Der Wintereinbruch der vergangenen Woche beherrschte deutschlandweit die Schlagzeilen. Viel Panikmache begleitete die Berichterstattung rund um die für diese Breiten eigentlich übliche Witterung. Der Höhepunkt der Wetterhysterie trat unmittelbar vor dem für Freitag angekündigten „Tief Elli“ auf. Der Deutsche Wetterdienst hatte für zahlreiche Landkreise wegen erwarteten starken Schneefalls eine „Gefahr für Leib und Leben“ ausgerufen, die Deutsche Bahn stellte den gesamten Zugverkehr im Norden ein. Im ganzen Land riefen Behörden die Bürger dazu auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und nicht mit dem Auto zu fahren. Vielerorts fiel der Präsenzunterricht aus oder Eltern wurde freigestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken.
In der Praxis fiel das „Sturmtief“ dann bedeutend milder aus als befürchtet. Um manche Regionen machte „Elli“ sogar einen Bogen, darunter Berlin und Teile Brandenburgs. Dabei hatte auch die Hauptstadt prophylaktisch den Notstand ausgerufen: Die Präsenzpflicht war für Freitag an Berliner Schulen aufgehoben worden, Zoo, Tierpark sowie Parkanlagen und darin befindliche Schlösser der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten blieben vorsorglich geschlossen. Sogar Turnhallen wurden gesperrt – weil die befürchteten Schneemassen die Statik womöglich zu stark belastet hätten. In der Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam wurde zudem der Empfang der Sternsinger durch die Landesregierung abgesagt. Bereits am Freitagmorgen gab der Deutsche Wetterdienst für Berlin und fast ganz Brandenburg Entwarnung.
An den Wetterbedingungen in der Hauptstadt war jedenfalls weder der Schneefall noch gefrorene Seen und Flüsse oder Glatteis für diese Jahreszeit ungewöhnlich. Auffällig war hingegen, dass die vergangene Berliner Winterwoche vor allem als nicht enden wollende Rutschpartei in Erinnerung blieb. Fußgänger und Autofahrer sahen sich mit vielen nicht geräumten Straßen und Wegen konfrontiert. Schuld ist das Tausalzverbot in der Hauptstadt, das seit Juni 2013 bis auf wenige Ausnahmen in Berlin Gültigkeit hat.
Eine geradezu halsbrecherische Situation
Demnach ist „die Verwendung von Streusalzen oder anderen Auftaumitteln auf Grundstücken, Gehwegen und kleineren Straßen verboten“. Ausnahmen bestehen für die Berliner Stadtreinigung (BSR), die auf bestimmten Fahrbahnen, wie Autobahnen oder Hauptverkehrsstraßen (inklusive Radfahrstreifen) Streusalz und Sole einsetzen darf. Weitere Sondergenehmigungen, etwa „für Zufahrtsrampen an Notaufnahmen, bei Altenheimen oder an Wohnanlagen für Behinderte“ müssen beantragt werden. Auch für die Räumung von Neben- und Wohnstraßen zeichnet die BSR verantwortlich – allerdings ohne Streusalz und erst, wenn sie mit der Räumung der Hauptstraßen fertig ist (Ausnahmen gelten nur bei Notfällen wie Wasserrohrbrüchen oder Löschwassereinsätzen). Auch ein Teil der Plätze und Fußgängerzonen unterliegt der streusalzfreien Reinigung durch die öffentliche Hand. Für die Räumung von Gehwegen sind die Anlieger beziehungsweise jeweiligen Grundstückseigentümer zuständig – gestreut werden darf auch hier nur mit Salzalternativen wie Splitt oder Sand. In zahlreichen Gemeinden in ganz Deutschland sieht es diesbezüglich ähnlich aus. Die private Nutzung von Streusalz ist meist verboten, wird aber – im Gegensatz zu Berlin – in Ausnahmefällen erlaubt (wie etwa in Bayern oder NRW). Durch den restriktiven Einsatz von Streusalz soll Schaden von Pflanzen und Bäumen sowie des Grundwassers abgewendet werden. Den unmittelbaren Schaden an Menschen durch Stürze und andere Unfälle nimmt man lieber in Kauf.
Vor diesem Hintergrund entstand eine geradezu halsbrecherische Situation auf Gehwegen und Nebenstraßen der Hauptstadt. Ich persönlich schlitterte mich nur so durch die vergangene Woche und sah mich in verschiedenen Stadtvierteln auch auf hochfrequentierten Wegen mit einer spiegelglatten Fläche konfrontiert. Beim Passieren so mancher vereister Treppenstufe sandte ich ein Stoßgebet gen Himmel und hoffte, kein Senior würde so bald diesen Aufgang benutzen müssen. Mit Splitt gestreute Flächen waren oft so schmalspurig angelegt, dass sie buchstäblich zu Fehltritten einluden.
Eine in einem Vorort lebende Freundin sagte sogar unsere abendliche Verabredung in der Innenstadt ab, weil in ihrer Umgebung so wenig geräumt wurde, dass ihr auf dem Rückweg eine nächtliche Schlitterpartie mit dem Auto geblüht hätte. Wohlgemerkt sahen wir uns in Berlin zu keiner Zeit mit unbändigen Schneemassen, sondern lediglich mit moderatem Schneefall und Glatteis konfrontiert.
