Die Deutsche Bahn ist nur noch ein müder Schatten ihrer selbst. Jetzt sollen die Strecken saniert und das ganze Organisationskonzept neu aufgestellt werden. Was bleibt, ist die Erinnerung an bessere Zeiten, als der Fahrplan keine Empfehlung, sondern eine Verpflichtung war.
Eine zum Kult gewordene Werbung der Deutschen Bundesbahn aus dem Jahr 1966 lautete: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Wir fahren immer.“ Dazu sah man eine dunkelgrüne Lok E10 in tiefverschneiter Landschaft, die an der Spitze eines D-Zugs lärmend auf den Betrachter zurauschte und sodann im Nebeldunst des aufgestöberten Schnees verschwand. Das war keine Satire, es stimmte einfach.
Als Schüler und Pfadfinder, als Soldat, als Student und später als Bonner Ministerialbeamter war ich ein intensiver Benutzer der Bundesbahn und erinnere mich nicht daran, dass sie jemals unpünktlich war oder gar ein Zug ausfiel. Sieben Jahre lang führte ich in den Achtzigerjahren aus dem Bundesfinanzministerium die Finanzaufsicht über die Bundesbahn. Ein- bis zweimal in der Woche bestieg ich in Bonn um 7:23 Uhr den IC nach Frankfurt und hatte dann ab 10:00 Uhr in der Hauptverwaltung der Bahn meine Termine. Ich ärgerte mich über unzureichende Erträge, ausufernde Kosten, bürokratische Abläufe und betriebswirtschaftliche Missstände. Die Qualität und Zuverlässigkeit der Transportleistung stand dabei niemals in Frage und wurde von allen, auch von mir, als selbstverständlich vorausgesetzt.
Untergang auf Raten
Das änderte sich – erst schleichend und dann immer schneller – mit der Bahnreform von 1994: Die Bahn wurde zur Aktiengesellschaft, ihre Schulden wurden gestrichen. Bis auf staatliche Zuschüsse für den Streckenausbau und für den Öffentlichen Nahverkehr sollte sie jetzt eigenwirtschaftlich arbeiten und wenn möglich auch Gewinne machen. Das ging gründlich schief.
Das neue und zumeist bahnfremde Management löste die bewährten Ausbildungswege der Mitarbeiter auf, es gab unentbehrliches Know How an die Industrie ab, und es betrachtete die teure Infrastruktur sowie den aufwendigen Bauunterhalt und Betriebsdienst solange als große Sparbüchse für imaginäre Renditeziele, bis nichts mehr richtig funktionierte. Wahnsinnig teure Neubaustrecken und Prestigeprojekte wie „Stuttgart ´21“ verzehrten Jahr für Jahr Milliardenbeträge, die beim Unterhalt und der Modernisierung des Bestandsnetzes fehlten. Die erhofften Verkehrszuwächse blieben gering oder fielen im Güterverkehr ganz aus.
Astbruch auf der Strecke wegen Rauhreif
Da man auch beim Rückschnitt des Baumbestandes an den Strecken massiv sparte (und dafür Umweltgründe vorschob) führen schon mittelgroße Stürme, Starkwinde und mindere Ereignisse immer häufiger zu Streckensperrungen. Im Januar 2019 war ich bei einer Vortragsreise auf dem Weg von Gera nach Siegen. In Gera stellte ich morgens um 7:00 Uhr fest, dass der Zubringerzug nach Erfurt ausgefallen war. Begründung der Bahn: Astbruch auf der Strecke wegen Rauhreif.
In der Kaffeestube kam ich mit einem frustrierten Eisenbahner ins Gespräch, es war der Lokführer meines ausgefallenen Zuges. In Reichsbahnzeiten, so erzählte er, wurde die Strecke morgens um vier vom Betriebsdienst abgefahren und von Hindernissen freigeräumt. Heute sei diese Dienstleistung an Externe vergeben, die aber wegen ein bisschen Rauhreif nicht extra ausrückten.
Mittlerweile scheint es so, dass das Bahnmanagement mit der Sicherstellung einer zufriedenstellenden Betriebsqualität strukturell überfordert ist. Nur 65 Prozent der Züge werden als pünktlich ausgewiesen (weniger als sechs Minuten Verspätung). Ausgefallene Züge werden in der Pünktlichkeitsstatistik gar nicht erst erfasst, und die Pünktlichkeit verschlechtert sich von Jahr zu Jahr.
