Ulrich Schödlbauer, Gastautor / 04.11.2019 / 16:00 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

Die apokalyptischen Reiter der Klimapolitik (Teil 1)

Wer sich seinen eigenen Weg in der großen Klima-Verwirrung finden will, kommt nicht umhin sich ein paar grundsätzliche Gedanken über Wissen und Bildung zu machen und sich beispielsweise den kleinen Unterschied zwischen Fakten und Daten klar zu machen. Beginn einer kleinen Serie zur geisteswissenschaftlichen Ertüchtigung des staunenden Publikums im großen Klima-Theater.

„Der anthropogene (durch den Menschen verursachte) Treibhauseffekt ist seit über drei Jahrzehnten zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und öffentlicher Diskussionen. Trotz der mittlerweile fundierten wissenschaftlichen Basis melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort, die den anthropogenen Treibhauseffekt anzweifeln oder sogar leugnen.“ (Umweltbundesamt)

„Es kommt die Zeit, da wir alle fort und vergessen sind, und das Einzige, was dann von uns übrig ist, sind die Treibhausgase, die wir mehr oder weniger unwissentlich in die Atmosphäre gepustet haben.“ (Szenen aus dem Herzenvon Greta Thunberg, Svante Thunberg, Malena Ernman, Beata Ernman)

Fanatismus, meine Damen und Herren, Fanatismus … – Kennen Sie Greta? Alle kennen Greta, „wir alle“ kennen sie, vielleicht nicht gerade in Person, aber ganz gewiss ihr Medien-Abziehbild. Dieses Bild, über das separat zu sprechen wäre, hat, so scheint es mittlerweile, durch die Heftigkeit des New Yorker UN-Auftritts vom 23. September einen Knacks bekommen. Das muss nicht schlecht sein. Der Ikone der Klimabewegung widerfährt damit nur, was schon Andere vor ihr hinnehmen mussten. Sie spaltete die Wohlmeinenden, und die Bewegung geht über sie hinweg. Genug ist nicht genug. Der Leitsatz der Bewegung gilt nicht bloß im Reich der PS-Boliden und Fernreisen, er gilt genauso für Exponenten einer Weltsicht, in der für derlei Luxus kein Platz vorgesehen ist.

Der Star, der, wie man hier und da lesen konnte, „seine Emotionen nicht im Griff hat“, ist plötzlich wieder Kind: Wer sind die Eltern? Wo sind die Eltern? Die seriöse Welt, in der Entscheidungen gefällt und Mehrheiten organisiert werden müssen, trennt sich, die Gelegenheit nutzend, ostentativ von den lunatics, den überspannten Rebellen des Weltgewissens, das bekanntlich bei Bedarf in jedem Mainstream-Politiker tickt. Und die Rebellen? Sagen wir, die Situation kommt ihnen entgegen, nachdem „Greta“ erfolgreich die Botschaft vom drohenden Untergang in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft und der ihr verpflichteten Politik verankert hat. Konkurrenz belebt das Geschäft und Feindschaft gegen das System garantiert einen langen Atem. Währenddessen wird die Ikone, ausstaffiert mit allerlei Auszeichnungen, ins öffentliche Nirwana all der Kämpfer für eine bessere Zukunft entrückt, an die von Zeit zu Zeit ein bebilderter Zeitungsartikel erinnert.

Fanatismus der Unwissenheit

Die junge Dame, die, wie sie bereits mehrfach andeutete, ihre Bildung auf dem Altar der Menschheit opfert, da sie etwas weiß oder zu wissen glaubt, das keinen Aufschub duldet, weiß offenbar nicht, dass Bildung und Wissen in einem engen Zusammenhang stehen oder, um es weniger schlicht zu formulieren, einander bedingen: keine Bildung ohne Wissen, kein Wissen ohne Bildung. Vor allem der letzte Teil dieses Satzes verdient Beachtung. Man muss wissen – oder eine Ahnung davon haben –, was Wissen heißt und wie es zustande kommt, um sich seiner halbwegs angemessen bedienen zu können. Es gibt einen Fanatismus der Unwissenheit und des Wissens, die einander in ihren Folgen nicht nachstehen – allein schon deshalb nicht, weil letzterer gleichfalls auf Unwissenheit beruht (den Fall der wissentlichen Unwissenheit, des Selbstbetrugs oder der bösen Absicht einmal beiseitegesetzt).

