Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie fertig Recep Tayyip Erdoğan hat, dann ist es diese Nachricht von heute Nachmittag: „Mit einer Zensur kritischer Kommentare in den sozialen Medien will der türkische Präsident Erdoğan den Verfall der Lira bekämpfen“. Ende letzter Woche hatte Erdoğan noch verkündet: „Sie haben den Dollar, wir haben Allah“. Allah scheint bei einem drohenden Staatsbankrott aber nicht besonders hilfreich zu sein.
Und auch für die hohe Zustimmung der Türken in Deutschland zu seiner Politik kann sich Erdoğan nix kaufen: Statt sein Geld in Lira anzulegen, bringt jeder, der kann, sein Vermögen in Dollar, Euro oder Schweizer Franken in Sicherheit. Auf die Özil-Fraktion ist da wohl kein Verlass. Erdoğans Verbündete dürften sich mitsamt ihren Devisenkonten schneller in die Büsche schlagen, als der Sultan einmal „Verschwörung“ und „Wirtschaftskrieg“ sagen kann.
„Die Türken werden ihre Devisen ins Ausland bringen, sollte es Anzeichen für Kapitalkontrollen in der Krise geben“, erwartet etwa Charles Gave, Stratege beim unabhängigen Analysehaus GaveKal. Allein in den kommenden zwölf Monaten müsse die Türkei ausländischen Gläubigern Kredite in Höhe von rund 180 Milliarden Dollar zurückzahlen. „Es wird schwer sein, Geld für diese Tilgung aufzubringen.“ Das auf Schuldenmacherei basierte Wachstum der Erdoğan-Ära fährt vor unser aller Augen im Zeitraffer gegen die Wand – und das offenbar ohne Airbag.
Es ist wohl auch so, dass Erdoğan den Islam nicht nur als machtpolitisches Vehikel im Verhältnis zu seinen Untertanen benutzt, sondern ihm eigenes Herzblut entgegenbringt. Deshalb fließen womöglich die "wirtschaftspolitischen" Regeln des Islam in sein Denken und Handeln ein. Eigentlich müssten Erdoğan und seine Zentralbank die Zinsen erhöhen, um die Lira zu stützen. Das aber wäre ausgesprochen unislamisch, denn im Islam sind Zinsen als solche aus dem Reich des Bösen. Erdoğan hat sich zuletzt bereits als Gegner der Zinsen bezeichnet und angekündigt, eine größere Kontrolle über die eigentlich unabhängige Zentralbank auszuüben – was internationale Investoren noch skeptischer machte als sie es ohnehin schon waren.
Ein Ende des Verfalls ist nicht in Sicht
Im Islam werden Zinsen aus ökonomischer, sozialer und ethischer Sicht als schädlich für die Gesellschaft betrachtet. Zitat Qur´an 2:275: „Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. Dies wird sein, weil sie sagten, Verkaufen ist das gleiche wie Zinsnehmen. Doch hat Allah das Verkaufen erlaubt und Zinsnehmen verboten.“
So wie die Dinge laufen, muss mit einer Bruchlandung in der Wirtschaft auf Zahlungsausfälle, Konkursen türkischer Unternehmen und möglicherweise Bankzusammenbrüchen gerechnet werden. Die Lira stürzt in die Tiefe wie ein Selbstmörder von der Galata-Brücke. Die Auslandschulden der Türkei – und davon gibt es reichlich – steigen gleichzeitig in den Himmel wie eine türkische Mittelstrecken-Rakete vom Typ Gökdoğan .
Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn bis Stand heute Mittag beinahe die Hälfte Ihres Wertes eingebüßt – und ein Ende des Verfalls ist nicht in Sicht. Erdogan vermochte die Europäischen Regierungen zu erpressen und einzuschüchtern, aber vor den Gesetzmäßigkeiten der Kapitalmärkte muss er wohl kapitulieren. Zumal Donald Trump in die brennende Hütte am Freitag noch einen Brandbeschleuniger namens "Verdoppelte Zölle auf türkischen Stahl und Aluminium" warf. Die Frage, wer von den beiden den größeren roten Knopf hat, dürfte damit ebenfalls geklärt sein.
