In seinem neuen Buch „Die Brüsseler Tyrannei“ rechnet Thomas Fazi mit dem EU-Imperium in Brüssel und insbesondere mit der EU-Kommission schonungslos ab. Das Buch umfasst 209 Seiten und trägt den Untertitel: „Der diskrete Staatsstreich.“ Damit bringt Fazi das Dilemma der EU auf den Punkt: Bei der zunehmenden Machtübernahme der EU handelt es sich im Grunde um einen Staatsstreich, den zunächst niemand bemerkt. Erst wer Fragen stellt und in die Tiefen der EU-Rechtsakte absteigt, begreift das wahre Ausmaß der Machtkonzentration in den EU-Institutionen. Fazi stellt diese Fragen schon seit eineinhalb Jahrzehnten. Und er gibt Antworten.
In seinem letzten Buch „La macchina della propaganda europea“ zeigte der in Rom lebende Autor, Journalist und Dokumentarfilmer die Verstrickungen der EU-Kommission mit sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf, die durch ihre finanzielle Abhängigkeit von Brüssel letztlich zu Erweiterungen des EU-Apparats wurden und nun dessen Propaganda unterstützen – bis hin zu Zensurmaßnahmen. Diesmal geht Fazi noch einen Schritt weiter und beleuchtet, wie weit Brüssel die Souveränität der Mitgliedstaaten bereits faktisch ausgehöhlt hat, und wie dies schon von Anfang an im Konstrukt der EU angelegt war.
Das Buch beginnt mit einem Geständnis. In der Einleitung gibt Fazi zu, dass er als junger Mensch eingetragenes Mitglied der radikalen italienischen Linken war und eine eher positive Einstellung zur EU hatte. Damals hielt er Nationalstaaten für ein reaktionäres Relikt der Vergangenheit. Nach der globalen Finanzkrise von 2008 änderte sich Fazis Sichtweise, und er kritisiert heute, dass die supranationalen Institutionen der EU ihren Einfluss auf sämtliche Bereiche der EU-Mitgliedstaaten ausgedehnt haben: von Wirtschaft über Gesundheit bis zum Krieg. Dabei brachte ihn seine EU-Kritik in Konflikt mit seinen ehemaligen Mitstreitern auf der Linken. Sein aktuelles Buch richtet sich nun an EU-Kritiker sowohl von linker als auch rechter Seite, die sich zwar gegen die aktuelle Politik der EU stellen, aber immer noch daran glauben, dass die EU demokratisch reformiert werden könne. Diesen Glauben hat der Autor verloren. Er bezeichnet sich allerdings nach wie vor als Sozialist. Mittlerweile betrachtet Fazi die EU jedoch als ein Projekt, das von Anfang an elitär, antidemokratisch und autoritär war.
Die Demokratie mit undemokratischen Maßnahmen verteidigen
Dabei wurde nach Ansicht Fazis jede Krise und Notlage dazu genutzt, um Befugnisse auf EU-Ebene zu verlagern, die keine Wählerschaft unter normalen Bedingungen gewährt hätte. Außerdem wirft Fazi der EU vor, sich vollständig den USA und der transatlantischen Kriegslobby untergeordnet zu haben. Dafür verwendet der Autor den Begriff „Hyper-Vasallisierung“. Wie es dazu kommen konnte, zeigt Fazi im ersten Teil seines Buchs, in dem er die Geschichte der EU chronologisch nacherzählt. Im zweiten Teil geht er dann in die Analyse über und schlüsselt minutiös auf, wie die EU heute tatsächlich funktioniert. Allerdings bleibt Fazi traditionellen linken Begriffen verhaftet und spricht etwa vom „Kampf zwischen Kapitalismus und Demokratie“. Er geht davon aus, dass die „liberalen Eliten“ seit zwei Jahrhunderten nach einer ausgeklügelten Lösung für das Problem gesucht haben, wie sich die Formen der Demokratie bewahren lassen, während sie gleichzeitig ihrer wirtschaftlichen Inhalte entleert werden können. Das allgemeine Wahlrecht sei – so glaubt Fazi – den Gewerkschaften und den sozialistischen Parteien zu verdanken, nicht den liberalen.