Vom Wunschdenken vernebelt
Hier vermischen sich
- die Auswirkungen eines unzureichenden Streckenunterhalts,
- Wartungsmängel der Züge (kürzlich blieb ein deutscher ICE in einem österreichischen Tunnel liegen),
- die sinkende Ausbildungsqualität des Personals (es gibt immer weniger gründlich ausgebildete Eisenbahner)
- und der Einfluss eines insgesamt überforderten Managements.
Der Blick auf das System Eisenbahn wird in Politik und Medien vom Wunschdenken vernebelt:
- Die Vorhaltung und der Betrieb eines komplexen Schienennetzes sind pro Einheit Verkehrsleistung strukturell weitaus teurer als der Straßenverkehr.
- Für den Schienenverkehr muss der Fiskus deshalb eine sehr große Umweltprämie zahlen, und trotzdem wird der Anteil der Schiene an der Verkehrsleistung immer bescheiden bleiben. Dazu ist der Staat bislang nicht bereit.
- Diese strukturelle Kostenlücke konnte auch nicht durch den 1994 erfolgten Übergang zu einer privaten Rechtform geschlossen werden.
Das Bahndesaster wird uns noch lange Zeit begleiten.
Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche

Am Langfristchart kann man die politische Kehrwende von einer nachfrageorientierten zu einer angebotsorientierten Wirtschafspolitik ablesen. Zur Umstellung mußten viele Verbraucherschutzgesetze abgeschafft oder gelockert werden. Das war auch die Grundlage für den Beschissmus im Internet. Schon im Jahr 2000 war jeder Bundesbürger statistisch schon 2 mal im Netz betrogen worden. Die Börse nimmt bekanntlich Ereignisse vorweg. 1986 ist das Schengener Abkommen ratifiziert worden und 1985 begann der DAX seine erratische berg und Talfahrt. Vor 1985 waren Aktien Dividendenpapiere. Da gab es kaum Risiko und nichts zu zocken. 1992 ist Maastricht ratifiziert worden und die rotgrüne Schröder-Fischer-Regierung hat dann der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Mit der Deregulierung der Börse kamen die Hedge Fonds und das Ausschlachten guter Unternehmen begann. Friedrich Gohe. Schröder senkte die Spekulationssteuer, verkürzte Fristen, die Mieter begannen Achterbahn zu fahren, er senkte den Spitzensteuersatz, und löste damit genau den Presse- und Reklameterror aus, der uns heute auf den Geist geht. Seitdem werden wir mit Hiobsbotschaften zugemüllt. Merkels Standarte war Aufwärts-Abwärts. Die orientierte sich für ihre Politik an der Börse.
Natürlich war die Bahn früher besser und Pünktlichkeit eine Selbstverständlichkeit. Das waren genau die dt. Tugenden, die uns die Apo vorgeworfen hat, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, gutes Benehmen. Die Grünen, die ja ein Ableger der SPD sind, punkteten damit, daß sie Zäune und Verbotsschilder kritisierten, die gar nicht da waren. Heute gleichen die Häuser Festungen mit Sichtschutz aus Beton, früher stand da ein winziger Jägerzaun. Die Straßen waren sauber, die Bahnhöfe ordentlich, heute sind die Züge beklebt und beschmiert mit den Parolen Geistesgestörter und eingeschachtet in häßlich beschmierte der ohnehin häßlich Schallschutzwände; Reisen ist ein Horror. Wie es ja heißt, daß Narrenhände Tisch und Wände beschmieren. Deutschland ist eine Rüpelrepublik und sieht aus wie eine Müllkippe. Der Müll wuchert überall. Um die Mülleimer der Wohnsilos türmen sich regelmäßig Abfallberge, Matratzen, Sperrmüll, Schrankteile, Steropur. Und alles ist voller Ratten. Weder kriegen die Baugesellschaften das in den Griff, noch die Ordnungsämter, da ist man zu dämlich, an den Seen und Fleeten Schilder aufzustelle: Füttern verboten! Ständig liegen da Körbe von Brotresten. Ratten lieben Brot. / Umwandlung in eine AG, also kann das kein Sozialismus sein. Der Faschismus (Corporatismus), und um den handelt es sich hier, wirft für kurze Zeit enorme Gewinne ab – und zwar an den Börsen! Zudem hat Draghi Milliarden gedrucktes Geld in die Börsen gepumpt und mit Milliarden faule Kredite aufgekauft. Aber die Turbine ist schnell ausgebrannt. Der Corporatismus ist keine Marathonveranstaltung, sondern ein Kurzläufer. Nur wenige sind damit superreich geworden, weil Diktaturen immer nur ein paar Tausend superreich machen. Die anderen tragen die Lasten. Das ist eine kurze Hochgeschwindigkeitfahrt, die wegen des immensen Sprit-Verbrauchs sehr schnell ins Stottern und dann zum Erliegen kommt. Tja, nicht aufgepaßt, das Geld ist weg. Nun heißt es Klotzen.