Daher kann keine Unterrichtseinheit den Bildungsgang ersetzen, innerhalb dessen sie angesetzt wurde: Eine Banalität unter Pädagogen, zusehends ausgehebelt durch die grassierende Bildungsverachtung von Leuten, die der Ansicht sind, sie wüssten genug, um die Welt von ihrem schlimmen Tun abhalten zu müssen – hier und jetzt, denn die Sache selbst duldet … siehe oben. Die Sache selbst. Ganz recht, die sechzehnjährige Greta kann es nicht wissen, da eine skrupellos agierende Umgebung ihr ein Dasein als Medium nahelegt, dazu verurteilt, anderer Leute Wahrheiten unter die Leute zu bringen – flächige Projektionen eines „Wissens“, das in seinem Kern vielleicht Wissenschaft, vielleicht ein Hoax (oder ein guter Mix aus beidem) ist, in jedem Fall aber über eine Tiefendimension verfügt, die sich ihr und ihren Mitkämpferinnen entzieht.

Falls dieses Kind, das kein Kind mehr ist, ein „Missbrauchsopfer“ genannt zu werden verdient, so weniger wegen einer ausgeplauderten Asperger-Diagnose als deswegen, weil ihm die akklamierende Erwachsenenwelt, in der es sich offensichtlich bewegt, das Recht auf Bildung abschneidet. Damit scheint es das Schicksal einer Generation von Jugendlichen zu teilen, deren Erzieher und Lehrer es vorziehen, einem wahnhaften Purismus die Ehre zu geben, statt ihren Schützlingen die elementare Kenntnis dessen zu vermitteln, was eine frühere Generation „la condition humaine“ nannte, die menschliche Weise, in der Welt zu sein und, unter anderem, eine Flut widersprüchlicher Gewissheiten zu generieren, deren Schicksal darin besteht, wieder kassiert zu werden, sobald es an der Zeit ist. Denn noch immer ist der Mensch das Tier, das tief in seinem Inneren weiß, dass es nichts weiß, während es fest zu wissen glaubt, was Andere ihm suggerieren.

Fakten werden gemacht

Die Berufung auf Fakten besitzt, zumindest in der Wirkung auf Laien, etwas Furchteinflößendes. Sie erscheinen ihnen unumstößlich gegeben: „Widerstand zwecklos!“ Das freut die Blender unter den Wissenschaftlern, die sich gern im Licht der Öffentlichkeit sonnen. Denn sie wissen: Nichts in ihren Disziplinen ist so umkämpft wie just diese „Fakten“. Wie das Wort bereits andeutet: Fakten werden gemacht. Sie sind das Ergebnis einer praktischen („Fakten schaffen!“) oder theoretischen Anstrengung. Das unterscheidet sie von „Daten“, die erhoben und interpretiert werden müssen, um auf irgendeine Weise (zum Beispiel in Archiven, etwa zum Klimawandel, wo sie, rein theoretisch, auch zurechtgebogen werden könnten) auf Abruf gegeben zu sein.

Wer demnach, öffentlich sein Renommee als Wissenschaftler in Anspruch nehmend,  behauptet, jene einer wissenschaftsfernen Umgebung aufs Auge gedrückten „Fakten“ seien – bloß gleichsam für Laien verständlich aufbereitet – die Daten selbst, der beurlaubt sich – an dieser Stelle wenigstens – aus dem wissenschaftlichen Diskurs. Manche seiner Kollegen dürften es mit Erleichterung quittieren. Einige allerdings auch mit verstecktem oder offenem Groll, weil sie gern beides hätten: die wissenschaftliche Reputation und das öffentliche Etikett des/der „führenden Forscher(s)*in“.

Wie eine Probe auf diesen Mechanismus liest sich die Karriere der neueren Klimaforschung, deren „führende Vertreter“ seit Jahr und Tag einer dankbar-betroffenen Öffentlichkeit ihre unumstößlichen Fakten präsentieren und dabei nicht selten auf ihre Vergesslichkeit spekulieren, da gerade die furchterregendsten unter den aufgebotenen „Fakten“ alle naslang nachjustiert werden müssen.

Immerhin könnte die Behauptung der Forschesten unter ihnen, irgendwer habe „das Schlimmste“ schon seit Jahrzehnten vorhergesagt, bei klügeren Zeitgenossen eher Zweifel am Fleiß und an der Gewissenhaftigkeit der über allerlei Disziplinen verstreuten, aber im politischen Impetus vereinten Zunft erwecken. Also wird ein gewisser Teil der durch Forschungsfortschritte notwendig werdenden Korrekturen am obligaten Horrorszenario mit der Maßgabe publiziert, in Wahrheit sei alles viel schlimmer, als bisher angenommen. Das imponiert aufmerksameren Zeitgenossen zwar nicht sonderlich. Aber angesichts der allgemeinen Betroffenheit verschließt es ihnen den Mund.

Dies ist der erste Teil einer vierteiligen Serie.

Teil 2 finden Sie hier.

Teil 3 finden SIe hier.

Lesen Sie morgen: Warum man nicht lügen muss, um zu lügen.