Es sei jedoch eine Ironie der Geschichte, dass die politische Tradition, die die europäische Demokratie tatsächlich aufgebaut habe, später zu einer der „enthusiastischsten Befürworterinnen“ des supranationalen Apparats wurde, der darauf ausgelegt war, genau diese Demokratie auszuhöhlen. Nach dem ersten Weltkrieg fanden die Eliten laut Fazi einen subtilen Ansatz, um den politisch erwachten Massen gerecht zu werden: Sie gestanden ihnen die Formen der Massendemokratie wie Parlamente und Wahlen zu, aber bauten gleichzeitig institutionelle Beschränkungen auf. Außerdem entstand die Doktrin der „streitbaren Demokratie“, die Fazi als die Idee definiert, dass Demokratien bereit sein müssten, zu ihrer eigenen Verteidigung auch undemokratische Maßnahmen zu ergreifen. Als Prämisse dieser Doktrin stellt Fazi die angeblich typisch liberale Auffassung dar, dass das Volk selbst die Hauptgefahr sei, vor der die politische Ordnung geschützt werden müsse. Eine weitere Säule der „eingeschränkten Demokratie“ sei mit der Einrichtung der Zentralbanken geschaffen worden, wodurch die Geldmengen in die Hände nicht gewählter Experten gelegt worden seien.
Die intellektuellen Wurzeln dafür verortet Fazi in der ordoliberalen Schule in Deutschland. Neoliberalen Denkern wie Ludwig von Mises oder Friedrich von Hayek unterstellt Fazi, dass sie Demokratie als Problem betrachteten und Wegbereiter des Globalismus waren. Während die Ordoliberalen eine Wirtschaftsverfassung auf nationaler Ebene gefordert hätten, habe die Genfer Schule um Hayek und von Mises eine solche für die ganze Welt verlangt. Diese sollte von supranationalen Justizorganen durchgesetzt werden, die die nationale Gesetzgebung außer Kraft setzen sollten, damit die „Rechte des Kapitals“ nicht beeinträchtigt würden. Als Gründungstext für diese „Lösung“ interpretiert Fazi Hayeks Aufsatz „The Economic Conditions of Interstate Federalism“ aus dem Jahr 1993, der einem Entwurf für die heutige EU ähnele. Demnach sollte nämlich eine Föderation wirtschaftlich und politisch heterogener Staaten eine „interventionistische Wirtschaftspolitik“ verunmöglichen, da den Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene die Instrumente der wirtschaftlichen Kontrolle entzogen würden – wie etwa Zölle oder eine unabhängige Geldpolitik. So sieht es jedenfalls Fazi.
Das Geldsystem wurde dem Einfluss demokratischer Politik entzogen
Bei seiner geschichtlichen Spurensuche beschäftigt sich Fazi aber nicht nur mit dem Neoliberalismus, sondern auch mit Faschismus und Nationalsozialismus. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass bereits 1940 Hermann Göring einen Plan für die wirtschaftliche Einigung Europas vorgelegt hatte. Für die Nachkriegszeit hebt Fazi besonders den Bericht „The Crisis of Democracy“ der Trilateralen Kommission aus dem Jahr 1975 hervor. Diese wurde 1973 auf Initiative des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Zbigniew Brzeziński und des Bankiers David Rockefeller gegründet mit dem Ziel, als politikberatende Denkfabrik den Dialog zwischen amerikanischen, europäischen und japanischen Eliten zu fördern. In dem Bericht argumentierten die Autoren, dass Regierungen dem Druck von Interessengruppen und sozialen Bewegungen der 1960er-Jahre kaum noch standhalten könnten und die westlichen Demokratien durch ein Übermaß an Erwartungen der Bürger überlastet seien. Der Bericht löste seinerzeit Debatten über die Grenzen des Wohlfahrtsstaates aus. Fazi versteht ihn als einen Ausgangspunkt für die folgende Entpolitisierung der Wirtschaftspolitik, bei der die makroökonomische Entscheidungsfindung der demokratischen Kontrolle entzogen wird.