"Wir sind uns bewusst, dass das Problem nicht der Dollar, Euro, Gold.... das sind die Kugeln, Kanonenkugeln, Raketen des Krieges gegen uns", verstärkte Erdoğan seine kriegerische Rethorik, "wir haben die notwendigen Maßnahmen ergriffen und werden dies auch weiterhin tun. Aber was wichtig ist, ist, die Hände zu brechen, die diese Waffen abfeuern."
In Berlin und Brüssel erschrockenes Schweigen
Nur wird das nicht viel zur Lösung des Problems beitragen: Nach Angaben der türkischen Zentralbank übersteigen die Fremdwährungsverbindlichkeiten der türkischen Nicht-Finanzunternehmen ihre Devisenaktiva um mehr als 200 Milliarden Dollar. Allein in den nächsten 12 Monaten müssen private Nicht-Finanzinstitute über 66 Milliarden Dollar an Fremdwährungsschulden zurückzahlen oder rollen. Die Banken in der Türkei sehen sich unterdessen mit 76 Milliarden Dollar konfrontiert. Insgesamt sitzen private Unternehmen in der Türkei auf einem Schuldenberg, der etwa 40 Prozent des Innlandproduktes entspricht.
In Berlin und Brüssel herrscht derweil erschrockenes Schweigen. Man fürchtet, der Fallout der türkischen Lira-Schmelze könnte schon bald vor der eigenen Haustüre landen. Europäische Banken sind anfällig für eine sich zuspitzende Krise in der Türkei. "Wenn es zu größeren Ausfällen in der Türkei kommt, braucht es wenig Fantasie, um neue Bankenturbulenzen in Europa vorherzusagen," sagen Analysten.
Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge schauen sich die EZB-Bankenaufseher wegen der Lira-Krise bereits die Verbindungen europäischer Geldhäuser zur Türkei an. Besonders die Banken BBVA aus Spanien, die italienische Unicredit und die französische BNP Paribas stünden im Fokus. Die Möglichkeit einer neuen Eurokrise wird vorsichtshalber noch nicht einmal ausgesprochen. Am Morgen fiel der Euro zeitweise auf den tiefsten Stand seit zwölf Monaten. Ein Euro kostete kurzzeitig 1,1365 US-Dollar und damit so wenig wie zuletzt im Juli 2017. Zum Franken markierte der Euro im frühen Handel bei 1,1286 – das ist der niedrigste Stand seit August 2017.
Angeblich soll am 7. September ein Treffen Erdoğans mit Merkel auf der Agenda stehen. Nach Erdoğans Aussagen planen Deutschland, Frankreich, Russland und die Türkei zu diesem Termin einen Gipfel zur Nahostpolitik. Da lässt sich nebenbei bestimmt auch darüber reden, ob Angela Merkel einmal mehr bereit ist, dem Diktator vom Bosporus mit frisch gedruckten Euros aus der Klemme zu helfen.
Beitragsbild: Hakeliha via Wikimedia

Nachdem die Russen und Iraner Syrien unter hohen Kollateralschäden befriedet haben, gehen dem Grossmeister der Muslimbrüder langsam die Drohkulissen aus. Hunderttausende wandern zurück zum Babymörder Assat (wie unanständig, flieht gefälligst!), trotz der einfältigen Bilder der Weisshelme. Wäre es nicht schön gewesen... Ein Dinner unter den Pyramiden mit Mursi, das neue Kalifat Alemanistan befriedet im Hubschrauber bereisen und die grauen Wölfe heulen entspannt als fünfte Kolonne zum Ramadan. Nix is. Ob die Russen wirklich wussten, was sie da anrichten?
