News-Redaktion / 05.04.2020 / 08:41 / Foto: cartese / 0 / Seite ausdrucken

Die Morgenlage: Messerangriff und Maskenpflicht

Bei einem wahrscheinlich islamistischen Messerangriff in Frankreich wurden zwei Menschen getötet, in Afghanistan wurde ein Führer des dortigen Islamischen Staats (IS) festgenommen, Italien meldet den Rückgang der Zahl von Corona-Intensivpatienten, die Lombardei führt eine generelle Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ein, Spanien verlängert die Ausgangssperre, Österreichs Kanzler kündigt Lockerungsplan an und Bulgariens Regierungschef will Saisonarbeiter nicht ausreisen lassen.

Zwei Tote nach mutmaßlich islamistischem Messerangriff in Frankreich

Bei einem mutmaßlichen Terrorangriff im Südosten Frankreichs hat ein Mann zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt, meldet dtoday.de. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft habe am Samstag mitgeteilt, sie ermittele wegen "Mordes in Zusammenhang mit einer Terrortat" gegen den festgenommenen Tatverdächtigen. Auch Frankreichs Innenminister Christophe Castaner habe von einem "terroristischen" Angriff gesprochen.

Der Angriff ereignete sich der Meldung zufolge am Samstagvormittag in der Kleinstadt Romans-sur-Isère südlich von Lyon. Der 33-jährige Angreifer, der sich als sudanesischer Asylbewerber ausgewiesen hätte, habe im Zentrum der 35.000-Einwohner-Stadt in mehreren Geschäften und auf der Straße Kunden und Passanten angegriffen. Zeugen zufolge habe er dabei "Allahu Akbar" gerufen

Zwei Menschen seien getötet und fünf weitere verletzt worden, hieß es von Innenminister Castaner. Der mutmaßliche Angreifer, 1987 geboren und unter dem von ihm angegebenen Namen bei der französischen Polizei nicht bekannt, habe bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft habe erklärt, erste Ermittlungsergebnisse würden darauf hindeuten, dass der Angreifer die öffentliche Ordnung "durch Einschüchterung oder Terror" erheblich stören wollte. Bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung seien handschriftliche Dokumente gefunden worden, in denen sich der Mann darüber beschwert habe, "in einem Land von Ungläubigen zu leben".

IS-Anführer in Afghanistan festgenommen

Der Anführer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) in Afghanistan ist festgenommen worden, meldet kleinezeitung.at. Der als Aslam Farrukhi bekannte Mann sei von afghanischen Spezialkräften mit 19 weiteren Kämpfern gefasst worden, darunter auch zwei ranghohe Kommandanten der Terrorgruppe, habe die Nationale Sicherheitsdirektion am Samstag mitgeteilt. Weitere Details wolle der afghanische Geheimdienst in den nächsten Tagen bekannt geben. Die USA und die afghanische Regierung haben die Extremisten von Anfang an intensiv bekämpft. Auch die militant-islamistischen Taliban kämpfen gegen den IS.

Italien meldet Rückgang der Zahl von Corona-Intensivpatienten

Erstmals seit gut einem Monat ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Intensivpatienten in Italien gesunken, meldet dtoday.de. 3994 Menschen würden derzeit auf Intensivstationen behandelt, 74 weniger als am Vortag, habe Zivilschutz-Chef Angelo Borrelli am Samstag gesagt. "Das sind sehr wichtige Neuigkeiten, denn das verschafft unseren Krankenhäusern eine Atempause." In der besonders schwer betroffenen Region Lombardei hätten demnach etwa 50 Patienten die Intensivstation verlassen können.

Dies seien gute Neuigkeiten, habe der Chef des nationalen Gesundheitsrats, Franco Locatelli, gesagt. Italien hätte die "kritische Phase" aber noch lange nicht überstanden. Die jüngste Entwicklung wäre lediglich ein Anzeichen dafür, dass die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie Wirkung zeigten.

Lombardei führt Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ein

Als erste italienische Region führt die Lombardei eine Mundschutzpflicht für alle Bürger ein, die ihre Wohnung verlassen, meldet orf.at. Sollten die Menschen über keine Maske verfügen, müssen sie sich mit einem Schal oder einem Tuch Nase und Mund bedecken, heiße es in einem Erlass der lombardischen Regierung. Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte müssten Kunden Wegwerfhandschuhe und Desinfizierungsmittel zur Verfügung stellen. Blumenhändler dürften offen halten. Sport sei nur in einem Umfeld von 200 Metern von der eigenen Wohnung erlaubt. Auch Hundebesitzer dürften nur im Umkreis von 200 Metern von der eigenen Wohnung mit ihrem Vierbeiner spazieren gehen, gehe aus dem Erlass hervor.

