Gastautor / 25.12.2018 / 10:00 / Foto: Pixabay / 19 / Seite ausdrucken

Die Andersgrünen: Energiemythen (4)

Von Michael Shellenberger.

Stellen wir das Thema Strahlung in einen noch größeren Zusammenhang. Wer in einer Großstadt wie London, Berlin oder New York lebt, erhöht sein Sterberisiko um 2,8 Prozent, alleine durch Luftverschmutzung. Wer mit einem Zigarettenraucher zusammenlebt, erhöht sein Sterberisiko um 1,7 Prozent. Aber wer bei den Reinigungsarbeiten in Tschernobyl mitgemacht hat, erhöht sein Sterberisiko um gerade mal 1 Prozent. Das liegt einfach daran, dass die Strahlenbelastung nicht so hoch war, wie viele dachten.

Ich komme aus dem US-Bundesstaat Colorado, wo die jährliche Strahlenbelastung in etwa so hoch ist wie die von Menschen, die in der Nähe von Tschernobyl wohnen. Das ist alles wirklich elementare Wissenschaft und einfach im Internet abrufbar, aber keiner weiß es. Nur acht Prozent aller befragten Russen konnten die Todesrate von Tschernobyl korrekt schätzen, und null Prozent die von Fukushima.

Derweil gibt es sieben Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr durch Luftverschmutzung, und die Hinweise auf Schäden durch Feinstaub werden immer stärker. Darum kommt jede größere Fachzeitschrift, die sich mit der Atomenergie beschäftigt, zu dem Schluss, dass sie die sicherste Art und Weise ist, Elektrizität zu erzeugen. All dies führt uns zu einer unbequemen Schlussfolgerung – einer, zu der auch der Klimawissenschaftler James Hansen vor kurzem kam: Atomenergie hat tatsächlich 1,8 Millionen Leben gerettet. Darüber hört man nicht so viel.

Solarenergie erzeugt 200- bis 300-mal so viel toxischen Müll wie Atomenergie

„Aber was ist mit dem Müll?“, werden viele fragen. Das Wichtigste am Atommüll ist, dass er der einzige Müll aus Stromerzeugung ist, der an einem sicheren Ort eingeschlossen wird. All der andere Müll aus Stromerzeugung geht in die Umwelt, einschließlich dem von Kohle, Erdgas und – noch eine unbequeme Tatsache – dem von Solaranlagen. Außerhalb der EU gibt es keine Pläne, Solaranlagen zu recyceln. Das heißt, dass all unsere Solaranlagen in Kalifornien zu Abfall werden. Und dieser Abfall enthält schwere, giftige Metalle wie etwa Chrom, Kadmium und Blei. Wie viel toxischen Solarabfall gibt es? Um eine Ahnung davon zu bekommen, sollte man beachten, dass sehr viel mehr Material nötig ist, um Energie aus Solar- und Windkraftanlagen zu erzeugen als aus Atomkraftwerken. Daher erzeugt Solarenergie tatsächlich 200- bis 300-mal so viel toxischen Müll wie Atomenergie.

Was ist mit der nuklearen Proliferation? Falls irgendein Risiko bestünde, dass mehr Atomenergie die Gefahr eines Atomkrieges erhöhen würde, wäre ich dagegen. Ich glaube daran, dass Diplomatie fast immer die richtige Lösung ist. „Aber was ist mit Nordkorea?“ Korea zeigt, dass ich Recht habe. Um Atomkraft zu bekommen – und so ist es schon seit 50 Jahren – muss man zusagen, dass man keine Atomwaffen anstrebt. Das ist der Deal.

Südkorea wollte die Atomkraft. Sie waren damit einverstanden, dass sie dann keine Atomwaffen bekommen würden. Sie haben auch keine. Nordkorea wollte die Atomkraft. Ich denke, sie hätten sie bekommen sollen. Wir haben sie ihnen verwehrt, aus verschiedenen Gründen. Sie haben Atomwaffen entwickelt. Sie testen Raketen, die Japan erreichen können und bald auch Kalifornien. Hinweise, dass Atomenergie zu Atombomben führt, werden Sie also weder in Korea noch sonst irgendwo finden.

Wohin führt uns das alles? Zu noch mehr unbequemen Wahrheiten. Zum Beispiel: Wenn Deutschland nicht seine Atomkraftwerke abgeschaltet hätte, wäre der deutsche CO2-Ausstoß 43 Prozent niedriger, als er heute ist. Und wenn Ihnen der Klimawandel Sorgen macht, ist das etwas, womit Sie sich zumindest auseinandersetzen müssen – insbesondere angesichts der Tatsachen, die ich hier vorgestellt habe, über die Gesundheitsauswirkungen der verschiedenen Energieträger.

