Quentin Quencher / 23.07.2015 / 10:00 / 6 / Seite ausdrucken

Die Angst vor der Familie

Als Otto Ludwig Piffl erfährt, dass seine Frau Scarlett schwanger ist, beginnt der ostberliner Kommunist zu schwärmen, und erklärt seiner Gattin welche fortschrittlichen Segnungen die Junge Familie zu erwarten habe.

OTTO: Wir müssen uns auf die Warteliste für das volkseigene Entbindungsheim und den volkseigenen Geburtshelfer eintragen lassen.
SCARLETT: Nein ich lasse mir lieber meinen Geburtshelfer aus Atlanta rüber fliegen, und meine Nurse und meine Gouvernante.
OTTO: Wofür? Der Staat sorgt doch für alles was nötig ist! Im Alter von sechs Monaten wird das Baby dann ins volkseigene Kinderheim übergeben. Natürlich können wir es dort immer besuchen, jeden zweiten Sonntag.
SCARLETT: Jeden zweiten Sonntag?
OTTO: Und natürlich sehen wir ihn am 1. Mai, wenn er vorbeimaschiert in der Parade, wir dürfen ihn auch zuwinken.

Soweit diese kleine Szene aus Billy Wilders Komödie »Eins, Zwei, Drei« mit Horst Buchholz und Pamela Tiffin in den Hauptrollen. Eine satirische Überzeichnung ist der ganze Film, die aber nur deswegen so realistisch wirken kann, weil dadurch der Kern einer Sache überdeutlich wird. Diese Anspielung auf das kommunistische Misstrauen gegenüber traditionellen Familien hat diesen wahren Kern. Es geht nicht nur darum, dass Kinder im Sinne einer bestimmten Ideologie erzogen werden, sondern auch und vor allem die Institution Familie zu schwächen. Denn in ihr, der Familie, werden Werte vermittelt, sie ist gar das Medium par excellence für die Weitergabe von Werten, wie der Soziologe Dieter Claessens meinte.

Auf diese in der Familie vermittelten Werte hat man es aber eigentlich abgesehen, will man einen Wertewandel in der Gesellschaft herbeiführen. Von Geschlechterrollen über Identitätsfindungsprozessen bis hin zu religiösen Überzeugungen, überall ist die Familie aller Anfang, und da man diese nur sehr bedingt kontrollieren kann, wird von denen, die einen Wertewandel in der Gesellschaft anstreben, die Institution Familie immer kritisch beäugt. Am deutlichsten erkennbar war dies in den kommunistischen Staaten, die ihre Ideologie eben nicht bis in die Familien durchdrücken konnten, und deshalb versuchten, diese Institution zu schwächen, sie auf eine reine Solidargemeinschaft zu reduzieren.

Am Beispiel Kommunismus wird auch deutlich, wie berechtigt diese Angst vor der Vermittlung von tradierten Werten ist, so wie es eben in Familien ganz automatisch geschieht. Der Philosoph Boris Groys meint gar, ein Grund fürs Scheitern des Kommunismus wäre, dass es nicht gelungen ist, die Institution Familie zu zerstören.

Nicht nur Kommunisten ist dieses Misstrauen der Familie gegenüber eigen, sondern allen die meinen, die Bevölkerung mit neuen, oder wahlweise alten, Werten erziehen zu müssen. Die Pädagogisierung der Gesellschaft wird als zwingend angesehen, von Leuten die davon überzeugt sind, dass neuartige globale Herausforderungen einen Wertewandel notwendig macht. Damit sind wir bei den apokalyptischen Vorstellungen einer übernutzten Erde, unter andern. Nicht zu vergessen die Identifizierungsprozesse, die automatisch durch die Wertevermittlung in Familien zu tun haben, und welche aufgebrochen werden müssen, um beispielsweise ein internationales, oder wahlweise globales, Bewusstsein zu bekommen.

Kurz und gut, allen, die in missionarischer Art und Weise die Gesellschaft verändern wollen, sei es auf Basis von religiösen Vorstellungen oder ideologischen, sind automatisch misstrauisch den Familien gebenüber und wollen deren Erziehungshoheit beschränken. Die Familie bekommt gerade mal noch die Aufgaben einer Solidargemeinschaft zugewiesen.

