Von Amos Zweig.
Kürzlich, in einem sehr spannenden Gespräch, kamen ich und mein Gesprächspartner auf den Sozialismus zu sprechen. Ich meinte dann, dass bei Gesellschaftssystemen, die zu stark nach Sozialismus klingen, bei mir immer die Alarmglocken losgehen, da der Sozialismus, überall dort, wo er versucht wurde, in totalem Desaster geendet hat. Arbeitslager, Massenmord an der eigenen Bevölkerung, Armut, Hungersnot, Tyrannei und Unterdrückung.
Mein Gesprächspartner meinte daraufhin: „Man kann nicht sagen, dass der Sozialismus schlimmer ist als der Kapitalismus. Kapitalistische Länder führen auch ständig Kriege, und das sind Kriege um Ressourcen, oder solche, die von der Rüstungsindustrie gepusht werden, also kapitalistische Kriege. Außerdem führt der Kapitalismus zum Verhungern von Tausenden“ – (wenn ich ihn richtig verstand, meinte er hiermit Drittweltländer) – „und die Pharmafirmen blockieren das Erforschen von neuen, günstigeren und effektiveren Medikamenten, damit sie ihre eigenen, suboptimalen Medikamente zu teureren Preisen verkaufen können. Und wenn man so alle Todesopfer des Kapitalismus zusammenzählt, kann man nicht so einfach sagen, dass der Sozialismus mehr Menschenleben gekostet hat als der Kapitalismus.“
Dieses Argument hat mich seit diesem Gespräch sehr beschäftigt. In diesem Artikel will ich nun versuchen, ihm, so gut ich kann, auf den Grund zu gehen. Wenn man solche Argumente angeht, dann kommt es immer sehr darauf an, was man genau womit vergleicht. Man muss „gleiches mit gleichem“ vergleichen, zumindest, so gut man das kann. Natürlich ist jeder Mensch und sein Erleben einzigartig, und so gesehen könnte man sagen: „Man kann gar nichts vergleichen, da jeder Mensch einzigartig ist. Wie kannst du das Leiden eines Menschen in einem Arbeitslager mit dem Leiden eines Vaters vergleichen, dessen Kind gerade langsam und qualvoll an Leukämie stirbt.“ Und diese Aussage hat etwas Wahres an sich, aber sie hilft einem nicht dabei, sich in der Welt zu orientieren und zu entscheiden, welches Gesellschaftssystem man nun anstreben soll.
Andererseits könnte man sagen: „Am Ende stirbt jeder an irgendwas, also sind alle Gesellschaftssysteme gleich gut.“ Dies ist aber eine sehr kalte und zynische Aussage, und auch eine, die nicht wahr ist. Ich denke, jeder Mensch würde, zumindest für sich und seine Liebsten, ein Leben mit weniger unnötigem Leiden und Schmerzen bevorzugen.
Ein nützliches Abstraktionslevel
Irgendwo zwischen diesen zwei extremen Aussagen gibt es die Möglichkeit, Dinge miteinander zu vergleichen. Nicht perfekt, aber auf einem nützlichen Abstraktionslevel. Ich werde den Vergleich in dieser Reihe folgendermaßen untergliedern: Wirtschaftliche Produktivität und Gewalt und Zerstörung. Die Thematik um Hungersnot und Pharmabranchen wird im ersten und zweiten Teil behandelt, die Thematik um Krieg und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung im dritten Teil.
Bevor wir in den eigentlichen Vergleich einsteigen, brauchen wir noch ein paar Definitionen: Kapitalismus ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem materielle Güter in Privatbesitz sind und die Produktion und Verteilung von Gütern durch den freien Markt bestimmt wird. Sozialismus ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem die Produktionsmittel von der Gesellschaft als Ganzes verwaltet werden. Die Idee ist, dass jeder das produziert, was er kann und das kriegt, was er braucht. Kommunismus ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem es kein Privateigentum gibt, und alle alles teilen.
