Den Umstand, dass immer mehr Ämter, die von politischen Verantwortungsträgern besetzt sein sollten, zum Siedlungsgebiet von zweifelhaften Politik-Darstellern geworden sind, konnte man hierzulande schon länger beklagen. Doch inzwischen sinkt auch die reine Darsteller-Qualität dramatisch. Wo einst wenigstens noch Realsatire herauskam, gibt’s nur noch beschämende Peinlichkeit. Darüber könnte man gnädig hinwegsehen, wenn manches Schmierentheater nicht auch bleibenden Schaden für das Ansehen eines gesamten Systems anrichten könnte.
Entschuldigen Sie bitte diesen trübsinnigen Einstieg, aber diese Gedanken setzten sich bei mir vor einigen Tagen fest, als darüber berichtetet wurde, dass die drei mitteldeutschen CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer, Schulze und Voigt kurz in die Rolle der mutigen Männer vor dem Kanzlerthron schlüpften und ich nicht mehr darüber lachen konnte, obwohl es höchst lächerlich ist.
„Ost-Ministerpräsidenten proben Aufstand gegen den Kanzler“ titelte das Handelsblatt. Offenbar haben die Kollegen dem Illusionstheater etwas abgewinnen können, denn auch der Teaser klang kämpferisch: „Die CDU-Landesväter Kretschmer, Schulze und Voigt fordern Korrekturen an den geplanten Sozialreformen. Sie drohen – vor den Landtagswahlen im Osten – mit Blockade im Bundesrat.“
Diese drei Männer ohne Mehrheit wollen einen Aufstand proben? Sachsens Minderheitsregierungsführer Michael Kretschmer hat sich in der Vergangenheit von eigenen aufmüpfigen Bemerkungen schneller distanziert, als man „Aufstand“ buchstabieren kann. Der Chef von Thüringens Zur-Mehrheit-fehlt-eine-Stimme-Regierung, Mario Voigt, lässt offenbar lieber die KI seine Texte schreiben, damit sich nicht versehentlich ein kreativer Gedanke einschleicht, und Sven Schulze in Sachsen-Anhalt hat zwar noch einen Monat lang eine Mehrheit, aber die hat er nicht selbst gewonnen, sondern vom Vorgänger geerbt. Sollte die AfD nach der Landtagswahl die absolute Mehrheit der Mandate verfehlen, wird er sich trotzdem keine Mehrheit zusammenzimmern können, ohne ein Wahlversprechen zu brechen. Denn ohne die SED-Erben oder die AfD wird es keine Mehrheit geben, wenn es nicht in den nächsten Wochen einen bislang in Deutschland noch nie da gewesenen Meinungsumschwung geben sollte, was höchst unwahrscheinlich ist.
Aber Schulze muss versuchen, die Stimmung wenigstens ein bisschen zu drehen. Es muss wenigstens dazu reichen, dass er am Abend des 6. September, also des Wahltags, die Schuld an der eigenen Niederlage dem CDU-Vorsitzenden und unbeliebtesten Bundeskanzler Friedrich Merz zuschieben kann. Insofern ist es nicht falsch, Abstand zum unpopulären Regierungschef zu suchen.
Wo mussten sie sich nicht selbst widersprechen?
Vielleicht hielten sie es aber für zu wenig wirkungsvoll, mit irgendeiner Variation solcher Dreiwortsätze wie „Merz ist doof“ oder „Merz muss weg“ durch die gewogene Medienlandschaft zu tingeln. Irgendwer aus den Beraterstäben des Trios muss die Idee gehabt haben, es mit einem Schuss ordentlichem Populismus zu versuchen. Für so populäre Themen im Fach versprochener Politikwechsel, wie die katastrophale Migrationspolitik, die verheerende „Energiewende“-Politik bzw. insgesamt die ökonomisch selbstmörderische sogenannte Klimapolitik waren die drei Möchtegern-Populisten wohl nicht mutig genug. Sie hätten auch zu vielen ihrer eigenen früheren Bekenntnisse widersprechen müssen. Aber ein Thema, das vor allem die relativ stärkste Wählergruppe aus der sogenannten Boomer-Generation bewegt, ließ sich von den Dreien noch entern, ohne mit eigenen früheren Aussagen zu kollidieren: die Rente.
„Die Rentenrebellen aus dem Osten“ nannte der Tagesspiegel das Ministerpräsidenten-Trio. Genau so wollte die kleine Runde gern gesehen werden. Leider schoben die Kollegen gleich hinterher: „Ein durchschaubares Wahlkampfmanöver, mehr nicht“. Schön wäre es, wenn die leichte Durchschaubarkeit das einzige Problem bliebe.
