
Hier irrt der Autor: “Bereits Anfang dieses Jahres hatte S. Fischer eine kurze Erzählung Marons über die Anschaffung eines Hundes abgelehnt.” Diese Erzählung wurde erst kurz vor der Aufkündigung der Autorin durch den Verlag abgelehnt. Auch hat Jörg Bernig seine Bewerbung zum Kulturamtsleiter weder “freiwillig” noch “zurückgezogen”, er trat zu einer zweiten Wahl nicht an, denn er war ja bereits ordnungsgemäß gewählt worden.
Gesinnungsterror ohne Ende !!! Wer gebietet dieser durch nichts und niemanden legitimierten Meinungspolizei endlich den gebotenen Einhalt und rekultiviert die Meinungsvielfalt, den demokratischen Diskurs und die Pluralität anstelle des derzeitigen DDR-artigen Dirigismus, Gesinnungsterrors und Denunziantentums ??
Moin, Herr Zydatiss, Herrn Kubitschek das Etikett “erzkonservativ” anzuhängen trifft neben das Ziel und führt zu Missverständnissen. Kubitschek ist kein Konservativer, sondern ein Neurechter, dessen Ideologie ein völkisch grundierter Kollektivismus ist, in dem der Wert der persönlichen Freiheit des Einzelnen unabdingbar hinter seinen Nutzen für die Gemeinschaft zurückzutreten hat. Konservative sind in dieser Truppe verhasst, man muss sich bloß einmal die Invektiven durchlesen, die aus dieser Ecke gegen Helmut Kohl vom Stapel gelassen wurden. Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen dieser Truppe sind eher sozialistisch inspiriert. Aus diesen Versatzstücken ergibt sich auch der profunde Hass auf die USA (und immer wieder auch Israel), der aus den Machwerken aus Schnellroda trieft. “Erzkonservative” waren vielleicht Strauß, Dregger oder, wenn wir über den Tellerrand schauen, Ronald Reagan oder Margaret Thatcher. Das waren Persönlichkeiten, die zum Ziel hatten, das Gute der Vergangenheit zu bewahren - wozu in ihren Augen die Freiheit des Individuums und damit verbunden das Bekenntnis zur Marktwirtschaft gehörten. Ich bekenne mich ohne wenn und aber dazu, ein Konservativer zu sein, aber in der politischen Nachbarschaft zu Kubitschek und Konsorten sehe ich mich mitnichten. Das Spektrum rechts der Mitte ist deutlich vielschichtiger als es die Linken uns zugestehen wollen. Wir sollten ihnen nicht die Schublade liefern, in die sie uns einsortieren können.
Der Witz ist doch, dass die Shitstormer, Außstoßer und Kritikerdefamierer gar nicht zu merken scheinen, wie sich einerseits selbst deklassieren und andererseits das Problem der Meinungsstrangulierung erst richtig offenbar werden lassen. Noch 1989 gab es einen Shitstorm in den regierungskriechischen DDR-Zeitungen über einen Artikel, der in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift “Wissenschaft und Fortschritt” erschienen war. Psychologen der Humboldt-Universität hatten mit Messungen kognitiver Leistungsparameter festgestellt, dass in diesen durchschnittlich gravierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen. Es konnte nicht sein, was entsprechend sozialistischer Ideologie nicht sein durfte. Ohne den Shitstorm wäre ich gar nicht auf den Artikel aufmerksam geworden. Als Kopie habe ich den heute noch. Das Déjà-vu, das ich heute erlebe, besteht darin, dass solch ein Artikel auch heute noch einen rotgrünen Shitstorm auslösen würde, die Herausgeber sich verantworten und entschuldigen müssten und die Autoren hier als Ausgestoßene aufgeführt werden würden.
Der nächste Auszustoßende ist schon ins Visier der Inquisition geraten: Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Der Scheiterhaufen wird gerade errichtet.
Was die Ärztekammer Nordrhein angeht, ist keine Überraschung. Es ist nicht zu wunden, wenn der Einrichtung, die sich als Einrichtung des öffentlichen Rechts zu präsentieren versteht, muss Landesgericht für Heilberufe am Oberverwaltungsgericht Nordrhein Westfalen in Münster bezüglich Rechtsstaatsprinzips und Rechtsstaatlichkeit Leviten lesen…....
meinungsdiktatur, schlimmer als zu DDR-zeiten: denn ein/e dissident/in konnte damals sicher sein, im westen verlegt zu werden. wie eben seinerzeit monika marons ‘flugasche’. heute ist dies leider keineswegs sicher, dass sogar eine prominente eingeführte schriftstellerin wie maron sofort einen anderen verlag finden wird - wie im artikel behauptet. welcher verlag würde denn ihre romane piublizieren ohne gleich ebenso unter das verdikt des rechtssympahisantentums zu fallen? derzeit KEIN EINZIGER grossverlag, einmal abgesehen vom konzernmonopolismus in der branche.
Jeder Mainstream - oder das, was sich dafür hält - wird immer versuchen, sich abzugrenzen. Und dies bedeutet zwangsläufig auch, andere auszugrenzen. Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Es gibt und gab immer Denker und Dichter, die es vorzogen, ausgegrenzt zu sein als zum Mainstream zu gehören, nicht zuletzt geht von ihrer Ausgegrenztheit auch eine Faszination aus, die durchaus nützlich sein kann. Bestes Beispiel in dieser Hinsicht ist sicher Ernst Jünger, dem es gelang, in buchstäblich jedem Augenblick seines Lebens nicht zu denen zu gehören, die im Strom der Zeit schwimmen, ein Waldgänger zu sein, wie er es nannte - und dies will gerade in diesem 103 Jahre währenden Dichterleben einiges heißen. Nein, das Problem ist nicht die Ausgrenzung. Ich sehe die Gefahr eher darin, dass die Grenzen immer enger gezogen werden. Wenn eine britische Autorin von Kinderbüchern meint, eine Frau sei ein Mensch, der menstruiert, und dies bereits eine Grenzüberschreitung darstellt, dann wird klar, dass der Mainstream eher einem schmalen Brett über einem Abgrund gleicht. Und da wären wir beim zweiten Punkt: Ausgrenzung meinte nicht Vernichtung. Jünger hatte immer Boden unter seinen Füßen (wenn er auch unter den Nazis immer dünner wurde). In seiner Goethepreisrede - Auszüge aus “Autor und Autorschaft” - beklagte er zwar, dass nun der “Anbräuner” unterwegs sei. Aber er wusste auch, dass ihm dieser Anbräuner nicht wirklich schaden konnte, auch wirtschaftlich nicht. Heute wäre das anders. Heute würde man Jünger sozusagen in Spandau einsperren und Frau Merkel würde - im Gegensatz zu Kohl - nicht auf der Geburtstagsfeier Jüngers erscheinen, sondern die Werke Jüngers (obwohl sie keinen Satz davon kennt) für “nicht hilfreich” erklären - unter dem Beifall einer radikalisierten Minderheit, die sich selbst “Mainstream” nennt.
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