Ich möchte schließen mit einem Zitat von jemand anderem, der auch seine Meinung zur Atomkraft geändert hat. Jemand, der auch ein großer Held meiner Kindheit war, und das ist Sting: „Wenn wir die globale Erwärmung wirklich in den Griff kriegen wollen, ist Atomkraft der einzige Weg, um massenhaft Energie zu erzeugen.“

Michael Shellenberger ist US-amerikanischer Umweltaktivist und Leiter des Breakthrough Institutes. Bei dieser Serie handelt es sich um die Übersetzung eines Vortrages, den Michael Shellenberger im November 2017 in Berlin gehalten hat.

 

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Foto: Pixabay

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Leserpost (19)
Emmanuel Precht / 25.12.2018

@Rafael Sterzer, es gibt keine Sterberisikoerhöhung - unmöglich, da das Risiko immer 100% ist. Anders als die Renten, ist der Tod sicher (100%). Das frühere Versterben ist, wenn überhaupt, sehr schwierig nachzuweisen. Denn dazu müsste ja die echte Lebenserwartung einer Person bekannt sein, was wiederum erst der Fall nach dem Ableben ist. Alles andere sind sehr vage Schätzungen, die sich an einem gefundenen Durchschnittswert orientieren. Sich dabei auf zehntel Prozentpunkte (1,7%) festzulegen, ist schon recht gewagt. Wohlan…

Frank (in ZA) Theimer / 25.12.2018

“Derweil gibt es sieben Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr durch Luftverschmutzung, und die Hinweise auf Schäden durch Feinstaub werden immer stärker” Energiemythen durch andere Energiemythen ersetzen….(?)....

Anders Dairie / 25.12.2018

Das Problem ist die Zunahme von Krankheiten (wie COPD),  Bei denen wird durch Hängebleiben kleiner Staubteilchen, Teer und Gummi in den Lungenbläschen den Gasautausch zwischen Außenwelt und Blut sukzessive verringert.  Das Lungengewebe stirbt ab,  es gibt große Hohlräume.  Die Flächen des Gasaustaus-ches sinken von ca.  4,5 Quadratmeter rapide ab.  Große Staubteile aus Quarz, Kohle und Schwebstoffe können ausgehustet werden, die kleinen jedoch nicht. Die A-Bombenabwürfe in Japan 1945 haben den Fokus der Schädigung einseitig auf Uran und Plutonium gelenkt.  Die Angst von Wählern wird dabei politisch benutzt.  Wenn die Menschheit gründlichen Schaden nimmt,  dann durch plötzlichen Vulkanismus,  ebenfalls begleitet mit großer Rauch- und Staubemission, die sich global verteilt.

Holger Narrog / 25.12.2018

Dem Artikel ist es hoch anzurechnen, dass die Thematik der Abfälle aller Energiearten thematisiert wird. Die chemotoxischen Abfälle aus umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen werden in Deutschland in den ehemaligen Salzbergwerken Herfa - Neurode und Teutschenthal deponiert. Das ist ähnlich sicher wie die Salzstöcke, Gorleben, Morsleben, Asse die für die Deponierung radiotoxischer Abfälle genutzt wurden, bzw. vorgesehen waren. Die im Artikel genannten Zahlen zum Sterberisiko durch Feinstaub etc. sind sicherlich anschaulich und helfen Menschen die Relationen zu verstehen. Allerdings sind das genauso Fantasiezahlen wie die Todesfälle der “Strahlenhöllen” in Tschernobyl und Fukushima.  Meist werden solche Zahlen aus hohen Dosen für die es gesicherte Daten gibt über einen LNT Ansatz, oder dergleichen “umgerechnet”. Die Verbindung zwischen “Atomkraftwerken” und Atombomben ist willkürlich. Die bei kommerziellen Stromfabriken üblichen Leichtwasserreaktoren sind für eine Herstellung von Bombenplutonium denkbar ungeeignet. Geeignet sind CANDU Reaktoren, RBMK Reaktoren, Urananreicherungsanlagen und Wiederaufbreitungsanlagen. Ich denke, dass jedes technisch einigermassen hochstehende Land einfache Kernsprengkörper bauen kann.

Hjalmar Kreutzer / 25.12.2018

„Erhöht sein Sterberisiko um 1 oder 1,7 oder 2,8 %...“, im Vergleich zu ?!? So hingeschrieben, ist dieser Satz nicht weniger Show, als das Gedöns der Klima-, CO2-, NOX- oder KKW- Alarmisten.

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