Als weiteren Meilenstein nennt Fazi den Delors-Bericht zur Schaffung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion aus dem Jahr 1989 und schließlich den Maastricht-Vertrag von 1992, durch den die Europäische Union gegründet wurde. Fazi interpretiert den Vertrag dahingehend, dass durch ihn der Neoliberalismus fest in das Gefüge der neuen Union eingebettet wurde und sozialdemokratische Tendenzen unterdrückt wurden. Während der Autor auf die Rolle etwa der CIA und der NATO genauer eingeht, klammert er den Einfluss von Sozialismus und Kommunismus völlig aus. Zum ersten Mal nennt er die Sowjetunion im Zusammenhang mit ihrer Auflösung 1991. Dass etwa der KGB kontinuierlich versuchte, den Westen zu destabilisieren, thematisiert Fazi nicht einmal ansatzweise. Auf dem linken Auge ist er offenbar blind – oder er will es sich noch immer nicht ganz mit seinem dezidiert linken Umfeld verderben.
Der erklärte Sozialist Fazi setzt sich jedenfalls nach wie vor für die „Arbeiterklasse“ ein, während er die Problematik des real existierenden Sozialismus etwa in der ehemaligen DDR außen vor lässt. Die EU-Kritik aus dezidiert linker Perspektive ist jedoch gerade insofern interessant, als sie üblicherweise eher bei der AfD verortet und als „rechts“ diffamiert wird. Anschaulich beschreibt Fazi die Problematik der Euro-Einführung, durch die die EZB als supranationale Zentralbank immense Macht erhielt und das Geldsystem dem Einfluss demokratischer Politik entzogen wurde. Fazi spult die weitere Geschichte der EU wie im Zeitraffer ab: vom Beschluss einer gemeinsamen Verfassung über die Osterweiterung samt NATO-Vergrößerung, die Wirtschafts- und Schuldenkrise, den Brexit bis hin zum Ukraine-Krieg. Er erklärt, wie das Narrativ vom „Europa der Werte“ zunehmend als Waffe eingesetzt wurde, um Kritik an der EU-Politik als Widerstand gegen europäische Werte an und für sich umzudeuten – ausdrücklich verbunden mit der Bekämpfung von „Fake News“. Und er zeigt auf, wie die „Covid-19-Pandemie“ die autoritäre Wende der EU noch beschleunigte.
Ungewählte Politiker und Konzernchefs verbünden sich, Bürger zahlen
Wörtlich heißt es: „Regierungen auf der ganzen Welt nutzten den Gesundheitsnotstand, um demokratische Verfahren und verfassungsrechtliche Beschränkungen außer Kraft zu setzen, Gesellschaften zu militarisieren, Bürgerrechte einzuschränken und beispiellose Maßnahmen der sozialen Kontrolle durchzusetzen.“ Dabei spielte die EU-Kommission eine führende Rolle – zunächst bei der Ausarbeitung des Konjunkturprogramms und anschließend bei der Organisation der gemeinsamen Beschaffung von Impfstoffen. Nicht zuletzt nahm die EU in den Corona-Jahren zum ersten Mal überhaupt einen gemeinsamen Kredit auf. Im Mai 2020 schnürte sie das „NextGenerationEU-Paket“: einen 750-Milliarden-Euro starken „Wiederaufbaufonds“, der die Mitgliedstaaten dabei unterstützen sollte, die wirtschaftlichen Schäden, die durch die Corona-Maßnahmen entstanden waren, abzufedern. 2021 kam dann noch eine Verordnung hinzu, durch die die Kommission die Auszahlung von EU-Geldern zurückhalten konnte, wenn sie einen „Verstoß gegen die Rechtsstaatlichkeit“ feststellte.