Foto: Pixabay

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Margit Broetz / 04.11.2019

Da hat man die Jugend zur Warnung das Buch “Die Welle” lesen lassen, was hat es genützt? Nichts. Die Menschen sind so manipulierbar wie eh und jeh! Selberdenken ist kein Bildungsziel (“der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit usw.) Wie so oft paßt das Zitat “Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.” (Bertrand Russell, der war ein sehr gescheiter Mann)

Rolf Lindner / 04.11.2019

Für mich sind Fakten Formulierungen oder Darstellungen, die aus Daten gewonnen wurden. Wenn jedoch jemand, der sich Wissenschaftler nennt, für seine Formulierungen oder Darstellungen keine Daten vorlegen kann oder will, Daten für ein Wunschergebnis zurechtbiegt, z.B. für seine Darstellung 99 % angibt, obwohl es 99 % von einem Drittel sind, oder allein schon bei der Datenerhebung dem Wunschergebnis entsprechend selektiert usw. ist kein Wissenschaftler, sondern ein Betrüger und Hochstapler. Da dies für den gesamten Bereich um die Klimaerwärmungshysterie zutrifft und hierfür ausreichend Daten vorliegen, sollte man den Fakt beim Namen nennen - Klimabetrug.

Bernhard Krug-Fischer / 04.11.2019

Sehr geehrter Herr Schödlbauer, obwohl ich nicht weiß, was in den nächsten 3 Teilen noch kommt, möchte ich auf folgende Artikel hinweisen: Auf ScienceFiles vom 29. Oktober: „Klimawandel-Hoax implodiert: Alle Klimawandel-Fakten auf einen Blick: Das Irish Climate Science Forum (ICSF), eine Vereinigung unabhängiger Wissenschaftler, hat etwas sehr Wichtiges getan: Ein Kompendium zusammengestellt. Konzentriert auf 36 Seiten kann sich jeder, der sich für den Klimawandel und den angeblich menschlichen Einfluss darauf interessiert, ein Bild vom aktuellen Stand der Wissenschaft machen.“ Heute auf EIKE: „Die wirkliche Klima-Krise ist nicht globale Erwärmung, sondern Abkühlung – und sie könnte schon begonnen haben.“ Sehr interessant. P.S. Greta sucht eine Mitfahrgelegenheit auf einem Schiff, um zum Weltklimagipfel nach Madrid zu kommen.

Andreas Rühl / 04.11.2019

Woran erkennt man einen Wahnkranken am leichtesten? Nun, an dem, was sich Wahngewissheit nennt. Wer in einem Wahn befangen ist, kann nicht zweifeln an dem, was er in seinem Wahn für wahr hält. Wer mit “echten” Verschwörungstheoretikern sich unterhält oder deren Beiträge liest, wird schnell merken, dass deren “Glaube” ganz nahe an der Wahngewissheit ist, daher auch oft genug sich der Eindruck aufdrängt, dass Verschwörungsgläubige in Wahrheit Wahnsinnige sind. Besondere Probleme erleben Psychiater in ihren ersten Berufsjahren zumeist, wenn sie einen Patienten auf einen Wahn “abklopfen” müssen, der Patient aber tief gläubig ist. Was ist dem tiefen Glauben geschuldet (aber noch dem Zweifel zugänglich, zumindest “theoretisch”), was einer Wahnerkrankung? Der Gläubige wagt es vielleicht einfach nicht, seinen (durchaus vorhandenen) Zweifel einzuräumen, weil er um sein Seelenheil fürchtet. Stets muss man also fragen: Gibt es noch eine “theoretische” Möglichkeit für den Klima-Fanatiker, das, was er für wahr hält, anzuzweifeln? Oder nicht mehr? Oder hat er seine Zweifel lediglich “unterdrückt”? Ich habe bei Greta, nach allem, was man so hört, Bedenken, ob sie noch in der Lage ist, an dem, was sie für wahr hält, zu zweifeln. Das meint wohl ihre Mutter, wenn sie sagt “Greta sieht das CO2”. Diese “Gabe” spricht eher für eine Wahnerkrankung als für Autismus. Es nimmt aber nicht Wunder, dass, wenn ein Wahn die halbe Menschheit ergreift, diese Fragen gar nicht stellen. Dort wird dann Wahngewissheit zur Tugend.

Thomas Taterka / 04.11.2019

Wie bringe ich jemand dazu, ohne Zwang, selbst zu denken, der von der Angst gepeitscht ist, nicht mehr dazu zu gehören, wenn er damit anfängt ? Es erfordert die Sensibilität eines “Pferdeflüsteres ” , der sein Metier ausweitet auf traumatisierte Menschen. Soviel “Liebe"kann man nicht verlangen. Da kann man gleich auf ‘nem Esel einreiten wie der Heiland persönlich.

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