Die meisten Wähler gehen selbstverständlich davon aus, dass es den drei Herren nicht um das Thema Rente an sich geht. Sven Schulze soll in seinem schweren Wahlkampf die Möglichkeit bekommen, vielleicht einen Monat lang den „Rentenrebellen“ zu spielen und so möglicherweise noch ein paar Stimmen der Älteren zu ernten. Doch mit dem Versuch wecken sie möglicherweise beim Wahlbürger nur noch mehr Unmut über die eigene Partei.
Über die gesetzliche Rente wurden den Beitragszahlern von deutschen Politikern seit vielen, vielen Jahren unzählige Legenden erzählt. Im Kern ging es meist darum, die Bürger in dem Glauben zu stärken, die Politik könne bei der gesetzlichen Altersversorgung die Grundrechenarten überlisten.
Botschaften aus dem Wohlstands-Land
Jahr für Jahr steigt die Zahl der Rentenempfänger und sinkt die Zahl der Einzahler. Musste es da nicht eigentlich jedem aus der Boomer-Generation von vornherein klar gewesen sein, dass irgendwann entweder an die einen weniger ausgezahlt werden kann oder die anderen mehr zahlen müssen? Nein, sagte man den Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge früher, habt keine Angst. Die Produktivität werde so sehr steigen, dass die immer geringere Zahl an Jüngeren die Altersversorgung der höheren Zahl an Älteren trotzdem ohne Wohlstandsverlust stemmen könne.
Das hörte sich in jenen Jahren, in denen Deutschland als eine Heimstatt technischen Fortschritts und wirtschaftlichen Aufschwungs galt, durchaus plausibel an und wurde gern geglaubt. Doch das ist Vergangenheit.
Gern träumten zeitweise viele Deutsche auch den Traum, eine stärkere Zuwanderung jüngerer Menschen werde die Reihen der Einzahler so gut auffüllen, dass deren Renten weiterhin stabil erwirtschaftet werden könnten. Das klingt recht logisch und würde vielleicht auch funktionieren, wenn jemand bei der Einwanderungspolitik darauf geachtet hätte, dass der Anteil derer, die ihr Einkommen selbst erwirtschaften und alle Abgaben entrichten, unter den neuen Zuwanderern ähnlich groß ist, wie unter den vorhandenen Einwohnern. Das ist er bekanntlich mitnichten.
Eigentlich müsste endlich eine deutsche Regierung ihren Bürgern reinen Wein einschenken und eingestehen, dass die deutsche Rentenpolitik zu lange konsequent an alten Fehlern festgehalten hat und deshalb jetzt ein für viele schmerzhaftes dramatisches Umsteuern nötig ist. Man kann dabei höchstens noch darauf achten, dass niemand von den Bedürftigen unter die Räder kommt. Aber die bittere Botschaft an einen Großteil der künftigen Rentner, wie wenig sie von dem haben werden, was sie ein Arbeitsleben lang ins gesetzliche Rentensystem eingezahlt hatten, ist irgendwann unvermeidlich. Das bringt natürlich weder gute Stimmung noch Stimmen, deshalb möchte die Politik dieses „irgendwann“ immer noch ein wenig verschieben und vertagen.
Mehr schafft auch die gegenwärtig diskutierte Rentenreform der aktuellen Bundesregierung im Grunde wohl nicht, aber sie bringt erste Einschnitte. Und gegen diese Einschnitte aufzutreten, ist normalerweise bei der breiten Masse der betroffenen Wählerschaft populär.
Eine Stimme für Schulze rettet die Rente?
Ob nun aber der abschlagsfreie Renteneintritt nach 45 Arbeitsjahren, den die drei mitteldeutsche Rentenhelden verteidigen wollen, wirklich ein wahlentscheidendes Thema für die meisten Älteren ist? Wie viele Betroffene es konkret in den mitteldeutschen Ländern gibt, die Schulze, Kretschmer und Voigt regieren, hatten die drei Landesherren ja nicht mitgeteilt (oder nur so zurückhaltend, dass ich es überlesen und überhört habe). Aber die Sicherheit der Altersversorgung ist natürlich ein Riesenthema.