Die USA und die UdSSR hatten eine ähnliche Bevölkerungszahl und waren zu ihrer Zeit die prominentesten Beispiele einer kapitalistisch respektive sozialistisch organisierten Gesellschaft. Daher werde ich der Einfachheit halber einige Vergleiche in diesem Artikel auf diese zwei Länder beschränken.
Immense Reduktion der Produktivität
Das Hauptproblem des Sozialismus ist, dass er ökonomisch nicht funktioniert. Sozialismus als Wirtschaftssystem ist dem Kapitalismus als Wirtschaftssystem deutlich unterlegen. Sozialistisch strukturierte Gesellschaften produzieren deutlich weniger und auch weniger hochwertige Güter als kapitalistische Gesellschaften. So war zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der UdSSR stets um einen Faktor 3 bis 4 tiefer als in den USA. Dies ist ein immenses Problem, das in den meisten Diskussionen viel zu wenig Beachtung erhält. In diesem Abschnitt werde ich zuerst die zwei Hauptgründe hierfür erörtern und anschließend auf den Einfluss, den dies auf die Lebensqualität an einem Ort hat, eingehen.
Der erste Hauptgrund ist, dass in sozialistischen Systemen der Anreiz fehlt, sich selbst zu verbessern. Wenn jedermanns Lohn ausschließlich von seinen Bedürfnissen abhängt, wieso sollte er sich dann besonders anstrengen? Wieso sollte er sich bemühen, härter, länger, oder effizienter zu arbeiten, wenn er am Ende genau gleich viel davon hat? Wieso nicht später kommen, früher gehen, und eine längere Mittagspause machen? Menschen beginnen also in die andere Richtung zu optimieren. Anstatt zu versuchen, möglichst viele, möglichst begehrte Güter zu produzieren, versuchen sie nun, möglichst wenig in ihrem offiziellen Job zu arbeiten, und daneben, in ihrer Freizeit, möglichst viel für sich selbst zu produzieren. Ein Beispiel hierfür ist, dass in vielen sozialistischen Ländern die Bauern in ihren eigenen, privaten Gärten ein Vielfaches an Lebensmitteln pro Fläche produzierten wie auf den kommunalen Feldern. Ein weiterer Hinweis auf dieses Problem ist der vielsagende Witz aus der Sowjetära: Sie tun so, als ob sie bezahlen, und wir tun so, als ob wir arbeiten.
Da niemand einen Anreiz hat, gut (oder überhaupt) zu arbeiten, muss der Staat also jetzt jeden überwachen und die Faulenzer bestrafen. Dies führt zu einer immensen, unproduktiven Arbeitslast. Hunderttausende sind damit beschäftigt, die Anderen zu überprüfen und zu bestrafen, und all die Wächter produzieren selber nichts. Man kann das Problem ein Stück weit auslagern, indem die Menschen sich gegenseitig überprüfen und denunzieren, aber beide Kontrollmechanismen sind anfällig für Missbrauch. So oder so ist der Effekt, dass die meisten Menschen ihren Job nur noch so gut wie nötig machen, um nicht bestraft zu werden, und nicht so gut wie möglich, um einen Bonus oder eine Promotion zu erhalten. Über die Wirtschaft als Ganzes führt dies zu einer immensen Reduktion der Produktivität.
Gewinnmaximierung gibt es nicht
Das zweite große Problem ist, dass sozialistische Systeme keinen Preisbildungsmechanismus haben. Wie soll eine Schraubenfabrik wissen, ob sie mehr Außensechskant-, Innensechskant-, Torx-, Kreuz- oder Schlitzschrauben herstellen soll? Wie viel Getreide braucht das Land? Und wie viele Tomaten? Wie viele USB-Sticks, Wanderschuhe, Motorblockgießereien oder Talkshows? Es gibt unendlich viele Güter, die produziert werden könnten, also wie soll jetzt jeder wissen, was er produzieren soll? In kapitalistischen Systemen löst der Preis dieses Problem. Da jeder seinen Gewinn maximieren will, wird jeder versuchen ein Gut zu produzieren, bei dem die Marge besonders hoch ist. Wenn die Leute Torx-Schrauben bevorzugen, werden sie bereit sein, etwas mehr für Torx-Schrauben zu bezahlen, und daher wird die Schraubenfabrik beginnen, mehr Torx-Schrauben herzustellen. Sozialistische Systeme haben diesen Mechanismus nicht. Jeder kriegt ja das, was er braucht, Gewinnmaximierung gibt es nicht. Also gibt es auch keinen Mechanismus mehr, durch den der Markt die Menschen informiert, was sie jetzt am besten herstellen sollten, und wie viel davon.