Hätte es noch eines Beweises bedurft, wie inkompatibel Gesellschaft und Wirtschaft im Islam mit der westlichen Welt sind, er gilt als erbracht.
Ganz so schlecht steht die Türkei vielleicht gar nicht da. Der Punkt ist, die Türkei kann umschulden mit Geld aus den Golfstaaten und den BR'ICS-Staaten. Vor allem letztere werden aus geopolitischen Gründen , und hier vor allem Rußland und China, Erdogan nicht im Stich lassen. Und der neo-osmanische Sultan weiß das. Außerdem nimmt der Handel mit den Schwellenländern ein viel größeres Volumen ein als der Handel mit den USA. Die Tourismusbranche boomt und bringt laufend Devisen. Und selbst der Devisen- und Goldschatz in der türkischen Zentralbank ist aus Erdogans Sicht wohl beruhigend "satt" aufgestellt. Die Türkei hat wohl durchaus große Reserven, um dieses Pockern lange durchzuhalten. Also Schadenfreude ist noch verfrüht. Der Sultan kann durchaus noch viele Probleme in den nächsten Jahren machen, bis daß sein System kollabiert. Im übrigen ist die Erpressungsmasche mit den Migranten gegenüber der EU auch nicht mehr so hoch zu hängen, weil es immer mehr Syrer in ihre von Rußland , dem Iran und der syrischen Armee stabilisierte Heimat zurückzieht. Im September 18 wird es in Berlin wohl eher um Prolongation von Krediten als um Migranten gehen.
Sultanine Angela und die EU werden sicher gerade von Banklobbyisten mit Vorschlägen versorgt, wie der deutsche Michel die Lira stabilisieren oder zumindest die Verlustgeschäfte derselben minimieren oder "sozialisieren" (wie liebe ich diesen Euphemismus) kann. Ist sicher ein echtes PR-Problem, denn diesmal bekriegen sich zwei zum Bösewicht erklärte Gestalten.
Der Kalif wird versuchen, Merkel mit der Drohung zu erpressen, bei Nicht - Zahlung eines von ihm festgelegten Milliardenbetrages die restlichen Millionen "Syrer" in Marsch zu setzen. Dummerweise liegen zwischen ihm und uns inzwischen der abgeriegelte Balkan, das rechtsnational regierte Italien und das nationalkonservativ regierte Österreich. Er kann also eigentlich nur Griechenland absaufen lassen....
es"Da lässt sich nebenbei bestimmt auch darüber reden, ob Angela Merkel einmal mehr bereit ist, dem Diktator vom Bosporus mit frisch gedruckten Euros aus der Klemme zu helfen. " Ich glaube, wenn sowas passieren würde, dann wären die Deutschen wieder mal sehr früh wach am morgen, einfach um dann mal richtig auf die -strasse zu gehen!? oder doch eher nicht? Danke Herr Maxeiner, dass Sie hier vieles beleuchten, was zu dieser Situation geführt hat und auch, dass Sie indirekt den europäischen, hoch verschuldeten Staaten indirekt den Spiegel vorhalten. Es wäre zu einfach, wieder nur auf Trump zu zeigen, weil er eben doch auf vieles hinweist, das seit langem aus dem Ruder gelaufen ist. Ob sich Deutschland, die EU und Frankreich doch noch ein paar Gedanken machen werden im Zusammenhang mit dem Iran und dessen Atom deal bezweifle ich. Es wird langsam heiss in Europa denn viele Dinge lassen sich nicht mehr einfach wegwischen. Danke für diesen Bericht. b.schaller
Lasst die Türkei doch abrauschen. Mehr als Ramschniveau hat das politische System dort nicht, und Märkte sind unerbittlich, die lassen sich nicht auf verbale Schönfärberei ein. Die ganzen Erdo-Freunde in Deutschland können nun zeigen, ob sie ihrem Führer auch mit tatkräftiger Hilfe vor Ort zur Seite stehen wollen. Oder ob sie nur wieder in den gewohnten Opfer-Jammer-Modus verfallen.