immer noch der Verkauf von illegal geförderten Rohstoffen, die durch Kinderarbeit abgebaut werden, nicht erschwert.
Die Scheu, sich der Wahrheit zu stellen, ist unter den Verantwortlichen noch immer groß. Konkret sind das: politische Instabilität, zu hohe verwaltungstechnische Hürden, Kriminalität, Korruption, fehlende Fachkräfte, schlecht gepflegte Straßennetze, unzuverlässige Stromversorgung und die Verlässlichkeit lokaler Partner.
Schlechte Regierungsführung ist noch immer weit verbreitet, Institutionen leiden unter Korruption; ethnische Spaltungen und Missmanagement tun ein Übriges. Ohne unabhängige Risikoanalysen sind Investitionen durch den deutschen Mittelstand wenig realistisch. Man kann in Afrika ziemlich viel falsch machen. Ich hatte oft mit Geschäftsleuten zu tun, die es versäumt hatten, sich rechtzeitig über Geschäftspartner und vertragliche Grundlagen kundig zu machen, was schwerwiegende Konsequenzen hatte.
Risikoreiche Abstimmungen
Hinzu kommt, dass große Infrastrukturprojekte mit konkurrenzlosen Preisen und viel rascher von China oder der Türkei umgesetzt werden können. (China fragt: Welche Straße soll von wo nach wo gebaut werden? Aber die Europäer prüfen erst, wie viele Insekten darüber laufen", spottet der Kenianer James Shikwati).
Noch immer lässt die Industrialisierung auf sich warten, vor allem werden Rohstoffe exportiert. Investitionsgüter und Lebensmittel werden überwiegend von außerhalb des Kontinents importiert. Nach wie vor dominieren in vielen afrikanischen Staaten Staatsunternehmen, die ernsthafte Konkurrenz durch private Unternehmer verhindern.
Die Verbesserung der Infrastruktur, die Beseitigung bürokratischer Hürden an den Grenzen und die Harmonisierung der Handelsbestimmungen sind bislang kaum gelungen. Auch die zahlreichen Staatsstreiche blockieren den Aufbau einer afrikanischen Freihandelszone.
Gute Intentionen reichen nicht: Vorteile durch das AfCFTA-Abkommen kommen nur zum Tragen, wenn zollfremde Kosten reduziert und Handelserleichterungen umgesetzt werden. Deshalb wurde von jedem Land ein Zeitplan auch für den Abbau dieser Handelshemmnisse verlangt, aber es geht damit nur langsam voran. Zollfremde Handelskosten – wie bereits gesagt – behindern den afrikanischen Handel mehr als Zölle. Es bedarf auch erheblicher Investitionen in die Infrastruktur, damit die Kosten für innerafrikanische Transporte sinken. Hilfe kommt von ausländischen Investoren wie aus den USA, China und der EU, allerdings vor allem für die Verkehrswege und Seehäfen für den Export aus Afrika.
Politisch verspricht das Jahr 2026 besonders unruhig zu werden. Entscheidende Präsidentschaftswahlen finden in Algerien, Benin, Dschibuti, Äthiopien, Marokko, Kongo (Brazzaville), Südsudan und Sambia statt. Es werden risikoreiche Abstimmungen in einem instabilen regionalen Kontext. Der seit Jahren zu beobachtende Rückschritt – mehrere Militärputsche in der Sahelzone, die Kontrolle bestimmter Exekutivorgane über Justiz und Wahlverfahren – lässt Proteste erwarten.
Beitragsbild: Hp.Baumeler - Own work, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Es sind unterschiedliche Mentalitäten in Asien und Afrika. Als die kolonialistische Unterdrückung endeten entwickelten sich die Asiaten zu führenden Industriestaaten, die Afrikaner haben wenig aus ihrer Selbständigkeit gemacht. Und auch die jahrzehntelange Entwicklungshilfe konnte Afrika nicht auf die Beine helfen. Dabei haben die Afrikaner beste Voraussetzungen: Bodenschätze, bestes Klima für Landwirtschaft. Aber solange die europäische Landwirtschaft mit Subventionen künstlich günstig gehalten wird haben die Afrikabauern keine Chance.
China baut seine Handelsbeziehungen mit Afrika massiv aus und führt ab dem 1. Mai 2026 eine zollfreie Behandlung für Importe aus 53 afrikanischen Partnerländern ein. Diese Initiative erweitert den Marktzugang für afrikanische Produkte und stärkt die wirtschaftliche Zusammenarbeit, ergänzt durch die „Neue Seidenstraße“ (BRI) und fokussierte Infrastrukturprojekte.