Aber irgendwie muss ja trotzdem entschieden werden, wer jetzt was macht. In sozialistischen Systemen übernimmt dies dann meistens wieder der Staat, zum Beispiel mittels eines Fünfjahresplans. Der Staat schätzt also ab, wie viel von jedem einzelnen Gut das Land braucht, wer es zu produzieren hat, und wie viele Mittel sie dafür brauchen dürfen. Ferner definiert der Staat auch, wer wie viel Lohn kriegt und was wie viel kostet. Aber natürlich kämpfen sie einen unmöglichen Kampf. Ich weiß nicht einmal selber, was ich in den nächsten fünf Jahren alles brauchen werde.
Wie kann also jemand in Moskau auch nur grob abschätzen, wie viel von welchem Gut die Menschen in Nischnewartowsk oder in Njurba in den nächsten fünf Jahren brauchen werden? Und wie teuer es sein wird, dies zu produzieren. Und dort hin zu transportieren. Es ist eine unmögliche Aufgabe. Bereits eine Handvoll unerwarteter politischer oder natürlicher Ereignisse reichen, um den gesamten Plan über den Haufen zu werfen. Zentralplanung führt, je länger sie dauert, zu immer schlimmerer Fehlallokation von Ressourcen und somit zum Mangel von essenziellen Gütern und zu Armut.
Wirtschaft nach wie vor Tauschhandel
Gemäß einem Bericht der Heritage Foundation zur wirtschaftlichen Freiheit ist der durchschnittliche Lebensstandard von Menschen in wirtschaftlich freien Ländern über achtmal so hoch wie der von Menschen in unfreien Ländern.
Die Heritage Foundation misst die wirtschaftliche Freiheit anhand der folgenden vier Kategorien, die jeweils aus drei Subkategorien bestehen:
- Rechtsstaatlichkeit – Eigentumsrecht, wirksames Justizsystem, integre Regierung
- Größe der Regierung – Steuerlast, Regierungsausgaben, gesunde Geldpolitik
- Regulationen – Unternehmensfreiheit, Arbeitsfreiheit, monetäre Freiheit
- Offener Markt – Handelsfreiheit, Investitionsfreiheit, finanzielle Freiheit
Aufgrund der massiven staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft schneiden sozialistische Staaten in diesem Index deutlich schlechter ab als kapitalistische Staaten. Sozialistische Staaten definieren ihre wirtschaftliche Produktivität ebenfalls deutlich schlechter als diejenige von kapitalistischen Staaten. Soweit stimmt die Theorie also mit den Fakten überein.
Je mehr und je bessere Produkte eine Gesellschaft produziert, umso höher wird der materielle Lebensstandard in dieser Gesellschaft sein.
Die Lebensqualität an einem Ort hängt aber sehr stark von der wirtschaftlichen Produktivität ab, da fast alle Produkte, die Menschen begehren, zuerst produziert werden müssen, bevor sie konsumiert werden können. Ich verwende Produkt hier als Sammelbegriff für jegliche Güter und Dienstleistungen. Essen, Wohnungen, medizinische Versorgung, Heizungen, Autos, Fernsehshows – je mehr und je bessere Produkte eine Gesellschaft produziert, umso höher wird der materielle Lebensstandard in dieser Gesellschaft sein. Export und Import ändern an dieser Tatsache nichts. Export bringt Fremdwährungen ein, mit deren Hilfe man dann wiederum fremde Güter importieren kann. Am Ende ist Wirtschaft nach wie vor Tauschhandel.
