Claudio Casula / 07.10.2023 / 12:00 / Foto: Pixabay / 45 / Seite ausdrucken

Die auffällig ungleiche Migranten-Verteilung in München

Die Probleme der Massenzuwanderung zeigen sich aktuell auch in Alt-Johanneskirchen, einem abgeschlossenen Dörfchen im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Dort werden weitere, insgesamt unverhältnismäßig viele Migranten untergebracht, während woanders kein einziger „Geflüchteter“ lebt. Bayern verteilt sehr ungleich. 

Deutschland kann die Last der Massenmigration nicht mehr stemmen – das ist nur allzu offensichtlich. Fast zwei Drittel der Deutschen wollen weniger Zuwanderung. Wenn allerdings Politiker fast aller Parteien und selbst der Bundespräsident jetzt plötzlich doch über Obergrenzen nachdenken, dürfte die vorgebliche Einsicht doch eher den nahenden Wahlen in Bayern und Hessen geschuldet sein, bei denen die etablierten Parteien wohl ordentlich Federn lassen müssen. Länder und Kommunen ächzen unter dem Ansturm der Versorgungssuchenden wie seit 2015 nicht mehr; die Kosten sprengen ohnehin jeden Rahmen, und schon wieder werden Turnhallen als Unterkünfte für Migranten missbraucht.

Eben zogen im 500-Einwohner-Ort Upahl in Nordwestmecklenburg die ersten 100 von 250 „Flüchtlingen“ in ihr Containerdorf ein – ursprünglich sollten es sogar 400 sein. Die leicht reduzierte Zahl täuscht nicht darüber hinweg, dass auf die Proteste der Bewohner keine Rücksicht genommen wurde. Auf einen Schlag werden die Migranten ein Drittel der Einwohnerschaft stellen.

Ein ähnliches Problem hat Alt-Johanneskirchen, ein abgeschlossenes Dörfchen im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Dort leben bereits 423 „Flüchtlinge“, bei einer Bevölkerung von 3.152 gemeldeten Einwohnern. Wie man auf der Website des Integrationsbündnisses 13, einer Gruppe engagierter Anwohner, sehen kann, läuft die Verteilung von Migranten in der bayerischen Landeshauptstadt – und nicht nur dort – allerdings sehr ungleich: Während an manchen Stellen wahre Ghettos entstehen, werden große Teile der Stadt überhaupt nicht mit Flüchtlingen bedacht. In Schwabing-West (ca. 70.000 Bürger), Ludwigstadt (50.000) und in der Au (63.000) leben insgesamt 200 „Flüchtlinge“, in der Innenstadt und in Nobelvierteln ist offenbar kein Platz.

„Dann kommen 898 Flüchtlinge auf 3.152 Einwohner“

Wie es auf der Homepage heißt:

„Nun bekam die Stadt München vom Land Bayern, aufgrund dessen Verteilung nach dem Königsteiner Schlüssel, den Auftrag, 5.000 Plätze für Flüchtlinge zu schaffen. München interessiert sich für diesen bewährten und über alle Parteien akzeptierten Verteilungsschlüssel jedoch auf ihrem Stadtgebiet überhaupt nicht und schiebt seine Flüchtlinge lieber an den Stadtrand, also genau entgegengesetzt zum in Bund und Land und von allen Parteien bevorzugten Königsteiner Schlüssel. 

Insofern soll Alt-Johanneskirchen weitere zwei Containersiedlungen mit zusätzlichen 475 Flüchtlingen bekommen! Es ist im Gespräch, diese in einer zusätzlichen Containerunterkunft zusammenzufassen, was jedoch nichts daran ändert, dass dann 898 Flüchtlinge auf 3.152 Einwohner kommen, in einem Schläfervorort, ohne Infrastruktur.

Dies widerspricht eindeutig der Maßgabe der Stadt München, die sie mit SoBoN (hier und hier) stolz eingeführt hat, nämlich der gleichmäßigen Durchmischung von Sozialwohnungen über München, für eine bessere Integration. Jeder Politiker, mit dem wir uns unterhalten haben, hält diese Durchmischung, auch und gerade beim Thema Flüchtlinge, für sehr wichtig für eine funktionierende Integration. 

Ist ein Ghetto am Stadtrand gewollt?