Und sich in diesem Themenfeld nun als Populisten zu versuchen, wird sich für Wahlkämpfer Schulze als kontraproduktiv erweisen. Denn jeder Betroffene ahnt, dass es bei den Einschnitten der gegenwärtig diskutierten Rentenreform nicht bleiben wird. Jeder weiß, dass es bei der Anpassung des Rentensystems an die Wirklichkeit des neuen Deutschland niemals „gerecht“ zugehen kann. Jeder kann erahnen, dass sich wohl viele Boomer vom Staat betrogen fühlen werden, wenn sie sich ausrechnen, wie groß die Lücke zwischen dem einst von ihnen Eingezahlten und dem dann an sie Ausgezahlten ist. Und mit einem so großen Thema mal eben ein kleines Spielchen zu versuchen, kommt garantiert nicht gut an. Wie viele Wähler in Sachsen-Anhalt gibt es wohl, die tatsächlich glauben, mit einer Stimme für Schulzes CDU könnten sie die abschlagfreie Rente nach 45 Beitragsjahren retten? Da hätten sich die drei Herren vielleicht doch ein anderes Feld suchen sollen, um für kurze Zeit die wackeren Kanzler-Kritiker zu spielen.
Aber ein Gutes hat es. Daran, wie verkorkst das deutsche Altersversorgungssystem ist, kann eigentlich nicht oft genug erinnert werden.

@Holger Kammel : >>Übrigens, Herr Ostrowski, es gibt Leute, die nicht leicht in Gebäude rein oder raus kommen – Thür-ringer. Ich mag den Witz, bin selbst einer. Fast so gut, wie Chuck Norris kann eine Drehtür zuschlagen.<<
## Ich hatte da viel ursprünglichere Erlebnisse. Ich war kurz vor dem Schulanfang, Wir, meine Eltern, meine Schwester und ich, machten eine Tagesfahrt mit dem Bus vom Deutschen Erholungs und Reisebüro DER, nach Thüringen. Ich habe keine Erinnerung mehr, wohin eigentlich und da gab es dann in einem Ort das kleinste Haus, das war etwa so breit wie die Tür. Die Tür war so ein blaues Dunkelolivtürkies. Und auf beiden Türflügeln waren Halterungen aus echtem Gusseisen angebracht, in denen ebenfalls gusseiserne Ringe hingen. Meine Frage, was das bedeutet, wurde mir erklärt das wären quasi, sozusagen, die Klingelknöpfe. Das verstand ich. Also Thüringen ist für mich etwas durchaus Vorstellbares. Später habe ich auch noch erfahren, dass es ein Thüringer gewesen ist, der dahinter gekommen ist, dass Rost brennt. Aber angenehmer als der Harz ist es schon in Thüringen. Im Harz liegen überall riesige Steine in der Gegend herum, die in Thüringen weitgehend fehlen. Ja, und in Goethes Gartenhaus war ich auch mal. Und dann bin ich mal mit einem Trabbi zwischen Obersuhl und Untersuhl auf einem Feldweg gefahren, das war im Sommer 90. Also ich selbst. Unglaublich.
Daß in dieser Diskussion jetzt wieder West gegen Ost ausgespielt werden soll, inklusive diverser Nazianwürfe, wundert jetzt nicht. „Teile und herrsche“. Wer spaltet nochmal das Land? Wie gesagt, ich bin von der Regelung selbst betroffen und halte sie trotzdem für richtig. Unter der Bedingung, daß Beamten- und Politikerpensionen dem angepasst werden. Rückwirkend! Speziell in Hinsicht auf die Operationen Abendsonne. Übrigens, Herr Ostrowski, es gibt Leute, die nicht leicht in Gebäude rein oder raus kommen – Thür-ringer. Ich mag den Witz, bin selbst einer. Fast so gut, wie Chuck Norris kann eine Drehtür zuschlagen.
Ich wäre selbst betroffen und damit nur mäßig begeistert. Nichtsdestotrotz, es gab auch eine Zeit vor der 63-Regelung und damals hielt das jeder für normal. Erst, als die SPD Wählerstimmen kaufen wollte, entwickelte sich daraus eine Anspruchshaltung. Ich halte die Bevorzugung des Beamtenadels immer noch für den eigentlichen Skandal. Beamte und speziell Politiker in der gesetzlichen Rentenversicherung eingliedern. Ich bin der festen Überzeugung, dann kämen wir schnell zu vernünftigen Lösungen. Z.B. Niebeitragszahler auf ein Minimum abzusenken. Eine ehrliche Bestandsaufnahme, wieviel der Staatszuschuß kostet und wieviel Steuern von Rentnern erhoben werden, wäre schon mal hilfreich. Ich bin ehrlich, ich habe den Begriff Beamtenadel nicht umsonst gewählt. Ich halte diese Gruppe mittlerweile für ihre Privilegien, ihrem zentralen undemokratischen Machtanspruch über eine in Teilen korrupte Justiz, polizeilichen Machtapparat und speziell einer offensichtlich totalitären Organisation namens „Verfassungsschutz“ (allein der Name ist ein Hohn) für das zentrale Problem dieses Landes. Wenn ich an Pimmelgate denke, dafür hätten etliche Leute vor Gericht gehört. Glaubt jemand, daß die Ansammlung von Parteisoldaten in Karlsruhe sich noch dem Recht verpflichtet fühlt?
