Bassam Tibi, Gastautor / 14.06.2018 / 15:00 / Foto: Infrogmation / 15 / Seite ausdrucken

Die deutsche Islam-Diskussion ist unerträglich

Die in der DDR sowjetkommunistisch sozialisierte und dort als Physikerin promovierte heutige Kanzlerin der Bundesrepublik, Angela Merkel, kann sich weder mit sozialwissenschaftlicher Kompetenz noch mit Islamkenntnissen schmücken. Dennoch sucht sie Anschluss an modische Prägungen in beiden Bereichen, um sie für ihre Politik zu instrumentalisieren. Hierzu gehört der nach Deutschland importierte Begriff „post-truth“, zu deutsch: postfaktisch. Merkel hat diesen Begriff 2017 mehrfach positiv verwendet.In diesem Kontext stellt sich eine Frage: Ist Merkels Credo, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, eine postfaktische Äußerung? Sind Merkels Credo sowie ihre Politik „alternativlos“?

Nach Max Weber, dem größten Soziologen aller Zeiten, gehört der Rationalismus zu den zentralen Leistungen der säkularen westlichen Zivilisation (nicht mit dem Christentum zu verwechseln). Die heutigen postmodernen Multikulturalisten, die nach ihrer eigenen Aussage alles „dekonstruieren“ (also praktisch zerstören), wollen auch diese westliche Errungenschaft infrage stellen: Sie schaffen Objektivität ab.

Was hat dies nun mit dem Islam zu tun? Objektiv gibt es zwar die historische Realität einer vielfältigen islamischen Zivilisation, aber keinen einheitlichen Islam. Wovon redet also die deutsche Dauerkanzlerin, wenn sie „den Islam“ als Einheit anspricht und dazu noch postfaktisch behauptet, dieser gehöre zu Deutschland? Hat Merkel mit ihrer Äußerung die bisher unterdrückte Debatte über den Islam ausgelöst?

In den deutschen Medien lässt sich ein „Islam-Talk“ beobachten, für den – so die FAZ vom 15. April 2018 – „der Begriff Diskussion nicht angemessen“ sei. Ich ziehe den Begriff „Gezänk“ vor. Europa steht vor der schwersten Herausforderung seiner Geschichte mit den Schicksalsoptionen: Europäisierung des Islam oder Islamisierung Europas.

Zuwanderung als Instrument zur Verbreitung des Islam

Muslimen dient die Zuwanderung als Instrument zur Verbreitung des Islam. Ich bin Migrant und Reform-Muslim, will mich aber nur als Bürger jenseits von Religion und Ethnizität integrieren. Was meint nun die Bundeskanzlerin, wenn sie sagt: „Der Islam gehört zu Europa”? Meint sie einen Euro-Islam oder den Islam der türkischen DITIB, der „türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religionen“ in Köln – oder einen Islam des arabischen Zentralrats mit seiner Moscheekultur der Parallelgesellschaft?

Als ich 1962 aus Damaskus nach Frankfurt zum Studium kam, gab es in der BRD nur wenige tausend, vorwiegend türkische, Muslime, die aus Anatolien stammten. Im Gegensatz zu den USA-Türken, die aus Ankara, Istanbul und Izmir stammen, sind die Deutschland-Türken vorwiegend ungebildet und ohne Berufsausbildung, sie arbeiteten primär als Hilfsarbeiter.

Das änderte sich nur langsam. Zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 betrug die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime etwa fünf Millionen. Heute, im Jahr 2018, sind etwa zwei Millionen zusätzlich hinzu gekommen. Gibt es dazu irgendeine Politik der Integration? Was macht Deutschland, außer sich im Gezänk zu verlieren?

Die islamische Zuwanderin Violet Kiani, die als Vierjährige in den frühen 1980er Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, bewunderte die deutsche Willkommenskultur. Sie bemängelt aber, dass die deutsche Gesellschaft nicht in der Lage ist, „Zuwanderer erfolgreich einzubinden“. Kiani hat alle erforderlichen Leistungen für die Integration erbracht, aber mehr als „Passdeutsche“ zu sein, hat Deutschland ihr nicht gegeben. In einem Artikel in der Welt vom 9. April fragt sie, was Integration sei, und antwortet: „Integration ist viel mehr, als nicht negativ aufzufallen.“ Zur Integration gehöre, „sich voll und ganz als Deutsche zu fühlen und zu verstehen“.

