Manfred Haferburg / 07.07.2016 / 10:23 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 6 / Seite ausdrucken

Die Ausserirdischen (2): Freifahrt für Besucher von Alpha Centauri

Wie ich schon mal anmerkte: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“. War ich doch jüngst mit dem ICE der Deutschen Bahn unterwegs. Mein Auftraggeber war zu knauserig, mir die Reisezeit zu bezahlen und bestach mich mit einem teuren „ersten Klasse-Ticket“. Ich hatte geglaubt, dass ich in Ruhe arbeiten könne und war darauf eingegangen. Weit gefehlt.

Zuerst nervte ein grölender Intimitätsterrorist am Mobiltelefon das ganze Abteil. Als er ausstieg, stieg eine Gruppe junger Menschen ein und machte es sich akustisch mit (arabischer?) Musik aus dem Handylautsprecher in dem Abteil gemütlich. Kein Passagier wagte zu intervenieren. „Na wartet“, dachte ich, „bald kommt der Schaffner und wird Euch in die Bahnschranken weisen“. Weit gefehlt.

Zwar kam der Schaffner, aber die fünf jungen Leute hatten keine Fahrkarten, schon gar nicht für die erste Klasse. Eine hübsche Muslima, der das Kopftuch wirklich gut stand, sprang ein und übersetzte das Gekicher: „Wir haben kein Geld“. Der Schaffner war eine Weile ratlos, dann schrieb er was auf, gab es den Jungs und kam mich kontrollieren. Zum Glück hatte wenigstens ich eine Fahrkarte. Ich fragte ihn, was er denn den jungen Schwarzfahrern gegeben hätte? Er sagte unwirsch: „Eine kostenlose Ersatz-Fahrkarte, die sie zur Weiterreise berechtigt“. Da er sich von mir angegriffen fühlte – ich bin immerhin ein weißer älterer Mann – erklärte er mir noch, dass dies in Übereinstimmung mit den Anweisungen der Bahndirektion geschehe.

Aber als gelernter Ossi habe ich da eine Idee: „Elastdisch bleim“

Ich war ein wenig irritiert, zeigte es aber dem ob meiner anmaßenden Frage sichtlich gereizten Schaffner nicht. Wer weiß, der hätte sonst einen Ausländerfeind vermutet und mich an die Luft gesetzt. Irritiert war ich, weil ich Depp ab und an BILD lese (Achtung: erstes Outing). Dort war zu lesen: eine alte Oma musste wegen Schwarzfahrens ins Gefängnis. „Diese Festnahme fiel keinem der Beamten leicht”, sagte ein Polizeisprecher. „Doch die Polizisten mussten durchgreifen, so will es das Gesetz.“ Ja so ist er, der Rechtsstaat - vor dem Gesetz sind alle gleich. Zum Glück hat das Hilfsjustizorgan „BILD“ eingegriffen und Oma Gerti durch selbstloses Bezahlen der Strafe befreit. Ist ja auch nachvollziehbar: die 86igjährige Witwe muss mit 560 Euro Rente auskommen, 350 Euro Miete, 120 Nebenkosten. Die gebürtige Westpreußin geht noch jeden Tag für drei Euro die Stunde putzen.

Jetzt bin ich in einem schwierigen Dilemma. Ich fühle mich diskriminiert, weil ich mit Sicherheit eine Strafe beim Schwarzfahren zahlen muss, aber die Schutzsuchenden nicht. Das ist ganz klar Diskriminierung – von mir durch die Bundesbahn! Wie komme ich da raus? Erhebe ich meine Stimme gegen die Diskriminierung Einheimischer, werde ich zum Fremdenfeind, Unsozialen, vielleicht gar zum Nazi. Da sei der Deutsche Presserat vor! Halte ich die politisch korrekte Klappe, leiste ich der Diskriminierung Vorschub.

Aber als gelernter Ossi habe ich da eine Idee: „Elastdisch bleim“. Ich kaufe mir im Internet eine Burka für 40 Euro. In der kann ich dann ohne Fahrkarte unbehelligt von Bundesbahnkontrolleuren in der ersten Klasse durch die deutschen Lande reisen. Und wehe, einer will mich kontrollieren! Der kriegt es mit dem Staatsschutz zu tun!

Und wenn sie mich doch erwischen? Ich hab da eine Idee

Und wenn sie mich doch erwischen (Achtung, zweites Outing), dann bin ich eine „Schutzsuchende Transgender ohne Papiere vom Alpha Centauri, die zum Islam konvertiert ist. Das heißt auf Alpha Centaurisch: „Solicitanţilor de transsexuali persoanelor fără acte din Alpha Centauria convertit la Islam este pe termen“. Oder so ähnlich, versteht hier auf der Erde sowieso keiner.

