In Anbetracht der besonderen Empfindlichkeiten einzelner Religionsgemeinschaften und unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse in Paris hat der Tages-Anzeiger neulich vorgeschlagen, dieser Redefreiheit eine vermeintlich klügere Variante entgegenzusetzen, oder wie der Autor, Guido Kalberer, sie nannte: «die Freiheit, zu schweigen»,– es wird demnach empfohlen, sich «freiwillig» zurückzuhalten, wenn man befürchten muss, dass andere Menschen sich verletzt fühlen könnten: Doch das hat mit Redefreiheit nichts mehr zu tun.
Es ist stattdessen der Heroismus der Unterwerfung, es ist eine Hymne auf die Selbstzensur, es liegt hier eine frivole Umdeutung der Sprache vor, die an George Orwell erinnert, den grossen englischen Schriftsteller, und dessen Roman 1984, wo das Kriegsministerium «Ministerium des Friedens» heisst und der Sicherheitsapparat mit seinen Foltermeistern und Kerkern als «Ministerium der Liebe» firmiert. Gemäss diesem Newspeak ist frei, wer in Ketten liegt, aus arm wird reich, dumm ist klug – oder gemäss Tages-Anzeiger: Wer frei ist, zu reden, schweigt am besten. http://bazonline.ch/ausland/anschlag-in-paris/Die-Diktatur-der-Angst/story/28512325
Kritik an der Islamisierung ist freilich riskant, und in Deutschland hat die Vorsicht gegenüber dem «Anderen» schon aus historischen Gründen rechtens viel Kredit. Zugleich ist allerdings wahr, dass es seit langen Jahren ein Schweigen der Lämmer von links gibt, das den zunehmenden Fanatismus politischer Theologie so übergeht, als existiere er nicht. Links schlägt das Herz. Alle Menschen haben ein Herz. http://www.nzz.ch/feuilleton/religioeser-faschismus—und-die-folgen-1.18462686
In der britischen Stadt Rotherham missbrauchten Männer mit pakistanischem Hintergrund 1400 Kinder und Jugendliche in den Jahren von 1997 bis 2013. Ein vor wenigen Monaten vorgestellter Untersuchungsbericht ging der Frage nach, weshalb die Bande fast zwei Jahrzehnte ungestört ihr Unwesen treiben konnte, obwohl es an Indizien für die Vergewaltigungen nicht mangelte. Die befragten Polizisten gaben an, sie hätten nicht als Rassisten gelten wollen und hätten deswegen die Hinweise nicht überprüft. Im letzten Sommer verwüsteten antiisraelische Demonstranten, überwiegend Söhne von Einwanderern aus Nordafrika, den Pariser Vorort Sarcelles in ihrem Protest gegen den Gazakrieg. Die Krawallmacher brannten auch eine Juden gehörende Apotheke nieder. Die Regierung reagierte auf die Ausschreitungen mit routinierter Empörung; mehr geschah nicht, nur die Zahl der Auswanderer nach Israel nahm noch einmal zu.
http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/gewalt-und-religion-1.18462854