Ein weiterer Grund zur Hoffnung
Natürlich, und dies ist das Argument der Sozialisten, kommt es auch darauf an, wie die Güter verteilt sind. Es nützt der breiten Masse nichts, wenn viele hochwertige Güter produziert werden und sie selber von einem Hungerlohn leben muss. Allerdings suggeriert eine Statistik von Econlib wie erwartet, dass ein armer Mensch in einer reichen Gesellschaft einen viel höheren Lebensstandard hat als ein armer Mensch in einer armen Gesellschaft.
Einen weiteren Grund zur Hoffnung gibt folgende Statistik der Heritage Foundation: In den vergangenen 24 Jahren hat sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt verdoppelt, und der Prozentsatz von Menschen, die in Armut leben, hat sich um einen Faktor 3 reduziert. Es scheint also doch, dass die gesteigerte wirtschaftliche Produktivität auch den Lebensstandard der Ärmsten weltweit anhebt.
Ein armer Mensch in einer reichen Gesellschaft hat einen viel höheren Lebensstandard als ein armer Mensch in einer armen Gesellschaft. Aber sogar, wenn wirtschaftliche Freiheit alleine nicht reichen sollte, um den Ärmsten der Gesellschaft ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, können wir mit Sicherheit sagen, dass der Sozialismus dies noch viel weniger tut! Die verringerte Produktivität führt generell zu mehr Armut, und die Tatsache, dass sozialistische Staaten oft sehr schnell zu zentralistischen Diktaturen verkommen, verschlimmert die Lebensumstände noch um ein Vielfaches.
Sozialismus verschlimmert Hunger
Wenn wir einmal einen Blick auf die globale Hungerkarte werfen und diese mit der Karte für wirtschaftliche Freiheit vergleichen, dann sehen wir eine sehr starke Korrelation zwischen Unterdrückung und Hunger. Es gibt zwar ein paar Ausnahmen, aber es stellt sich jeweils die Frage, wie lange diese Ausnahmen stabil bleiben werden. Venezuela zum Beispiel hatte 2018 noch ein mäßiges Hungerproblem, jedoch hat sich dieses bis 2019 gravierend verschlechtert.
Wenn es ums Verhungern geht, ist also sicher nicht der Kapitalismus schuld. Im Gegenteil, es scheint, dass der Kapitalismus einer der besten Schutzmechanismen gegen das Verhungern ist! Nach den Erklärungen im ersten Teil zu wirtschaftlicher Produktivität und Lebensstandard sollte dies nicht verwunderlich sein. Verhungern ist ein Ausdruck des tiefst möglichen Lebensstandards. Sozialistische Staaten schneiden oft viel schlechter im wirtschaftlichen Freiheitsindex ab. Somit trägt der Sozialismus viel mehr zum Welthunger bei als der Kapitalismus. Eine Recherche der großen Hungersnöte in Kambodscha, der UdSSR, der Volksrepublik China, Nord-Korea, und als neustes Beispiel Venezuela, bestätigt diesen Punkt.
Viele Kritiker des Kapitalismus sagen, dass die ärmeren Länder so wenig zu essen haben, weil die reicheren Länder sie ausbeuten. Zu diesem Punkt muss man zwei Dinge sagen. Erstens sind es oft in erster Linie lokale Despoten und Gewaltherrscher, welche die lokale Bevölkerung ausbeuten. Wenn westliche Firmen mit den lokalen Despoten zusammenarbeiten, um von der Ausbeutung der lokalen Bevölkerung zu profitieren, ist dies zwar moralisch verwerflich, aber nicht der Grund der Unterdrückung. Der Grund der Unterdrückung ist die lokale Gewaltherrschaft. Zweitens stimmt es allerdings auch, dass westliche Länder andere Länder aus materiellen Interessen militärisch besetzen. Ich werde versuchen, im nächsten Teil auf diese Problematik einzugehen.
