Malte Lehming
Gut möglich jedenfalls, dass in 20 Jahren niemand mehr Kanzler werden kann, ohne dass von ihm (oder ihr) kompromittierende Dokumente existieren. Ein Bill Clinton musste noch eine Ausrede erfinden, um seinen Haschischkonsum zu legitimieren („nicht inhaliert“). Ein Barack Obama kann es bereits folgenlos zugeben. Wenn mehr Privates öffentlich wird, befördert das womöglich die öffentliche Toleranz. Leider aber gibt es den Fortschritt nicht gratis: Die neue Gemeinschaft der Fehlbaren wird toleranter – und zynischer sein. Wer zu schwach zum Vergeben ist, sucht sein Heil eben oft in der Verdammung des Menschlichen. Damit zurück zu Wikileaks. http://www.tagesspiegel.de/meinung/die-entzauberung-der-macht/3585628.html