Die AfD ist, das zeigen die veröffentlichten Umfragen, die Partei der Arbeiterklasse. Laut einer im Februar 2025 durchgeführten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap ist keine andere Partei unter Bürgern, die sich selbst als Arbeiter identifizieren, so beliebt. Sie erreicht in dieser demographischen Gruppe 38 Prozent Zustimmung, verglichen mit 22 Prozent für die Union, 12 Prozent für die SPD, 8 Prozent für die Linke und 5 Prozent für die Grünen.
Wie, wenn man die Stärke der AfD zu ihrer Schwäche machen und einen Keil zwischen die Partei und ihre werktätigen Anhänger treiben könnte? Politiker, Journalisten und Gewerkschafter, die sich vorgenommen haben, die AfD „inhaltlich zu stellen“, setzen an dieser Tür gern den Kuhfuß an.
Seit Jahren erscheinen relativ regelmäßig – aber gehäuft vor Wahlen – Beiträge, in denen der AfD vorgeworfen wird, nicht den Interessen ihrer Klientel zu dienen. Oder vielleicht eher umgekehrt: Den Arbeitern wird unterstellt, gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen. Der Vorwurf atmet einen gewissen Snobismus, nicht unähnlich dem jener Marxisten, die meinen, das „objektive Interesse“ der Arbeiter zu kennen und den Kopf schütteln, weil diese sich partout nicht daran orientieren wollen.
Einer der Lautesten unter denen, die der AfD vorwerfen, arbeiterfeindlich zu sein, ist Marcel Fratzscher. Er ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und ein Rundumanbieter von Zitaten für journalistische Beiträge über den Segen von Steuererhöhungen, Staatsinterventionismus, Inflation und Verschuldung. Die Deutsche Welle zitierte ihn im März 2026 mit der Einschätzung, die AfD stehe für eine „extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik“, die vor allem Entlastungen für Spitzenverdiener plane und die Rolle des Staates beschneiden wolle: „In der Kategorie Sozialpolitik wünscht sich keine Partei im Bundestag stärkere Einschnitte bei den Sozialleistungen als die AfD“, so Fratzscher.
In der Fratzscher’schen Welt nämlich sind „Sozialleistungen“ eine Erquickung für die Arbeiter, deren Nutzen linear mit den Ausgaben wächst: Je mehr, desto glücklicher sind alle. Dass auch die Arbeiter zu denjenigen gehören, die diese Staatsausgaben über ihre Steuern und Sozialabgaben – und am Ende auch immer über die Geldentwertung – bezahlen müssen, kann Fratzscher ja nicht wissen. „Die AfD ist durch und durch neoliberal“, sagt auch Linken-Chef Luigi Pantisano.
Wie „arbeiterfreundlich“ ist die Migration?
Das „AfD-Paradox“ bestehe darin, dass die Partei eine „Programmatik gegen die eigenen Wähler“ habe, resümiert der DW-Autor Hans Pfeifer, dessen Schwerpunkt laut Autorenprofil der „Rechtsextremismus“ ist. Das Programm sei „nicht besonders arbeiterfreundlich“, findet er. Zum gegenteiligen Ergebnis – „das AfD-Programm ist besonders arbeiterfreundlich!“ – hätte er ja auch schlecht kommen können.
Dabei nutzt Pfeifer eine interessante Beweisführung: „Ökonomen und wirtschaftswissenschaftliche Studien“ hätten „Einwanderung“ „als wichtigen Beitrag für den Erhalt der deutschen Wohlstandsgesellschaft“ identifiziert. Und Fratzschers DIW, so Pfeifer weiter, habe gesagt, „dass mehr Migration ein enormes Potenzial dafür darstelle, dass die deutsche Wirtschaft kräftig wächst“. Wenn nun also die AfD weniger Migration wolle, dann sei das „nicht besonders arbeiterfreundlich“.
