News-Redaktion / 03.04.2020 / 08:08 / Foto: cartese / 0 / Seite ausdrucken

Die Morgenlage: Milliarden und Märtyrer

15000 Bundeswehrsoldaten stehen zum Inlandseinsatz bereit, die NATO will sich im Kampf gegen das Corona-Virus engagieren, Griechenland nimmt wieder Asylanträge an, Adidas verhandelt mit der staatlichen KfW über einen Milliardenkredit, die Kirchen fürchten Steuerausfälle, Peru setzt auf Geschlechtertrennung, China plant eine Gedenkfeier für Coronavirus-„Märtyrer“ und die Produktion von Corona-Bier wurde eingestellt.

15.000 Soldaten bereit zum Inlandseinsatz

Zur Bewältigung der Corona-Krise hält die Bundeswehr von heute an 15 000 Soldaten bereit zur Unterstützung von Ländern und Kommunen, meldet welt.de. Die Männer und Frauen seien dann unterschiedlich schnell – beispielsweise binnen 12 bis 72 Stunden – abmarschbereit, habe ein Sprecher der Bundeswehr gesagt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe die Bundeswehr auf einen langen Kriseneinsatz eingestellt. Allerdings leide auch die Bundeswehr unter der Knappheit von Schutzausrüstung, es fehlten insbesondere Schutzmasken für Fachkräfte. Hilfsgesuche aus den Ländern seien deshalb immer eine schwierige Abwägung, weil das entsprechende Material und Personal dann in den eigenen Krankenhäusern fehle, habe es geheißen.

NATO will in Corona-Krise für schnellen Lufttransport sorgen

Bei der Unterstützung ihrer Mitglieder in der Corona-Krise will die NATO einen schnellen Lufttransport von Hilfsgütern ermöglichen, meldet dtoday.de. NATO-Oberbefehlshaber Tod Wolters solle dafür sorgen, dass die Hilfe unter den Alliierten "verstärkt und beschleunigt" werden könne, habe Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einer Video-Konferenz der Außenminister der Allianz am Donnerstag gesagt. Neben einem mit der europäischen Luftraumüberwachung Eurocontrol abgestimmten "vereinfachten Verfahren für schnelle Luftmobilität" beinhalte dies auch die Koordinierung bei Lagerbeständen.

Die NATO verfüge über keine eigenen Lufttransportkapazitäten. Sie gehörten den Mitgliedstaaten. Dasselbe gelte für Bestände an Schutzausrüstung oder medizinischem Gerät, die nun in der Corona-Krise dringend gebraucht würden. Stoltenberg habe aber auf die gegenseitige Hilfe unter den NATO-Ländern verwiesen, die etwa wie Deutschland Patienten aus anderen Ländern in ihre Krankenhäuser fliegen oder sich gegenseitig mit medizinischem Material aushelfen.

Mittelfristig wolle die NATO auch die Lehren aus der Corona-Krise ziehen. Stoltenberg habe für Mitte April ein Treffen der NATO-Verteidigungsminister angekündigt. Dabei gehe es auch um die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur der Mitglieder, die Fortsetzung des eigentlichen Schutzauftrags in solchen Krisen und das "breitere geostrategische Bild".

Griechenland nimmt wieder Asylanträge an

Nach dem vorübergehenden Asylstopp in Griechenland werden nach Angaben der Regierung in Athen ab sofort wieder Asylanträge bearbeitet, meldet orf.at. Die Aussetzung der Asylverfahren sei seit dem 1. April nicht mehr gültig, habe Migrationsminister Notis Mitarachi gestern in einer Videokonferenz mit den Abgeordneten des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten des EU-Parlaments erklärt. Anfang März hatte die Athener Regierung wegen der vorübergehenden türkischen Grenzöffnung und dem organisierten Sturm Tausender Migranten auf die griechische Grenze alle Asylverfahren auf Eis gelegt.

ESM-Chef gegen neue Gemeinschafts-Anleihen

Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, hat sich gegen die Gründung neuer Institutionen oder den Einsatz neuer Instrumente im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ausgesprochen, meldet dtoday.de. Dafür würde Zeit gebraucht, "die wir im Moment nicht haben", habe Regling in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" argumentiert. Der ESM-Direktor habe sich damit gegen die gemeinsame Schuldenaufnahme europäischer Staaten in Form sogenannter Coronabonds ausgesprochen, wie sie vor allem von Italien gefordert werde. Explizit erwähnt habe er die Coronabonds in seinem Beitrag aber nicht.

Adidas verhandelt über Milliardenkredit

Bloomberg berichtet unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen, dass adidas mit der Staatsbank KfW über einen Milliardenkredit verhandle, meldet orf.at. Es gehe um Darlehen zwischen einer und zwei Milliarden Euro. Wie viel das bayerische Unternehmen tatsächlich brauche und wann, sei aber noch offen.

Das Unternehmen selbst hatte bereits vor zwei Tagen mitgeteilt, angesichts der hohen wirtschaftlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Coronavirus „proaktiv einen konservativen Ansatz beim Liquiditätsmanagement zu verfolgen, um die finanzielle Flexibilität des Unternehmens im derzeitigen Umfeld zu erhalten“. Adidas habe in diesem Zusammenhang auch sein geplantes Programm zum Aktienrückkauf gestoppt. Adidas war bekanntlich diese Woche in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen angekündigt hatte, seine Miete für vorübergehend geschlossene Geschäfte nicht zahlen zu wollen, und anschließend wieder zurück ruderte.