Allein bis November 2021 hatte die Kommission im Namen der Mitgliedstaaten Verträge zur gemeinsamen Impfstoffbeschaffung im Wert von 71 Milliarden Euro unterzeichnet, um bis zu 4,6 Milliarden Impfstoffdosen zu erwerben – mehr als zehn Dosen für jeden europäischen Bürger. Die Kommission hielt diese Verträge nicht nur geheim, sondern sie stimmte auch der Befreiung von der zivilrechtlichen Haftung für Impfstoffhersteller zu. Fazi kommentiert dieses Vorgehen mit der Bemerkung: „sozialisiertes Risiko, privatisierter Gewinn.“ Zudem wurde ein Zulassungsverfahren genehmigt, das die üblichen Sicherheitsvorschriften komplett umging. Ganz zu schweigen vom „Pfizergate“, als Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in privaten Textnachrichten mit dem Pfizer-CEO Albert Bourla einen 5-Milliarden-Euro-Vertrag abschloss und diese Nachrichten dann spurlos verschwanden. Fazi bewertet die „Pfizergate“-Affäre jedoch nicht als Einzelfall, sondern als ein Spiegelbild des wahren Wesens der EU als einem „Zufluchtsort, an dem sich nicht gewählte Politiker und Unternehmensführer fernab neugieriger Blicke und ungehindert von veralteten Konzepten wie Transparenz und – ironischerweise – der Rechtsstaatlichkeit selbst miteinander verbünden können, während Regierungen und letztlich die Bürger die Zeche zahlen müssen“.
Das alles ist zwar nicht neu, doch der Fokus auf die Rolle der EU-Kommission macht noch einmal die Ungeheuerlichkeit der Maßnahmen und insbesondere des digitalen COVID-Zertifikats deutlich: So erklärte von der Leyen im Dezember 2021, als Österreich eine Impfpflicht gesetzlich verankerte und Griechenland damit begann, ungeimpfte ältere Menschen mit Geldstrafen zu belegen, es sei angemessen, über eine Impfpflicht innerhalb der Europäischen Union zu diskutieren, und sie forderte dabei ein „gemeinsames Vorgehen“. Der moralisierende Imperativ, Leben zu schützen, wurde als absoluter Wert gesetzt, der demokratische Auseinandersetzungen ausschloss. Dadurch wurde der Ausnahmezustand und damit einhergehend auch die Militarisierung des öffentlichen Lebens normalisiert.
Ukrainekrieg als Vorwand für Sicherheitsnotstand
Fazi spricht in diesem Zusammenhang von einem „Notstand, der, wenn er dauerhaft wird, per Definition gar keine Ausnahme mehr ist und zur Regel wird“. Den Ukraine-Krieg sieht er als bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung, durch die der permanente Ausnahmezustand als organisierendes Prinzip der EU-Governance gefestigt wird. Dabei hat ein derartiger Sicherheitsnotstand im Grunde kein Ablaufdatum, da die Bedrohung, auf die man sich berufen kann, niemals widerlegt werden kann. Im Namen dieses Notstands können Haushaltsregeln dauerhaft außer Kraft gesetzt, Parlamente umgangen, Wahlen annulliert, Meinungsäußerungen kontrolliert und abweichende Meinungen pathologisiert werden. Fazi ist der Ansicht, dass es auch letztlich die EU war, die im Jahr 2013 den politischen Zusammenbruch der Ukraine auslöste.
Der Ukraine-Krieg führte im März 2025 zum EU-Plan „ReArm Europe“, der schon bald in „Readiness 2030“ umbenannt wurde und 800 Milliarden Euro für die Aufrüstung mobilisieren sollte. Dafür durften die Mitgliedstaaten sogar gegen die ansonsten sehr strengen EU-Haushaltsregeln verstoßen. Außerdem verlieh die Kommission im Rahmen des neuen Instruments „Security Action for Europe“ (SAFE) Gelder für gemeinsame Rüstungsbeschaffungen. SAFE wurde gemäß Artikel 122 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verabschiedet, einer Notfallklausel, die es dem Rat ermöglicht, alleine zu handeln und dabei das Europäische Parlament vollständig zu umgehen.