Da sieht der Kontrolleur aber alt aus. Dann ist er nicht nur ein fremdenfeindlicher Bundesbahnschaffner, sondern auch noch homophob. Ich sehe schon die Schlagzeilen in allen großen Zeitungen: „Fremdenfeindliches Personal bei der Bundesbahn! Homophober Bahnschaffner reißt harmloser und friedlicher Transgender-Alpha CentaurierIn den Schleier herunter. Minister Maas ist empört und fordert schärfere Gesetze gegen rechts. Die Bundeskanzlerin äußert ihren Abscheu und entschuldigt sich. Die Deutsche Bahn hat versprochen, die diskriminierte Fahrgast*In mit einer kostenlosen Jahreskarte großzügig zu entschädigen. Dem Schaffner wurde fristlos gekündigt.“

Foto: Bildarchiv Pieterman

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Gabriele Nilsen / 08.07.2016

Genau, Transpersonen sind immer fuer einen Lacher gut, nicht wahr; die sind ja nicht nur vom anderen Ufer sondern von einem anderen Sonnensystem. So lustig, besonders fuer alle, die selbst nicht betroffen ist. (Auch wenn es inhaltlich eigentlich um die Flutung mit sogenannten Fluechtlingen geht, die positiv diskriminiert werden und um das gefaehrliche Anwachsen der muslimischen “Minderheit”, die dabei ist, echten Minderheiten das Leben schwer zu machen und sich demografisch durchzusetzen. Die Achse des Guten sorgt dafuer, dass man trotzdem was zu lachen hat, danke.)

Rebecca Kasimier / 07.07.2016

Ist der Begriff “Schwarzfahren” überhaupt noch zulässig? Ich habe da so meine politisch korrekten Zweifel. Haben sich die Grünen noch nicht dazu geäußert? Wo bleibt Claudia Roth, wenn man sie am dringendsten braucht?

L. S. Anderson / 07.07.2016

Tz, tz, tz ... Nicht einmal in der ersten Klasse ist man noch sicher.

Christian Goeze / 07.07.2016

Warum so kompliziert? Laut den Anweisungen der Bahndirektion hätten Sie sich nur als Flüchtlingsbetreuer ausgeben müssen, die dürfen nämlich auch umsonst reisen, ein DRK-Mitgliedsausweis dürfte als Beweis reichen.

Steffen Lindner / 07.07.2016

Vorsicht, Herr Haferburg: Was heute noch wie Satire anmutet,ist in diesem durchgedrehten Land schon morgen bittere Realität…!

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Manfred Haferburg / 21.04.2019 / 14:30 / 23

Frankreich: Der kleine Unterschied

Karfreitag, in meinem Gastland Frankreich ein Arbeitstag. Gegen 15:00 Uhr höre ich plötzlich eine schöne weibliche Stimme draußen ein Kirchenlied singen und öffne das Fenster…/ mehr

Manfred Haferburg / 15.04.2019 / 21:54 / 15

Notre Dame in Flammen – eine nationale Katastrophe für Frankreich

Paris am Abend des 15. April 2019, als das Undenkbare geschieht. Die Arbeiten am Dachstuhl der Notre Dame ruhen seit 17:00 Uhr, wie jeden Tag.…/ mehr

Manfred Haferburg / 11.04.2019 / 06:12 / 66

Wohnen in der DDR: Erinnerungen an die Zukunft

50.000 sollen demonstriert haben gegen „Gier der Spekulanten“ und für „Das Menschenrecht auf Wohnraum“. Gibt es eigentlich ein Menschenrecht auf günstigen Wohnraum in der von mir erträumten Lage?…/ mehr

Manfred Haferburg / 06.04.2019 / 06:15 / 74

Aber wir haben doch die Wunderwaffe!

Ein jahrelanges mediales Trommelfeuer aus allen Rohren sorgt dafür (hier, hier, hier), dass ja keine Zweifel daran aufkommen, dass das Klima-Armageddon des globalen Versengens über uns kommt,…/ mehr

Manfred Haferburg / 12.03.2019 / 15:00 / 49

Fliegt nicht und raucht. Was ist das? Politik!

Bundesverkehrsminister Scheuer und Staatsministerin Bär stellen mit dem „Demonstrator“ die „Vorstufe für einen Prototyp des Lufttaxis“ in einer an Peinlichkeit nicht zu übertreffenden Show vor.…/ mehr

Manfred Haferburg / 11.03.2019 / 06:05 / 77

Fukushima. Acht Jahre danach. Weltuntergang? Eine Bilanz

Heute vor acht Jahren erlebte ich meine größte berufliche Katastrophe. Am 11. März 2011 arbeitete ich für die World Association of Nuclear Operators WANO in…/ mehr

Manfred Haferburg / 06.03.2019 / 11:00 / 11

Eine Aschermittwoch-Entschuldigung aus der Zukunft

Liebe Beleidigte aller Geschlechter und Minderheiten, ich möchte mich bei Euch in aller Form entschuldigen. Karneval ist nämlich eine ernste Sache. Ich bitte um Verzeihung,…/ mehr

Manfred Haferburg / 21.02.2019 / 12:00 / 53

Blackout (2) – ein Sieben-Tage-Szenario

Was im Kleinen bei einem Stromausfall passiert, wurde hier gestern am aktuellen Beispiel des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick geschildert. Doch was geschieht, wenn ein solcher Zustand…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com