Von einer gleichmäßigen Verteilung der Unterkünfte im gesamten Stadtgebiet kann also keine Rede sein. Die Bürger bemängeln die fehlende Transparenz in den Entscheidungsprozessen der rot-grün regierten Stadt: „Obwohl Entscheidungen getroffen wurden, gibt es bisher keine öffentlich zugänglichen Berichte oder Dokumentationen, die diese Entscheidungen detailliert begründen.“ Dass frisch eingetroffene „Geflüchtete“ im Ankerzentrum bis zu ihrem Asyl-Entscheid zusammen mit abgelehnten Asylanten hausen müssen, welche auf ihre Abschiebung warten und dementsprechend frustriert sind, ist auch nicht eben optimal. Die nächste Station ist dann der Container-Knast auf der grünen Wiese, wo man absolut nichts unternehmen kann, etwas weiter weg von der S-Bahn und noch weiter von Einkaufsmöglichkeiten oder so etwas wie einem pulsierenden Ort. 

Die für Flüchtlinge vorgesehenen Unterkünfte sind grundsätzlich von der Bundesregierung dafür vorgesehen, für Notfälle kurzfristig genutzt zu werden (Flüchtlinge dürfen nicht auf Dauer hier unterkommen – nur so lange, bis ihr Status festgestellt wurde). Die Stadt plant jedoch von vornherein eine dauerhafte Vollbelegung, u.a. auch für sogenannte „Fehlbelegungen“. Eine Fehlbelegung liegt vor, wenn über den Status des Asylbewerbers entschieden wurde und er in der Unterkunft bleibt, weil er keinen sonstigen Wohnraum findet. Dies ist in der Regel in München der Fall. Es handelt sich insofern um bewusste, geplante und sogar unterstützte Fehlbelegung, die der Vorgabe der Bundesregierung widerspricht, denn wenn – wegen einer Krise – viele neue Flüchtlinge kommen, fehlt dieser Platz in den dafür vorgesehenen Unterkünften. Zum Nachteil von tatsächlichen Flüchtlingen.

„Muss zwingend ausgetestet werden, wie weit man gehen kann, bis ein Ghetto am Stadtrand entsteht, mit all seinen Problemen, gerade für Flüchtlinge? Oder ist eine Verteilung über die ganze Stadt hinweg – gerade auch in der Innenstadt – nicht der sinnvolle Schlüssel?", fragt Markus Scheu vom Integrationsbündnis 13. Selbst Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) und Grünen-Stadträtin Nimet Gökmenoglu fordern laut Süddeutscher Zeitung eine dezentrale Unterbringung.

Wir dokumentieren im Folgenden das Schreiben, das das Integrationsbündnis 13 jetzt an die Medien richtete.

Schreiben an die Presse

…und wieder eine Horde besorgter, wütender Bürger, welche keine Flüchtlinge bei sich im Viertel haben wollen! Not in my backyard!

Von wegen! 

Johanneskirchen ist offen für Flüchtlinge und bereit, seinen Anteil zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen beizusteuern. Deshalb gab es auch keinen Aufschrei, als 423 Betten für Flüchtlinge im Ankerzentrum in Alt-Johanneskirchen geschaffen wurden, welche zumeist auch belegt sind. Dies sind immerhin 13,42 Flüchtlinge auf 100 Einwohner und damit liegt Alt-Johanneskirchen schon jetzt an der Spitze, und wie schon erwähnt, haben die Bürger verstanden, um was es geht und nicht dagegen protestiert. Warum auch?

Wir hatten das Vertrauen, dass die Stadt alles unter Kontrolle hat und die Verantwortlichen wissen, was sie machen, im Sinne von Flüchtlingen und Bürgern. Dieses Vertrauen hat leider einen schweren Dämpfer bekommen, als wir im März 2023 erfuhren, dass zusätzlich noch 2 Flüchtlingsheime (Mirabellenweg mit 270-320 Plätzen und Glücksburger Straße mit 190-300 Plätzen, also insgesamt bis zu 1.023 Plätze! 30,8 Flüchtlinge pro 100 Einwohner! 620 Plätze zusätzlich! Inzwischen wurde auf „nur“ noch 475 zusätzliche Flüchtlinge reduziert) auf grünen Wiesen in Alt-Johanneskirchen gebaut werden sollen. Ohne die Bevölkerung vorab zu informieren oder vielleicht sogar zu befragen! Wer kommt auf so eine Idee?

Auf unsere Fragen hierzu gab es auch sehr lange keine Antworten der Stadt und der Parteien in Verantwortung. Irgendwann gab es dann ein Flugblatt, welches manche Anwohner bekamen und andere nicht.

Inzwischen stehen wir in einem guten Kontakt zu einigen der verantwortlichen Personen und bisher konnten wir – auch unter den Politikern – noch niemanden finden, der nicht der Meinung wäre, dass Flüchtlinge gleichmäßig verteilt werden müssen, um eine sinnvolle Integration zu gewährleisten.

Dagegen spricht laut Sozialreferat und der Politik einzig und allein, dass es in der Stadt keinen Platz für Flüchtlinge gäbe. Ernsthaft??!! Das Boot ist voll??? Not in my backyard – diesmal wirklich!