Nach Ansicht von Fazi nutzte die Von-der-Leyen-Kommission den Krieg gezielt, um im Namen der Reaktion auf die russische Bedrohung eine Reihe zunehmend autoritärer Maßnahmen zu rechtfertigen. So trat im Oktober 2022 das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz: DSA) in Kraft, das großen Online-Plattformen weitreichende Verpflichtungen auferlegte, um vermeintlich illegale Inhalte zu verhindern, und damit die Meinungsfreiheit im Internet massiv einschränkte. Außerdem beschreibt Fazi den Aufbau eines allgegenwärtigen Apparats zur Wahlbeeinflussung, der beispielsweise im Dezember 2024 dazu führte, dass die Präsidentschaftswahlen in Rumänien für ungültig erklärt wurden. Dieses Vorgehen wurde anschließend mit der Schaffung des „Europäischen Schutzschilds für die Demokratie“ („European Democracy Shield“) institutionalisiert, mit dem die Kommission angeblich „ausländische Informationsmanipulation“ überwachen will.
Abhängigkeit der EU von den USA
Im zweiten Teil seines Buchs geht Fazi dann genauer auf all diese restriktiven Verordnungen und Instrumente ein und gibt eine präzise Momentaufnahme der EU als einer „Maschine, die die Demokratie untergräbt“. Er arbeitet minutiös heraus, wie das EU-System auf jeder Ebene – vom Gesetzgebungsmonopol der Kommission, der strukturellen Ohnmacht des Parlaments und der Intransparenz des Rates über den abgehobenen Gerichtshof und die vorlegislative Vorherrschaft der ständigen Bürokratie bis hin zum Lobbying-Ökosystem – so aufgebaut ist, dass die Regierungsgewalt in größtmöglicher Entfernung von der demokratischen Rechenschaftspflicht ausgeübt wird. So verabschiedete die EU allein im Jahr 2024 rund 1920 rechtsverbindliche Rechtsakte, von denen mehr als 1200 sogenannte delegierte Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte waren, die von der Kommission im Wesentlichen selbständig und nur unter minimaler parlamentarischer Kontrolle erlassen werden können.
Fazi durchleuchtet auch die Privilegien der EU-Beamten, die daher ein finanzielles Interesse am Fortbestand des gegenwärtigen Systems haben. Er untersucht die Auswirkungen des Euro auf den europäischen Binnenmarkt und das BIP. Und er reflektiert die Verantwortung von Medien und Wissenschaft. Darüber hinaus schlüsselt er den Propaganda- und Zensurkomplex der EU auf, der sich nicht nur in Auswüchsen wie der propagierten „Chatkontrolle“ äußert, sondern auch zu willkürlichen Sanktionen gegen Einzelpersonen wie Jacques Baud führt. Dem pensionierten Oberst des Generalstabs der Schweizer Armee, der in Brüssel lebt, wurde im Dezember 2025 bekanntlich „pro-russische Propaganda“ vorgeworfen, sein Vermögen wurde eingefroren und er bekam faktisch Hausarrest in Belgien.
Vor allem weist Fazi jedoch auf die Abhängigkeit der EU von den USA hin: Die zunehmend autoritäre innenpolitische Haltung der EU und ihre sich vertiefende Unterordnung unter die Vereinigten Staaten seien keine widersprüchlichen, sondern sich gegenseitig verstärkende Tendenzen. Jede supranationale Machtübernahme der EU habe externen Schutz und Legitimation erfordert, die Washington im Gegenzug für eine Annäherung gerne gewährt habe. Und jede weitere Stufe der Annäherung habe wiederum die Unterdrückung innerstaatlicher Opposition erfordert, was durch die neuen supranationalen Befugnisse ermöglicht worden sei. Autoritarismus und Vasallentum seien im Falle der EU zwei Seiten desselben Prozesses. Doch auch die Opposition in den EU-Ländern bleibe dem Atlantizismus und neoliberalen Dogmen verhaftet, kritisiert Fazi.