Lesen Sie morgen: Die Macht der Korruption.
Den zweiten Teil dieses Beitrages lesen Sie hier.
Amos Zweig hat an der ETH Zürich Ingenieurswissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Robotics und Artificial Intelligence studiert und beschäftigt sich auf einem eigenen Blog mit philosophischen und ethischen Fragen.
Quellen
https://www.heritage.org/index/book/chapter-4
www.econlib.org/library/Enc/EconomicFreedom
https://www.globalhungerindex.org/de/results/
https://www.heritage.org/index/heatmap
SOVIET HEALTH CARE FROM TWO PERSPECTIVES by Diane Rowland and Alexandre V. Telyukov
Soviet Health Care System - DAVID S. FRIEDENBERG
https://www.reddit.com/r/AskHistorians/comments/73aiiu/what_was_healthcare_like_in_the_soviet_union/
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen_und_Schlachten_im_20._Jahrhundert
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_Russlands_und_der_Sowjetunion
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_concentration_and_internment_camps#United_States_of_America
https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_Japanese_Americans
https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_German_Americans
https://en.wikipedia.org/wiki/Internment_of_Italian_Americans
https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Terror_(Sowjetunion)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_Sowjetrussland_1921%E2%80%931922
https://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor
https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung
A. Solschenizyn – Der Archipel Gulag – 1973
https://en.wikipedia.org/wiki/Mao_Zedong
https://en.wikipedia.org/wiki/Khmer_Rouge
https://en.wikipedia.org/wiki/Pol_Pot
https://pixabay.com/de/photos/leistung-bar-gesch%C3%A4ft-diagramm-18134/
https://pixabay.com/de/photos/kommunismus-kommunist-hammer-moskau-17071/
Beitragsbild: André Karwath CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons

Warum ist der Kommunismus für manche heute noch so attraktiv? Im Kapitalismus fallen i.R. Eigentum und Besitz zusammen. Bei den Kommunisten gibt es das "Volkseigentum" - der Besitz bzw. die Verfügungsgewalt liegt jedoch bei der Nomenklatura ohne das Eigentum geschaffen zu haben. Diejenigen, die heute als "Aktivisten" unterwegs sind, um die Welt zu verbessern, wären gerne "Elite" von eigenen Gnaden, wie dereinst die Kommunisten.
Sehr gute Darstellung! Ich freue mich schon auf die kommenden Teile.
Anmerkung am Rande: Es ist nicht korrekt zu sagen, dass im Sozialismus / Kommunismus die Produktivkräfte im Besitz der Gesellschaft sind bzw die Verteilung der Güter durch diese erfolgt. Dies erfolgt durch bzw ist im Besitz der Funktionäre der jeweiligen Partei, eben auch diese agieren als Kapitalrentner. Es ist dh sinnvoller von Staatskapitalismus zu sprechen.