Zitat aus einem Artikel, veröffentlicht auf der Website der Friedrich Naumann Stiftung von 2023:
„So ist China führend bei der Realisierung großer Bauvorhaben. Die chinesischen Staatsunternehmen haben die Karte Afrikas neu gezeichnet – mit Schienen, Straßen, Brücken, Häfen, Staudämmen und Wolkenkratzern. Das spiegelt auch die Umfrage unter den afrikanischen Entscheidungsträgern. Die Aussage “China unterstützt die Entwicklung der Infrastruktur in Afrika„ wird von 85,5 Prozent der Teilnehmer unterstützt, für Europa sehen dies nur 64,2 Prozent so.
Die Ergebnisse der Studie lassen erwarten, dass China die bestehende Lücke schließen und in naher Zukunft die EU in den meisten Aspekten der Zusammenarbeit mit Afrika überholen wird. China hat bewiesen, das Engagement mit den 55 afrikanischen Nationalstaaten erfolgreich managen zu können. Es ist auf dem besten Weg, die traditionelle Vormachtstellung der europäischen Staaten in Afrika abzulösen.“
… was nun wohl endgültig besiegelt ist.
Lieber Herr Seitz,
vielen Dank für diese Artikel. Eine Lösung dieses Problems ist eine Mammutaufgabe, die eines starken und charismatischen Führers und Lenkers bedarf. Von den 54 Nationen in Afrika erlauben nur Rwanda, Benin, The Gambia, Seychelles und Ghana einen innerafrikanischen, visafreien Verkehr. Infrastruktur ist eine der dringendsten Herausforderungen in Afrika; hier könnte die EU punkten, wenn sie sich als leistungsfähiger Partner positionieren würde. Leider sind die großzügigen Kredite und Bauprojekte Chinas unter dem Strich Knebelverträge, die das Land in eine Abhängigkeit von China zwingen. Kein Afrikaner würde seine Heimat verlassen, wenn es genügend Arbeit sowie politische und wirtschaftliche Stabilität gäbe.
Eine Lösung des augenscheinlich gordischen Knotens ist schwierig; jedes Land hat seine eigenen politischen Interessen und Herausforderungen. Jedoch Unsummen an Entwicklungshilfe in ideologische Projekte oder marode Systeme zu pumpen, kann ebenfalls keine Lösung sein. Westliche Länder sollten klare Ziele vorgeben und die Vergabe weiterer Hilfe vom Erreichten abhängig machen.
Nur ein kleines Beispiel vom letzten Business Trip nach Tanzania: Ein Fahrer, der jederzeit zur Verfügung steht, kostet 50 Euro. Im Monat!
Jetzt kann sich jeder selbst überlegen, ob das gut ist.
Mein Kollege durfte nach Nigeria. Am Flughafen hat er zwei Security Leute zur Seite gestellt bekommen. Inklusive Kalaschnikow.
Gut?
Westliche Institutionen, wie hier die Institution der Freihandelszone, schaffen eben keinen westlichen Wohlstand, wenn die darunterliegenden kulturellen Einstellungen und Gepflogenheiten nicht dazu passen. – Ich habe keine Ahnung, was den Afrikanern gut tun würde. Aber ich weiß, dass der der bloße Export von „Westlichkeit“, egal in welcher Form, nichts nützt, vielleicht schadet. Die westliche Idee, dass „wir“ wüssten, was Afrika gut tun, stellt sich immer mehr als enorme Anmaßung heraus. Jedenfalls das könnte man aus den letzten 60 Jahren Entwicklungs-„Hilfe“ lernen. (Wenn man das überhaupt will; viele scheinen es nicht zu wollen.)
@Walter Weimar: Wenn ich jetzt hier schreibe, wie man das deutsche Bildungsniveau innerhalb einer Generation anheben könnte, dann käme am Montag morgen um 6 Uhr Besuch. Alternativ ein weiterer Strafbefehl. Habe ich keine Lust für, denn mein Bademantel ist gerade in der Wäsche.
Deutsche Politiker träumen vom (Inter-) (National-) Sozialismus. Der funktioniert nie als System, sondern immer nur bis ihm das Geld der anderen ausgeht. Das hält die Sozialisten nicht davon ab, ihren absurden Traum weiterzuträumen.