Wirtschaftliche Ausbeutung des Kontinents durch amerikanisches Kapital
Als Beispiel für die von ihm so genannte „Hyper-Vasallisierung“ der EU, die an die Dynamik traditioneller Kolonialherrschaft erinnere, führt Fazi den Anschlag auf die Nord Stream-Pipeline an. Er bezeichnet ihn als „Sabotageakt, der mit ziemlicher Sicherheit direkt von den Vereinigten Staaten ausgeführt oder an ihre Stellvertreter im NATO-Umfeld ausgelagert wurde“. Doch die Reaktion Deutschlands – und Europas – auf diesen schlimmsten Akt industrieller Sabotage in der Geschichte des Kontinents sei Schweigen gewesen. Fazi wertet dies als den besten Beweis der tief verwurzelten Unterwürfigkeit Europas gegenüber den USA. Die EU fungiere seit Langem als „Soft-Power-Arm“ eines von den USA angeführten Hegemonieprojekts – sozusagen als Unterabteilung der NATO – und nicht als autonomer Akteur. Aus dieser Perspektive könne der Stellvertreterkrieg in der Ukraine als strategischer Triumph für Washington angesehen werden. Doch die Aushöhlung der industriellen Basis Europas festige nicht nur die geopolitische Dominanz der USA; sie öffne auch die Tür für die wirtschaftliche Ausbeutung des Kontinents durch amerikanisches Kapital. BlackRock und andere US-Megafonds positionierten sich bereits in den Bereichen Infrastruktur, Energie und beim bevorstehenden Wiederaufbau der Ukraine.
Den wahren Zweck der NATO sieht Fazi darin, Europa zu kontrollieren, nicht es zu verteidigen. Die NATO habe die Auflösung der Sowjetunion als ihrem erklärten Gegner im Jahr 1991 schlichtweg zur weiteren eigenen Ausdehnung genutzt, weil ihre eigentliche Funktion – die Disziplinierung Europas innerhalb der von den USA geführten Ordnung – niemals von der Existenz der Sowjetunion abhängig gewesen sei. Das transatlantische intellektuelle Ökosystem, das sich um amerikanische Thinktanks wie den German Marshall Fund, die Trilaterale Kommission, den Council on Foreign Relations und das Aspen Institute drehe, habe dies weiter verfestigt. Fazi legt dar, wie diese Maschinerie gerade auf der Ebene der Elitenbildung am wirksamsten und gleichzeitig am wenigsten sichtbar sei. Er schreibt:
„Organisationen wie die Atlantik-Brücke in Deutschland fungieren zusammen mit einem dichten Netz aus vom US-Außenministerium finanzierten Stipendien, Austauschprogrammen, Praktika bei Botschaften und Verbindungen zu Thinktanks als transatlantischer Apparat zur Sozialisierung, Überprüfung und Zertifizierung aufstrebender europäischer Führungskräfte. Das Ergebnis ist keine Befehlsgewalt, sondern das, was man als vorausschauende Angleichung bezeichnen könnte: Wenn diese sorgfältig herangeführten Eliten Machtpositionen in Politik, Medien oder Wirtschaft erreichen, erscheint ihnen die Anpassung selbstverständlich. Sie dienen den amerikanischen Interessen nicht unbedingt, weil sie dazu gezwungen werden; sie tun es, weil sie sich keine Alternative vorstellen können.“
Fazi hält die EU nicht mehr für reformierbar. Seiner Ansicht nach bleibt nur ein einziger Weg: der einseitige Austritt eines oder mehrerer Staaten. Nichts hindere die Nationen Europas dann daran, auf der Grundlage von lockereren und auf Konsens basierenden Vereinbarungen zusammenzuarbeiten: ein Europa souveräner Staaten, das sich dort koordiniert, wo Interessen wirklich zusammenlaufen, und dort auseinandergeht, wo dies nicht der Fall ist. Als Vorbild nennt Fazi die BRICS und die ASEAN, die eine tiefe wirtschaftliche Partnerschaft ohne politische Harmonisierung, ohne verbindliches supranationales Recht und ohne zentrale Durchsetzungsbehörde anstreben und versuchen, Mitglieder mit sehr unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen unter einen Hut zu bringen. Ein solches neues Europa würde keinen Rückzug aus der Welt bedeuten, sondern eine Wiederannäherung an sie. Und es wäre nach Ansicht Fazis frei, Beziehungen zu allen Mächten der Welt zu pflegen, anstatt in Blockdisziplin auf eine Konfrontation zuzusteuern.