Ich habe es hier schon mal geschrieben, will es aber wiederholen, da es den Artikel vielleicht ergänzt. Einer der wichtigen Vorteile des Kapitalismus ist, daß Besitz Verantwortung nach sich zieht. Es ist eine verbreitete menschliche Eigenschaft, daß man hegen und pflegen will, was man besitzt. Wer Produktivmittel besitzt, möchte sie zu seinem maximalmöglichen Nutzen einsetzen. Wer es nicht will, verkauft sie an jemanden, der es will. Der Besitzer des Produktivmittels bemüht sich nach besten Kräften, es nicht nur zu erhalten, sondern seine Erträge zu maximieren und auch sie selber zu mehren, d.h. Erträge in weitere Produktivmittel zu investieren, jedenfalls wenn dies Sinn macht. Der Besitzer zeigt sich verantwortlich gegenüber seinem Eigentum, weil er es besitzt. Das Problem des Sozialismus ist, daß das, was allen gehört, eigentlich niemandem gehört. Eine Verantwortlichkeitsgefühl aus Besitzinteresse kann nicht zustandekommen, weil die wenigsten denken: Weil die Fabrik allen gehört, gehört sie auch mir. Der Sozialismus ist auf Menschen angewiesen, die ihre Aufgabe (die z.B. im Führen einer Firma besteht) gut machen wollen, weil es sie befriedigt, das, was sie tun, gut zu machen. Auf einen solchen Menschen kommen aber zehn andere, die, vor die Wahl gestellt, lieber doch den Eigenaufwand minimieren, gerade so viel tun, daß man irgendwie über die Runden kommt, keinen Handschlag mehr. Ein höheres Engagement zu belohnen ist im Sozialismus schwierig. Orden o.ä. mögen manche motivieren, allerdings kamen die "Helden der Arbeit" im Sozialismus eher selten aus dem Management, sondern vom Fließband, wo der Arbeitserfolg auch viel leichter meßbar ist. Die meisten Menschen aber lachten im Sozialismus über solche Orden oder Auszeichnungen bzw. die wenigen, denen sie wichtig waren. Sozialismus könnte funktionieren, wenn alle Menschen Idealisten wären, aber Idealismus neigt zur Erosion im Lauf der Zeit, das Verantwortungsgefühl gegenüber Besitz hingegen ist dauerhaft verläßlich.
Die Einen beschäftigen sich mit philosophischen und ethischen Fragen, die Anderen schaffen Fakten von der Steuer- bis zur Einwanderungspolitik und verfolgen die Agenda, die ihnen nützt. Ich rate dem Autor bei der nächsten anstehenden Diskussion dieser Art gleich zu Beginn klar zu sagen, in welchem Team er spielt. Das dürfte ihm in den meisten Fällen diese unsinnige Diskussion ersparen.
Gut recherchiert, das gefaellt mir. Ausserdem verständlich geschrieben, sachlich und informativ. Was hungersnoete angeht gibt's ein gutes Beispiel aus Europa, und zwar bei uns sogar, wie ein Markt die Not beseitigt und der merkantilismus sie verschärft. 1815 brach der tambora aus. 1816 kam es wegen der aerosole in weiten Teilen der Welt zu missernten, Stichwort ist Jahr ohne Sommer. Im Bereich des frisch gebackenen deutschen bundes erwischt es die Mittel und süddeutschen Staaten besonders und die bergregionen, auch deshalb, weil es dort mehr Armut gab. Das Angebot an brotgetreide geht rapide zurueck, der Preis fuer Brot steigt immens. Die Bevölkerung rebelliert gegen baecker, Mueller, Spekulanten, der Staat versucht sich an rationierung, weil die notvorraete durch die napoleonischen Kriege aufgebraucht sind. Erst nach einem Jahr kommt man auf die Idee, getreideimporte aus Russland zuzulassen. Ein freier Markt haette das Problem sofort gelöst. Die händler haetten grosse Mengen Getreide in die hochpreisregion geliefert. Der Preis waere gesunken, nicht auf das alte Niveau wegen der Transportkosten, sondern etwas drüber. Das Problem wäre in der schaerfe gar nicht entstanden, weil es kein strukturproblem war. Gleichwohl sieht selbst ein kluger Kopf wie behringer nicht, dass das einzige versagen des Staates war, den Markt zu behindern, statt ihn zu liberalisieren. Daran hat sich bis heute nix geaendert. Siehe mietbremse.
- Rechtsstaatlichkeit – Eigentumsrecht, wirksames Justizsystem, integre Regierung - Größe der Regierung – Steuerlast, Regierungsausgaben, gesunde Geldpolitik - Regulationen – Unternehmensfreiheit, Arbeitsfreiheit, monetäre Freiheit - Offener Markt – Handelsfreiheit, Investitionsfreiheit, finanzielle Freiheit Und was davon ist in Deutschland noch vorhanden? Und vor allem wie lange noch? Es wird ja an allen Kategorien fleißig gearbeitet .., Zum Glück habe ich mich dem durch Republikflucht entzogen :)