„Stark erhöhtes Einsatzaufkommen“
Als Reaktion auf diese Witterung will nun Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) bei starker Glätte wieder den Einsatz von Streusalz erlauben. Am Montag plädierte sie dafür, dass das Abgeordnetenhaus das Naturschutzgesetz so ändern solle, dass „wir in Fällen von extremer Glätte ausnahmsweise die Verwendung von Tausalz ermöglichen können“. Bonde weiter: „Damit soll sichergestellt werden, dass gerade auch Ältere und Menschen mit eingeschränkter Mobilität auch bei Winterglätte sicher durch die Stadt kommen.“ Hamburg hat bereits in der vergangenen Woche das Streusalzverbot auf Nebenflächen für zwei Wochen ausgesetzt, da rein mechanische Winterdienstmittel zur Räumung nicht ausreichten.
In Berlin sorgten dann in der Nacht zum Dienstag steigende Temperaturen mit etwas Schnee und Regen für einen weiteren Anstieg der Glätte – und der Stürze. Von Letzterem berichtet zumindest eine Sprecherin des Unfallkrankenhauses in Berlin-Marzahn. Sie empfahl den Bürgern außerdem, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Auch der Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr hat laut Berichten am Dienstag seit dem frühen Morgen ein „stark erhöhtes Einsatzaufkommen“ verzeichnen können. Bezeichnenderweise habe der Autoverkehr die Einsatzkräfte weniger beschäftigt, da die meisten Straßen frei seien. Bei den meisten Einsätzen handele es sich um Passanten, die gestürzt sind. In Brandenburg wurde wegen der angekündigten Glätte am Dienstag sogar erneut die Präsenzpflicht an Schulen ausgesetzt. Der RBB gibt die Empfehlung von „Orthopäden und Unfallchirurgen“ weiter, sich bei Glätte im „Pinguin-Gang“ zu bewegen, um Knochenbrüche zu vermeiden und zeigt sogar ein Erklärvideo dazu. Bei Anwendung ist man womöglich künftig gegen das Stürzen bei Glatteis gewappnet. Allerdings gefährdet man damit andere – denn es könnte sein, dass man für unkontrollierte Lachkrämpfe bei weiteren Passanten sorgt, die daraufhin ausrutschen und sich das Genick brechen könnten.
Womöglich wäre die Wiedereinführung von Streusalz für alle bekömmlicher. Momentan ist der unerlaubte Einsatz in der Hauptstadt jedoch noch mit bis zu 10.000 Euro Bußgeld veranschlagt. Für's erste hat das Tauwetter jedoch den Schnee auf Berliner Straßen in Matsch verwandelt.
Beitragsbild: Theodore Mitchell Hastings - http://www.ohrstromblog.com/spsarchives/archives/category/hastings_album_1890, Public Domain, via Wikimedia Commons

@Dirk Jungnickel, „Daniel Günther (CDU), seines Zeichens MP von Mecklenburg -Vorpommern… Der Mann ist eindeutig der Falsche auf diesem Posten !“ – Deshalb ist er auch MP von Schleswig-Holstein (*grins*)
Leider rutschen immer die Falschen aus, und die Richtigen treten -vermeintlich- ins Fettnäpfchen. -
Daniel Günther (CDU), seines Zeichens MP von Mecklenburg -Vorpommern, entblödete sich nicht, eine Zensur zu fordern, die
eine kritisch Plattform wie Nius verbieten sollte. Der Mann ist eindeutig der Falsche auf diesem Posten !
Danke Frau Stockmann. Ich lebe in Bremen und hier ist grüne Ideologie und Umweltschutz das höchste Gesetz. Abenteuerlich in einer Elli Wetterlage mit spiegelglatten Flächen. Wer Streusalz benutzt, den erwartet ein sehr hohes Bußgeld. Und reichlich Ideologen tummeln sich auf nebenan.de. Die darauf bestehen, andere an Gesetze zum Schutz der Flora und Fauna zu erinnern und das Bußgeld zu erinnern. Dass die Notfallaufnahmen in den Krankenhäusern überquellen interessiert diese Leute nicht. Nach dem Motto: brich dir ruhig alle Knochen, Hauptsache die Natur bleibt gesund. Irre!
Nächste Woche soll es ja wieder losgehen. Im Moment taut alles.
Hier in Südniedersachsen haben wir den Kopf oben und nicht wie der Berliner zwischen den Beinen! Wir streuen Salz und das reichlich. Die Straßen sind frei und fast niemand kam zu Schaden. Und wenn’s glatt wird: Es gibt Schuhspikes, Grödel genannt, die helfen prima. Kosten? Ca 16 Euro.
Mögen sie im benannten „Homeland“ reichlich der „Medizin“ verabreicht bekommen, die sie immer wieder neu wählen. Wie oft muß man eigentlich gegen eine Faust laufen (alternativ „auf die Fresse fallen“), bis man merkt, daß man rigoros was ändern muß, falls man andere Verhältnisse will ? Ansonsten nicht jammern und munter weiter so.
Märkischer Sand und Tongranulat und Sägespäne und Asche und ein Anwender(!) lösen das Problem salzlos vor jedem Haus. Wie sah es mit diesbezüglichen Aktivitäten unserer Autorin aus?
@ Rolf Mainz – „dem Säbel rasseln wollen, um gleichzeitig Russland, USA und womöglich noch China zu provozieren.“ – Provozieren? Es gab ja schon so was wie eine Kriegserklärung an Rußland. Und aktuell will ja nicht nur ein gewisser Herr Trittin Bundeswehr und Marine zur Unterstützung Dänemarks gegen die USA gen Grönland entsenden. Ob sie für den dortigen Winter sachgerecht ausgestattet sind? Wäre blöd, wenn auch da die warmen Socken fehlen. Aber mit „Stricken für die Winterhilfe“ hat Deutschland ja noch Erfahrung. Zur Not helfen sicher ein paar der älteren Semester der „Omas gegen Rechts“ mit ihren Lebenserfahrungen aus.