Was Fazi bei alldem ausblendet, sind allerdings die Zwänge, die den Staaten durch die UNO auferlegt werden. Er ignoriert beispielsweise die Auswirkungen der UN-Agenda 2030, durch die Wirtschaft und Gesellschaft in globalem Maßstab auf „Klimaneutralität“ ausgerichtet wurden und die die EU dann im Green Deal umgesetzt hat. Insgesamt irritiert seine ideologische Einseitigkeit: So scharf Fazi – im Kern durchaus berechtigt – die USA kritisiert, so milde geht er mit Russland und China ins Gericht. Er arbeitet sich in erster Linie am Westen und am Kapitalismus ab. Insbesondere der zweite Buchteil, der sich auch separat lesen lässt, enthält jedoch zahlreiche informative Details zur Struktur der EU in übersichtlicher und komprimierter Form. Allein dieser zweite Buchteil lohnt die Lektüre. Und nicht zuletzt beweist Fazi als bekennender Sozialist, dass Kritik am Zentralismus der EU keineswegs per se „rechts“ ist.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„Die Brüsseler Tyrannei – oder Der diskrete Staatsstreich“ von Thomas Fazi, Westend Verlag 2026, hier bestellbar.


„Neoliberalen Denkern wie Ludwig von Mises oder Friedrich von Hayek unterstellt Fazi, dass sie Demokratie als Problem betrachteten und Wegbereiter des Globalismus waren.“
Der Satz reicht vollkommen für den Beweis, dass man das Buch nicht lesen muss. Es gibt nämlich sehr viele Bücher auf der Welt, deshalb sind Ausschlusskriterien notwendig. Man kann zwar viele fasche Sätze schreiben; aber einen solchen zu verfassen, in dem jedes einzelne Wort falsch ist – das ist schon eine Kunst.
Was für ein chaotischer Wirrkopf !
Jaja, wenn der Sozialismus mal wieder nicht funktioniert, kommt die Kritik von links, dass es ja gar kein Sozialismus sei…. Schuld sind dann wieder die USA, die Juden und das Wetter, nur nicht die links kollektivistischen Minderleister welche die Linken mit dem Marsch durch die Institutionen in ihre Machtpositionen gebracht haben. Wie bestellt, so geliefert.
@Thomas Szabó Die meisten übersehen das Brüssel alle EU Länder restlos entmachtet und mit dem MIK und Geheimdienste dank Eikonal Hochverräter überwacht. Es wäre restlos egal ob konservative oder Spezialdemokraten durch die Wahl als Regierung ernannt werden, sie sind entmachtet. Nix zu sagen, nur Marionette.
Hermann Ploppa hat es richtig in „Die Repräsentative Demokratie hat fertig“ dargestellt.
„Nach achtzig Jahren Bundesrepublik ist klar: es ist egal wen und was die Deutschen wählen – die Politik schert sich sowieso nicht darum. Es braucht Direkte Demokratie und Imperatives Mandat.“
Wahlen bringen nur noch wenig.
„Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist“
Gutes Beispiel wie dämlich manche sind, VW Operative Gewinne 2025 8.9 Milliarden, VW kündigt allen dank der Gewerkschaft oder was kostet ein Barrel Öl.
In Japan kostet 1 Liter Diesel 0.88 Euro.
Der deutsch-europäische Faschismus ist mal wieder extrem weit fortgeschritten. Die Folgen wird jeder zu spüren bekommen. JEDER
Vor jedem Krieg wurde alle Bürger für die Finanzierung massiv ausgeplündert.
Der Ukronazi Selensky will jetzt die Prostituierten für Drohnen abkassieren. Im Faschismus ist sowas immer möglich.
Was bleibt den vielen kleinen Staaten Europas, um sich im Globalismus, im geopolitischen Machtspiel um die Ressourcen des Planeten, zu behaupten. Die USA verfügen weltweit über mehr als 800 „Inkassostützpunkte“. Was hat die EU?, also bleibt nur die Vasallenfunktion entweder für die USA!? Oder sollte man eine Vasallenstruktur mit Russland anstreben? Russland verfügt über militärische Stärke, kombiniert mit den EU-Staaten könnte man also auch jede Menge „Inkassostützpunkte“ weltweit einrichten, um das Handelsgesxhäft mit den Ressourcen zu schützen.
Wer hat den Mut? Wie erklären wir das den Amis und den Chinesen?
Die EU ist ein Überstaat, die unter der Fuchtel jeglicher Lobby steht, nicht nur der Kriegslobby oder Pharmalobby, da alle Macht vom Geld ausgeht.
Abertausende Lobbyisten mit einem Milliarden- Jahresbudget nehmen in Brüssel Einfluss auf die EU-Institutionen. Das ist eine Lobbykratie und keine Demokratie.
Der Schutz des Verbrauchers, den man immer vorgibt ist heuchlerisch, so wie man jetzt nur zertifizierte Ökolabel einführen will und nicht mehr nur „ökologisch“ gelten lassen möchte, viele Kleinbetriebe können sich aber teure Ökolabel nicht leisten und sind dann weg vom Markt.
Dann aber kommt 2028 eine neue EU-Vorschrift und hat zur Folge, dass gentechnisch verändertes Obst und Gemüse nicht mehr eindeutig gekennzeichnet sein muss. Verbraucher im Supermarkt können nicht mehr erkennen, ob Obst und Gemüse gentechnisch verändert sind. Das ist nicht nur unverschämt, ich habe ein Recht zu wissen was ich esse, es kann gerade für Allergiker und auch für sonstige gesundheitliche Folgen haben.
Agrochemieunternehmen und Konzerne jubeln schon, für Biobauern ist es eine Katastrophe, auch hier sollen Kleinbetriebe zugunsten großer Konzerne weichen.
Eine große Verarschung ist das alles, der Verbraucher oder Kleinunternehmen werden ständig mit neuen Verordnungen gegängelt, während man die Großen großzügig durchwinkt. Nur das Geld zählt.
„In unserem Sinne funktionieren nur unabhängige Zentralbanken, wie einst die Bundesbank, deren reiner Fokus durch die Bekämpfung der Inflation bestimmt ist, whatever it takes.“
Das muss ein Mensch mit der geistigen Reife eines Teenagers geschrieben haben. Immer wieder der Ruf nach einem möglichst starken Staat. Aber gütig soll er sein. Das klappt am besten per Gesetz und Amtseid. Wir wissen ja, dass solche Eide so bindend sind wie die Zaubersprüche von Harry Potter. Zeigt die Vergangenheit. Inflationsrate in Deutschland von 1950 bis heute. Man sieht die Unabhängigkeit der BB gegenüber der EZB deutlich. Nicht.
Wundere mich nur gerade nachhaltig, dass sie die Chinesen mit ihrer Volkswährung nicht als leuchtendes Beispiel präsentieren. Ist doch sonst Ihr Ding.