Verbittert schreibt sie, Deutschland sei ein Zuwanderungsland, aber „kein Integrationsland und auch nicht auf dem Wege, eines zu werden“; sie beendet ihren Essay mit dem Wunsch: „Der Tag, an dem man mich wie selbstverständlich und gerne als Deutsche bezeichnet, wird ein schöner Tag sein. Für mich und für Deutschland, meine geliebte Heimat.“

So fühle ich mich auch als Syrer mit einem deutschen Pass.

"Weil beide Seiten hartnäckig nicht dazulernen"

Verstehen Merkel und ihr Widersacher Horst Seehofer diese Sach- und Gefühlslage der in Deutschland lebenden Fremden sowie die Probleme der Integration? Der in Deutschland geborene ZDF-Moderator mit afghanischen Wurzeln, Abdul-Ahmad Rashid, stellt in der Zeit mit Bedauern fest, dass eine Umfrage belege, dass „rund drei Viertel der Bevölkerung der Meinung sind, der Islam gehöre noch nicht zu Deutschland“. Rashid lehnt es ab, mit der AfD-Keule zu hantieren und stellt zwei Fragen: „Kann eine Religion zu einem Land gehören, deren Traditionen und Rituale viele Menschen gar nicht kennen? In vielen Moscheen hängt eine türkische Flagge. Demonstriert man so seine Zugehörigkeit zu Deutschland?“

Eine Antwort erfordert eine Debatte, die schlicht nicht stattfindet.

Der FAZ-Redakteur Michael Hanfeld drängt auf eine Debatte, in deren Mittelpunkt die Frage stehen sollte: „Welcher Islam gehört zu Deutschland?“ Hanfeld vermisst diese Differenzierung bei der Kanzlerin und noch mehr: Er bemängelt bei der Bundeskanzlerin „ihre eigene Art, Debatten zu ersticken, bevor sie beginnen“.

Hanfeld bedauert, dass Grüne und Linke, die die Bundeskanzlerin flankieren, gegenüber Andersdenkenden „wie üblich mit dem AfD-Zaunpfahl winken“. Er kommentiert, dies sei nicht hilfreich.

ZEIT-Autor Jochen Bittner skizziert, wie Debatten in Deutschland stattfinden: „Es geht so: Ein Konservativer fordert etwas, und Linke brüllen ihn nieder. Warum? Weil beide Seiten hartnäckig nicht dazulernen.“ Es ist bedauerlich, dass ein anderer ZEIT-Autor, Roman Pletter, nicht versteht, was Debatten-Kultur ist. In seinem Leitartikel „Endlich Streit!“ freut er sich naiv darüber, dass die Kanzlerin mit ihrem Slogan „Der Islam gehört zu Deutschland“ nun „gleich Streit anzettelt“. Im Gegensatz zu früher, als Merkel, wie der Autor einräumt, „Konflikte so wegmoderierte, dass viele Diskussionen gar nicht mehr geführt wurden“, soll Merkel nun Debatten anregen. Es ist naiv zu glauben, dass sich dies verändert hat.

Anna Sauerbrei, Berliner Journalistin des Tagesspiegels, beschreibt die Situation in Deutschland in einem Leitartikel in der New York Times. Sie schreibt, Merkel verkörpere die Mitte. Was links von Merkel ist, also die Linksgrünen, sei in Ordnung, was rechts von Merkel ist, ordnet sie diffamierend in die AfD-Schublade ein.

Der leitende Redakteur des Ressorts Außenpolitik der Welt, Jacques Schuster, schreibt: „Große Teile der Politik und Publizistik haben die Probleme lange verschwiegen. Sie passen nicht in ihr Weltbild. Wer sie ansprach, den traf tiefe Verachtung.“ Dann beklagt Schuster, was mit denjenigen passiert, die anders denken: „Geschickt im Gewerbe der Niedertracht, nutzen zahlreiche Politiker und Kommentatoren den Widerwillen gegen alles Rechte, der seit 1945 herrscht. Sie verwandeln alle diejenigen zu Halb- und Vollnazis, die meist weder das eine noch das andere waren, sondern nur die Missstände beim Namen nennen.“ Die „Tugendwächter“ wirken in dieser Niedertracht wie Gesinnungsdiktatoren.