Der Beifall aus politischen rot-grünen Ecke, dass das Bundesverfassungsgericht nun das Betreuungsgeld gekippt hat, ist nur vor diesem Hintergrund zu verstehen. Es ist ein Sieg über die Institution Familie, die sich als Keimzelle der Gesellschaft durch ihre Wertevermittlung und durch Identifikationsprozesse gezeigt hat. Genau darauf will man Einfluss haben, man traut der Familie nicht über den Weg.

Zuerst erschienen bei Glitzerwasser

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Leserpost (6)
Thomas Scherer / 24.07.2015

Hmm, ich kann über diesen logischen Salto nur staunen, dass man eine staatliche Maßnahme wie die Alimentierung von familiärer Erziehung indirekt als Stärkung der Familie sehen kann, indem man das Abschaffen der Alimentierung als Sieg über die Institution Familie verkauft. Ein X wird dadurch nicht zum U.

Hartmut Laun / 24.07.2015

Guten Tag, da selbst der oberste Priester von Deutschland, der BP Gauck, der Meinung ist, dass der Islam und somit die Moslems zum Deutschland gehören. Und wie wir wissen sind diese Familien besonders gebärfreudig, da drängt sich doch die Frage auf, ob genau die ihre Kinder in die Umerziehungslager Krippe und Kinderhort schicken? Oder ob die aus ihren speziellen Gründe heraus ihre Kinder besser zu Hause, im Kreis der Großfamilie, in den althergebrachte Traditionen erziehen wollen? Wo denen das Erziehungsgeld gerade recht daherkommt. H.Laun

Martin Krieger / 24.07.2015

Die Mehrheit der Gesellschaft möchte, dass beide Eltern arbeiten gehen (können), die Mehrheit möchte, dass Kinder aller sozialen Schichten zumindest eine gleiche Chance (auf das Erlernen der deutschen Sprache z.B.) bekommen, daher die Förderung der Kinderbetreuung. Alles andere ist, von Gegnern wie Befürwortern, idiologischer Unsinn. So wie Ihr Beitrag leider auch. Danke. Martin Krieger

Werner Geiselhart / 23.07.2015

Auf den Punkt gebracht, Herr Quencher. Auch im dritten Reich waren Kinderhort, Schule, HJ usw. Indoktrinationszentren für die dem Staat gehörenden Kinder. Neben dem Einpauken der Ideologie war auch wichtig, die Kinder zu Familienspitzeln auszubilden, die darüber berichten sollten, was zu Hause so abläuft. Ansätze haben wir hier auch schon wieder. Unser Junior musste in der Schule einen Fragebogen ausfüllen zum Thema Energiesparen. Fragen waren z.B.: - Wie halten es Deine Eltern mit der Mülltrennung - Welche elektrischen Geräte habt Ihr zuhause - Welche Autos, wie groß sind die - wie oft badet Ihr, duscht ihr - Wohin geht Ihr in Urlaub und wie oft usw. usw. In unseren Kindergärten haben die Projekte, die sie machen, keine anderen Themen mehr wie Klimawandel/Nachhaltigkeit/Energiesparen, natürlich in der von den NGOs (Greenpeace, BUND) geforderten Form. Eltern werden von Ihren Kindern kritisiert, wenn sie die Hände zu oft waschen oder zum Getränkekisten holen mit dem Auto fahren. Der CO2-Fußabdruck entwickelt sich zum größten Verbrechen der Menschheit, so wirds einem zweijährigen bereits beigebracht. Eigenartig (oder auch nicht) ist es, dass die heftigsten Befürworter der staatlichen Oberhoheit über das Kind von der Krippe an aus den Reihen derer kommen, die Geheimdienste, Vorratsdatenspeicherung und Telefonüberwachung am schärfsten bekämpfen. Die Überwachung wird ja von dem auf Kurs gebrachten Nachwuchs erledigt.

Hans Spitzauer / 23.07.2015

Bravo für diesen Beitrag! Besser kann man es nicht beschreiben, wie Linke, Grüne und auch die Sozialdemokraten sich hinter der angeblichen Entlastung berufstätiger Frauen verstecken, um ihre alten und neuen Träume der Erziehung zum “neuen Menschen” doch noch durchzudrücken. Wenn Verfassungsrichter die im Grundgesetz niedergeschriebene Pflicht des Staates die Familie zu schützen, mit der Begründung kippen, finanzielle Unterstützung für Kindeserziehung sei Ländersache, so ist dies nicht unglücklich, sonder ein Skandal ersten Ranges

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