Jeder weiß, dass eine kleinteilige Aufteilung weitaus sinnvoller zur Integration ist und diese wäre genau in der Innenstadt am besten durchzuführen. Dann gibt es jedoch keine Förderung vom Bund, welche erst ab 200 Flüchtlingen pro Containersiedlung zieht. Und selbst wenn man auf eine Unterbringung von mindestens 200 Bewohnern besteht: warum nicht in Grünflächen in der Stadt? Stört das die Bewohner oder Touristen? Not in my backyard!

Uns wurde immerhin zugesagt, nach einem anderen Platz in Bogenhausen (warum nur hier?) zu suchen. Heraus kam wieder Alt-Johanneskirchen. Da spätestens fragt man sich dann schon…

Die nächsten Flüchtlinge müssen aufgrund dieser Logik dann zwingend wieder nach Alt-Johanneskirchen!

Abgesehen davon, hat die Stadt über 2.000 Fehlbeleger. Das sind Menschen, welchen zumeist eine Sozialwohnung zusteht. Die Stadt kann wegen eigener Versäumnisse keine bieten und lässt die Menschen deshalb über Jahre zweckentfremdet in einem Container hausen (teils Tür an Tür mit verurteilten Straftätern!). Ohne diese Fehlbelegungen müsste vermutlich überhaupt keine Containersiedlung mehr gebaut werden.

Kann irgendjemand dies alles noch begreifen?

Wir nicht!

 

Claudio Casula arbeitet als Autor, Redakteur und Lektor bei der Achse des Guten.

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Dirk Kern / 07.10.2023

Auch in Stuttgart hat man die Containeranlage im Nobelviertel Killesberg wieder abgebaut. Man bleibt dort als Grün wählender Speckgürtelbewohner wie in Schwabing lieber unter sich und ist dafür mit dem Mundwerk solidarisch.

Elias Hallmoser / 07.10.2023

Solange man invasorische, kolonisatorische und versorgungsfordernde Völkerwanderer nicht so nennt, sondern “Migranten” oder gar “Flüchtlinge”, solange wird sich nichts ändern. Wer dann diese Völkerwanderer gar hier “integrieren” will, will auch, dass sie für immer hier bleiben.

Albert Pflüger / 07.10.2023

Ach ja, die “Integration”, die alles überwölbende Schimäre einer fehlgeleiteten Politik, die uns einerseits das Deutschsein austreiben will, und andererseits alle kulturfremden Invasoren eingemeinden will- in was eigentlich? Ins Bürgergeld?

Andreas Bitz / 07.10.2023

Geliefert wie bestellt, nach H. Danisch. “Johanneskirchen ist offen für Flüchtlinge und bereit, seinen Anteil zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen beizusteuern.” Also: weiter Grenzen auf, keine Aussage zu Abschiebungen. Die Mitglieder der Initiative, die Münchner “Seebrücke”, Flüchtlingsräte, grün-tote-Stadtratsmitglieder etc. sollten gem. ihrem Motto “Wir haben Platz” zusammenrücken oder ihre Häuser freimachen.

Gus Schiller / 07.10.2023

Es gibt 320 Gemeinden die sich als “sichere Häfen” bezeichnen. Wer den Mund so voll nimmt, soll doch aufnehmen bis er platzt. Hätte man nach der Erfahrung “wehre den Anfängen” gehandelt, gäbe es das Problem so nicht.

Harald Deutschmann / 07.10.2023

Es gibt da eine Gemeinde 40 km nördlich von München, bis heute 0 Asylanten. Es werden demnächst welche kommen,.Auf Fragen an Verantwortliche, wie viele , wann , wo, keine   Auskunft. Morgen ist Wahl, danach wird die Wahrheit herauskommen. Man hält uns für Deppen, auf die Mehrheit trifft es zu.

Boris Kotchoubey / 07.10.2023

Die ungleiche Verteilung ist vollkommen vernünftig und gerecht. Denn diejenigen, die am lautesten schreien “Flüchtlinge willkommen!! Wir schaffen das!!!”, haben mit diesem lauten Schrei ihren wertvollen Beitrag zur Unterbringung der Geflüchteten BEREITS geleistet und müssen daher nichts mehr tun. Jetzt müssen also die anderen dran, die mit den Flüchtlingen ihren Raum, ihre Wohnungen und ihr Geld teilen sollten.

H. Wagner / 07.10.2023

Empfehle zum Thema auch den Artikel „Aus Gutmenschen, die es selbst betrifft, werden schnell Bösmenschen“ vom April 2018 von Dushan Wegner. Aktueller denn je.

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