Manfred Haferburg / 12.05.2019 / 11:00 / Foto: Hampton/Royal Navy / 11 / Seite ausdrucken

Die Bombe an Bord

Elektroautos – grün, lautlos, emissionsfrei – einfach wunderbar. Ich fange an, zu träumen… Ach wäre doch Paris schon morgen eine verbrennungsmotorfreie Zone. Elektromobilität ist zu schön, um wahr zu sein. Man kann sie aber nicht herbeiplanen, sondern muss warten, bis sie sich entwickelt hat. Das kommt, aber das dauert. 

In Holland wird die schöne neue Elektrowelt seit einiger Zeit für die Sportschifffahrt propagiert, und die etwas Begüterteren leisten sich ein „Flusterbootje“. Na ja, die meisten Elekto-Yachten haben einen heimlichen Diesel an Bord, der die großen Batterien mit Strom versorgt, wenn’s mal übers Ijsselmeer gehen soll. Es gibt aber auch schon ein paar reine Batterieboote. Und es gibt ein paar Solarboote, die wie grottenhässliche Katamarane auf Kufen daherkommen und einem sehr schlanken Fahrer Platz bieten. (für die altmodischen Schipper: Einen Kasten Bier kann der nicht mitnehmen – kein Platz). 

Ich gebe es zu, ich habe auch ein Boot. Dort wohne ich gern im Sommer – obwohl dieses Jahr von Frühlingstemperatur noch keine Rede sein kann. Verglichen mit meinem 1973er Ford Traktormotor wäre ein elektrisch angetriebenes Boot einfach wunderbar. Leider fehlt es mir am Kleingeld.

Gestern nacht wachte ich mitten in der Nacht vom Geräusch eines landenden Hubschraubers auf, der auf der Wiese neben dem Liegeplatz meiner hundert Jahre alten Tjalk aufsetzte. Nun hörte ich auch die Sirenen der Feuerwehr. Was war passiert? Eine Yacht stand in Flammen. Keine 200 Meter von meinem Platz auf dem Wasser.

Eine 40-Fuß-Hybrid-Motoryacht in Flammen

Nach ersten Annahmen der Feuerwehr hatte es wohl eine Verpuffung im Bereich der Batterien im Vorschiff der Yacht gegeben, in deren Folge das große Polyesterboot in Flammen aufging. Womöglich durch die Menge des Löschwassers oder aber durch bei der Verpuffung entstandene Lecks sank das Boot und liegt nun auf dem Grund des Hafens. Zum Glück hielt sich zum Zeitpunkt des Unglücks niemand auf dem Boot auf. Und zum Glück lag auch kein anderes Boot unmittelbar daneben. Laut Aussage von Anliegern handelte es sich um eine 40-Fuß-Hybrid-Motoryacht von ungefähr 12 Meter Länge zum stolzen Preis von 400.000 Euro – inklusive Waschmaschine und Mehrwertsteuer. 

Die allwissenden Yachties im Hafen munkeln, dass dies nicht die Erste ihrer Art ist, die lichterloh abbrannte. Das soll in Deutschland mit dem gleichen Typ auch schon passiert sein. (für diejenigen, die sich das Video ansehen: das Boot was bespritzt wird, ist nicht das, was abbrennt)

Die Ursache? Steht noch nicht hundertprozentig fest. Ist aber ein Politikum – denn wegen der Elektromobilität entzünden sich nicht nur Batterien, sondern auch die Geister. Moderne Batterien zeichnen sich eigentlich durch hohe Zuverlässigkeit, aber auch durch sehr hohe Energiedichte aus. Energiedichte birgt aber stets die Gefahr, dass die gespeicherte Energie mit einem Schlag freigesetzt wird. Denn – wenn sie da drin ist, ist sie drin – und kommt irgendwie raus. Entweder schön langsam am Elektromotor oder blitzschnell mit einem großen Rumms. Das passiert zum Glück nicht oft, aber es passiert. 

