Bisher war der Islam eine sichere Bank. Von Mohammed erfunden, ist er über 1.300 Jahre geblieben, was er von Anfang an sein sollte: die religiös verbrämte Ideologie eines Feldherren und Eroberers. Obwohl die Auslegungen des Koran nachher variierten, verschiedene Strömungen einander bis dato so unversöhnlich gegenüberstehen, dass sich ihre Anhänger die Schädel einschlagen, einander mit Bomben beschenken, hat der Islam als politisches Konzept geistiger Machtausübung den Lauf der Geschichte unbeschadet überstanden.
Fern von Europa konnten die Moslems die humanistische Bewegung des 15. und 16. Jahrhunderts ebenso an sich vorbei ziehen lassen, wie die spätere Aufklärung. Von den Anfechtungen der Säkularisation blieb der Islam allemal verschont. Mit der reinen Lehre im Kopf übersiedeln seine Anhänger noch heute nach Europa. Der Gedanke, dass sich daran etwas ändern könnte, dass es die nächsten 1.000 Jahre nicht weiter so laufen wird wie es in den letzten 1000 Jahren gelaufen ist, wäre uns nie gekommen.
Mohammed hat seinen Meister gefunden
Nun aber wissen wir, auch Mohammed hat seinen Meister gefunden: Wolfgang Schäuble. In der gestrigen "Welt am Sonntag" ließ der Bundesminister der Finanzen die Katze aus dem Sack. Auf der Agenda, schrieb er in einem Gastbeitrag, stehe "die Entwicklung eines deutschen Islam". Richten soll das die von ihm ins Leben gerufene "Deutsche Islam Konferenz (DIK)". Die Moslems werden sich vor Freude über die frohe Botschaft gar nicht wieder einkriegen. Wolfgang Schäuble als der Reformator des Islam, was könnte den Gläubigen Besseres geschehen. Morgen für Morgen werden sie jetzt zur Moschee eilen, um zu sehen, ob der Minister über Nacht seine Thesen an die Tür geschlagen hat.
Manchen mag es da wie Schuppen von den Augen fallen. Warum sind sie nicht gleich drauf gekommen. Schließlich weiß jeder Scheich, dass die Deutschen die besten Autos bauen und Panzer, die den Wüstensand ordentlich aufwirbeln. Wieso sollte es ihnen dann nicht gelingen, den Islam zu verweltlichen? Wer, wenn nicht sie sollte das schaffen; und wer außer dem kleinen Luzifer aus Schwaben könnte sich so etwas ausdenken?
Die Befriedung der Welt durch die Germanisierung des Islam - das würde alles in den Schatten stellen, womit wir bisher schon gescheitert sind. Mit diesem Plan übertrifft Wolfgang Schäuble noch Christian Wulff, der seinerseits mit der Schnapsidee, der Islam gehöre zu Deutschland, Aufsehen erregen wollte. Anders allerdings als der gestolperte Bundespräsident ist Angela Merkels getreuer Eckart nicht von purer Gefallsucht getrieben. Der Mann hat schlichtweg Fracksausen. Er ist ja nicht dumm. Auch wenn er sich mit dem Rechnen bisweilen schwertut, so kann er doch die Zahlen der letzten Wahlergebnisse deuten.
Er weiß, dass die Stimmung im Lande kippt, dass die Bürger befürchten, mit der massenhaften Umsiedlung arabischer Muslime könne eine Ideologie Platz greifen, die uns um 1000 Jahre zurückversetzen würde. Das allein würde den gewieften Politiker zwar noch nicht um den Schlaf bringen. Die daraus folgende Abkehr der Wähler von ihm und seinesgleichen, von allen, die uns die Bedrohung der inneren Sicherheit durch die provozierte Zuwanderung als "kulturelle Bereicherung" verkaufen wollen, diese Wählerwanderung scheint ihm schier den Verstand geraubt zu haben.
Schäuble zwischen den Stühlen
Um dem Einhalt zu gebieten, verkündet Wolfgang Schäuble nun die Quadratur des Kreises, wenn er uns glauben machen will, der Islam ließe sich nach einer gut tausendjährigen Geschichte deutschnational reformieren. Statt das Gebotene anzuraten, nämlich die Überwachung der muslimischen Gemeinden und Verbände als Einflussorganisationen einer islamischen Bewegung, die sich machtpolitisch etablieren will, unternimmt der Minister den Versuch, mit der Propagierung des "deutschen Islam" einen faulen Frieden zu stiften.