@Sam Lowry / 03.08.2026 : >>Man sollte alternativ Autofahren ab 75 verbieten. <<
Übrigens: Der Marokkaner, der am 25.07.2026 in München in der Lindenschnitstraße drei Kinder auf Fahrrädern angefahren hat, fast gleichzeitig mit dem CSD-Fahrer, war noch nicht mal halb so alt. Von dem hört man nichts mehr. Ich selbst habe noch keine Fahrradfahrer Umgefahren, deshalb habe ich selbst keine Erfahrung damit, ob das typisch ist, dass man da immer gleich DREI anfährt. Vielleicht lag es an der Unfähigkeit, zeitnah zu bremsen. Oder es war doch etwas anderes!
Arbeiten Sie sich weiter an den Alten ab. Vielleicht schaffen Sie ja die 70 gar nicht.
Wunderbar. Bin Jahrgang 1968, habe in Hamburg 1988 erfolgreich das ziemlich entspannte SPD-Stadtstaats-Abitur bestanden und bereits 1990 in einem VWL-Kurs für 1.Semester unbehelligt von kompliziertem Mathematik- und Statistik-Vorwissen, vom Professor nachvollziehbar vorgerechnet bekommen, daß bereits Norbert Blüm das BRD-Volk (neuerdings Pack, oder Schon-länger-hier-Lebende) wissentlich belogen hatte. „Die Rente ist sicher“. 1990 bereits eine allseits bekannte Lügengeschichte. Deswegen finde ich auch den abfälligen Ausspruch der Gen-Alpha meistens passend: „Du Boomer“.
@Sam Lowry / 03.08.2026 : >>Man sollte alternativ Autofahren ab 75 verbieten. <<
Übrigens: Der Marokkaner, der am 25.07.2026 in München in der Lindenschnitstraße drei Kinder auf Fahrrädern angefahren hat, fast gleichzeitig mit dem CSD-Fahrer, war noch nicht mal halb so alt. Von dem hört man nichts mehr. Ich selbst habe noch keine Fahrradfahrer Umgefahren, deshalb habe ich selbst keine Erfahrung damit, ob das typisch ist, dass man da immer gleich DREI anfährt. Vielleicht lag es an der Unfähigkeit, zeitnah zu bremsen. Oder es war doch etwas anderes!
Arbeiten Sie sich weiter an den Alten ab. Vielleicht schaffen Sie ja die 70 gar nicht.
Schon in den 1980er (Blüm: Die Rente ist sicher) war die später zu erwartende Rente fraglich. Bevor man um die Jahrtausendwende zum Erhalt des Wohlstands der Rentner die Riester-Rente – für den Sparer letztendlich erfolglos – einführte, gab es von der Politik schon andere Würstel, die den späteren Rentnern hingehalten wurden. So wurde m.W. ca. in den 1990er Jahren die Direktversicherung ermöglicht. Man konnte / sollte eine Lebensversicherung abschließen (unkündbar, nicht verrentbar) und Geld ansparen. Aus dem Nettogehalt mußte allerdings der Arbeitgeber den Betrag direkt an die LV überweisen; gesponsert bzw. lukrativ wurde es gemacht durch eine pauschale EK-Steuer. Und plötzlich 2003 wurde im Rahmen eines Omnibusgesetzes die Deutungsmöglichkeit geschaffen, dass die Auszahlung der LV – also auch von existierenden Verträgen – plötzlich Krankenvers.- und PV-pflichtig würde. Die KV haben das gerne übernommen als angebliche Betriebsrente (weil der Arbeitgeber als Bankbote das Geld seines MA überweisen musste) und mit Unterstützung durch Auslegung durch die Gerichte eine Beitragspflicht gestaltet. Dies bedeutet, dass jede dieser Direktversicherung rd. 20 % ihres Wertes verloren hat und verliert, weil man volle (AG+AN-Anteile von Kranken- und Pflegeversicherung des ausbezahlten Betrages abführen muss! Also Einzahlungsgeld stammte vom Netto-Gehalt! Also an Alle: Bitte aufpassen was angekündigt wird und auch in Zukunft gut überwachen, wie sich evtl. Zusagen ändern.