 

Li-Ionen-Batterien oder Akku's sind – in großer Stückzahl – vielfältige Begleiter unseres täglichen Lebens geworden. Auch bei Computern, Telefonen, Rasierapparaten, Elektrofahrrädern, Bikes und vielen anderen Dingen. Die enormen Stückzahlen weisen eigentlich nach, dass diese Batterien recht sicher bis an Ihr Akkulebensende sind – wenn sie denn ordnungsgemäß behandelt werden. Sie dürfen nicht großer Hitze und Kälte ausgesetzt werden. Sie dürfen nicht feucht werden. Sie dürfen nicht in der Nähe brennbarer Gegenstände von ungeeigneten Ladegeräten geladen werden. Sie dürfen nicht auf harten Boden fallen… 

Batterien sind heute Hightech-Produkte. Weil sie so empfindlich sind, hat das Luftfahrtbundesamt den Transport von Akkus ab 160 Wattstunden in Passagiermaschinen verboten. Uuups – was ist denn jetzt mit dem Elektrolufttaxi

Der alte Sneeker Werftmeister munkelt nun hinter vorgehaltener Hand: „Die Ladeelektronik hat versagt. Das Ladegerät hat nicht aufgehört zu laden, als die Batterien schon voll waren. Daher wurden sie überladen. Dann entwickelt sich Gas und der Batterieraum war schlecht belüftet. Die Batterien explodieren und brennen ab wie Zunder. So eine Art Tesla auf dem Wasser“. 

Ich habe vor Schreck gleich über Nacht mein Ladegerät ausgeschaltet, obwohl ich nur zwei alte Bleiakkumulatoren an Bord habe. Man kann ja nie wissen, ob die Elektronik funktioniert – die ist ja auch schon alt. Und ganz ohne die Batterien kriege ich auch meinen guten alten Traktordiesel nicht an. 

Foto: Hampton/Royal Navy Imperial War Museum
Leserpost

netiquette:

Silas Loy / 12.05.2019

Nach Paris scheint es jetzt auch in Holland Mode zu werden, dass die Ermittlung einer Brandursache ein Politikum ist.

Lutz Herzer / 12.05.2019

Das Problem bei Akkus ist nicht nur die Energiedichte, sondern die Gegebenheit, dass sämtliche elektrochemischen Energieträger dicht miteinander verbunden und nur durch dünne Separatoren (Folien) getrennt verbaut werden. Wenn durch Überhitzung wegen Überladung, Kurzschluss oder hohem Leistungsbedarf ein thermal runway entsteht, kann in kurzer Zeit ein erheblicher Teil der gespeicherten Energie ohne Luftzufuhr freigesetzt werden. Der Vorteil beim Verbrennungsmotor besteht darin, dass nur einer von zwei chemischen Energieträgern, nämlich der Treibstoff, im Tank mitgeführt werden muss. Der andere Teil, der Sauerstoff, wird aus der Umgebungsluft zugeführt, was neben der Sicherheit auch der Reichweite zuträglich ist. Im Zeitalter von crash-sicheren Tanks und automatischer Unterbrechung von Kraftstoffpumpen passieren deshalb relativ wenig Brände, selbst im Falle von Horror-Crashs, wenn sogar Motorblöcke komplett rausgerissen werden. Teslas brennen offenbar besonders gerne, was wahrscheinlich auch an unsinnig hohen Motorleistungen und maximalen Stromstärken liegt. Vernünftige Leistungen von z.B. 100 Kw wie beim E-Golf oder 88 Kw wie beim Renault Zoe sind für E-Autos völlig ausreichend.

Thomas Weidner / 12.05.2019

Was passiert, wenn auf einer Fähre ein eAuto zu brennen beginnt?

Karsten Dörre / 12.05.2019

Sie dürfen nicht… sie dürfen nicht… sie dürfen nicht. Kommende Generationen wollen sowieso den Ausstieg von jeglicher Motorisierung. Da bin ich also optimistisch, dass nichts mehr brennt, verpufft oder explodiert.

Hanns-Jürgen Mostert / 12.05.2019

Mal so eine Zahl eingeworfen: Die Sprengkraft von 1 kg TNT entspricht der Energie von 1,162 kWh. Andersherum gesagt, eine Batterie mit einem für die Mobilität lächerlichen Energieinhalt von 100 kWh (Heizwert von 10 l Diesel) hat die Sprengkraftenergie von gut 85 kg TNT. Das wird den Straßenbau ankurbeln.. Viele Grüße

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