„Wanderungsverlust von Deutschen ist kein Grund zur Sorge“, sagt Professor Marcel Erlinhagen aus Duisburg, der auch mit dem DIW zusammenarbeitet, einem Institut, das immerhin die deutsche Politik berät.
Grund für die Meldung ist, dass sich laut Statistik die Anzahl der Auswanderer aus Deutschland von im Jahre 2015 ca. 140.000 auf im Jahr 2016 ca. 280.000 verdoppelt hat. Das habe mit einer veränderten Zählweise zu tun und wäre ein Problem der Erfassung. Allerdings räumt der Soziologe ein, dass die neue Wanderungsstatistik „den realen Zahlen näherkommt“.
Der „Wanderungsverlust“ wäre aber kein Grund zur Sorge, weil die Abwanderung von 0,2% der deutschen Bevölkerung einem „Nettoverlust“ von 135.000 Staatsbürgern entspricht und dass durch das enorme Zuwanderungsplus genauso viele Einbürgerungen erfolgen. Professor Erlinghagen: „Hinzu kommt, dass wir ein enormes Zuwanderungsplus haben, nicht nur von Geringqualifizierten, sondern auch von Fachkräften.“
Die Welt fragt trotzdem irgendwie besorgt: „Das Land hat netto 400.000 Staatsbürger in nur einem Jahr verloren. Verkraftet die Gesellschaft ein derart starkes Schrumpfen der Stammbelegschaft auf Dauer?“ Antwort: „Insgesamt schrumpft die Bevölkerung in Deutschland derzeit eben nicht – sondern wächst. Eine Unterscheidung zwischen Bevölkerung mit deutscher Staatsbürgerschaft oder ohne macht hier aus einer gesellschaftspolitischen Sicht wenig Sinn“. Wow, das saß.
Irgendwie ist unser Welt-Erklärbär mit dieser Aussage ein wenig aufs Glatteis geraten, weil sie ein bisschen wie Pfeifen im Wald klingt und direkt mit dem ständigen Gejammer über den großen „Fachkräftemangel“ kollidiert.
Es gibt aus gesellschaftspolitischer Sicht sehr wohl einen Grund zur Sorge, wenn die in die Sozialsysteme einzahlende Bevölkerung einer Großstadt wie Kassel pro Jahr auswandert und durch 200.000 kulturfremde Neubürger ersetzt wird, die bestenfalls mittelfristig von Sozial-Beziehern zu Einzahlern werden. Von der Qualifikationskohorte gibt es leider keine Statistik, aber das Märchen von den zuwandernden „Fachkräften“ glaubt der Professor wohl selbst kaum. Man muss kein Mathematik-Genie sein, um die beschriebene Entwicklung für das Sozialsystem zu extrapolieren.
Ich war ein „Wanderungsverlust“
Am schlimmsten finde ich die rotzige Art, zu konstatieren, dass „eine Unterscheidung zwischen Bevölkerung mit oder ohne deutscher Staatsbürgerschaft aus gesellschaftspolitischer Sicht keinen Unterschied mache“. Das erinnert irgendwie and die Zeit 1989 in der DDR.
Ich verbrachte im Sommer 89 einige Zeit im staatlichen Erholungsheim des MfS Hohenschönhausen und unterzog mich einer Lichttherapie, an deren Ende ich fast meinen Namen vergessen hatte. Ich war wohl einer der „Wanderungsverluste“, deren man habhaft geworden war. Hohenschönhausen war voll von uns.
Der DDR liefen ihre Besten in Scharen davon. An den Grenzen wurden sie wie Hasen abgeschossen und die Botschaft in Prag platzte aus allen Nähten. Vier Millionen waren es am Ende, die ihrem Land „in dem unsere Menschen einer glücklichen Zukunft entgegensehen“, den Rücken gekehrt hatten.
Und was fiel dem Staatsratsvorsitzenden und Ersten Sekretär des ZK der SED, dem Genossen Erich Honecker, zu dem Exodus ein? Ein rotziges: „Sie alle haben durch ihr Verhalten die moralischen Werte mit Füßen getreten und sich selbst aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt. Man sollte ihnen deshalb keine Träne nachweinen“.
Ich bin nach Frankreich ausgewandert. Und ich habe die „Gemeinsame Erklärung 2018“ gezeichnet.
Beitragsbild: Tim Maxeiner

Von den mittelfristigen Einzahlern werden langfristig nicht viele übrig bleiben. Wer von denen nicht wie unsere ewige Regierung und deren Sprachrohre an das Umverteilungs-Perpetuum glaubt, der wird hier seine Ausbildung machen und sich dann zügigst in Richtung eines der Länder aufmachen, in denen Einwanderungschancen vom Nutzen für das Zielland abhängen. So kann man Gesellschaftspolitik eben auch definieren.
Danke, Herr Haferburg, Sie haben das Problem auf den Punkt gebracht. Leider bin ich nicht mehr jung genug, um in einem anderen Land neu anzufangen, sonst würde ich dieses verlotterte, der Kulturlosigkeit anheim gegebene Deutschland verlassen. D. Regierungen d. letzten 20 J. haben das auf dem Gewissen. Gesteigert durch d. Grenzverlust 2015. D. ade! Ich verstehe junge Auswanderer. Früher hätte ich versucht, sie davon abzuhalten. Heute würde ich das nicht mehr tun. Der Karren steckt metertief im Dreck und die neue "GroKo" wird ihn noch tiefer hineinziehen, wenn nicht das Wunder eines kompletten Perspektivwechsels stattfindet. Ich sehe das allerdings nicht.
Ja, es war schon klar damals in der DDR, dass früher oder später das Licht ausgeknipst werden würde im Staat. Aber die 4 Mio sind in 40 Jahren rüber gemacht; davon 3,5 Mio bis 1961 zum Bau der Mauer. Also, es kann lange dauern, bis sich das irgendwie auswirkt. Und eine wie auch immer geartete Mauer kann auch noch kommen. Jeder darf rein, aber keiner mehr raus. Insofern haben diese Zahlen vorläufig kein Potential irgendetwas zu ändern. Das einzige, was zur Änderung führen wird, ist das Ende des jetzt fast 10-jährigen Konjunkturaufschwungs. Dann wird es tatsächlich problematisch! Es wird kommen, aber ich weiß nicht, ob ich es mir schnell wünschen soll?
Mich würde ja brennend interessieren, ob die Zahl der zugewanderten Fachkräfte die 1%-Hürde übersteigt und ob ihr Fachwissen den Anforderungen des hiesigen Arbeitsmarktes entspricht. Wenn nicht, dann ist das auch kein großes Problem. Wichtig ist nur, dass sich die restlichen 99% in unseren Sozialkassen wohl fühlen. Hoppala....ist ja schon 13:12 Uhr. Ich muß weiterarbeiten.
Immer wieder interessant, oder beunruhigend, wer hierzulande Professor werden kann.