Richard Herzinger
Ungeachtet solcher Einwände festigte sich das Bild vom “banalen” Eichmann hierzulande jedoch unaufhaltsam zu einem Klischee, mit dem jedwede bürokratische Mittäterschaft an tatsächlichen oder vermeintlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Verbindung gebracht wurde. Auf besonders plakative Weise kam diese Verkürzung in Heiner Kipphardts 1983 uraufgeführten Schauspiel “Bruder Eichmann” zum Ausdruck. Im zahlreichen “Analogieszenen” suggeriert Kipphardt, Vorgänge wie der Abwurf der Atombombe in Hiroshima, der Krieg in Vietnam, der Umgang mit den RAF-Terroristen in Stammheim oder mit Asylbewerbern in der Bundesrepublik, aber auch die Entwicklung von Gen-Technologie drückten das Fortleben eines “Prinzips Eichmann” aus. In jeden Funktionsträger der US-Administration, in jedem Biochemiker der Lebensmittelindustrie und in jedem Beamten der deutschen Ausländerbehörden konnten friedensbewegte und öko-alternative Zivilisationsskeptiker nun Eichmanns Antlitz des Bösen hineinprojizieren. http://freie.welt.de/2011/04/20/die-banalisierung-der-banalitat-des-bosen/