Schlechteste Bundeskanzlerin der Nachkriegsgeschichte

Politiker von Format hinterlassen als Erbe Sprüche, in denen oft Weisheit verborgen ist. Der Spruch „Der Islam gehört zu Deutschland“ der nun in vierter Amtszeit regierenden Kanzlerin entbehrt jedoch nicht nur jeder Weisheit, sondern auch jeden Wissens, sei es über europäische, sei es über islamische Geschichte.

Merkel hat einst einen Spruch derselben Qualität kreiert: „Wir schaffen das“. Er wurde ebenso zum Merkel-Credo während der dramatischen Jahre 2015/16, als 1,5 Millionen Muslime illegal die Grenze nach Deutschland überquerten und deren Zahl später – durch Familienzusammenführung – verdoppelt wurde. Beim ersten Merkel-Credo fehlt das Islam-Wissen, beim zweiten das Politikkonzept; beide Sprüche verankern ihre Urheberin in der Geschichte als tragische Figur und schlechteste Bundeskanzlerin der Nachkriegsgeschichte.

Als Islamologe, der Islam-Forschung in 22 islamischen Ländern durchgeführt hat, halte ich die bedauernswerte deutsche Islam-Diskussion beziehungsweise die politische Kultur, in der diese stattfindet, für unerträglich. Die politische Unkultur ist nicht eine „Streitkultur“, wie die ZEIT in ihrem Artikel „Endlich Streit“ unterstellt.

Als Begründer der Denkschule „Euro-Islam“ in Paris versuche ich als syrischer Muslim, das europäische und das islamische Sozialisationsmuster meines Lebens in Einklang zu bringen. Ich tue dies als Brückenbauer, betreibe keine Polarisierung und keinen „Clash of Civilizations“. Dennoch übersehe ich den Zivilisationskonflikt nicht. Ich kann nicht ändern, dass es Menschen gibt, die nun zu Beginn der vierten Periode des Merkel-Regimes versuchen, mir bösartig „Islamophobie“, „Populismus“, „Rassismus“ und anderen Schwachsinn zu unterstellen. Ich bin bekennender, kulturell und textuell sozialisierter Muslim, zugleich jedoch ein kritischer Denker in der Tradition von Adorno, also ein Rationalist, sowie weiterhin im amerikanischen Sinne ein Realist und Pragmatiker, der frei ist von Gesinnungsethik und Wunschdenken.

Weil wir hier über Islam und Islamophobie reden, ist es angebracht, Folgendes festzuhalten: Die islamische Theologie unterscheidet zwischen „Ignoranz“ und „Wissen“. In Deutschland findet der Beobachter eher „Ignoranz“ als „Wissen“ über den Islam. Für die Zukunft Europas mit zunehmender Bedeutung des Islam ist dies nicht nur katastrophal, sondern tödlich.

Zusätzlich zum Rückgriff auf die islamische Lehre von den Kontrasten möchte ich auf den britischen Philosophen John Stuart Mill und seinen Begriff von der „Tyrannei der herrschenden Meinung“ Bezug nehmen, um eine Erkenntnis vorzutragen: Es besteht Bedarf nicht nur nach „Wissen“, sondern auch nach Meinungsfreiheit bei der Diskussion über die Frage, ob der Islam zu Europa gehöre.

Als Muslim moralisiere ich nicht und verwerfe jede Gesinnungsethik. Stattdessen argumentiere ich mit Fakten. Der Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung beträgt mehr als zwei Milliarden, darunter 400 Millionen Araber, die jedoch kulturell und politisch dominieren, also bestimmen, wo es lang geht. Muslime leben als Mehrheit in 57 Staaten und als Minderheiten in aller Welt.

Eine dieser Minderheiten von 35 Millionen lebt in Staaten der EU. Ohne Integration der etwa 35 Millionen in Westeuropa lebenden Muslime kann der Islam nicht zu Europa gehören – es geht um Europa, nicht um Deutschland.