Kirchen droht Steuereinbruch um eine halbe Milliarde Euro

Den beiden großen Kirchen in Deutschland drohen wegen der Corona-Pandemie erhebliche Einnahmeausfälle, meldet dernewsticker.de. Experten rechneten in diesem Jahr mit einem Rückgang im hohen dreistelligen Millionenbereich, habe das Nachrichtenmagazin Focus berichtet. Grund dafür seien vor allem die absehbaren Einbußen bei der Lohn- und Einkommensteuer, an der sich die Kirchensteuer bemesse. Nach Schätzungen des Ökonomen Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln würden die Steuereinnahmen der Kirchen in diesem Jahr um etwa 500 Millionen Euro einbrechen, falls die Rezession ähnlich wie in der Finanzkrise 2009 verlaufe.

Peru setzt in Corona-Krise auf Geschlechtertrennung

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt Peru auf die Geschlechtertrennung im öffentlichem Raum, meldet dtoday.de. Präsident Martín Vizcarra habe am Donnerstag bekannt gegeben, dass an bestimmten Wochentagen nur Männer ihre Häuser und Wohnungen verlassen dürften, an anderen Tagen nur Frauen. Die gleiche Maßnahme sei zuvor bereits in Panama verhängt worden.

In Peru dürfen bis 12. April die Männer nur am Montag, Mittwoch und Freitag außer Haus, die Frauen am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Am Sonntag gelte ein Ausgangsverbot für beide Geschlechter. Vizcarra habe angekündigt, dass Polizisten und Soldaten besondere Instruktionen erhalten sollten, um die Rechte von Transsexuellen und Homosexuellen zu respektieren.

Neuer hessischer Finanzminister vereidigt

Knapp eine Woche nach dem Tod des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer (CDU) wird heute der bisherige CDU-Landtagsfraktionschef Michael Boddenberg in Wiesbaden als neuer Ressortchef vereidigt, meldet dtoday.de. Der Landtag komme dafür zu einer Sondersitzung zusammen. Die CDU-Fraktion entscheide zudem über Boddenbergs Nachfolge im Fraktionsvorsitz.

Der 54-jährige Schäfer war am Samstag tot an einer Bahnstrecke aufgefunden worden. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe darauf verweisen, dass Schäfer sich offensichtlich in der Corona-Krise große Sorgen gemacht habe.

US-Regierung will Corona-Behandlungskosten für Unversicherte tragen

Die US-Regierung erwägt, die Kosten für die Behandlung unversicherter Amerikaner bei einer Covid-19-Erkrankung über Direktzahlungen an die Krankenhäuser zu begleichen, meldet welt.de. Das habe Vizepräsident Mike Pence am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus gesagt. In den USA seien nach Schätzungen rund 38 Millionen Menschen nicht versichert.

China plant Gedenkfeier für „Märtyrer“

China wird morgen eine nationale Trauerfeier für „Märtyrer“ abhalten, die im Kampf gegen die Epidemie gestorben sind, meldet orf.at unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Hohe kommunistische Funktionäre forderten die Einwohner der chinesischen Millionenmetropole Wuhan, dem Epizentrum der Virus-Epidemie, unterdessen auf, ihre Schutzmaßnahmen zu verstärken und das Verlassen der Wohnung zu vermeiden. Auf dem Festland Chinas seien die täglichen Fallzahlen seit dem Höhepunkt der Krise im Februar zwar stark zurückgegangen, so dass Peking die Industrien des Landes wieder hochfahren konnte. Die Funktionäre gäben sich jedoch besorgt über die Gefahr einer so genannten zweiten Welle, da jeden Tag Dutzende neue Covid-19-Fälle mit Reisenden aus Übersee gemeldet würden.

In China habe es nach Behördenangaben 31 neue bestätigte Coronavirus-Fälle gegeben, darunter zwei lokal übertragene Infektionen. Das habe die nationale Gesundheitsbehörde mitgeteilt. Zudem seien gestern auch vier neue Todesfälle gemeldet worden, alle in der Millionenmetropole Wuhan, wo der Ausbruch begann.

Kreuzfahrtschiff durfte nach Irrfahrt in Florida anlegen

Das von Coronavirus-Fällen betroffene Kreuzfahrtschiff „Zaandam“ legte gestern Abend nach längerem Hin und Her im US-Bundesstaat Florida an, meldet orf.at. Das Schiff dürfe den Hafen der Stadt Fort Lauderdale ansteuern, wie Bürgermeister Dan Trantalis gestern auf Twitter mitgeteilt habe. Damit sei eine tagelange Irrfahrt des Kreuzfahrtschiffes zu Ende gegangen, auf dem es eine Reihe von Coronavirus-Patienten gebe und auf dem bereits vier Menschen gestorben seien.

Anlegen dürfe auch das Schwesterschiff „Rotterdam“, das zur Unterstützung der „Zaandam“ losgeschickt worden war und das bereits Hunderte Passagiere übernommen hatte. Die „Zaandam“ der Reederei Holland America Line war am 7. März in Buenos Aires gestartet und hatte das Kap Horn umfahren. Das Kreuzfahrtschiff sollte seine Reise eigentlich am 21. März in Chile beenden, habe dann aber wegen der Coronavirus-Fälle seinen Kurs ändern müssen. Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, habe ein Anlegen der „Zaandam“ und der „Rotterdam“ im Hafen von Fort Lauderdale zunächst abgelehnt, dann aber seine Meinung geändert. Seine Begründung: Er habe nicht gewusst, dass sich an Bord auch US-Bürger befänden.

Produktion von Corona-Bier wird vorläufig eingestellt

Der mexikanische Corona-Bierbrauer Grupo Modelo stellt die Herstellung von Corona-Bier und anderen Marken, die in 180 Länder exportiert werden, vorläufig ein, meldet orf.at. Die mexikanische Regierung hatte wegen der Coronavirus-Pandemie den Gesundheitsnotstand ausgerufen und die Aussetzung aller nicht notwendigen Aktivitäten beschlossen.

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