Fratzscher selbst forderte 2023 auf Zeit online: „Wer zum AfD-Milieu zählt, der sollte vor allem nicht die AfD wählen“, denn die stehe „für eine extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik“. Setze sie ihre Forderungen durch, „ginge es den eigenen Anhängern schlechter“. Die AfD nämlich setze „sich in fast allen Bereichen für Steuersenkungen (wie neuerdings bei der Erbschaftsteuer) und gegen Steuererhöhungen ein“. Fratzscher klagt: Die „Besteuerung großer Vermögen lehnt sie ab, den Solidaritätszuschlag für die Spitzenverdiener will sie komplett abschaffen. Das Gleiche gilt für die Wirtschaftspolitik, bei der die AfD generell die Rolle des Staates beschneiden und die Macht des Marktes vergrößern will“. Sie will also laut Fratzscher mehr Geld bei Arbeitern und Unternehmern lassen, statt den Anteil des Finanzamtes noch weiter zu vergrößern. Was daran schlecht für „das AfD-Milieu“ sein soll, erklärte Fratzscher nicht. Stichwort: „objektives Interesse“.
Andere Argumente Fratzschers lauteten, die AfD sei „gegen den Kohleausstieg 2038 genauso wie gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren, die Förderung von ökologischer Landwirtschaft, den Ausbau von Windenergie oder die Besteuerung des Flugverkehrs“.
Es mag schon sein, dass es hoch oben eine gesellschaftliche Sphäre gibt, in der solche politischen Positionen für Heulen und Zähneklappern sorgen – aber es ist gewiss nicht das Milieu der Arbeiter. Wem so etwas einfällt, der zeigt nur, wie entrückt er von der normalen Bevölkerung ist. Es sind reiche Leute, die – wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – von einer Politik schwärmen, die alles „teurer“ macht.
Bei „verteilungspolitischen Fragen“ zu sehr „nach links gerückt“?
Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat sich kürzlich mit dem wachsenden Zuspruch zur AfD in einer empirisch geprägten Studie über „das Wahlverhalten der Arbeiter“ befasst. Das Frappierende daran ist, dass die CDU darin nur am Rande vorkommt. Es werden die Stimmenanteile von SPD und AfD über die Zeit verglichen. Von der „sinkenden Resonanz der SPD“ ist die Rede. Diese habe „bei dem Kampf um die Arbeiterklasse“ „durch die Konkurrenz der AfD erheblich Federn gelassen“. Der „gewachsene Zuspruch, den die AfD in der Gruppe der Arbeiter mittlerweile“ genieße, sei „für die SPD besonders schmerzlich“. Was in der Analyse fehlt: Die Unterstützung der Arbeiter für die CDU hat sich zwischen 2002 und 2025 fast halbiert, von 40 Prozent auf 22 Prozent bei der letzten Bundestagswahl. Ist das für die CDU nicht ebenfalls „besonders schmerzlich“? Oder ist es piepegal?
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beteiligt sich an der Debatte. Er hat eine eigene Website, die erklärt, wieso, weshalb und warum die AfD „keine Partei für Beschäftigte“ sei, sondern der „Feind der Beschäftigten“ (und der Freund der Unbeschäftigten?). Die „Rückkehr zu teurer Kohle- und Atomenergie“ werde „Strompreise in die Höhe treiben“, heißt es da etwa. Dabei sind die Deutschen es doch gewöhnt, dass „die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis“ (Jürgen Trittin). Das Argument wird bei den Arbeitern also tüchtig ziehen. Ferner warnen die Gewerkschaften, die AfD sei „gegen höhere Löhne“ und für eine „Steuerpolitik für Reiche“. Die Argumentation ähnelt der der anderen genannten Quellen: Niedrigere Steuern und Sozialleistungen seien schlecht für die arbeitende Bevölkerung.