Bassam Tibi, geboren in Damaskus, ist emeritierter Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen. Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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Frank Holdergrün / 14.06.2018

Herr Tibi täte besser daran, eine Tournee durch deutsche Orte zu initiieren, bei der er aus dem Koran vorliest und den Menschen die textuellen Bezüge liefert.  Seine verwirrenden Artikel kann ich leider nicht mehr verstehen. Sehr wohl allerdings begreife ich die Sure, in der zweifelsfrei und ohne Streitkultur definiert wurde, dass im Koran das letztgültige, nicht mehr zu diskutierende Wort Allahs gesprochen wurde. Und ich begreife auch, dass Christen und Juden die abscheulichsten aller Wesen sind, vorgesehen zum ewigen Rösten in der Hölle. Der Euroislam von Herrn Tibi wird mit jedem Satz, den ich in den Hadith lese, in der Luft zerrissen, eine Fata Morgana rhetorischer Natur ohne irgend einen realen Bezug. Sozusagen ein muslimischer Privatglaube, den ich zu den Millionen Erscheinungsformen dieser Religion hinzuzähle. Für mich nichts anderes als Taqqia. Dieser Artikel ist ebenso flach wie alle Aussagen von Merkel, der Rundumschlag eines Verzweifelten.

Helmut Bühler / 14.06.2018

Wie viele der hier lebenden Muslime werden den Weg Tibis gehen hin zu einem “Euroislam”? Diese marginale Minderheit kann man wahrscheinlich in unsere Wertegemeinschaft integrieren, den Rest nicht. Was aber machen wir mit diesem großen Rest? Wir werden einen Teil der Merkelgäste abschieben können und die anderen bitten müssen, weiterzuziehen in ein Land das besser zu ihnen passt. Für jene, die dieser Bitte nicht folgen und deren Wertekanon inkompatibel bleibt werden wir sehr strenge Regeln für das Zusammenleben aufstellen müssen, die diesen nicht gefallen werden. Das geht vom Burkaverbot bis zur Einschränkung der Freizügigkeit. Muslimische Parallelgesellschaften in muslimischen Ghettos kann sich keine Gesellschaft auf Dauer leisten. Man muss nur nach Frankreich blicken.

Caroline Berthold / 14.06.2018

Lieber Herr Tibi, egal wie oft Sie die sekulare westliche Zivilisation preisen, sie hat ihre Wurzeln in eben diesem Christentum, das sich scheinbar mittlerweile selbst abgeschafft hat, weil es dem Menschen die Freiheit gibt, sich gegen Gott zu entscheiden. Und noch etwas muss man akzeptieren: wenn man die Kultur verlässt, in die man hineingeboren ist, bleibt man Zugereister, sogar als innerdeutscher Migrant. Erst die Kinder haben eine Chance auf die neue Heimat. Das ist der Lauf der Welt und kein Grund zum Jammern.

Joachim Datko / 14.06.2018

Die AfD hat recht, der Islam gehört nicht zu Deutschland! Europa wurde in den letzten Jahrhunderten zum Großteil vom Christentum unterdrückt. Noch vor 50 Jahren wurde man in der Regel als Säugling getauft. Der Islam hat in Deutschland keinerlei historische Wurzeln. Mittlerweile bestimmt das naturwissenschaftliche Weltbild unser Denken. Die früher übliche christliche Indoktrination in der Kindheit findet heute nicht mehr statt. Der Islam ist die schlimmste der abrahamitischen Religionen, er versucht den Menschen das Selbstbestimmungsrecht zu stehlen. Der Islam ist nicht reformierbar, zu seinem Wesen gehört die Unterdrückung der Menschen. Ich bin gerne bereit, eine Lanze gegen den Islam zu brechen. Joachim Datko - Physiker Philosoph

Peter Swoboda / 14.06.2018

Nachdem sie „ die Zeit“ zitiert haben, habe ich mich intellektuell ausgeklinkt. Wer die Berichterstattung bzw. den Kommentarbereich dieses Propagandablattes in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß womit er es zu tun hat. Ja, ich würde sagen, nennen sie keine deutschen „Qualitätsmedien“ als Beleg ihrer Thesen. Deren Versagen war bisher beschämend eklatant und dreist unehrlich, so daß ihr Anliegen per se in meinen Augen unglaubwürdig ist.

Rainer Nicolaisen / 14.06.2018

Ach übrigens, Herr Tibi, welche Vornamen hätten Ihre in Deutschland geborenen Kinder, so Sie denn welche hätten?