Einerseits sollen die Muslime weiter hoffen, hier auch politisch als solche irgendwie mitmischen zu können, was schon insofern mit dem Grundgesetz unvereinbar wäre, als die Religion, für die sie ihre Ideologie ausgeben, eine reine Privatsache ist. Und andererseits sollen wir darauf vertrauen, dass es der Islamkonferenz gelingen wird, den Muslimen erfolgreich Nachhilfeunterricht in Sachen Aufklärung zu geben. Auf das eine Versprechen ist so wenig oder so viel zu geben wie auf das andere.
Feststeht nur, dass Wolfgang Schäuble jetzt da sitzt, wo es am einsamsten ist, nämlich zwischen den Stühlen. Seine Idee eines "deutschen Islam" ist eine Contradictio in Adjecto; etwas einfacher könnte man auch sagen: ein großer Blödsinn.

Sehr geehrter Herr Rietzschel, entlarvend war bei dem Vortrag von Herrn Schäuble vor allem: und zu diesem "Wir" sollen möglichst viele gehören, gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens." Dies setzt seine Argumentation hinsichtlich seiner Äußerung zum Begriff "Inzucht" fort. Die Regierung versucht sich in Volksauffüllungspolitik. Mit freundlichen Grüßen Günter Frey
Irgendwie braucht Schäuble den Islam halt auch, weil ihm alles, was mit eigenständigem Denken zu tun hat und mit eigenverantwortlichem Handeln, im Innern zuwider ist.
"Seine Idee eines „deutschen Islam“ ist eine Contradictio in Adjecto; etwas einfacher könnte man auch sagen: ein großer Blödsinn." Exakt. Und wer ein solches Projekt propagiert, ist entweder ein unwissender Trottel oder ein fieser Heuchler und Lügner. In jedem Fall aber: Fehl am Platz auf einem Ministerstuhl in der Bundesregierung.
1. Lass Fakten sprechen: Schäuble ist KEIN Schwabe sondern ein Badener! 2. Die Idee hat was, endlich ein Job für Lamya Kaddor, deutsche Islam Religionsführerin, mit Pensionsanspruch! Endlich müsste Sie nicht mehr publizieren und Talkshow besuchen. Die Befreiung des Abendlandes! 3. Mekka wird in Bonn eingerichtet (in Bad Godesberg ist ja schon eine Islamische Schule). Auf die Bonner/Berliner Regierungsteilung (welcher Schwachsinn! auch von Schäuble eingefädelt) kann zukünftig verzichtet werden. Bonn ist dann nämlich Mittelpunkt der Islamischen (deutschen) Welt! (Merke: Unser Ex-Innen- und Finanzminister hat Zukunftsvisionen).
Sehr geehrter Herr Rietzschel, wie hält man Menschen, die besonders intensiv glauben versuchsweise sozialverträglich bzw. versucht den Glauben an sich aus den Händeln der Welt herauszuhalten? Die Antwort war, der Staat erklärte sich zum dauerhaften Sieger des "Investiturstreites" (Bezahlung der Ausbildung der Theologen, viele alte Sprachen lernen zur Disziplinierung von gläubigen "Heißspornen", staatliche Finanzierung der Konfessionen ...). Atatürk versuchte es mit "Diyanet" und Laizismus gegen den Islam. Schäuble versucht ähnliches - also nichts neues unter der Sonne. Inwiefern man Offenbarungen tatsächlich "einhegen" kann, bleibt offen. Zumindest sind dialektische Umkehrungen möglich. Um nur an die SBZ-Wundertüte "DDR" zu erinnern: Die protestantischen Pastoren unterstützen die Verbesserung des Sozialismus und hatten plötzlich die Wiedervereinigung an der Backe...
Schäuble ist einer der gefährlichsten Politakeure. Er gibt den kompetenten, wohlmeinenden Staatsmann, ist aber ein verbitterter Antidemokrat auf Merkelniveau. Wetten, dass er nächster Kanzlerkandidat wird? Wir denken, es könne nicht schlimmer kommen nach Merkel, aber ...