Auch die norditalienische Region Venetien hat die Maßnahmen zur Eingrenzung der Coronavirus-Pandemie noch einmal verschärft. Vorgesehen seien Neuerungen wie die Schließung der Supermärkte am Sonntag. In Supermärkten dürften Kunden nur dann einkaufen, wenn sie Schutzmaske und Handschuhe tragen.

Ausgangssperre in Spanien bis Ende April verlängert

In dem von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Spanien wird die Ausgangssperre für die Bevölkerung nochmals verlängert, meldet dtoday.de. Regierungschef Pedro Sánchez habe am Samstag im Fernsehen die Verlängerung um zwei Wochen bis zum 25. April bekannt gegeben. Das Kabinett werde am Dienstag dazu die Zustimmung des Parlaments beantragen. Die Ausgangssperre gilt seit dem 14. März.

Kurz will am Montag Plan für Lockerung des Shutdowns präsentieren

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Samstag in einem Interview mit der Zeitung "Der Standard" einen Fahrplan für die nächsten Schritte in der Corona-Pandemie angekündigt, meldet tagesspiegel.de. Der "erste Versuch eines Fahrplans", so Kurz, solle am Montag präsentiert werden. Hier stehe vor allem die Idee einer Tracking-App oder speziellen Schlüsselanhängern für die Bevölkerung im Raum. Auch die Ausgabe von Masken für medizinisches Fachpersonal sowie für die Bevölkerung solle vorangetrieben werden. Kurz erwäge einen schrittweisen Abbau der strengen Maßnahmen und eine Wiedereröffnung des Handels.

Mit der derzeitigen Entwicklung habe sich Kurz zufrieden gezeigt. Die derzeitigen Maßnahmen sollten jedoch nicht plötzlich gelockert werden.

Polizei löst nicht genehmigte Demonstration in Berlin auf

Die Polizei hat am Samstagnachmittag in Berlin-Mitte eine nicht genehmigte Demonstration aufgelöst, meldet welt.de. Etwa 40 Demonstranten hätten sich nach Polizeiangaben dort versammelt, um gegen eine von ihnen befürchtete Einschränkung von Grundrechten in der Corona-Krise zu protestieren. Die Polizei habe über das Ansammlungsverbot wegen der Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie informiert, dennoch hätten einige Demonstranten den Platz nicht verlassen wollen. Diese seien kurzzeitig festgesetzt worden, wie die Polizei mitgeteilt habe. Ein Beamter sei verletzt worden.

Tumult in Asylbewerber-Anlaufstelle

In der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt ist es am Samstag nach Angaben einer Sprecherin des Landesverwaltungsamtes vorübergehend zu tumultartigen Szenen gekommen, meldet welt.de. Der Anlass sei gewesen, dass Bewohner auf dem Gelände zwischen zwei Unterkunftsgebäuden aufgestellte Quarantänezäune umgeworfen hätten. Daran sollten etwa 100 bis 150 Menschen beteiligt gewesen sein. Eine Polizeisprecherin habe dies bestätigt. Es hätte aber niemand das Gelände der Zentralen Anlaufstelle verlassen.

Nach bisherigen Angaben des Landkreises Harz seien die Bewohner der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber wegen eines Corona-Falls unter Quarantäne gestellt worden. Dafür seien die einzelnen Häuser der Einrichtung untereinander isoliert worden. Ein ehemaliger Bewohner war positiv auf Covid-19 getestet worden.

Bulgariens Regierungschef gegen Ausreise von Saisonarbeitern

Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow hat sich gegen Auslandseinsätze von Saisonarbeitern seines Landes ausgesprochen, meldet orf.at. Er habe bei dem Thema „den offiziellen Standpunkt, dass die Bewegungsfreiheit in den EU-Grundrechten“ verankert sei, habe der Ministerpräsident vor Journalisten erklärt. „Unabhängig vom offiziellen Protokoll“ fände er es aber „nicht fair“ gegenüber der gesamten bulgarischen Bevölkerung, wenn Saisonarbeiter ins Ausland gingen und dann vielleicht das Coronavirus wieder mit nach Hause brächten. „Wenn ihre Verträge enden, kommen sie hierher, tragen die Infektion in sich, und alle anderen sollen für sie zahlen“, habe Borissow mit Blick auf die Saisonarbeiter gesagt. „Ich sehe deshalb überhaupt keinen Anlass, über Saisonarbeiter zu sprechen.“