Zu einem völlig anderen Ergebnis kommt Spiegel-Autor Christian Reiermann in seinem Beitrag „Buhlen um die Arbeiter“ (Heft 34/2026). Die AfD setze „auf sozialpolitische Versprechen, die sich gar nicht so sehr von SPD oder Linke unterscheiden“, schreibt er. So bekenne sich die AfD „wortreich zum Mindestlohn“. Andere sozialpolitische Vorhaben seien „ähnlich links“. Leiharbeit müsse „nach einer sechsmonatigen Beschäftigungszeit einer festen Anstellung gleichgestellt werden“, zitiert der Spiegel-Autor aus dem AfD-Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2025. Und die Renten wolle die AfD, anders als „SPD, Grüne und Linke“ nicht nur „absichern“, sondern sogar „erhöhen“. „Die Rentenideen der AfD dürften kaum zu finanzieren sein“, warnt Reiermann, und beruft sich auf „Experten verschiedener Forschungsinstitute“, die Mehrkosten von 170 Milliarden Euro pro Jahr berechnet hätten.
Die AfD sei bei „verteilungspolitischen Fragen“ „in den vergangenen Jahren merklich nach links gerückt“. So sehe es der Siegener Politikwissenschaftler Philipp Manow, den der Autor zustimmend zitiert. „Die Charakterisierung der AfD als strikt neoliberale Partei ist falsch“, so Manow.
Der Spiegel-Autor mokiert sich über die „Sozialstaatsrhetorik“ der AfD. Die Partei sei „wild entschlossen, jede Menge Wohltaten unters Volk zu streuen“, so Reiermann. Die Versprechen seien aber wohl teuer für den Staat; die von der AfD beabsichtigte Anhebung des Rentenniveaus auf 70 Prozent sei „ein utopischer Vorschlag“. Das Gleiche gelte für steuerliche Entlastung kinderreicher Familien. Obwohl AfD-Sympathisanten „vor den katastrophalen Folgen ihrer Wahl gewarnt“ würden, würden es immer mehr, klagt Reiermann. Ein Lichtblick sei, dass kürzlich immerhin „bei den Betriebsratswahlen mit überwältigender Mehrheit traditionelle Gewerkschaften“ gewählt worden seien, „die eher der SPD nahestehen“. Na, dann.
Die Frage, ob die AfD nun eine „neoliberale Partei durch und durch“ (Fratzscher etc.) ist oder ob sie, wie der Spiegel-Autor meint, sozialpolitisch links an SPD, Grünen und der Linken vorbeizieht und einen „utopischen“ Ausbau des Sozialstaats anstrebt, sollte zwischen den beiden mal im Fernsehen ausdiskutiert werden. Die einen sagen so, die anderen so. Ein Kellner würde lächeln und sagen: „Ich komme wieder, wenn Sie sich entschieden haben.“

Herr Gerbert, das haben Sie aber fleißig recherchiert. Und was soll das, würde Dröhnemeier fragen. Wenn Gesichtshecken-Muhammad mit Burka Miseria plus Nachwuchs in Kleinkleckersdorf etwas weniger Stütze abgreifen kann als in Mainhattan, weil im Dorf auch die Lebenshaltungskosten geringer sind, entwertet dies doch nicht die grundsätzliche Argumentation. Für 3000 Ocken Netto plus/minus Gerbert müßte er schon deutlich über 4000 Brutto verdienen, was er als Auslieferungsfahrer trotz 14-Stunden Tag niemals schaffen wird, so daß er quasi zwangsläufig lebenslanger Kostgänger bleiben wird. Seine Einwanderung fördert die Wirtschaft in keiner Weise, sondern belastet sie mit Steuern für seinen Unterhalt, so das völlig korrekte AfD-Statement. Aber das ist die Technik der „Faktenchecker“: aufgrund von Spitzfindigkeiten eine prinzipiell korrekte Argumentation als erlogen zu diffamieren. Es ist völlig erstunken, daß der Halunke 750 000 Euro ergaunert hat. Es waren nur 749 674.
Dass so viele die AfD wählen bzw, wählen würden, liegt für mich daran, dass sie anders ist als die anderen Parteien. Ihre Politiker haben eine klare Sprache, eine Sprache die angreift und zwar die anderen Parteien und deren Politik, sie legt sich mit jedem an. Sie sind die Kinder, mit denen man nicht spielt, die Ausgeschlossenen, die Verirrten, die Abgehängten, der Parteien-personifizierte-Skandal, die Nazis von heute und das Böse par exellence, die gegen den Strom schwimmen, sie sind der nachdenkende Antimainstream, der sich auch erlaubt gefährlich und politisch inkorrekt zu reden und nicht der immer die selben Floskeln daherredende Mainstream, den die anderen Parteien abbilden. Nicht dieser trostlose Einheitsbrei von Union, SPD und Grünen, der uns in die heutige Lage gebracht hat und nicht die utopisches Zeug fordernde Linkspartei, die die Ausländer liebt und die (Bio) Deutschen hasst.