@Lucius De Geer @HJG … Ich nenne Ihnen ein Land, wo das mit dem Transportsystem der Bahn 1A funktionierte, Deutschland. Die gesamte Deutsche Kriegslogistik wurde in 2 Weltkriegen über die Reichsbahn abgewickelt. Funktionierte hervorragend. Mein Urgroßvater, väterlicher-großmütterlicherseits war Reichsbahner. Während der Ruhrgebietsbesetzung durch den Franzmann sabotierten die Reichsbahner diesen. Nachts wurden in Düsseldorf an die Kohlenzüge 2 Loks vorne & hinten angehängt. Der kleinere Teil des Zugs fuhr nach Franzmannland, während der größere Teil des Zuges illegal ins Reich fuhr. Erst in der II. Hälfte 1944 & 1945 wurden die Züge durch Tiefflieger so häufig zerschossen, daß die Versorgung zusammen- & in den Großkommunen, wie Lagern & KZs der Hunger ausbrach, wie auch kein Nachschub mehr an die Front kam. Es ist halt ungeschickt, wenn man die Geschichte seines eigenen Kontinents nicht kennt. Das, was Herr Dr. Sarrazin im Artikel für die Zeit Seiner Bahnnutzung beschreibt, ist Teil dieser Deutschen Tradition & Geschichte. Falls Sie kein Deutscher, sondern Kasskop sind, ist die Tradition quasi dieselbe.
Die Deutsche Bahn ist nach meinem Erkenntnisstand das größte Übel in diesem Land. Alles kaputt. Ein Moloch ohne Gleichen. Kenne den Laden. Bin selber 10 Jahre lang auf die ‚angewiesen‘ gewesen. Bin froh, dass ich mit denen nichts mehr zu tun habe!
Ich habe in den 80gern im Bundesbahn Ausbesserungswerk München- Freimann Energieanlagenelektroniker gelernt. Da war noch alles in Ordnung. Auch München war noch in Ordnung. Vor Kurzem mit de S-Bahn von Riem zum Stachus und zurück gefahren. Zwei mal eine Katastrophe.
Deutschland benötigt die Dauer eines Menschenlebens, also 80 Jahre, um die Eisenbahnstrecke im 40 Kilometer breiten, topfebenen Tal des Oberrheins zwischen Karlsruhe und Basel auf 4 Gleise auszubauen.
Die ursprüngliche Strecke wurde im vorletzten Jahrhundert in Breitspur gebaut und innerhalb weniger Jahre vollständig auf Regelspur umgebaut.
Mit der Schweiz wurde einst vertraglich vereinbart, den Ausbau der Bahn im Tal des Oberrheins bis zur Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels fertigzustellen. Nun raten Sie mal welches Land mehrere Jahrzehnte später als vereinbart fertig wird – falls überhaupt -.
Eine vergleichbar lange Baugeschichte hatte der Eisenbahntunnel durch Brüssel. Da kamen allerdings 2 Weltkriege dazwischen.
Deutschland schafft ein halbes Jahrhundert Bauverzögerung ganz ohne große Kriege.
Mich wundert, dass die Berliner Politik und ihre Hofberichterstatter bei ARD und ZDF noch nicht Putin, Russland, China, den Iran, Orban, die AfD oder was weis ich wen für die Verspätungen bei der Deutschen Bahn verantwortlich gemacht haben.
Bahn, BER , Wirtschaft, Verkehr, Politik, Einwanderung usw. das ganze Land ist doch inzw. Symbol des Untergangs!