Christoph Spielberger
Groß ist die Aufregung der Linken Partei, dass sie beim Kandidatengespräch zur Wulff- Nachfolge nicht dabei sein durfte. Ihr Geschrei über das „undemokratische Geschacher“, über die „Ausgrenzung von fünf Millionen Wählerinnen und Wählern“ meint natürlich zunächst die narzisstische Kränkung von ca. fünf Genossen. Doch was wäre passiert, wenn sie dabei gewesen wären? Die große Gauck- Koalition hätte sich auch so verständigt. Einzig, die Funktionäre der Linken wären anschließend vor die Kameras getreten und hätten genau dieselben Sprachhülsen abgesondert, ohne die „Ausgrenzung“, aber mit um so mehr frischer Empörung über den falschen, „unwählbaren“ Kandidaten.
Schwer beleidigt sagen nun Linke wie Bodo Ramelow, in Bezug auf die Parteien- Einigkeit über Gauck, Sätze, wie: „dass hier die neue Form der nationalen Front am marschieren ist.“ Das weist auf die tiefer liegenden Ängste der Genossen hin: Gauck ist der anti- Linke schlechthin, er verkörpert alles, wofür die Genossen nicht stehen. Seine Reden von mehr Eigenverantwortung und weniger Staatsglauben sind eine echte Bedrohung für die „Partei der sozialen Gerechtigkeit“. Denn durch sein angenehmes Wesen könnte Gauck so beliebt werden, dass die Deutschen ihm wirklich zuhören. Seine Botschaft verschiebt die politischen Koordinaten in Richtung Freiheit statt Gleichheit. Und Gauck legt das Dilemma der Linken frei: ihren reaktionären Kern; den der Besitzstandswahrer der alten Systeme, der Erben der SED im Bett mit den fett gewordenen Westgewerkschaften; der Partei, die auf alle Veränderungen immer mit dem Ruf nach noch mehr staatlicher Fürsorge und Regulierung reagiert.
Zudem zeigt ein Bundespräsident Gauck der Linken überdeutlich, welches Erbe der DDR die Nation bereit ist, als ein gesamtdeutsches anzuerkennen. Die Linke erlebt in der breiten Zustimmung zu Gauck ihre nationale Impotenz: den Unterschied von 12% Wählerstimmen zu 0% Chance auf Durchsetzung ihres Deutschlandbildes. Repräsentation ist symbolisches Abbild, und da hört der Spaß auf, die gewendete Staatspartei der knuffigen Ost- Diktatur zu dulden.
Am Ende der Amtszeit(en) von Gauck könnte sich Die Linke als parasitäre Randexistenz der BRD, als der abgehängte Rest eines überkommenen Deutschlands auskristallisieren. Und Gauck wäre der Katalysator dafür.
Dieser Prozess zeigt sich jetzt schon in der Suche nach einem eigenen Kandidaten. Der Kandidat, so die Partei, sollte, noch mehr als Gauck, wirklich alle Deutschen repräsentieren und zugleich über das eigene Partei- Spektrum hinausreichen. Das wird schwierig. Leider konnte die Parteiführung bisher keinen Kandidaten mit Stallgeruch Ost präsentieren, sie hat aber derzeit drei andere zur Auswahl, und zwar:
Beate Klarsfeld, eine heute weitgehend unbekannte, in Frankreich lebende Journalistin mit der Berufsbezeichnung „Nazijägerin.“ Ihre Linken- Qualifikation ist ein vor 44 Jahren medienwirksam ausagierter Antifaschismus, die Ohrfeige für Kiesinger. Dann: Christoph Butterwegge, ein noch unbekannterer Bildungsforscher und Sozialwissenschaftler, der so aussieht wie er heißt, aber von Beruf Armuts- und Rechtsradikalismusforscher ist und damit die Linke- Qualifikation voll erfüllt, aufgrund der virtuell größten Schnittmenge zum Parteiprogramm. Zudem versucht Butterwegge wissenschaftlich nachzuweisen, dass es Linksradikalismus eigentlich gar nicht gibt. Er wäre für die Partei als Bundespräsident bestimmt sehr hilfreich. Und dann noch: Luc Jochimsen, die schon einmal antreten durfte und als Quotenfrau mit einprägsamer Frisur das Bild verziert. http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2196136/Drei-gegen-Gauck-Die-Linke-sucht-den-Bundespraesidentenkandidat.html
Diese Drei also repräsentieren Deutschland nach Meinung der Linken besser als Gauck. Armes linkes Deutschland. À propos Arm: der komischste Kandidatenvorschlag kam von Oskar Lafontaine: der Kabarettist Georg Schramm soll Bundespräsident werden. Schramm machte seine Karriere mit der Figur eines schimpfenden Kriegsversehrten mit Armprothese. Einer Figur, die schon seit Jahrzehnten ausgestorben ist, aber als linker Popanz vom ewig reaktionären Deutschland immer noch taugt. Für Oskar Lafontaine sogar fürs höchste Amt im Staat.