Früher habe ich immer die CDU gewählt, aber dann kam SIE und ich stand vor einem Riesendilemma: FDP weg, Grünrot geht gar nicht. Also habe ich mich intensiv mit der AfD beschäftigt und musste feststellen, dass die ihr Parteiprogramm bei der „alten“ CDU abgeschrieben haben. Seitdem habe ich wieder eine politische Heimat. Leider bin ich in einem so vorgerückten Alter, dass ich die AfD als Regierungspartei im Bund wohl nicht mehr erleben werde. Also, fangen wir mal klein an und drücken für Sachsen-Anhalt schon mal die Daumen!
Abgebrochener Satz: Unter den Ruinen des Colosseums haben die Römer nie aufgehört von der alten Stärke Roms zu träumen und einer Wiedergeburt.
Das mythologische Fass
Die EU sollte die Wiedergeburt des Römischen Reiches werden. Das geht nicht nur aus den symbolträchtigen Römischen Verträgen hervor, das haben die Protagonisten während der Unterschriftenzeremonie auch gesagt.
Unter den Ruinen des Colosseums haben die Römer
Während der Römerzeit war Deutschland gespalten. Die Fürsten im Westen kollaborierten mit den Römern, die jenseits des Limes im Osten bekämpften sie.
Nach dem Mauerfall gab es keine Wiedervereinigung. Dafür hat Helmut Kohl gesorgt. Er gab den Osten zum Plündern frei. Und 35 Jahre später ist die Teilung wieder da. Er gab übrigens aus den Westen zum Plündern frei. Die verlorene Geschichte beginnt mit und gleich nach dem Mauerfall. Erst in der EU ist West-Deutschland „privatisiert“ worden. Da gibt’s irgendwie einen blinden Fleck. Und dann begann der Abstieg.
Segmundus, der Sohn, des Segestes spielte damals eine Vermittlerrolle. Er war kein aktiver Kämpfer, sondern ein Rom zugetaner Politiker. Segestes hasste Arminius, weil der auf dessen Tocher Thusnelda scharf war. Segestes war ebenfalls den Römern zugetan. Er hat Varus vor Arminius gewarnt, aber der glaubte ihm nicht.
Vielleicht kommt Segmundus, um die Familienschande von damals gutzumachen? Wer weiß das schon.
Es gibt historische Parallelen. Die Spaltung Germaniens scheint sich tief in uns hin eingefressen zu haben und wurde nie überwunden. Und jetzt das!
In Russland geht’s ja auch mythologisch zu. Putin hat überraschende Ähnlichkeit mit Rasputin, Medwedew mit Zar Nikolaus II.
Hat man Rom einen Gefallen getan, oder ist Europa nur noch eine von Motten zerfressene Ruine mit kaum mehr wahrnehmbaren Spuren verblichenen Adels und früherer Glorie?
Ja, das ist alles Zufall und kann wissenschaftlich leicht erklärt werden.
Die Fratzscher’sche Denke erinnert mich stark an einen schwäbischen Kindervers : Feurio der Neckar brennt, holet Stroh und löschet gschwend. (Übersetzt, „Feurio der Neckar (Fluß durch Stuttgart) brennt, holt Stroh und löscht geschwind“. Auftragsexpertisenschreiber vom Schlage eines Fratzscher sind einfach nur Bremsklötze für die deutsche Volkswirtschaft.
@Enrico Gertenschlag: Eine der besten Satiren, die ich auf der Achse seit langem gelesen habe. Beifall! „ … Kritik ist Wasser auf die Mühlen von Extremisten …“. Ja, ja der „Extremist“ als der Klassen-Feind der Gegenwart. Gut gemacht, Genosse!