Marcel Seiler / 14.06.2018

“Kiani hat alle erforderlichen Leistungen für die Integration erbracht, aber mehr als „Passdeutsche“ zu sein, hat Deutschland ihr nicht gegeben.” Ja, so ist Deutschland. Kiani hätte in die USA gehen sollen; dort ist das anders. – Die undifferenzierte Willkommenskultur und die letztendliche Nichtazeptanz sind zwei Seiten derselben Medaille: Das infantile Deutschland weigert sich, klare Kriterien zu entwickeln, wann jemand dazugehört. Deswegen gehören erstmal “alle” Neuen dazu, aber am Ende dann niemand von den Neuen. Abhilfe: klare, knallharte Kriterien. Wer die erfüllt, sollte – auch auf der sozialen Ebene – als Dazugehöriger behandelt werden. Wer die nicht erfüllt, sollte wieder nach Hause gehen.

Rainer Nicolaisen / 14.06.2018

Sich gründlich zu informieren und dann auch noch zu denken, also sich zu bilden, das strengt an, und das scheuen die Politiker fast allesamt wie der Teufel das Weihwasser. Übrigens :” Merkel tragische Figur” ?  Nein, böse, um nicht zu sagen bösartige Figur!

Cornelia Gilsbach / 14.06.2018

Ich weiß nicht genau, was dazu gehören mag, sich nicht nur als “Passdeutscher” zu fühlen. Ich kann auch nicht sagen, woran genau das im jeweiligen Fall liegt. Deutsche Freunde, Einladungen von Deutschen, Sport- und andere Vereine, Deutsche als angeheiratete Familienmitglieder? Ich vermute sehr stark, daß es daran liegen könnte, daß die erste Generation immer mit einem Bein in der alten Heimat verhaftet ist. Heimat wirft man nicht einfach so über Bord, Heimat ist, wo das Herz ist. Es mag vielleicht auch am Naturell der Deutschen liegen. Wir sind eher zurückhaltend und öffnen uns nur langsam. Die überbordende Gastfreundschaft und die südliche Lockerheit ist uns fremd. Das Klima sorgt dafür, daß sich das Leben außer im Sommer weniger im Freien als im Haus abspielt. Freunde unter Deutschen findet man meiner Erfahrung nach auch nur langsam, es wird sich erst eine ganze Weile beschnüffelt. Kommt die Einladung zum Geburtstag oder ähnliches in den erweiterten Familien- und Freundeskreis, dann ist das für mich “dazugehören”. Daß ein fremder Dritter dann vielleicht aufgrund des Namens oder des Äußeren fragt, wo man denn herkomme, ist doch meist nicht rassistisch gemeint, sondern soll eher der Gesprächseröffnung dienen. Aber selbst das traut man sich kaum noch. So kann Integration natürlich auch scheitern… daran, daß wir uns zurückziehen.

Lothar Hannappel / 14.06.2018

Sind Merkels Äußerungen “postfaktisch”? Sehr gute Frage. Wer sie angeht, klärt vielleicht das Ganze merkelsche Zeitalter. Ihre Reden sind oft verdreht, irgendwie inhaltsleer und dienen nur dazu, schön beim Zuhörer zu klingen. Aber postfaktisch? Für mich ist Merkel eine der ehrlichsten Politiker überhaupt. Das wird meiner Meinung nach bei ihren Reden oft vergessen. Genau wie ihre Schlauheit! Der Islam gehört zu Deutschland! Punkt und Ausrufungszeichen! Das ist Gegenwart und Zukunft! Und keiner wird es ändern können! “Multikulti ist gescheitert” Das erst war die Voraussetzung für ihre jetzige Politik! Und alle haben geglaubt es beutete einen Richtungswechsel! Kein Bundeskanzler konnte Deutschland und Europa so nachhaltig verändern! Und da soll sie die Schlechteste sein? Merkel im Streit mit Seehofer gegen alle! Ja! Genau das macht sie als Gestalterin der NWO so wertvoll. Sie setzt Rücksichtlos Entscheidungen gegen die Mehrheit und ihre eigenen Interessen durch. Merkel ist alles, aber nicht “postfaktisch”. Sie war die erste, wenn ich mich richtig erinnere, die den Begriff benutzt hat. Und keiner will verstehen, was sie damit gemeint hat. Wer in Merkel eine Mutti sieht ist postfaktisch und nicht umgekehrt.

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