Gastautor / 16.03.2016 / 14:00 / Foto: Jollyroger / 1 / Seite ausdrucken

Die Anordnungen des Personals sind zu befolgen!

Von Roger Letsch.

Wenn Politiker Schlüsse aus Wahlergebnissen ziehen, wird es selten spannend. Selbst aus krachenden Niederlagen lässt sich ja aus dem richtigen Blickwinkel noch ein Denkzettel, Ansporn oder ein Koalitionsversprechen ableiten. Die Erklärungsversuche von Angela Merkel jedoch, ihre Beschwichtigungen und Schlussfolgerungen aus den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz versetzen mich wie viele andere ihrer Erklärungen in eine Stimmung, die mir vor Jahren noch unbekannt war. Es ist eine wilde Mischung aus Ärger, Wut und Ohnmacht.

Es sind nicht die mangelnden rhetorischen Möglichkeiten Merkels, es ist der belehrende, infantilisierende Unterton, die Herablassung, die sie nur spärlich umfloskelt. Es ist die vorsätzliche Beleidigung des Intellekts der Zuhörer und Zuschauer, welche sie flehend ansehen und denken „gib dir bitte Mühe, ich will anständig verarscht werden“. Frau Merkel versteckt die Ostereier jedoch nicht, sie kippt sie gleichsam den Wählern vor die Füße und sagt „nun sucht mal schön“. Es ist wie Kindergartensprech oder Psychiatrie-Sprache aus den Fünfzigern, man trifft diese Sprache auch heute manchmal bei Pflegekräften, wenn sie mit älteren Menschen sprechen. „Wie geht es uns den heute Herr Hinz? Da haben sie aber fein aufgegessen Frau Kunz!“. Man wird Zeuge solcher Gespräche und es packt einen die Wut.

Aus Frau Merkel spricht Schwester Ratched* und ich möchte wie McMurphy* schreiend durch die Zimmer rennen, Türen eintreten, die Bewohner an den Schultern packen und die grinsenden Pfleger an Ratched’s Seite aufmischen.

Es wollen einfach nicht mehr alle Patienten die Medizin schlucken

Aber Schwester Ratched hat die Kontrolle verloren. Es wollen einfach nicht mehr alle Patienten die Medizin schlucken, die sie täglich austeilt. Überall springen scheinbar durchgeknallte McMurphy’s herum und stören den bisher so friedlichen Stationsalltag. Dabei war es bisher so harmonisch hier! Sicher, die Lethargie griff um sich, die Bewohner fanden sich damit ab, wie Schwester Ratched ihren Tag regelte. Es war ja auch bequem so, es gab genug zu essen und abends was Belangloses in der Glotze. Bequem ist es aber nicht mehr, es gibt plötzlich viel zu tun auf der Station.

Die aufgewachten und verzweifelten Insassen wenden sich an das restliche Personal, aber es spielt offensichtlich keine Rolle mehr, welche Farben die Kittel des Personals haben – alle verteilen die gleiche Medizin, alle reden wie Schwester Ratched und attestieren ihr großen Sachverstand. Man glaubt sich in einem Albtraum wenn man mit anhören muss, wie Schwester Ursula von der Leyen bei Anne Will – wohl versehentlich – erklärte, dass Farben wie rot, grün, oder schwarz schon längst keine Rolle mehr spielen, weil alle Schwester Ratched alias Angela Merkel den Treueid geschworen haben und alle gemeinsam nur noch das eine Ziel haben: McMurphy in den Wahnsinn und die Lobotomie zu treiben.

Die Krisen sind nur durch die Erhöhung der Medikamenten-Dosis verschwunden

Dabei ist die Flüchtlingskrise womöglich nur ein Symptom für das erkennbare Totalversagen der Regierung Merkel. Sobald man die Annahme der Medikamente verweigert und aus dem „Deutschland ist stark“, „Wir sind auf dem richtigen Weg“ und „Wir schaffen das“-Delirium erwacht, stellt man womöglich fest, dass die Krisen der letzten Jahre, (Stichworte: Europa, Griechenland, Staatsschulden, Energiewende, Ukraine, Nahostkonflikt, Afghanistan) nicht gelöst, sondern durch Erhöhung der Medikamentendosis nur wundersam entschwunden sind. Motto: Was wir nicht seh’n wird schon vergeh’n.

Es ist ja nicht so, dass Merkel diese Medizin nicht auch an ihr Personal verteilt. Das ist einer der Gründe, warum von dort kaum Hilfe zu erwarten ist. Und so wird sie es wohl auch diesmal wieder schaffen, aus ihren rot/grün/schwarzen Reihen ausreichend Personal zusammen zu bekommen, um die Stationen in Stuttgart, Mainz und Magdeburg zu besetzten und von dort aus Jagd auf die McMurphy’s zu machen. Alles soll so bleiben wie es ist und alle treffen sich 18 Uhr an der Medikamentenausgabe. Aber ohne mich!

"Erfahrung heißt gar nichts. Man kann eine Sache auch 35 Jahre falsch machen." (Kurt Tucholsky)

* Einer flog über das Kuckucksnest. Jack Nicholson als Randle McMurphy und Louise Fletcher als Schwester Mildred Ratched. Ein Lehrfilm über Merkels Führungsstil und Antwort auf die Frage, warum man bei Merkels Interviews ein so seltsames Gefühl im Magen hat.

Zuerst erschienen auf Roger Letschs Blog unbedorgt.de

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Leserpost

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Karla Kuhn / 16.03.2016

Kurt Tucholsky hatte einen klaren Sachverstand.  Ich bin allerdings nicht überzeugt, daß Schwester Ratched so weiterwursteln kann wie bisher. Irgendwann werden auch die letzten Getreuen ihre Medizin verweigern. Wer jetzt noch mit geschlossenen Augen durchs Leben läuft, dem ist nicht mehr zu helfen oder er profitiert von der ganzen Chose. Möglicherweise wird sie auch als hervorragende Schwester weggelobt. Das wäre die beste Lösung. Eitelkeit ist ein starker Motor.  Lassen wir uns überraschen.

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