Zweiwöchige Ausgangssperre in Dubai

Dubai hat im Kampf gegen das Coronavirus eine zweiwöchige Ausgangsbeschränkung erlassen, meldet orf.at. In den kommenden 14 Tagen solle das Emirat „desinfiziert“ werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wegen der Pandemie würden die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auch die ab Herbst in Dubai geplante Weltausstellung Expo 2020 um ein Jahr verschieben wollen. Eine entsprechende formelle Anfrage sei von der Regierung des Landes gestellt worden, habe es in einer Erklärung der Expo-Veranstalter geheißen.

OPEC+-Krisengipfel wird verschoben

Die Minister der OPEC+-Länder wollen nach Informationen aus der ölreichen Südkaukasus-Republik Aserbaidschan nun doch erst am Donnerstag über die Drosselung der Ölförderung beraten, meldet orf.at. Die zunächst für Montag angesetzte Videokonferenz werde um drei Tage verschoben, habe das Energieministerium in Baku gestern bestätigt. Ziel der Videokonferenz werde eine neue Erklärung zur Zusammenarbeit sein, habe es aus Aserbaidschan geheißen. Warum das Treffen verschoben wurde, habe das Ministerium nicht bekannt gegeben.

Vertreten seien in der OPEC+ die Länder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sowie weitere große Förderländer wie Russland. Bei der Videokonferenz sollte die Frage einer Produktionskürzung zum Abbau der chronischen Überversorgung auf dem Ölmarkt diskutiert werden.

Kreml-Chef Wladimir Putin habe zuvor die Bereitschaft zu Verhandlungen betont. Er könne sich eine Reduzierung des Fördervolumens von etwa zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag vorstellen, hatte er am Freitag gesagt. Die Internationale Energieagentur (IEA) hätte jedoch betont, dass eine Förderkürzung um diese Menge unzureichend sein könnte.

Corona-Isolation treibt häusliche Gewalt nach oben

Die Corona-Isolation treibt vor allem in den Städten die Fallzahlen häuslicher Gewalt nach oben, meldet bild.de. „Aus den Ländern bekommen wir unterschiedliche Rückmeldungen. Es gibt offensichtlich ein Stadt-Land-Gefälle“, habe Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gesagt.

Aus ländlichen Regionen, wo es mehr Möglichkeiten gebe, rauszugehen und wo Menschen nicht so sehr auf engem Raum lebten, sei das Konfliktpotenzial nicht so hoch. „Dort hören wir noch nicht von zusätzlichen Fallzahlen“, so Giffey. Besonders krass dagegen sei es in Berlin. Dort schössen die Anzeigen wegen häuslicher Gewalt um zehn Prozent nach oben, habe es von der Familienministerin geheißen. Schon früh hatten Experten vor einer Zunahme häuslicher Gewalt nach der Schließung aller Kinderbetreuungseinrichtungen und Verhängung einer weitgehenden Ausgangssperre gewarnt.

Dass das nun tatsächlich eigetreten ist, würden auch die vielen Anrufe bei Hilfe-Hotlines zeigen: Beim Hilfetelefon „Nummer gegen Kummer“ gebe es einen Anstieg der Anrufe um mehr als 20 Prozent.

Neuer Labour-Chef Starmer will die Partei einen

Dem früheren leitenden Staatsanwalt Keir Starmer wird der Ruf als Verteidiger von Menschenrechten zugeschrieben. Jetzt soll der 57-Jährige als neuer Oppositionsführer in Großbritannien die tief zerstrittene Labour-Partei einen. Gestern wurde bekannt gegeben, dass Starmer zum neuen Labour-Chef gewählt worden ist, meldet kleinezeitung.at.

Sein Vorgänger Jeremy Corbyn hatte für Labour bei der Parlamentswahl im vergangenen Dezember die schwerste Niederlage seit 1935 eingefahren. Zur Vizechefin sei die bisherige bildungspolitische Sprecherin Angela Rayner gewählt worden.

Der ehemalige Menschenrechtsanwalt Starmer habe sich bereits nach der ersten Auszählungsrunde gegen seine Konkurrentinnen Rebecca Long-Bailey und Lisa Nandy mit rund 56 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Seine Wahl gelte als Abkehr von dem stramm linksgerichteten Kurs der britischen Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren, der für die Partei zur Zerreißprobe geworden sei.

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